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Der Bahnhof Wagram war die Endstelle des ersten Teilstückes der Kaiser Ferdinand-Nordbahn (K.F.N.B.) die von Wien nach Krakau im heutigen Polen führt. Für die 13 km lange Strecke von Floridsdorf nach Wagram benötigte die Lokomotive Austria 26 Minuten. Das Datum der letzten Probefahrt am 23. November 1837 markiert den Beginn des Dampfeisenbahnzeitalters im damaligen Kaisertum Österreich. Unter den prominenten Gästen dieser historischen Fahrt befand sich auch Erzherzog Carl von Österreich, der Sieger von Aspern, welcher geschichtlich mit Deutsch-Wagram auch als österreichischer Feldherr bei der Schlacht bei Wagram 1809 verbunden ist.
1837 rückte Deutsch-Wagram ins Licht der Öffentlichkeit: der erste
Bahnbetrieb Österreichs, auf der dampfbetriebene Züge verkehrten, wurde
zwischen Floridsdorf und Wagram aufgenommen.
Arbeiterwartesaal III. Klasse - erbaut 1908, in dem 1987 das Eisenbahnmuseum eingerichtet wurde.
Im Jahre 1987 wurde zwischen Bahnhof und Eisenbahnmuseum, neben dem
Aufnahmsgebäude, anlässlich der 150-Jahr-Feier der ersten
österreichischen Eisenbahn ein Denkmal des in Deutsch-Wagram ansässigen
Bildhauers und Steinmetzmeisters Leopold Grausam jun. errichtet, das
die Dampflokomotive „AUSTRIA“, in Sandstein gearbeitet, zeigt.
Der vielseitig begabte Deutsch-Wagramer Künstler Leopold F. Grausam
schuf u. a. 1987 das Denkmal „150 Jahre Eisenbahn" auf dem
Bahnhofsvorplatz.
Eine der herausragendsten technischen Entwicklungen des 19. Jhd. war
die Entwicklung der Dampfeisenbahn und damit die Revolutionierung des
Verkehrswesen.
23.11.1837 Offizielle Probefahrt
06.01.1838 Erster fahrplanmäßiger Zug von Wien nach Wagram
17.01.1962 Eröffnung der Wiener Schnellbahn
31.12.1976 Letzte fahrplanmäßige Fahrt einer Dampflokomotive auf der Nordbahn
23.11.2012 175 Jahre Eisenbahn
Historische Fahrdienstleitung mit dem originalen Blockapparat des
Bahnhofes Deutsch-Wagram. Historische Telegrafen und Telefone sowie
Fahrkarten-Ternion und Komposteur.
In Österreich verhinderte vorerst das konservative Herrscherhaus die
Entwicklung der Eisenbahn, da es darin eine Gefahr für den Absolutismus
und einen Nährboden für Revolutionen sah. Franz Xaver Riepl arbeitete
1829 ein Konzept für ein 2.200 km langes Eisenbahnnetz aus, das alle
wichtigsten Städte der Monarchie mit dem Hafen Triest verband. Der
Bankier Salomon Freiherr von Rothschild versprach sich durch die neuen
Verkehrswege Gewinne und war bereit, Geld in den Bau zu investieren.
Sein erstes Vorhaben war der Bau einer Eisenbahn zwischen Wien und den
mährisch-schlesischen Kohlerevieren. Kaiser Franz I. erteilte 1830
jedoch keine Baubewilligung. Erst als sein Sohn Ferdinand 1835 Kaiser
wurde, erhielt Freiherr von Rothschild 1836 das Privileg zum Bau einer
mit Dampflokomotiven betriebenen Eisenbahn von Wien nach Bochnia (heute
Polen).
Um den Bau der Bahnlinie zu finanzieren, wurde eine Aktiengesellschaft
gegründet. Das erste 13 km lange Teilstück wurde 1837 unter
Generalinspektor Alois Negrelli begonnen. 10.000 Arbeiter führten die
Arbeiten unter der Aufsicht englischer Fachkräfte durch. Um Schotter
für den Gleisunterbau zu gewinnen, wurden Schottergruben entlang der
Bahnlinie ausgehoben. Auf dem Areal der Schottergrube in
Deutsch-Wagram wurde später das Strandbad errichtet. Im März 1837
trafen die ersten sechs Lokomotiven von George Stephensons Fabrik
(Newcastle) und von Tayleur & Co. (Warrington) ein, die in
zerlegtem Zustand mit dem Schiff nach Triest gebracht wurden und von
dort mit Fuhrwerken über den Semmering nach Wien. Ein Fachmann aus
Stephensons Fabrik, zwei englische „Wagenlenker" und vier Maschinisten
übernahmen die Schulung des österreichischen Personals auf einer
Probestrecke im Wiener Prater.
Bahnhof Wagram um die Zeit von 1839. Bahnhof Deutsch-Wagram um 1987.
Lokomotive Austria und die Wagen der 1. bis 4. Klasse.
Kaiserwasserbrücke mit den Lokomotiven Rocket und Adler.
Modell der Dampflokomotive „Austria", die 1837 den Eröffnungszug von
Floridsdorf nach Wagram zog. Zu sehen im Eisenbahnmuseum am Bahnhof
Deutsch-Wagram. 1. Klasse Waggon gelb, 2. Klasse Waggon grün, 3. Klasse
Waggon braun.
Pläne: Ein Grundrissplan des Bahnhofes Wagram aus dem Jahr 1903
Stellplan des Bahnhofes Deutsch-Wagram. Ältester erhaltener Fahrplan
der K.F.N.B. aus dem Jahr 1840. Europäische Eisenbahnübersichtskarte
aus dem Jahr 1860. Eisenbahn Routen-Karte von Mitteleuropa 1904.
Am 13. November 1837 fuhr erstmals ein Versuchszug auf der Teilstrecke
zwischen Floridsdorf und Wagram (so hieß die Station bis 1908), die zu
Ehren des Kaisers Kaiser-Ferdinand-Nordbahn genannt wurde. Die Fahrt
dauerte 24 Minuten. Am 23. November nahmen an den Probefahrten auch
geladene Gäste teil. Dieser Tag gilt als Eröffnungsdatum der
Dampfeisenbahn in Österreich. Der Eröffnungszug wurde von der
Dampflokomotive „Austria" gezogen, die in der Fabrik von George
Stephenson in England hergestellt worden war. Am 6. Jänner 1838 nahm
der erste fahrplanmäßige Personenzug seinen Betrieb auf. 1839 fuhren
die Züge bereits bis Brünn. Die Fertigstellung der Strecke bis Bochnia
erfolgte 1848. Noch im Jahr 1837 wurde in Deutsch-Wagram das erste
Bahnhofsgebäude errichtet, das bis 1854 erhalten blieb, bis es wegen
Baumängel abgerissen wurde. 1852 erfolgte die Errichtung des heutigen
Bahnhofsgebäudes. Das älteste noch bestehende Bauwerk am
Bahnhofsgelände ist die 1846 errichtete Wasserstation gegenüber dem
Bahnhof.
Mit dem Einzug der Bahn änderte sich auch das Leben in Deutsch-Wagram.
Entlang der Bahnstrecke siedelten sich Betriebe an: In Deutsch-Wagram
entstand 1871 die Erste Eisenbahnwagen-Leihgesellschaft
(Wagonleihanstalt) und 1888 die Kreolinfabrik Zmerzlikar. Damit änderte
sich auch das soziale Gefüge, da sich nun im rein bäuerlichen Dorf auch
Arbeiter und Angestellte ansiedelten. Am 17. Jänner 1962 fuhr die erste
Schnellbahn von Wien in Richtung Gänserndorf. 1984 wurde am Helmahof
eine eigene Haltestelle errichtet. 1987 wurden anlässlich des
150-Jahr-Jubiläums alle Gebäude am
Bahnhofsgelände renoviert. Im Arbeiterwartesaal eröffnete das
Eisenbahnmuseum und am Bahnhofsvorplatz wurde ein Denkmal errichtet.
1990 wurde die Park & Ride-Anlage in der Fabrikstraße errichtet,
eine Fußgängerunterführung und eine Straßenunterführung folgten 1991.
Es befinden sich auch Sammlungen wie z.B. Gedenkmünzen und Briefmarken im Museum.
Gedenkmünzenserie anlässlich 150 Jahre ÖBB.
Das Museum verfügt über einige Sammlungen: Komplette Uniformen und
-teile von Beginn des Eisenbahnwesens zu „Kaiserszeiten" bis heute z.
B. die Uniform einer Zugbegleiterin der privaten Westbahn. Stülphüte,
Degen und Säbel für Galauniformen aus dem späten 19. Jahrhundert.
Laternen wie sie vor der Elektrifizierung der Eisenbahn vielfältige
Verwendung fanden sowie Schienenprofile, Gedenkmünzenserien und
Waggonlaufschilder.
Uniform eines ÖBB Inspektors der Gehaltsgruppe VIII (1955-1975)
Degen für Beamte der Privatbahnen der ersten bis dritten Kategorie Muster 1891
Die ÖBB, die Eigentümer des denkmalgeschützten Eisenbahnmuseums in
Deutsch-Wagram sind, haben eine Renovierung des Außenbereichs des
Museums durchgeführt. Im Zuge der Arbeiten wurden das Fachwerk und alle
Holzelemente geschliffen sowie Fenster und Türen neu gestrichen.
Beschädigte Teile wurden durch neue ersetzt. Auch wetterbedingte
Schäden an den Ausmauerungen wurden fachgerecht saniert. Seit Mai 2024
präsentiert sich das Eisenbahnmuseum, zusammen mit dem kürzlich
renovierten Bahnhofsgebäude, in neuem Glanz und bildet ein historisch
bedeutendes Ensemble.
Reisekoffer um 1900
Am 6. Jänner 1838 wurde der reguläre Fahrbetrieb zwischen Wien und
Wagram aufgenommen. Ab dem 1. September 1848 war die Strecke
Wien-Krakau durchgehend befahrbar. Diese Bahnverbindung war ein großer
Schritt für die Industrialisierung des gesamten Landes. Heute befinden
sich am Bahnhof Deutsch-Wagram eine Reihe historischer Gebäude. Der
1908 erbaute Arbeiterwartesaal beherbergt seit 1987 das
Eisenbahnmuseum. Neben zahlreichen Uniformen, Abzeichen, Degen und
Zubehörteilen aus der Kaiserzeit, die die Dauerausstellung des Museums
bilden, gibt es zahlreiche Wechselausstellungen.
Im ehemaligen Arbeiterwartesaal, an dessen Stelle einst der älteste
Bahnhof Österreichs stand, befindet sich das Eisenbahnmuseum. Es
beherbergt eine umfangreiche Sammlung von Uniformen, Abzeichen,
Laternen und Eisenbahnmodellen - ein Muss für jeden Eisenbahnfan. Durch
den Bau und den Betrieb der Eisenbahn änderte sich das Leben in
Deutsch-Wagram gewaltig. Die Bevölkerung wuchs, die Zahl der Häuser
stieg rasant an. Wohnten im Jahr 1822 nur rund 600 Einwohner in 67
Gebäuden, waren es um die Jahrhundertwende bereits mehr als 2000
Einwohner und es gab 174 Häuser.
Herbert Weiss, Vorstandsmitglied der Museumsgesellschaft, hat
auch einem einzelnen Besucher gerne sein Wissen weitergegeben. Danke!
Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
kann sich gerne dieses Video antun: