Kapuzinerkirche Wien

Kirche zur Heiligen Maria von den Engeln, September 2025

Die Kirche zur Heiligen Maria von den Engeln ist eine römisch-katholische Kirche im Kapuzinerkloster im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt. Das Wiener Kapuzinerkloster und seine Kapuzinerkirche sind insbesondere für die Kapuzinergruft bekannt, welche über Jahrhunderte als Grablege des Herrscherhauses der Habsburger diente.

 Kapuzinerkirche Wien, September 2025

Das Wiener Kapuzinerkloster mit Kirche und Gruft wurde 1618 von Kaiserin Anna (1585–1618), der Gemahlin des Kaisers Matthias (1557–1619), testamentarisch gestiftet. Unter Ferdinand II. (1578–1637) erfolgte am 8. September 1622 die Grundsteinlegung am damaligen Mehlmarkt bzw. bei der Mehlgrube. Auf Grund des Dreißigjährigen Krieges verzögerten sich die Arbeiten und die Kirche konnte erst 1632 vollendet und geweiht werden. Für die Kaiserkapelle der Wiener Kapuzinerkirche schuf der Schlesier Hans Leonhard Wurster (auch Hans Worster) Holzfiguren der Kaiser Matthias und Ferdinand II. Die neue, schlicht gestaltete Kirche mit ihrer Giebelfassade hob sich deutlich von den umliegenden Adels- und Bürgerhäusern ab. Während der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 wurde der Dachstuhl durch türkischen Beschuss zerstört.

Die schlichte einschiffige Saalkirche des Wiener Kapuzinerklosters besitzt ein Tonnengewölbe sowie eine kleine Vorhalle und zwei Seitenkapellen: die Kaiserkapelle (links) und die Pietàkapelle (rechts).

 Kapuzinerkirche Wien, September 2025

Die Gemälde in der Kirche stammen grösstenteils von Pater Norbert Baumgartner, der Marmoraltar in der Pietàkapelle wird Peter Strudel zugeschrieben. In den Jahren 1970/71 wurden die Altäre und 1976 der Innenraum umfassend renoviert. 2016 fand eine weitere Generalsanierung statt. Unter der Kirche liegt die Kaisergruft, über Jahrhunderte Hauptgrablege der Habsburger und heute eine der Hauptsehensürdigkeiten der Wiener Innenstadt.

 Kapuzinerkirche Wien, September 2025

1618 stiftete Kaiserin Anna den Bau eines Kapuzinerklosters an der Westseite des heutigen Neuen Marktes. Die Grundsteinlegung erfolgte – unter Anwesenheit Kaiser Ferdinands II. – durch Kardinal Franz von Dietrichstein, Fürstbischof von Olmütz. Aufgrund der Unruhen des Dreissigjährigen Krieges schritten die Bauarbeiten nur langsam voran, sodass allein die Fertigstellung der Kirche sowie die Weihe des Hochaltars und der Seitenkapelle „Maria Opferung“ etwa fünf Jahre in Anspruch nahmen. Am 25. Juli 1632 wurde die vollendete, „Maria von den Engeln“ geweihte Kirche feierlich von Bischof Anton Wolfrath eingesegnet. Zwischen 1840 und 1842 wurde das alte Kloster abgerissen und neu errichtet, während die Kirche in ihrer ursprünglichen Form erhalten blieb.

 Kapuzinerkirche Wien, September 2025

In der Pietàkapelle befindet sich seit Ende des 18. Jahrhunderts ein von Peter Strudel geschaffener und ursprünglich in der Kapuzinergruft aufgestellter Marmoraltar mit einer lebensgroßen Pietà. Im Boden vor dem Altar liegt das Grab des seligen Marco d’Aviano, ebenso das des 1766 in Wien verstorbenen Kapuziner-Generalministers Paul von Colindres.

 Kapuzinerkirche Wien, September 2025

Die im Gegensatz zur schlichten Gestaltung der übrigen Klosterkirche überaus prunkvoll ausgestattete Kaiserkapelle enthält neben dem Hochaltar mit einem besonders verehrten Mariahilf-Bild eine Reihe von lebensgroßen Statuen von Regenten aus der Familie Habsburg. Die Kapelle erhielt wiederholt Schenkungen des Kaiserhauses. In späterer Zeit entwickelte sich die Kapelle zu einem wichtigen innerstädtischen Wallfahrtsort der Wiener und des Adels.

 Kapuzinerkirche Wien, September 2025

Im Bereich unter der Kaiserkapelle befindet sich die sogenannte Gründergruft, der älteste Teil der Kapuzinergruft, in welcher die Bleisärge von Kaiser Matthias und Kaiserin Anna stehen. Der im Juli 2011 verstorbene letzte österreichisch-ungarische Thronfolger Otto von Habsburg wurde mitsamt seiner Gemahlin Regina von Sachsen-Meiningen vor ihrer Beisetzung in der Kapuzinergruft in der Kaiserkapelle aufgebahrt.

 Kapuzinerkirche Wien, September 2025

Die Klosterkirche ist – ganz ordenstypisch – sowohl innen als auch aussen schlicht gestaltet. Die einfache Giebelfassade ist nahezu schmucklos und trägt lediglich das Ordenszeichen der Kapuziner. Das Innere ist einschiffig mit beidseitig je einer Seitenkapelle: links die Kaiserkapelle und rechts die Pietàkapelle mit der Grablege des 1699 verstorbenen Marco d’Aviano, ein päpstlicher Legat, der sich um die Befreiung Wiens von den Türken verdient gemacht hat.

 Kapuzinerkirche Wien, September 2025

Die Kapuzinerkirche verfügt über eine Orgel, die auf der Westempore des Langhauses aufgestellt ist. Im Zuge der Generalsanierung von 2016 wurde die 1893 im neoklassizistischen Stil erbaute Orgel der Gebrüder Rieger (Jägerndorf) abgebaut und durch eine Orgel der Firma Manufacture d’Orgues Kœnig ersetzt. Die Orgelweihe fand am 8. Oktober 2017 statt.

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Die Gründerin der Gruft: Kaiserin Anna von Tirol (*04.10.1585 Innsbruck - †15.12.1618 Wien)
Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches, Königin von Ungarn, Königin von Böhmen, Erzherzogin von Österreich

 Tochter von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol und Anna Katharina von Mantua. Gekrönte Gemahlin von Kaiser Matthias. Ausgezeichnet mit der goldenen Rose durch Papst Paul V. Borghese. Kaiserin Anna ist die testamentarische Stifterin des Kapuzinerklosters und der Kaisergruft.
 
Anna war die Tochter von Erzherzog Ferdinand II. von Tirol und dessen zweiter Gemahlin Anna Katharina von Mantua. Sie wurde 1611 mit Kaiser Matthias vermählt und verstarb 1618 wenige Monate vor ihrem Gatten kinderlos.  Wie ihre Mutter und ihre Schwester, die beide ihr Leben im Servitenkloster in Innsbruck beschlossen hatten, war auch die Kaiserin von außerordentlicher Frömmigkeit. Gebrauchsgegenstände ihrer persönlichen Andachtsübungen, die sich in der geistlichen Schatzkammer in Wien befinden, und Devotionsbilder, die ihr Porträt in der Wiedergabe von Gestalten der Heilsgeschichte zeigen, geben davon Zeugnis. Von Papst Paul V. Borghese hatte sie die goldene Rose erhalten, mit der der Papst alljährlich am Sonntag Laetare eine Persönlichkeit auszeichnete.  Anna ist durch ihre Stiftung die eigentliche Begründerin der Kaisergruft.

1935/36 wurde die Fassade mit einem Fresko von Hans Fischer versehen. Der Portalvorbau stammt aus dem Jahr 1760.

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Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: