Napoleon- und Stadtmuseum

in Deutsch-Wagram, Juli 2024

Das Napoleonmuseum Deutsch-Wagram beleuchtet die Schlacht bei Wagram, Napoleons Einfluss und Erzherzog Carls Rolle, einschließlich der Geschichte des Infanterie Regiments Nr. 42. Im Stadtmuseum Deutsch-Wagram wird das lokale Leben und traditionelles Handwerk dargestellt.

 Napoleonmuseum Deutsch-Wagram, Juli 2024

Das Museum der Schlacht bei Wagram 1809 im Erzherzog Carl-Haus
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Nach dem Sieg Erzherzog Carls in der Schlacht bei Aspern im Mai 1809 wurde das Marchfeld zwischen Lobau und dem heutigen Deutsch-Wagram am 5. und 6. Juli zum neuerlichen Schauplatz einer kriegsentscheidenden Schlacht. 180.000 Soldaten unter der Führung Napoleons standen 120.000 auf österreichischer Seite gegenüber. Der Kernbereich der Schlacht reichte von Glinzendorf, Markgrafneusiedl, Parbasdorf, Deutsch-Wagram, Raasdorf bis Aderklaa und umfasste die Orte Gerasdorf, Süssenbrunn und Strebersdorf als Ausgangspunkte der Offensive am Morgen des 6. Juli.

Im Gedenkraum für das Infanterieregiment Nr. 42 befinden sich Uniformen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und die Regimentstrommel, sowie Zeittafeln und Erinnerungsstücke an Kommandanten des Regiments.

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Infanterieoffizierssäbel M1861
Geschenksäbel an Leutnant Johann Gustas zu seiner Ernennung zum Leutnant und seiner Überstellung vom Divisionsartillerieregiments N° 40 zum IR 42 am 1. Mai 1900. Auf der Klinge ist folgende Inschrift: Dem braven Kameraden Gustas vom Vorstande der Rechnungskanzlei des k.u.k. D.A.R.N° 40

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Erzherzog Carl von Österreich
Herzog von Teschen aus dem Haus Habsburg-Lothringen.
geb. 5. September 1771 in Florenz; gest. 30. April 1847 in Wien

Er fügte Napoleon in der Schlacht bei Aspern am 21. / 22. Mai 1809 die erste Niederlage auf dem Schlachtfeld zu.
Kurz darauf unterlag Erzhg. Carl am 5./ 6. Juli 1809 jedoch in der Schlacht bei Wagram, er schloss mit Napoleon eigenmächtig den Waffenstillstand von Znaim am 11. Juli 1809, wofür er von seinem Bruder Kaiser Franz I. am 23. Juli suspendiert wurde.

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Napoleon Bonaparte als Kaiser „Napoleon I."
geb. 15. August 1769 in Ajaccio auf Korsika; gest. 5. Mai 1821 in Longwood House auf der Insel St. Helena im Südatlantik.
1. Exil: April 1814 bis März 1815 auf der Insel Elba, „Rückkehr nach Frankreich für 100 Tage"
2. Exil: 15.Juli 1815 bis zum Tod auf der Insel St. Helena

Napoleon war von 1799 bis 1804 Erster Konsul der französischen Republik und anschließend bis 1814 sowie nochmals 1815 Kaiser der Franzosen. Er stand einem diktatorischen Regime mit plebiszitären Elementen vor. Durch verschiedene Reformen - etwa die der Justiz durch den Code civil oder die der Verwaltung - hat Napoleon die staatlichen Strukturen Frankreichs bis in die Gegenwart hinein geprägt und die Schaffung eines modernen Zivilrechts in besetzten europäischen Staaten initiiert.

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Gedenkraum für das Infanterie-Regiment Nr. 42
Ein Ausstellungsraum ist dem 42. Böhmischen Infanterie-Regiment gewidmet, das sich in der Schlacht von Deutsch-Wagram besonders auszeichnete. Der Hauptwerbebezirk des 1685 erstmals aufgestellten Regiments war zur Zeit der Napoleonischen Kriege Litoměřice/Leitmeritz, die Stabsstation Terezin/Theresienstadt. Seit 1879 war der in Gmunden im Exil lebende Ernst August Herzog von Cumberland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg (zuvor Georg V. König v. Hannover) Regimentsinhaber. Aufgrund der Leistungen während der Schlacht bei Wagram hatte Erzherzog Carl dem Regiment die Genehmigung erteilt allzeit den Grenadier-Marsch zu schlagen.

Der österreichische Militärkapellmeister und Komponist Josef Wiedemann, der von 1854 bis zu seiner Pensionierung als Kapellmeister beim Infanterie-Regiment Nr. 42 tätig war, komponierte 1885 für das Regiment den Wagram-Marsch, auch unter dem Titel 42er-Regimentsmarsch oder Wagramer Grenadiermarsch bekannt. Seit 1960 dient die Komposition als Traditionsmarsch der Theresianischen Militärakademie und des Gardebataillons des Österreichischen Bundesheeres; hier zu hören. Falls der Link nicht funktionieren sollte, einfach in den Browser Wagramer Grenadiermarsch eingeben – schon sind einige Videos verfügbar. Das 1983 gegründete Blasorchester der Musikschule Deutsch-Wagram trägt seit 2003 die historischen Uniformen des 42. Infanterie-Regiments. Der Wagramer Grenadiermarsch ist der „Hausmarsch“ des Blasorchesters.

Im Gedenkraum des Napoleonmuseums werden u. a. Erinnerungsstücke an den letzten Regimentsinhaber, eine Regimentstrommel und Pläne bzw. Bilder von Terezin/Theresienstadt gezeigt. Macht man im Anschluss an den Museumsbesuch einen Spaziergang durch Deutsch-Wagram, sollte man auch dem Krieger-Denkmal in der Nähe der Pfarrkirche einen Besuch abstatten. Das Denkmal wurde auf Initiative des Postmeisters Anton Pfalz geplant und am 4. Juli 1809 enthüllt. Sein Schöpfer war der Bildhauer Franz Seifert (1866–1951), der im nahen Schönkirchen das Licht der Welt erblickte. Das Denkmal stellt einen Grenadier des 42. Infanterie-Regiments dar.

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Die Schlacht bei Wagram 4. und 5. Juli 1809 - Der Auftakt
Nach dem Sieg der österreichischen Armee unter Erzherzog Carl am 21. und 22. Mai 1809 bei Aspern zog sich Napoleon mit seinem Heer in die Lobau zurück. Während die österreichische Armee von der Donau bis ins Marchfeld lagerte, bezog Erzherzog Carl Anfang Juni sein Hauptquartier in diesem Haus. Am 4. Juli abends, unter Schutz eines heftigen Gewitters und unterstützt durch das Feuer der Lobaubatterien, gingen die Franzosen aus der Lobau, südlich von Groß Enzersdorf in das Marchfeld über. Die österreichische „Avantgarde" unter FML Nordmann wurde über Schloss Sachsengang bis Markgrafneusiedl und das VI. Corps FML Klenau aus den Vorposten bei Aspern und Essling entlang der Donau bis Stammersdorf zurückgedrängt.

Die österreichische Hauptmacht lagerte hinter dem Rußbach am Wagram: Das I. Corps unter GdK Bellegarde bei Wagram, das II. Corps unter FML Hohenzollern bei Baumersdorf (Parbasdorf) und das IV. Corps unter FML Rosenberg als linke Flanke bei Markgrafneusiedl. Das III. und VI. Corps standen beim Bisamberg und die Grenadiere bei Gerasdorf und hatten keinen Anteil an den Kämpfen. Am Abend des 5. Juli griff Napoleon bei untergehender Sonne die „Wagramstellung" an: Das sächsische Corps bei Wagram gegen den rechten Flügel von Bellegarde, MacDonald und Dupas gegen dessen linken Flügel, Oudinot gegen Hohenzollern und Davout gegen Rosenberg. Generalmajor Ignatz von Hardegg des II. Corps verteidigte Baumersdorf und konnte den Angriff von Oudinot auch mit Hilfe von Rosenberg zurückschlagen.

Der Angriff von Teilen des italienischen Corps unter General MacDonald und einer Division des sächsischen Corps brachte die Österreicher an den Rand einer Niederlage. Unter dem Schutz der einbrechenden Nacht und dem Rauch des brennenden Baumersdorf gelang es den anstürmenden Truppen, die Nahtstelle zwischen dem I. und II. Corps „in Unordnung zu bringen". Erzherzog Carl, der leicht verwundet wurde und andere Generäle und Offiziere griffen geistesgegenwärtig ein und konnten den Angriff abschlagen. Das Regiment Erbach (IR 42) zeichnete sich bei dieser Gelegenheit aus. Die Sachsen unter Marschall Bernadotte gerieten im alten Ortseingang „in die Klemme", woran die Straßenbezeichnung „Sachsenklemme" heute noch erinnert. Marschall Davout's Angriff kam zu spät und die Nacht beendete alle Kämpfe. Napoleon lagerte auf einem Hügel nördlich von Raasdorf.

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Die Schlacht bei Wagram wurde zu einer der Entscheidungsschlachten des 5. Koalitionskrieges. Dabei erlitten die österreichischen Truppen und ihre Verbündeten eine vernichtende Niederlage. Auf beiden Seiten waren mehr als 12.000 Tote zu beklagen, rund 42.000 Verwundete waren zu versorgen. Die Leichen – egal ob Freund oder Feind – wurden auf Befehl Napoleons noch auf dem Schlachtfeld verbrannt. Bis heute finden sich auf den Äckern und bei Erdarbeiten Überreste von Waffen, Geschützen und Uniformen.

Das Napoleonmuseum Deutsch-Wagram stellt mit Übersichts- und Detailkarten sowie mit Schlachtenbildern den Ablauf der Geschehnisse vom 5. und 6. Juli 1809 dar. Die Protagonisten der Gefechte – die beiden Heerführer Kaiser Napoleon und Erzherzog Carl von Österreich sowie die wichtigsten Generäle der im Marchfeld versammelten Heere – werden in Porträts gezeigt. Vitrinen mit Hieb-, Stich- und Schusswaffen, Patronentaschen, Uniformen und deren Überreste sowie Fundstücke vom Schlachtfeld ergänzen das Bild.

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Die Schlacht bei Wagram 6. Juli 1809- Die Entscheidung
Nach den abgeschlagenen Abendangriffen entschließt sich Generalquartiermeister (Stabschef) Wimpffen zum Angriff und erteilt kurz vor Mitternacht in diesem Hause Angriffsbefehle. Gegenüber Wimpffen's ursprünglichen Plan den Gegner von einer Seite zu umzingeln, soll es nun von beiden Seiten gelingen. Da die Befehle bei den Corps-Kommandanten verspätet eintreffen, scheiterte dieser ambitionierte Plan bereits im Ansatz. Da jedoch Bellegarde Aderklaa besetzen konnte und durch das allgemeine Vorrücken des rechten österreichischen Flügels, geraten die Franzosen in eine heikle Situation. Die Grenadiere rücken zwischen Aderklaa und Süßenbrunn vor, dahinter die Reservekavallerie, beide unter GdK Liechtenstein. Das III. Corps unter FZM Kolowrat rückt zwischen Süßenbrunn und Breitenlee vor und das VI. Corps unter FML Klenau rückt entlang der Donau bis Aspern und Essling vor. Durch diese Bewegung bestand die Gefahr, dass die Franzosen im Rücken umgangen und von der Donau abgeschnitten werden.

Napoleon konzentriert seine Armee im Zentrum, bringt mit der „Grande Batterie" mit über 100 Geschützen Kolowrat zum Stehen, lässt Marschall Massena gehen, Klenau bei Aspern „einschwenken" und meistert so die Gefahr umgangen zu werden. Mit dem Zentrumsstoß unter MacDonald („MacDonald Square") soll die österreichische Front zwischen Aderklaa und Süßenbrunn durchbrochen werden. Der Vorstoß bricht jedoch unter dem vereinigten Feuer der Grenadiere und Kolowrat zusammen. Die Entscheidung der Schlacht erfolgt durch die Umgehung des linken österreichischen Flügels und die Eroberung von Markgrafneusiedl durch Davout. Die Österreicher müssen den linken Flügel zurücknehmen und den Rückzug am frühen Nachmittag des 6. Juli antreten.

Erzherzog Johann wurde zu spät mit seinem Corps von Pressburg auf das Schlachtfeld beordert und traf erst nach dem Ende der Schlacht ein. Vermutlich hätte Johann aufgrund der Schwäche seines Corps und Napoleons immer noch vorhandener Reserven am Ausgang der Schlacht nichts geändert. Die Schlacht ist vorbei. Die österreichische Hauptarmee zieht sich über Korneuburg und Hollabrunn nach Znaim zurück und hat zahlreiche Nachhutkämpfe zu bestehen. Der Waffenstillstand bei Znaim beendete am 12. Juli die Kämpfe und der Friede von Schönbrunn am14. Oktober den Feldzug 1809. Der V. Koalitionskrieg sollte der letzte siegreiche Feldzug Napoleons sein. Es folgte der Russlandfeldzug 1812, die Völkerschlacht bei Leipzig 1813 und das endgültige Ende 1815 bei Waterloo.

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Das Museum der Schlacht bei Wagram bietet einen Überblick über die Schlacht, die hier im Marchfeld zwischen Österreich und Frankreich ausgetragen wurde. Die Schlacht ereignete sich am 5. und 6. Juli 1809. Kaiser Napoleon kommandierte die französische Armee, die österreichische Armee stand unter der Führung von Erzherzog Carl.

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Einige der gezeigten Objekte lassen sich prominenten Kriegsteilnehmern zuordnen: Aus dem Besitz des Generaladjutanten Maximilian Alexander Freiherr von Wimpffen (1770–1854) stammen etwa ein Degen und Miniaturschlachtenbilder. Der gezeigte Maria Theresien-Orden erinnert an die Tatsache, dass dieser Orden in den Marchfeldschlachten 50mal verliehen wurde. Der von Maria Theresia am 18. Juni 1757 gestiftete Orden wurde für aus eigener Initiative unternommene, erfolgreiche und einen Feldzug wesentlich beeinflussende Waffentaten, die ein Offizier von Ehre hätte ohne Tadel auch unterlassen können ohne Ansehen von Stand und Religion verliehen. Mit dem Orden waren der erbliche Freiherrenstand und eine Pension verbunden. Auch Maximilian Freiherr von Wimpffen war Träger des Ordens, der ihm aufgrund seiner Taten in der Schlacht von Austerlitz verliehen worden war.

An Graf Philipp Ferdinand von Grünne (1762–1854) erinnern dessen Säbelscheide und ein eigenhändiges Schreiben vom 24. März 1809. Grünne war ab 1794 Flügeladjutant Kaiser Franz II. Im Feldzug von 1797 wurde er zum Obersten und Generaladjutanten von Erzherzog Carl ernannt. Seit 1806 war er Inhaber des 3. Ulanenregiments. 1808 erfolgte seine Ernennung zum Feldmarschallleutnant, 1809 zum Chef der Kanzlei des Generalissimus. Nach der Schlacht bei Wagram schied er aus dem aktiven Dienst aus und wurde Obersthofmeister bei Erzherzog Carl. Schon 1802 hatte der in Dresden geborene Grünne die Güter Dobersberg und Illmau bei Waidhofen an der Thaya gekauft. Der von ihm in Dobersberg angelegte Park zählte laut zeitgenössischen Berichten zu den schönsten des Waldviertels.

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Maximilian Alexander Freiherr von Wimpffen (* 19. Februar 1770 in Münster; † 29. August 1854 in Wien) war ein k. k. Kämmerer, Geheimrat, Feldmarschall und 1809 sodann von 1824 bis 1830 Chef des Generalquartiermeisterstabes (Generalstabschef) sowie Inhaber des Infanterieregiments Nr. 13.

Beim Ausbruch des Fünften Koalitionskriegs 1809 wurde er zum Generaladjutanten der Hauptarmee bestellt. Nach der Niederlage der Armee des Feldmarschalls Erzherzog Karl von Österreich-Teschen bei Regensburg am 26. April wurde er zum Chef des Generalquartiermeisterstabes bestellt und zum Generalmajor befördert. Seine Leistungen bei Aspern am 21. und 22. Mai 1809 wurden durch Erzherzog Karl mit den Worten anerkannt, dass „in den einsichtsvollen Dispositionen und der rastlosen Verwendung des Chefs des Generalstabes Generalmajor von Wimpffen die erste Grundlage des Sieges“ gelegen habe. Noch auf dem Schlachtfeld wurde ihm das Kommandeurkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens verliehen. Als nach dem Znaimer Waffenstillstand am 12. Juli Erzherzog Karl den Oberbefehl zurücklegte, trat auch Wimpffen von seinem Posten als Generalstabschef zurück und übernahm eine Brigade in Böhmen.

MAXIMILIAN FRETHERR von WIMPFFEN
k.k. österr. General-Feldzeugmeister. Commandirender-General in Ober- und Nieder-Österreich.

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Die einen bewunderten Napoleon als Feldherrn und genialen Staatsmann, so Johann Wolfgang von Goethe, der in Rückschau auf seine Begegnung mit Napoleon in Erfurt am 2. Oktober 1808 erklärte: „Ich will gerne gestehen, daß mir in meinem Leben nicht Höheres und Erfreulicheres begegnen konnte, als vor dem französischen Kaiser zu stehen.“ Die anderen sahen in ihm einen Despoten und Kriegsverbrecher, der Europa in ein Schlachtfeld verwandelt hatte und dessen Eroberungszüge bis zu 2 Millionen Menschen zum Opfer fielen.

Bereits zu Lebzeiten war um seine Person ein Kult entstanden, der 1840 durch die Überführung seiner sterblichen Überreste von St. Helena nach Paris weiter befeuert wurde. Bis ins 20. Jahrhundert hinein entstanden in Frankreich, aber auch in anderen Ländern Europas Memorabilien und Souvenirs, die Napoleon zum großen Heros stilisierten: Gemälde, Statuetten, Medaillons, Schmuckteller und Gegenstände des täglichen Gebrauchs, verziert mit Darstellungen des französischen Kaisers, die sich meist an bekannten Kunstwerken orientierten. Das Napoleonmuseum Deutsch-Wagram zeigt zahlreiche Objekte, die im Andenken an den französischen Kaiser entstanden sind.

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Erzherzog Carl wurde am 5. September 1771 in Florenz als Sohn von Leopold II. und Maria Ludovica von Bourbon-Spanien geboren, somit ein Enkel von Maria Theresia und ein Neffe von Marie Antoinette. Seine militärische Laufbahn begann früh und führte ihn zu allen wichtigen Kriegsschauplätzen. 1801 wird er Feldmarschall und Hofkriegspräsident und damit kann er endlich die notwendige Reform des österreichischen Militärwesens beginnen. Nach der Schlacht von Austerlitz 1805 will Kaiser Napoleon seinen bedeutendsten Gegner sehen und trifft ihn am 27. Dezember 1805 in Stammersdorf. Im Mai 1809 fügt Erzherzog Carl Kaiser Napoleon in der Schlacht von Aspern und Essling die erste grosse Niederlage zu, die sich so rasch nicht wiederholen sollte, aber den Ruf des „unbesiegbaren“ Napoleons brechen konnte. Erzherzog Carl war mit Henriette von Nassau-Weilburg verheiratet, der wir den ersten Christbaum in Wien verdanken.

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Erzherzog Carl von Österreich (1771 - 1847)
Erzherzog Carl von Österreich war der Bruder von Kaiser Franz I. von Österreich sowie von Erzherzog Johann.
Erzherzog Carl konnte Napoleon bei der Schlacht bei Wagram nicht besiegen, jedoch gelang es ihm den Kaiser der Franzosen Verluste zuzufügen, was Napoleon abhielt Österreich zu vernichten. Zum Unterschied von Napoleon, konnte Carl nicht frei entscheiden, sondern musste er sich den Befehlen seines Bruders und somit den Anordnungen des Hofes beugen. Napoleon schätzte die Fähigkeiten seines Gegners so sehr, dass er ihm den großen Adler und das Kreuz der Ehrenlegion sandte:
„Das eine ist eine Huldigung für Ihr Genie als General, dass letztere für Ihre Tapferkeit als Soldat" waren die begleitenden Worte.

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Napoleon-Museum in Deutsch-Wagram, NÖ: Erzherzog Carl-Haus
Das Museum im Erzherzog Carl-Haus zeigt Objekte der Schlacht gegen Kaiser Napoleon im Jahre 1809.
Im Marchfeld, an der Grenze zum Weinviertel, liegt Deutsch-Wagram mit dessen denkwürdigen Vergangenheit. Wenige Schlachten und ihre Folgen sind so nachhaltig im Gedächtnis der Menschen geblieben wie der 5. und 6. Juli 1809, als Napoleon in Deutsch Wagram einen knappen Sieg über die schlecht ausgerüsteten Truppen von Generalissimus Erzherzog Carl errang.

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Kaiser Napoleon I. (1769-1821)
Napoleon, geboren als Sohn eines Advokaten in Ajaccio auf Korsika, besuchte die Offiziersschule von Brienne, war mit 19 Jahren Leutnant, mit 24 Jahren Brigadegeneral, mit 30 Konsul und mit 35 Jahren war er Kaiser von Frankreich. Ihm gelang es, die staatlichen Strukturen Frankreichs zu verändern. Nur politische Fehlentscheidungen und die Gegenwehr der unterdrückten Bevölkerung setzte seinen Erfolg ein Ende. Napoleon wurde 1815 auf die Insel St. Helena ins Exil verband und starb 1821.

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Schenkungsvertrag zwischen Anneliese Beran, Erwin Lichtblau und Hans Lichtblau nachfolgend Schenker genannt, alle in 2232 Deutsch-Wagram und Museumsgesellschaft der Stadt Deutsch-Wagram nachfolgend Beschenkter genannt, Erzherzog Carl-Straße 1, 2232 Deutsch-Wagram

1. Hierdurch wenden die Schenker dem Beschenkten folgenden Gegenstand unentgeltlich zu.
Napoleon-Tisch

Geschichte:
Als Napoleon am 16. Juli 1809 Wagram besuchte, soll er der heimischen Überlieferung nach, an diesem Tisch gesessen sein. Dieser Tisch von 1760, versehen mit Intarsien, wurde über viele Generationen im Hause Lambauer (heute Lichtblau) vererbt. Dieses Haus hat als eines der wenigen die Schlacht bei Wagram überstanden. Dazu kommt die protokollierte Aussage der Elisabeth Lambauer, der einstigen Besitzerin dieses Tisches, sie habe von ihrem Schwiegervater, Herrn Lambauer, wiederholt gehört, dass dieser in seinem 15. Lebensjahr den Kaiser Napoleon an diesem Tisch speisen gesehen habe.
2. Hierdurch nimmt der Beschenkte die Schenkung der Schenker an und bestätigt, den angeführten Gegenstand erhalten zu haben.
Deutsch-Wagram, den 03. April 2016

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Napoleon wird Kaiser
Napoleon hat sich in einer prachtvollen Zeremonie selbst zum Kaiser gekrönt. Danach ließ er viele Gemälde anfertigen, die ihn als erhabenes Staatsoberhaupt im Krönungsgewand zeigten. Er wusste, wie wichtig es war, sich ins rechte Licht zu rücken, und erkannte, dass er durch die Bilder unsterblich werden würde.

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Das adaptierte „Erzherzog Carl-Haus“ aus dem Jahr 1740 diente Erzherzog Carl als Hauptquartier bei den Schlachten gegen Napoleon. In diesem Haus findet der Besucher mehr als 1000 Exponate – Fundstücke aus dieser Zeit, Geräte, Drucke und Bilder, Waffen, Uniformen und Diaramen – die über die Art und Weise der Kriegsführung informieren. Bemerkenswert der alte Tisch, an dem Napoleon gesessen haben soll.

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Dem Publicum wird hiermit bekannt gemacht, daß die Auswechslung der Ratificationen des zwischen Sr. Majestät dem Kaiser von Oesterreich, König von Hungarn und Böhmen, und Sr. Majestät dem Kaiser der Franzosen, König von Italien, abgeschlossenen Friedens heute Vormittags vor sich gegangen sey.
Wien den 20. October 1809.
Rudolph Grafv. Wrbna, k. k. österr. bevollmächtigter Hofcommissär

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Stadtgeschichte neu erleben im Erzherzog Carl-Haus
Das Stadtmuseum Deutsch-Wagram führt die Besucher mit den gezeigten Objekten durch die Geschichte der zunächst bäuerlichen Siedlung Wagram, von der ersten Namensnennung als Wagrain 1258 bis zur Stadterhebung am 29. März 1985. Seine zahlreichen Exponate vermitteln Einblicke in den Alltag der Vergangenheit. So begegnet man einer Rauchküche ebenso wie einer reich ausgestatteten Schusterwerkstatt. Historische Fahrräder erinnern an den Beginn der Mobilität. Das rege Vereinsleben dokumentieren Fahnenbänder und Erinnerungsstücke. Eine Vitrine erinnert mit ihren Objekten an die alte Pfarrkirche, die ab Mai 1956 teilweise abgebrochen und durch den heutigen Neubau ersetzt wurde.

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Einige Vitrinen widmen sich berühmten Persönlichkeiten aus Deutsch-Wagram. So wurde der spätere Landeshauptmann von Niederösterreich Johann Mayer 1858 hier geboren. Als Sohn eines Wirtschaftsbesitzers erlernte er zunächst das Müllergewerbe. Ab 1886 war er in verschiedenen politischen Ämtern tätig. 1897 wurde er in den Reichsrat gewählt, dem er bis zum Zusammenbruch der Monarchie angehörte. Er war Landtagsabgeordneter (1890–1908), Landeshauptmann-Stellvertreter (1918–1920) und von 1921 bis 1922 der erste Landeshauptmann des nunmehr von Wien getrennten Niederösterreich. Er war maßgeblich an den Verhandlungen über die Trennung von Wien und Niederösterreich beteiligt. In Deutsch-Wagram stand auch die Wiege eines bedeutenden Technikers: Am 25. Dezember 1857 kam hier Johann Sahulka als Sohn eines Bahnwärters zur Welt. Er studierte an der Universität Wien Physik und Mathematik. Nach Jahren im Schuldienst habilitierte er sich 1892 an der Technischen Hochschule Wien und wurde dort ab 1903 Professor für Elektrotechnik.

 Napoleonmuseum Deutsch-Wagram, Juli 2024

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Im Heimatmuseum ist eine Schusterwerkstätte aus der Zwischenkriegszeit und eine Rauchküche aufgebaut. Es gibt eine Vielzahl an Exponaten von Kunst- und Gebrauchskeramik, so wie eine Reihe von Exponaten bedeutender Deutsch-Wagramer Persönlichkeiten.

 Napoleonmuseum Deutsch-Wagram, Juli 2024

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Zu den Beständen des Museums gehören auch Objekte, die an Franz Christen erinnern, der 1912 einer der alten Männer bei der Fußwaschungszeremonie im Dom zu St. Stephan sein durfte. Während der Liturgie am Gründonnerstag wusch Kaiser Franz Joseph in der Nachfolge Christi jeweils zwölf alten Männern, die über 90 Jahre alt sein mussten, die Füße. Vorher lud man sie zu Speis und Trank ein. Zur Erinnerung durften sie den Fußwaschungskrug, den Silberbecher, aus dem sie getrunken hatten, und das Handtuch behalten. Überdies erhielten sie einen mit 30 Silberkronen gefüllten Beutel, den der Kaiser ihnen während der Zeremonie um den Hals hängte.

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Der langjährige Präsident der Museumsgesellschaft Viktor Jirku - mittlerweile Ehrenpräsident - hat auch einem einzelnen Besucher gerne sein Wissen weitergegeben. Danke!

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Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: