Museo Schifanoia

im Palazzo Schifanoia in Ferrara, Juni 2026

Palazzo Schifanoia ist ein Renaissance-Palast in Ferrara in der Emilia-Romagna, Italien, der für die Familie Este errichtet wurde.Berühmt ist der Palast für die astrologischen Fresken des Francesco del Cossa und des Cosmè Tura im Salone dei mesi. Der Name Schifanoia ist abgeleitet von schivar la noia, was buchstäblich bedeutet die Langeweile verabscheuen, oder besser vor der Langeweile fliehen, was genauer den Sinn dieses Palastes, eines frühen Sanssouci, trifft.

 Museo Schifanoia im Palazzo Schifanoia in Ferrara, Juni 2026

Als außergewöhnliches Zeugnis der Pracht der Renaissance ist der Palazzo Schifanoia das Wahrzeichen von Este Ferrara. Errichtet um 1385 als Vorstadtrefugium, um der Langeweile zu entfliehen (italienisch: schifar la noia, daher der Name), wurde der Palazzo später von Borso d'Este (1450–1471) erweitert, der das Gebäude nach seinem Bild gestaltete und es so prunkvoll und einzigartig machte, dem hohen Ansehen Ferraras in Europa zu jener Zeit entsprechend. Das Herzstück bildet der außergewöhnliche Salone dei Mesi (Saal der Monate), der um 1469 zu Ehren des Stifters und seiner Verbindung zu den Göttern und Sternen geschaffen wurde. Nach der Übertragung Ferraras an den Kirchenstaat im Jahr 1598 begann der Niedergang von Schifanoia, der Form und Funktion des Hauses veränderte. Die Wiederentdeckung der Dekorationen im Monatssaal im 19. Jahrhundert führte schließlich dazu, dass das ehemalige Stadtpalais 1898 zum neuen Museo Civico von Ferrara wurde. Nach einem Erdbeben im Jahr 2012 und der anschließenden architektonischen Restaurierung ist das Museo Schifanoia nun wieder für Besucher geöffnet und bietet ein einzigartiges, fesselndes und immersives Erlebnis.

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Schifanoia, Ferrara und die Ursprünge des Museums
Die Einrichtung eines Museums in einem historischen Haus stellt eine große Herausforderung dar. Es ist äußerst komplex, Wege zu finden, um den Anforderungen an die Präsentation von Objekten in nicht-neutralen Räumen gerecht zu werden, die für andere Zwecke geschaffen wurden und sich durch ihre ursprüngliche oder noch erhaltene Dekoration auszeichnen. Deshalb schafft der neue Besucherrundgang im Museo Schifanoia einen Dialog zwischen dem historischen Gebäude und den städtischen Sammlungen.

Im ersten Raum haben wir eine Parallele zwischen den ausgestellten Objekten der Sammlung und der Stadt Ferrara geschaffen. Frühe Karten von Ferrara – die berühmte Karte von Andrea Bolzoni und die Karte der Stadt aus dem 19. Jahrhundert, kurz vor der Dezentralisierung, von Filippo Borgatti – helfen uns, die Lage Schifanoias im Stadtbild zu verstehen. Die anderen ausgestellten Objekte erzählen die Geschichte der Ursprünge des Museums, dessen ältester Kern im 18. Jahrhundert im Palazzo Paradiso der Universität entstand – als Ort der Bewahrung der Stadtgeschichte und als Bildungszentrum für verschiedene Wissensgebiete.

Die Sammlungen lokaler Gelehrter bildeten das Rückgrat des Museums. Es wurde 1758 mit dem Erwerb der umfangreichen Sammlung des Numismatikers Vincenzo Bellini (1708–1783) gegründet. Später erwarb und schenkte der große Gönner Gian Maria Riminaldi (1718–1789) die antiquarischen Sammlungen von Niccolò (1651–1741) und Girolamo Baruffaldi (1675–1755) sowie des berühmten Epigraphikers Giuseppe Antenore Scalabrini (1694–1776). Diese Schenkung markierte den Höhepunkt des Museums im 18. Jahrhundert.

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Schale mit Büste eines jungen Mannes, spätes 15. – frühes 16. Jahrhundert
Bemalte glasierte Terrakotta

Schale mit Gordischem Knoten und Pflanzenmotiv, erste Hälfte des 16. Jahrhunderts
Bemalte glasierte Terrakotta

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Englische Handwerkskunst - Geschichten aus der Passion Christi, erste Hälfte des 15. Jahrhunderts
Polychromer Alabaster

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Saal des Weißen Adlers
Die fragmentarischen Fresken in diesem Raum stammen aus dem späten 14. Jahrhundert und zeichnen sich durch Elemente der spätgotischen Architektur aus, die zu Dekorationszwecken verwendet wurden: farbenfrohe Quadrate, Doppellanzenfenster und Rosetten.

Nur wenige Fragmente der Dekoration im oberen Wandbereich sind erhalten, darunter das Traubenband und Wappen. An der Nordwand ist ein weißer Adler zu erkennen, das älteste Wappen der Familie Este. Wie für diese Zeit typisch, ist er auf blauem Grund dargestellt, mit ausgebreiteten Schwingen, den Krallen auf dem Boden und dem Kopf gen Himmel gerichtet. Dies verweist auf den spirituellen Ursprung der Macht der Familie. Es ist ein heraldisches Symbol mit schwer nachvollziehbaren Wurzeln, doch der Tradition der Familie Este zufolge lässt es sich Alberto Azzo zuschreiben, der es für seine Standarten verwendete und die Farbe des Adlers von Schwarz zu Weiß änderte, um seine antiimperialistische Gesinnung auszudrücken.

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Saal der Büsten
In diesem großen Raum stammt die erhaltene Dekoration größtenteils aus dem späten 14. Jahrhundert. Die Putzschichten belegen jedoch, dass darauf weitere Dekorationsphasen folgten, die jüngste datiert in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts. Der Fries mit perspektivischen geometrischen Elementen stammt aus der Zeit der Palazzo-Erhöhung im 15. Jahrhundert, die eine Erneuerung der Fußböden und des oberen Wandbereichs erforderlich machte. Das zentrale, purpurrote Band ist mit großen, umgedrehten, mit Voluten verzierten Muscheln geschmückt. Von ihnen hängen Blattornamente herab, die sich mit Männerköpfen abwechseln, die großen Amphoren zugewandt sind. Dieses Register wurde über ein älteres Fresko mit Tondi und blauen Vasen gemalt. Die beiden sich überlappenden Spitzbogennischen in der Mitte der Ostwand ähneln sich in Stil und Entstehungszeit sehr.

Die erste, mit braunem Hintergrund, scheint jünger zu sein als die mit blauem Hintergrund und ist mit ziemlicher Sicherheit eine Nachahmung dieser. Die Deckenbalken sind mit Motiven verziert, die jene der oberen Wandbänder aufgreifen. An der Wandvertäfelung befindet sich eine Papierzeichnung mit Este-Symbolen, die mit Leonello und Borso d’Este in Verbindung stehen, darunter das Einhorn und der Flechtzaun, die die von Letzterem angeordnete Landgewinnung preisen, sowie der Taubentrog, der auf seine gute Regierungsführung verweist. In der Mitte des Raumes leitet eines der Chorbücher aus der Basilika San Giorgio fuori le mura, illuminiert von Guiniforte Solari, den Dialog zwischen der Mikrowelt der Buchdekoration und dem monumentalen Freskenregister der Schifanoia-Wände ein – eine Kontinuität und Interdisziplinarität der Formen und Farben, die um 1450 zum charakteristischen Merkmal von Este Ferrara wurde.

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Leonellos Zimmer
Die Wände dieses Zimmers werden vom Motiv des Doppellanzettfensters aus dem 14. Jahrhundert dominiert, das hier rein dekorativ und in verschiedenen Kombinationen und Formaten verwendet wird: aufrecht, imposant und mit Schilden gefüllt oder umgedreht in einem inneren Blattwerkrahmen. Inmitten des Blattwerks ist die Figur eines Knaben mit drei Gesichtern zu sehen, das Emblem Leonello d’Estes, was darauf schließen lässt, dass die Fresken Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden sind.

Dieses Emblem findet sich auch auf einigen Bronzemedaillen, die Pisanello für den Herrn von Este anfertigte.
Das dreifache Gesicht symbolisiert die drei Zeitebenen (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) und ist somit eine Allegorie der Klugheit. Ein weiteres, später gemaltes und stark beschädigtes Register zeigt abwechselnd fiktive Marmorplatten in zwei verschiedenen Farbtönen, die durch Rauten getrennt sind. Diese Dekoration ist stilistisch sehr verwandt mit der Trabeation mit Marmor-Tondi.

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Saal der Doppellanzettenfenster
Dieser Raum wurde grundlegend verändert, als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die große Treppe zum Monatssaal errichtet wurde. Die erhaltenen Dekorationsfragmente zeigen fiktive Architektur und das bereits in anderen Räumen zu sehende Motiv der Doppellanzettenfenster. Besonders interessant ist die Figur mit Hut, die von einer Loggia blickt. Diese Darstellung lässt vermuten, dass die ursprüngliche Wandmalerei in diesem Raum erzählerischen Charakter hatte und den unteren Teil der Wände bedeckte. Hinter dem Vorhang führt der Weg des Besuchers weiter zu einer detaillierten Schilderung eines Ereignisses, das das Schicksal des Palazzo Schifanoia veränderte: die Wiederentdeckung des Freskenzyklus im Monatssaal.

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Die Monatsbilder im Palazzo Schifanoia in Ferrara sind ein Zyklus von Fresken, mit dem der salone dei mesi im Palazzo Schifanoia, ein Lustschloss der Este vor dem damaligen Stadtrand von Ferrara, zwischen 1469 und 1470 ausgemalt worden ist. Ausführende Künstler waren die von den Este beschäftigten Hofkünstler, die unter dem Namen Schule von Ferrara zusammengefasst werden. Auftraggeber war Borso d’Este. Von den ehemals zwölf Monatsbildern sind nur noch sieben ganz oder teilweise erhalten.

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Auftraggeber der Fresken war der damalige Herzog von Ferrara, Borso d’Este, einer der illegitimen Söhne Niccolòs III. Er hatte 1450 die Nachfolge seines Halbbruders Leonello angetreten, da er sich nach dessen Tod gegen einen weiteren Halbbruder und legitimen Sohn Niccolòs, den erst 19-jährigen Ercole, durchsetzen konnte. Am 18. Mai 1452 war sein Lehen (Reggio und Modena) durch den deutschen Kaiser Friedrich III. bestätigt worden. Dieser hatte ihm 1452 den Titel Herzog von Reggio und Modena verliehen. Den Titel Herzog von Ferrara erhielt er erst 1471 vom Papst. Da er wegen seiner angeblich klugen und gerechten Amtsführung, seinem buon governo, im Volk sehr beliebt gewesen sein soll – glaubt man der vom Hof verbreiteten Propaganda, konnte man seine Herrschaft zum damaligen Zeitpunkt als gefestigt betrachten. Eine feierliche Investitur durch den Papst, geplant für das Jahr 1470, dürfte also nur seiner Nobilitierung und der Bestätigung seiner rechtmäßigen Herrschaft von höchster Stelle her gedient haben. Aus Anlass des Papstbesuchs wurde der salone des Palastes in einem erstaunlich kurzen Zeitraum vollständig mit Fresken ausgemalt. Beteiligt waren die am Hof tätigen Künstler, vor allem Cosmè Tura, Francesco del Cossa und Ercole de’ Roberti.

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Ende des 16. Jahrhunderts, nachdem die Este das Interesse am Palast verloren hatten und wegen des Verlusts Ferraras an den Kirchenstaat nach Modena umgezogen waren, wurden Palast und salone neuen Nutzungen zugeführt. Im salone wurde eine Zigarettenfabrik eingerichtet, später ein Getreidespeicher, die zum Teil beschädigten Bilder sind in der Folge überstrichen worden. Zufällig wurden die Fresken im frühen 19. Jahrhundert wiederentdeckt. Zwischen 1820 und 1840 entfernte man vorsichtig die Übermalung und restaurierte die Bilder soweit möglich. Allerdings konnte man nur sieben der zwölf Monatsbilder wenigstens teilweise retten, die übrigen sind für immer zerstört. Über den Inhalt der verlorenen Bilder kann nur spekuliert werden.

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In den Fresken Schifanoia-Zyklus sind verschiedene Themen und Einzelmotive zu einem komplexen und nicht leicht zu deutenden Programm verwoben. Das vielfach in Wanddekorationen von öffentlichen und privaten Bauten aus Mittelalter und Früher Neuzeit anzutreffende Herrscherlob mit der Darstellung historischer Personen und Ereignisse ist hier mit Monatsbildern mit dem Zodiak, den Monatsregenten und den Dekanen sowie Darstellungen der Monatsarbeiten verknüpft. Sie beruhen auf astrologischen Konzepten, auf deren antike Herkunft besonders deutlich die paganen Planetengottheiten auf ihren Triumphwagen verweisen. Als Erfinder dieses gelehrten Bildprogramms gilt der Hofastrologe der Este, Pellegrino Prisciani.

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Der Saal hat eine Länge von 24 Metern, ist elf Meter breit und 7,50 Meter hoch. Ursprünglich war er durch eine Tür von der Nordseite, die man über eine Außentreppe erreichte, zugänglich, so dass der Blick des Besuchers zuerst auf die nicht mehr erhaltenen Monatsbilder von Januar und Februar fiel, die Anfangsmonate des Jahreszyklus. Gegen den Uhrzeigersinn schlossen sich die folgenden Monate an. Heute liegt der vergrößerte Eingang auf der Westseite, so dass der Blick gegen die Leserichtung des Zyklus auf die Bilder März, April, Mai fällt.

Jedes Monatsbild ist in drei Register unterteilt. Das oberste Register zeigt den Planetengott oder Monatsregenten des betreffenden Monats auf einem Triumphwagen. Er wird begleitet von seinen Planetenkindern. Unter Planetenkindern verstanden die Astrologen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit Angehörige jener Berufe, die einem bestimmten Planeten zugeordnet waren bzw. die von denjenigen, die in einem bestimmten Sternzeichen geboren waren, besonders häufig ausgeübt wurden.

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Sakrales und Profanes, I: Buchmalerei im Zeitalter von Borso
Um 1469, nach der Fertigstellung der Certosa (eines Kartäuserklosters) gab Borso d’Este bei dem großen Guglielmo Giraldi eine prachtvolle illuminierte Bibel in Auftrag. Dieses Werk dokumentiert die besondere Beziehung zwischen Buchmalerei und Malerei in einem ständigen, fruchtbaren und fantasievollen Dialog.

Guglielmo Giraldi (1441-1494): Bibel von San Cristoforo alla Certosa, Band I, ca. 1467 - vor 1471

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Profan und Prunk, I: Der Stil der Zeit Borso d’Estes
Dieser entzückende Saal, der Saal der Tugenden oder der Stuckarbeiten, hatte eine strategische Funktion: Hier empfing Borso d’Este seine Besucher in einem prachtvollen Saal mit einer prächtigen Kassettendecke und einem Fries aus vergoldeten und farbenprächtig bemalten Stuckfeldern.

Die Dekoration zeigt abwechselnd das Wappen der Familie Este (die Lilie gepaart mit dem Reichsadler), die Wappentiere des Herzogs (darunter das Einhorn und der Flechtzaun) sowie Personifikationen der Tugenden als elegante Frauengestalten.

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Das auffällige Fehlen der Gerechtigkeit unter den Kardinaltugenden (Klugheit, Stärke und Mäßigung) und den religiösen Tugenden (Glaube, Hoffnung und Liebe) lässt vermuten, dass diese Tugend durch die physische Präsenz des Herzogs selbst repräsentiert wurde, wie im Monat März im angrenzenden Saal der Monate. 1467 erhielt der Paduaner Bildhauer Domenico di Paris den Auftrag, diese Darstellung der moralischen Tugenden Borsos zu gestalten. Unterstützt wurde er dabei von dem Künstler Bongiovanni di Geminiano, der die Stuckarbeiten ausführte.

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Die Werke in diesem Raum veranschaulichen die Einzigartigkeit der Ferraraser Kunst zur Zeit Borsos. Es entwickelte sich ein Stil, der auf wirbelnden, dynamischen Formen und dichten Räumen basierte und die Grenzen von Malerei und Technik sprengte. Roberto Longhi bezeichnete ihn als „profan und verschnörkelt“ und sprach von immenser Ausdruckskraft und Originalität.

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Vom Hof ​​zum Kloster: Die Kartäuserchorbücher
Ein weiteres Meisterwerk der Este-Buchmalerei, die Chorbücher der Kartäuser, entstanden in einer der bedeutendsten Skriptorien Italiens. Diese Bände wurden um 1468 von Borso in Auftrag gegeben, ihre Fertigstellung erfolgte jedoch erst 1476 unter Herzog Ercole I.

Guglielmo Giraldi (1441–1494) und Mitarbeiter: Kartäuser Choral. Graduale „L“, 1470–80

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Die Verbreitung des Machtbildes
Der Bildhauer Sperandio Savelli, Schöpfer prachtvoller Medaillen für Würdenträger, Höflinge und Humanisten, wurde von Ercole I. zum offiziellen Porträtisten der Familie ernannt. Das Porträt des Fürsten wurde zum dominanten Motiv auf Münzen, die selbst den Status eines Kunstwerks erreichten und zu einem wirkungsvollen Instrument politischer Propaganda wurden. Das kraftvolle Profil des Herzogs wird auf der Vorderseite (Rückseite) von prachtvollen Darstellungen begleitet, die der klassischen Ikonografie und den Herkulesmythen entlehnt sind.

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Der Palast lag zunächst außerhalb der städtischen Bebauung Ferraras in einem Garten in der Nähe von anderen, delizie genannten Lustschlösschen, von denen nur noch der Schifanoia erhalten ist. Der ursprüngliche Bau aus dem Jahr 1385, in Auftrag gegeben von Alberto V d’Este, war einstöckig, ohne Seitenflügel und bestand im Grunde nur aus einem großen Saal für Bankette und Feste. Unter Borso d’Este und dessen Nachfolger Ercole I. d’Este wurde das Gebäude von den Hofarchitekten Pietro Benvenuto degli Ordini und Biagio Rossetti erweitert.  

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Eine moderne Bildsprache für die Bildhauerei in Ferrara
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts markierte Antonio Lombardos Ankunft in Ferrara einen Wendepunkt für die lokale Bildhauerkunst. Ausgebildet in der venezianischen Werkstatt seines Vaters und tief in die Antike eingeweiht, kam er als berühmter Herzoglicher Kammerherr in die Stadt und brachte eine zurückhaltende und zugleich kraftvolle Bildsprache mit, die die Künstler Ferraras nachhaltig prägte.

Antonio Lombardo und Werkstatt:
Thronende Madonna mit Kind, dem Heiligen Georg und einer Gläubigen, um 1515
Weißer Marmor und roter Pavonazzetto-Marmor

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Eine Madonna auf der Suche nach ihrem Künstler
Zu den kürzlich restaurierten Werken der Sammlung gehört diese beeindruckende Statue, die lokale Gelehrte Alfonso Lombardi zuschrieben. Die Restaurierung ihrer Formen und der Polychromie widerlegt diese Zuschreibung und unterstreicht gleichzeitig die Qualität der Modellierung und des Ausdrucks, konnte den Bildhauer aber noch nicht identifizieren. Ein faszinierendes Rätsel, das das Museo Schifanoia Forschern und Kunstliebhabern gleichermaßen aufgibt.

Anonym (früher Alfonso Lombardi zugeschrieben): Madonna mit Kind, ca. 1520–1550, Bemalte Terrakotta

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Weltliche und religiöse Skulptur in Ferrara, II
Diese große Halle war einst in zwei separate Räume unterteilt, die den Abschluss des von Borso in Auftrag gegebenen Palastes bildeten. Von der ursprünglichen Dekoration ist die fragmentarische Figur eines jagenden Ritters (vermutlich Borso selbst) an der Ostwand des Raumes erhalten. Ihr Thema und Stil lassen vermuten, dass sie zeitgleich mit dem Saal der Monate entstand.

Die Geschichte der Bildhauerei in Ferrara setzt sich mit dem Hofbildhauer und Goldschmied Sperandio Savelli fort, einer zentralen Figur zur Zeit Ercoles I. Savelli schuf um 1473 den prächtigen Sarkophag des Prisciano Prisciani, der von dessen Sohn Pellegrino, Astrologe und Hofbibliothekar, in Auftrag gegeben wurde. Die außergewöhnliche Qualität der Basreliefs veranlasste Kritiker in der Vergangenheit, das Werk bedeutenden Künstlern zuzuschreiben. Zwei ausdrucksstarke Terrakotta-Statuen aus San Cristoforo alla Certosa (eine Schmerzensmutter und ein Heiliger Johannes der Evangelist) können ebenfalls Savelli zugeschrieben werden. Die Terrakotta-Madonna mit Kind war ein fester Bestandteil der privaten Andacht: Hier finden wir zwei bedeutende, aber wenig bekannte Beispiele.

Während Ferrara Ende des 15. Jahrhunderts noch Künstler und Kunstwerke aus Florenz importierte (Andrea della Robbias Heiliger Franz von Assisi und Heiliger Bernhardin von Siena), markierte das folgende Jahrhundert auch in der Bildhauerei eine bedeutende Wende. Ein Beispiel für die neue Monumentalität der Ferrareser Bildhauerei ist die Madonna mit Kind, die sich einst im Oratorium der Battuti Bianchi befand und die in den Quellen fälschlicherweise Alfonso Lombardi zugeschrieben wird.

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Malerei und Bildhauerei
Zu den ausländischen Einflüssen auf die visuelle Kultur der Este zählen die Werke der Della Robbia, jener Florentiner Bildhauerfamilie, die die Technik der glasierten Terrakotta erfand – geformter Ton, der mit glänzenden, oft farbigen Glasuren überzogen wird. Eine Technik, die im Dialog mit der Malerei steht, wie wir an diesen beiden Heiligenfiguren aus der Kirche San Francesco bewundern können.

Andrea della Robbia (1435-1525):
Heiliger Franziskus von Assisi, ca. 1495-1500
Heiliger Bernhardin von Siena, ca. 1495-1500
Glasierte Terrakotta

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Die Schifanoia-Fassade. Politische Macht im 16. Jahrhundert: von den Herzogtümern zur Dezentralisierung
Dieser Raum war Teil der Erweiterung des Palazzo nach Osten durch Ercole I. Ende des 15. Jahrhunderts. Bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 1976 wurden an der Westfassade Fragmente des Stuckdekors aus der Zeit Borsos entdeckt. Diese weisen geometrische Motive auf, die die Wirkung einer polychromen Marmorwand imitieren. Die Ausstellung im Obergeschoss endet mit den letzten Herren des Hauses Este bis zum schicksalhaften Jahr 1598. Da Alfons II. ohne Erben starb, ging die Macht von den Este an den Papst über, und Ferrara wurde in den Kirchenstaat eingegliedert.

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Anonymer Künstler aus Ferrara, Testament von Alfons I. d’Este (Almosen für das Sant’Anna-Hospital in Ferrara), 1534, Illuminierte Handschrift

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Statue von Borso d'Este

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Giuseppe Caletti (um 1600–1641): Geschichten aus dem Leben des Heiligen Johannes des Täufers, um 1630, Öl auf Leinwand
Die Verkündigung der Engel an Zacharias und Elisabeth / Mariä Heimsuchung / Johannes der Täufer in der Wüste
Johannes der Täufer vor Herodes/ Das Festmahl des Herodes / Die Gefangennahme des Täufers
Die Grablegung des Heiligen Johannes des Täufers / Salome überreicht Herodes den Kopf des Heiligen Johannes des Täufers / Herodias ordnet die Bestattung des Hauptes des Heiligen Johannes des Täufers an

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Malerische Neigungen: Religiöse Malerei im 16. und 17. Jahrhundert
Die in diesem und dem nächsten Raum ausgestellten Werke stammen aus der Quadreria, der Gemäldesammlung der ASP (Azienda Servizi alla Persona) von Ferrara und sind seit 1974 als Dauerleihgabe in den Musei d'Arte Antica zu sehen. Sie stammen aus religiösen Einrichtungen, die sich der Unterstützung von Waisen, Armen und bedürftigen Frauen widmeten, und sind ein unschätzbares Zeugnis des Geistes der Solidarität, der Ferrara seit den letzten Jahren des Herzogtums und einen bedeutenden Teil seiner Kunst prägte. Anhand der Aufträge dieser Organisationen lässt sich der Wandel der lokalen Kunstsprache dokumentieren: von traditionellen Lösungen wie denen Niccolò Rosellis in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hin zu dem neuen Stil Giuseppe Mazzuolis, genannt Il Bastarolo, der zwischen Naturalismus und Manierismus angesiedelt ist.

Die Einrichtung der päpstlichen Gesandtschaft und die Modernisierung der Sakralbauten nach dem Erdbeben von 1570 brachten einen tiefgreifenden künstlerischen Wandel mit sich. Bezeichnend für diese Zeit sind die sich kreuzenden und doch gegensätzlichen Wege von Scarsellino und Carlo Bononi: Ersterer ein feinfühliger Interpret venezianischer Kunst, Letzterer ein visionärer Künstler, der Tradition und Innovation zu höchst originellen Ergebnissen vereinte. Eine der Schlüsselfiguren dieser Phase war der Maler und Kupferstecher Giuseppe Caletti aus Cremona, der eine der originellsten Serien des Ferrara des 17. Jahrhunderts schuf: die siebzehn Geschichten aus dem Leben Johannes des Täufers, die um 1630 für das Oratorium San Giovannino in einem fast märchenhaften Stil des Neo-16. Jahrhunderts entstanden.

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Giuseppe Mazzuoli, genannt Bastarolo (1535–1589): Madonna in Glorie mit den Heiligen Barbara und Ursula, verehrt von unverheirateten Frauen, um 1586–89, Öl auf Leinwand

Giuseppe Mazzuoli, genannt Bastarolo (1535–1589): Enthauptung Johannes des Täufers, um 1572, Öl auf Holz

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Ippolito Scarsella, genannt Scarsellino (1551–1620): Enthauptung Johannes des Täufers, um 1603–05, Öl auf Leinwand

Ippolito Scarsella, genannt Scarsellino (1551–1620): Das Martyrium der Heiligen Margareta, 1611, Öl auf Leinwand

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Kopien und Bearbeitungen klassischer Meisterwerke
Ein zentraler Punkt des neuen Museums wären die beiden Büsten der Niobiden gewesen, beeindruckende Kopien antiker Vorbilder, sowie die strenge Vestalin und das exotische Zigeunermädchen, elegante Kreationen aus dem 18. Jahrhundert mit der gleichen feinen Handwerkskunst und alle aus dem gleichen Carrara-Marmor gefertigt.

Niobide, 18. Jahrhundert, Marmor
Zigeunermädchen, 18. Jahrhundert, Marmor
Vestalin, 18. Jahrhundert, Marmor

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Das Museum von Gian Maria Riminaldi
Dieses öffentliche Museum, 1758 im Palazzo Paradiso, dem damaligen Sitz der Universität, gegründet, wurde 1771 im Zuge der Universitätsreform von dem aus Ferrara stammenden Aristokraten Gian Maria Riminaldi erweitert und umgestaltet. Riminaldi lebte in Rom, wo er eine glänzende kirchliche Karriere machte, die 1785 mit seiner Ernennung zum Kardinal ihren Höhepunkt erreichte. Kunst-, architektur- und literaturbegeistert und aufmerksam für die Entwicklungen der europäischen Kultur, knüpfte er ein Netzwerk von Beziehungen zu den bedeutendsten Intellektuellen und Sammlern seiner Zeit sowie zu renommierten Künstlern. Für die Verwirklichung seines Museumsprojekts ließ er sich von den Kapitolinischen und den Vatikanischen Museen sowie den Sammlungen der Medici, Farnese, Albani und Borghese inspirieren.

Zwischen 1763 und seinem Tod 1789 sandte er regelmäßig Kunstwerke als Geschenke nach Ferrara: Skulpturen, Mosaike und kostbare Möbel, die er entweder selbst anfertigen ließ oder auf dem Antiquitätenmarkt erwarb und ganz im Sinne der in Rom vorherrschenden Begeisterung für antike Kunst auswählte. Die prestigeträchtige Sammlung wurde in den Räumen des Obergeschosses des Palazzo Paradiso untergebracht, der von Riminaldi aufwendig renoviert worden war.

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Römische Werkstatt: Litoteca, 1763, Steinmuster, Holz, Bronze und polychromer Marmor

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Die kleinen Bronzeskulpturen
Einige der kleinen Bronzen reproduzieren große Werke antiker Kunst, wie den Kapitolinischen Marcus Aurelius, die Meeresvenus und den Farnesischen Herkules, während andere Meisterwerke der Renaissance und des Barock kopieren, darunter Michelangelos Morgenröte, in konzeptioneller Kontinuität mit den klassischen Vorbildern, und Berninis Mohr, ein modernes Werk, das in römischen Kreisen hohes Ansehen genoss.

Francesco Fanelli (um 1580–1653): Heiliger Georg, erste Hälfte des 17. Jahrhunderts, Vergoldete Bronze

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Anlässlich des 30. Jahrestages der Aufnahme Ferraras, der Stadt der Renaissance, in die Liste des UNESCO-Welterbes präsentiert der Garten des Palazzo Schifanoia von Este die Ausstellung „Astrologische Musen“ von Maurizio Bonora und schafft so einen symbolträchtigen Dialog zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Die zwölf Skulpturen beziehen sich auf den berühmten Monatszyklus, der von Borso d’Este in Auftrag gegeben und zwischen 1469 und 1470 von Meistern der Schule von Ferrara, darunter Francesco del Cossa und Ercole de’ Roberti, gemalt wurde. Bonora ließ sich von den astrologischen Symbolen im Saal der Monate inspirieren und schuf zwölf Sockel für die Ausstellung, auf denen Figuren, die auf Schiffen oder Streitwagen stehen, Sonne und Mond halten.

Darauf stehen Skulpturen, die seit 1990 entstanden sind und die Personifikationen der Tages- und Nachtstunden darstellen (die 1994 anlässlich des 500. Todestages von Matteo Maria Boiardo auch mit einigen Figuren aus „Orlando in Love“ in Verbindung gebracht wurden). Die neuen „Doppelwesen“, die an klassische Hermen erinnern, vereinen harmonisch Repräsentation und Abstraktion, Archaismus und Moderne. Bonora verwebt mit Begeisterung die Fragmente einer langen visuellen Reise, die von den prägnanten Formen mesopotamischer und altgriechischer Skulpturen bis hin zu den Oberflächen des Informel reicht. Seine jüngeren Kompositionen werden durch spielerische „blinde Passagiere“ belebt, kleine Einfügungen, die ihnen einen Hauch von Ironie verleihen, wie wir auch in den vorbereitenden Zeichnungen sehen, die im Erdgeschoss des Museo Schifanoia ausgestellt sind.

Bonoras astrologische Musen fügen sich harmonisch in die grüne Gartenlandschaft ein und entfachen den Zauber eines der geheimnisvollsten und zugleich symbolträchtigsten Orte des Hofes von Este. Wie die antiken Statuen, die einst Renaissancegärten schmückten, blicken sie von den Bögen der Pergola herab, deren Grundriss dem des 16. Jahrhunderts folgt. Mit ihrer doppelten Macht als himmlische Göttinnen und Beschützerinnen der Künste verkörpern die Musen die gegensätzlichen Prinzipien von Natur und Kunst, die seit der Antike die Entstehung prachtvoller Gärten inspiriert haben. Es ist eine Einladung, den Mythos mit dem Blick der Gegenwart neu zu entdecken und mithilfe der Kraft der Fantasie herauszufinden, wer wir sind und wer wir werden können.

DIE ASTROLOGISCHEN MUSEN, Skulpturen von Maurizio Bonora
Ferrara, Palazzo Schifanoia Garden Bis 28. Juni 2026

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Dieses Monument gilt als Meisterwerk unter den im 3. Jahrhundert n. Chr. in Ravenna gefertigten und über Flüsse in den Süden Venetiens verbreiteten architektonischen Sarkophagen. Der aus kostbarem Prokonnesischem Marmor gefertigte Sarg weist an der Vorderseite eine architektonische Ädikula auf, die die Inschrift und die Figuren des Verstorbenen einrahmt. Die ausdrucksstarken und lebendigen Porträts des ehemaligen Unteroffiziers Aurelius Marinus und seiner Frau Aurelia Eutychia sind in die Akroterien an den Ecken des Giebeldeckels eingemeißelt, der ein Sandsteinschindeldach nachbildet. Das Porträt des Veteranen ist ebenso realistisch wie das der Frau, die einen geknoteten Schal über den Schultern trägt und in der Mode hochrangiger Damen gekleidet ist. Die figürliche Dekoration enthält keine Symbole aus Aurelius Mariinus’ vorheriger militärischer Laufbahn, von der wir nur durch die Inschrift erfahren. Auf der rechten Seite des Sarkophags erinnert eine Hochzeitsszene (dextrarum iunctio) an eheliche Harmonie. Links sind der Gorgonenkopf, Erotes und der Kranz wiederkehrende Symbole der Bestattungskultur. Die Rückseite des Sarges trägt die Inschrift: „1713 in Voghiera exhumiert, 1739 per Karren nach Ferrara transportiert und 1776 hier beigesetzt.“

Sarkophag der Aurelier, zweites Viertel des 3. Jahrhunderts n. Chr., Voghenza (Fe)

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Unter den wiederverwendeten Inschriften befindet sich eine besonders bedeutende Gruppe von Marmorreliefs, die ursprünglich in der Kathedrale verwendet, aber 1738 entfernt und in das Universitätsmuseum gebracht wurden. Die elegante Nischenstele des Pupius Mentor, die bereits im 16. Jahrhundert in die Mauern der Kathedrale eingemauert wurde, stammt aus der Zeit Kaiser Neros (54–68 n. Chr.). Die dargestellte Figur war Arzt und Mitglied des Kollegiums der Seviri, die an der Organisation des Kaiserkults beteiligt waren. Die Ganzkörperdarstellung in Toga unterstreicht den hohen sozialen Status des Freigelassenen. Die Inschrift am unteren Rand lautet: P(ublius) Pupius P(ubli) I(ibertus) Mentor / Medicus IIIIII vir
„Publius Pupius Mentor, Freigelassener des Publius, Arzt, Seviri.“

Stele des Pupius, 54–68 n. Chr. Im Inneren der Kathedrale eingemauert.

 Museo Schifanoia im Palazzo Schifanoia in Ferrara, Juni 2026

Das 1898 eröffnete Museum beherbergt neben einer Sammlung von Gegenständen der ägyptischen Kunst und Kultur von der 5. Dynastie bis in die griechisch-römische Zeit, griechische und etruskische Keramik und römische Gläser und Amphoren. Von herausragender Bedeutung ist die numismatische Abteilung. Hier sind neben Medaillen von Pisanello und Sperandio da Mantova Münzen aus der republikanischen Epoche und der Kaiserzeit Roms sowie des Kirchenstaates vertreten. Die kostbaren Buchbestände stammen aus dem aufgehobenen Kloster San Giorgio. Darunter befindet sich eine von Borso d’Este in Auftrag gegebene Bibel für das Kloster San Cristofero della Certosa. Daneben werden Graphiken, Kunstgewerbe und Skulpturen vom 16. Jahrhundert bis zum Klassizismus ausgestellt.

 Museo Schifanoia im Palazzo Schifanoia in Ferrara, Juni 2026



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