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Die Kirche zur Heiligen Maria von den Engeln ist eine römisch-katholische Kirche im Kapuzinerkloster im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt. Das Wiener Kapuzinerkloster und seine Kapuzinerkirche sind insbesondere für die Kapuzinergruft bekannt, welche über Jahrhunderte als Grablege des Herrscherhauses der Habsburger diente.

Das Wiener Kapuzinerkloster mit Kirche und Gruft wurde 1618 von
Kaiserin Anna (1585–1618), der Gemahlin des Kaisers Matthias
(1557–1619), testamentarisch gestiftet. Unter Ferdinand II. (1578–1637)
erfolgte am 8. September 1622 die Grundsteinlegung am damaligen
Mehlmarkt bzw. bei der Mehlgrube. Auf Grund des Dreißigjährigen Krieges
verzögerten sich die Arbeiten und die Kirche konnte erst 1632 vollendet
und geweiht werden. Für die Kaiserkapelle der Wiener Kapuzinerkirche
schuf der Schlesier Hans Leonhard Wurster (auch Hans Worster)
Holzfiguren der Kaiser Matthias und Ferdinand II. Die neue, schlicht
gestaltete Kirche mit ihrer Giebelfassade hob sich deutlich von den
umliegenden Adels- und Bürgerhäusern ab. Während der Zweiten Wiener
Türkenbelagerung 1683 wurde der Dachstuhl durch türkischen Beschuss
zerstört.
Die schlichte einschiffige Saalkirche des Wiener Kapuzinerklosters
besitzt ein Tonnengewölbe sowie eine kleine Vorhalle und zwei
Seitenkapellen: die Kaiserkapelle (links) und die Pietàkapelle (rechts).

Die Gemälde in der Kirche stammen grösstenteils von Pater Norbert
Baumgartner, der Marmoraltar in der Pietàkapelle wird Peter Strudel
zugeschrieben. In den Jahren 1970/71 wurden die Altäre und 1976 der
Innenraum umfassend renoviert. 2016 fand eine weitere Generalsanierung
statt. Unter der Kirche liegt die Kaisergruft, über Jahrhunderte
Hauptgrablege der Habsburger und heute eine der Hauptsehensürdigkeiten
der Wiener Innenstadt.

1618 stiftete Kaiserin Anna den Bau eines Kapuzinerklosters an der
Westseite des heutigen Neuen Marktes. Die Grundsteinlegung erfolgte –
unter Anwesenheit Kaiser Ferdinands II. – durch Kardinal Franz von
Dietrichstein, Fürstbischof von Olmütz. Aufgrund der Unruhen des
Dreissigjährigen Krieges schritten die Bauarbeiten nur langsam voran,
sodass allein die Fertigstellung der Kirche sowie die Weihe des
Hochaltars und der Seitenkapelle „Maria Opferung“ etwa fünf Jahre in
Anspruch nahmen. Am 25. Juli 1632 wurde die vollendete, „Maria von den
Engeln“ geweihte Kirche feierlich von Bischof Anton Wolfrath
eingesegnet. Zwischen 1840 und 1842 wurde das alte Kloster abgerissen
und neu errichtet, während die Kirche in ihrer ursprünglichen Form
erhalten blieb.

In der Pietàkapelle befindet
sich seit Ende des 18. Jahrhunderts ein von Peter Strudel geschaffener
und ursprünglich in der Kapuzinergruft aufgestellter Marmoraltar mit
einer lebensgroßen Pietà. Im Boden vor dem Altar liegt das Grab des
seligen Marco d’Aviano, ebenso das des 1766 in Wien verstorbenen
Kapuziner-Generalministers Paul von Colindres.

Die im Gegensatz zur schlichten Gestaltung der übrigen Klosterkirche überaus prunkvoll ausgestattete Kaiserkapelle
enthält neben dem Hochaltar mit einem besonders verehrten
Mariahilf-Bild eine Reihe von lebensgroßen Statuen von Regenten aus der
Familie Habsburg. Die Kapelle erhielt wiederholt Schenkungen des
Kaiserhauses. In späterer Zeit entwickelte sich die Kapelle zu einem
wichtigen innerstädtischen Wallfahrtsort der Wiener und des Adels.

Im Bereich unter der Kaiserkapelle befindet sich die sogenannte
Gründergruft, der älteste Teil der Kapuzinergruft, in welcher die
Bleisärge von Kaiser Matthias und Kaiserin Anna stehen. Der im Juli
2011 verstorbene letzte österreichisch-ungarische Thronfolger Otto von
Habsburg wurde mitsamt seiner Gemahlin Regina von Sachsen-Meiningen vor
ihrer Beisetzung in der Kapuzinergruft in der Kaiserkapelle aufgebahrt.

Die Klosterkirche ist – ganz ordenstypisch – sowohl innen als auch
aussen schlicht gestaltet. Die einfache Giebelfassade ist nahezu
schmucklos und trägt lediglich das Ordenszeichen der Kapuziner. Das
Innere ist einschiffig mit beidseitig je einer Seitenkapelle: links die
Kaiserkapelle und rechts die Pietàkapelle mit der Grablege des 1699
verstorbenen Marco d’Aviano, ein päpstlicher Legat, der sich um die
Befreiung Wiens von den Türken verdient gemacht hat.

Die Kapuzinerkirche verfügt über eine Orgel, die auf der Westempore des
Langhauses aufgestellt ist. Im Zuge der Generalsanierung von 2016 wurde
die 1893 im neoklassizistischen Stil erbaute Orgel der Gebrüder Rieger
(Jägerndorf) abgebaut und durch eine Orgel der Firma Manufacture
d’Orgues Kœnig ersetzt. Die Orgelweihe fand am 8. Oktober 2017 statt.

Die Gründerin der Gruft: Kaiserin Anna von Tirol (*04.10.1585 Innsbruck - †15.12.1618 Wien)
Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches, Königin von Ungarn, Königin von Böhmen, Erzherzogin von Österreich
Tochter von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol und Anna Katharina
von Mantua. Gekrönte Gemahlin von Kaiser Matthias. Ausgezeichnet mit
der goldenen Rose durch Papst Paul V. Borghese. Kaiserin Anna ist die
testamentarische Stifterin des Kapuzinerklosters und der Kaisergruft.
Anna war die Tochter von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol und dessen
zweiter Gemahlin Anna Katharina von Mantua. Sie wurde 1611 mit Kaiser
Matthias vermählt und verstarb 1618 wenige Monate vor ihrem Gatten
kinderlos. Wie ihre Mutter und ihre Schwester, die beide ihr
Leben im Servitenkloster in Innsbruck beschlossen hatten, war auch die
Kaiserin von außerordentlicher Frömmigkeit. Gebrauchsgegenstände ihrer
persönlichen Andachtsübungen, die sich in der geistlichen Schatzkammer
in Wien befinden, und Devotionsbilder, die ihr Porträt in der
Wiedergabe von Gestalten der Heilsgeschichte zeigen, geben davon
Zeugnis. Von Papst Paul V. Borghese hatte sie die goldene Rose
erhalten, mit der der Papst alljährlich am Sonntag Laetare eine
Persönlichkeit auszeichnete. Anna ist durch ihre Stiftung die
eigentliche Begründerin der Kaisergruft.
1935/36 wurde die Fassade mit einem Fresko von Hans Fischer versehen. Der Portalvorbau stammt aus dem Jahr 1760.

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
kann sich gerne dieses Video antun: