Arbeiterwartesaal

Eisenbahnmuseum Deutsch-Wagram, Juli 2024

Der Bahnhof Wagram war die Endstelle des ersten Teilstückes der Kaiser Ferdinand-Nordbahn (K.F.N.B.) die von Wien nach Krakau im heutigen Polen führt. Für die 13 km lange Strecke von Floridsdorf nach Wagram benötigte die Lokomotive Austria 26 Minuten. Das Datum der letzten Probefahrt am 23. November 1837 markiert den Beginn des Dampfeisenbahnzeitalters im damaligen Kaisertum Österreich. Unter den prominenten Gästen dieser historischen Fahrt befand sich auch Erzherzog Carl von Österreich, der Sieger von Aspern, welcher geschichtlich mit Deutsch-Wagram auch als österreichischer Feldherr bei der Schlacht bei Wagram 1809 verbunden ist.

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

1837 rückte Deutsch-Wagram ins Licht der Öffentlichkeit: der erste Bahnbetrieb Österreichs, auf der dampfbetriebene Züge verkehrten, wurde zwischen Floridsdorf und Wagram aufgenommen.
Arbeiterwartesaal III. Klasse - erbaut 1908, in dem 1987 das Eisenbahnmuseum eingerichtet wurde.

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

Im Jahre 1987 wurde zwischen Bahnhof und Eisenbahnmuseum, neben dem Aufnahmsgebäude, anlässlich der 150-Jahr-Feier der ersten österreichischen Eisenbahn ein Denkmal des in Deutsch-Wagram ansässigen Bildhauers und Steinmetzmeisters Leopold Grausam jun. errichtet, das die Dampflokomotive „AUSTRIA“, in Sandstein gearbeitet, zeigt.

Der vielseitig begabte Deutsch-Wagramer Künstler Leopold F. Grausam schuf u. a. 1987 das Denkmal  „150 Jahre Eisenbahn" auf dem Bahnhofsvorplatz.

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

Eine der herausragendsten technischen Entwicklungen des 19. Jhd. war die Entwicklung der Dampfeisenbahn und damit die Revolutionierung des Verkehrswesen.
23.11.1837 Offizielle Probefahrt
06.01.1838 Erster fahrplanmäßiger Zug von Wien nach Wagram
17.01.1962 Eröffnung der Wiener Schnellbahn
31.12.1976 Letzte fahrplanmäßige Fahrt einer Dampflokomotive auf der Nordbahn
23.11.2012 175 Jahre Eisenbahn

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

Historische Fahrdienstleitung mit dem originalen Blockapparat des Bahnhofes Deutsch-Wagram. Historische Telegrafen und Telefone sowie Fahrkarten-Ternion und Komposteur.

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

In Österreich verhinderte vorerst das konservative Herrscherhaus die Entwicklung der Eisenbahn, da es darin eine Gefahr für den Absolutismus und einen Nährboden für Revolutionen sah. Franz Xaver Riepl arbeitete 1829 ein Konzept für ein 2.200 km langes Eisenbahnnetz aus, das alle wichtigsten Städte der Monarchie mit dem Hafen Triest verband. Der Bankier Salomon Freiherr von Rothschild versprach sich durch die neuen Verkehrswege Gewinne und war bereit, Geld in den Bau zu investieren. Sein erstes Vorhaben war der Bau einer Eisenbahn zwischen Wien und den mährisch-schlesischen Kohlerevieren. Kaiser Franz I. erteilte 1830 jedoch keine Baubewilligung. Erst als sein Sohn Ferdinand 1835 Kaiser wurde, erhielt Freiherr von Rothschild 1836 das Privileg zum Bau einer mit Dampflokomotiven betriebenen Eisenbahn von Wien nach Bochnia (heute Polen).

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

Um den Bau der Bahnlinie zu finanzieren, wurde eine Aktiengesellschaft gegründet. Das erste 13 km lange Teilstück wurde 1837 unter Generalinspektor Alois Negrelli begonnen. 10.000 Arbeiter führten die Arbeiten unter der Aufsicht englischer Fachkräfte durch. Um Schotter für den Gleisunterbau zu gewinnen, wurden Schottergruben entlang der Bahnlinie ausgehoben. Auf dem Areal der Schottergrube in Deutsch-Wagram wurde später das Strandbad errichtet. Im März 1837 trafen die ersten sechs Lokomotiven von George Stephensons Fabrik (Newcastle) und von Tayleur & Co. (Warrington) ein, die in zerlegtem Zustand mit dem Schiff nach Triest gebracht wurden und von dort mit Fuhrwerken über den Semmering nach Wien. Ein Fachmann aus Stephensons Fabrik, zwei englische „Wagenlenker" und vier Maschinisten übernahmen die Schulung des österreichischen Personals auf einer Probestrecke im Wiener Prater.

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

Bahnhof Wagram um die Zeit von 1839. Bahnhof Deutsch-Wagram um 1987. Lokomotive Austria und die Wagen der 1. bis 4. Klasse. Kaiserwasserbrücke mit den Lokomotiven Rocket und Adler.

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

Modell der Dampflokomotive „Austria", die 1837 den Eröffnungszug von Floridsdorf nach Wagram zog. Zu sehen im Eisenbahnmuseum am Bahnhof Deutsch-Wagram. 1. Klasse Waggon gelb, 2. Klasse Waggon grün, 3. Klasse Waggon braun.

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

Pläne: Ein Grundrissplan des Bahnhofes Wagram aus dem Jahr 1903 Stellplan des Bahnhofes Deutsch-Wagram. Ältester erhaltener Fahrplan der K.F.N.B. aus dem Jahr 1840. Europäische Eisenbahnübersichtskarte aus dem Jahr 1860. Eisenbahn Routen-Karte von Mitteleuropa 1904.

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

Am 13. November 1837 fuhr erstmals ein Versuchszug auf der Teilstrecke zwischen Floridsdorf und Wagram (so hieß die Station bis 1908), die zu Ehren des Kaisers Kaiser-Ferdinand-Nordbahn genannt wurde. Die Fahrt dauerte 24 Minuten. Am 23. November nahmen an den Probefahrten auch geladene Gäste teil. Dieser Tag gilt als Eröffnungsdatum der Dampfeisenbahn in Österreich. Der Eröffnungszug wurde von der Dampflokomotive „Austria" gezogen, die in der Fabrik von George Stephenson in England hergestellt worden war. Am 6. Jänner 1838 nahm der erste fahrplanmäßige Personenzug seinen Betrieb auf. 1839 fuhren die Züge bereits bis Brünn. Die Fertigstellung der Strecke bis Bochnia erfolgte 1848. Noch im Jahr 1837 wurde in Deutsch-Wagram das erste Bahnhofsgebäude errichtet, das bis 1854 erhalten blieb, bis es wegen Baumängel abgerissen wurde. 1852 erfolgte die Errichtung des heutigen Bahnhofsgebäudes. Das älteste noch bestehende Bauwerk am Bahnhofsgelände ist die 1846 errichtete Wasserstation gegenüber dem Bahnhof.

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

Mit dem Einzug der Bahn änderte sich auch das Leben in Deutsch-Wagram. Entlang der Bahnstrecke siedelten sich Betriebe an: In Deutsch-Wagram entstand 1871 die Erste Eisenbahnwagen-Leihgesellschaft (Wagonleihanstalt) und 1888 die Kreolinfabrik Zmerzlikar. Damit änderte sich auch das soziale Gefüge, da sich nun im rein bäuerlichen Dorf auch Arbeiter und Angestellte ansiedelten. Am 17. Jänner 1962 fuhr die erste Schnellbahn von Wien in Richtung Gänserndorf. 1984 wurde am Helmahof eine eigene Haltestelle errichtet. 1987 wurden anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums alle Gebäude am Bahnhofsgelände renoviert. Im Arbeiterwartesaal eröffnete das Eisenbahnmuseum und am Bahnhofsvorplatz wurde ein Denkmal errichtet. 1990 wurde die Park & Ride-Anlage in der Fabrikstraße errichtet, eine Fußgängerunterführung und eine Straßenunterführung folgten 1991.

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

Es befinden sich auch Sammlungen wie z.B. Gedenkmünzen und Briefmarken im Museum.
Gedenkmünzenserie anlässlich 150 Jahre ÖBB.

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

Das Museum verfügt über einige Sammlungen: Komplette Uniformen und -teile von Beginn des Eisenbahnwesens zu „Kaiserszeiten" bis heute z. B. die Uniform einer Zugbegleiterin der privaten Westbahn. Stülphüte, Degen und Säbel für Galauniformen aus dem späten 19. Jahrhundert. Laternen wie sie vor der Elektrifizierung der Eisenbahn vielfältige Verwendung fanden sowie Schienenprofile, Gedenkmünzenserien und Waggonlaufschilder.

Uniform eines ÖBB Inspektors der Gehaltsgruppe VIII (1955-1975)

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

Degen für Beamte der Privatbahnen der ersten bis dritten Kategorie Muster 1891

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

1837 Aufnahme des Bahnbetriebes
1837 Errichtung des ersten Bahnhofes
1846 Errichtung der noch heute bestehenden Wasserstation
1852 Errichtung des heutigen Bahnhofsgebäudes
1908 Errichtung des Arbeiterwartesaales III. Klasse - heute Eisenbahnmuseum
17.01.1962 Die erste Schnellbahn fährt von Wien Richtung Gänserndorf
1978 Löschung der letzten Dampflokomotive
1983 Errichtung eines Bahnsteiges
1984 Errichtung der Haltestelle Helmahof mit P &R-Anlage und Unterführung
1987 Renovierung der Gebäude am Bahnhofsgelände und Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes sowie der Park & Ride-Anlage
1990 Fertigstellung der Park & Ride-Anlage
1991/1992 Errichtung der Fußgänger- und der Straßenunterführung
2000 Komplette Schließung der Schalter und des Bahnhofsgebäudes
2005 Öffnung des Bahnhofsgebäudes und Errichtung eines Buffets
2012 Feiern zu 175 Jahre Eisenbahn, Renovierung der Bahnhofsfassade

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

Die ÖBB, die Eigentümer des denkmalgeschützten Eisenbahnmuseums in Deutsch-Wagram sind, haben eine Renovierung des Außenbereichs des Museums durchgeführt. Im Zuge der Arbeiten wurden das Fachwerk und alle Holzelemente geschliffen sowie Fenster und Türen neu gestrichen. Beschädigte Teile wurden durch neue ersetzt. Auch wetterbedingte Schäden an den Ausmauerungen wurden fachgerecht saniert. Seit Mai 2024 präsentiert sich das Eisenbahnmuseum, zusammen mit dem kürzlich renovierten Bahnhofsgebäude, in neuem Glanz und bildet ein historisch bedeutendes Ensemble.

Reisekoffer um 1900

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

Am 6. Jänner 1838 wurde der reguläre Fahrbetrieb zwischen Wien und Wagram aufgenommen. Ab dem 1. September 1848 war die Strecke Wien-Krakau durchgehend befahrbar. Diese Bahnverbindung war ein großer Schritt für die Industrialisierung des gesamten Landes. Heute befinden sich am Bahnhof Deutsch-Wagram eine Reihe historischer Gebäude. Der 1908 erbaute Arbeiterwartesaal beherbergt seit 1987 das Eisenbahnmuseum. Neben zahlreichen Uniformen, Abzeichen, Degen und Zubehörteilen aus der Kaiserzeit, die die Dauerausstellung des Museums bilden, gibt es zahlreiche Wechselausstellungen.

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024

Im ehemaligen Arbeiterwartesaal, an dessen Stelle einst der älteste Bahnhof Österreichs stand, befindet sich das Eisenbahnmuseum. Es beherbergt eine umfangreiche Sammlung von Uniformen, Abzeichen, Laternen und Eisenbahnmodellen - ein Muss für jeden Eisenbahnfan. Durch den Bau und den Betrieb der Eisenbahn änderte sich das Leben in Deutsch-Wagram gewaltig. Die Bevölkerung wuchs, die Zahl der Häuser stieg rasant an. Wohnten im Jahr 1822 nur rund 600 Einwohner in 67 Gebäuden, waren es um die Jahrhundertwende bereits mehr als 2000 Einwohner und es gab 174 Häuser.

Herbert Weiss, Vorstandsmitglied der Museumsgesellschaft,  hat auch einem einzelnen Besucher gerne sein Wissen weitergegeben. Danke!

 Eisenbahnmuseum Arbeiterwartesaal in Deutsch-Wagram, Juli 2024



Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: