Friedensburg Schlaining

Stadtschlaining, Juli 2024

Die Friedensburg Schlaining diente einst als Verteidigungsfestung und ist heute ein bedeutendes Symbol des Friedens. Die Burg lädt unter dem Leitgedanken „Von der Wehrburg zur Friedensburg“ zu sechs neuen faszinierenden Ausstellungen ein, die Geschichte, Frieden und Demokratie in den Mittelpunkt rücken. In der malerischen Kulisse der Friedensburg werden Besucherinnen und Besucher auf eine packende Zeitreise von der mittelalterlichen Festung bis hin zu einem Zentrum des Friedens eingeladen.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Eine kurze Geschichte
Die Region um Stadtschlaining war schon 1200 v. Chr. für seine reichen Antimonvorkommen bekannt. Eisengewinnung lässt sich bis 200 n. Chr. nachweisen. Aus der darauf folgenden Zeit bis ins frühe Mittelalter sind keine nennenswerten Funde aus dieser Gegend bekannt. Die Geschichte von Stadtschlaining ist nicht untypisch für Kleinstädte entlang der heutigen österreichisch-ungarischen Grenze. Damals im Grenzraum des ungarischen Königreiches zum Heiligen Römischen Reich gelegen, war für die Herrschaftsbesitzer die Gefahr groß, zwischen benachbarten Mächten zerrieben und für politisch-militärische Interessen vereinnahmt zu werden. Sie konnten sich aber auch durch geschicktes Paktieren mit diesen Mächten arrangieren und so eigene Vorteile und Rechte sichern. Im Friedensvertrag des Jahres 1271 zwischen König Stefan V. von Ungam und König Ottokar II. von Böhmen wird erstmals der Name Schlaining („Zloynuk/Slomuk") genannt. Zu dieser Zeit war die Befestigung im Besitz des Adelsgeschlechts der Güssinger. Der in Wiener Neustadt residierende König Friedrich IV - besser bekannt als der spätere Deutsche Kaiser Friedrich III. (Vater von Maximilian I., bekannt als der „letzte Ritter") - ließ 1445 eine Reihe von Burgen in Westungarm erobern, darunter auch Schlaining. Er verpfändete den Besitz Schlaining an seinen Gefolgsmann und Heerführer Andreas Baumkircher, der ihn in den nächsten Jahren von den ehemaligen Besitzen käuflich erwarb. Baumkircher baute die Herrschaft aus und gründete die an die Burg anschließende, befestigte Stadt. Als Anführer des steirischen Adelsbundes wandte sich Andreas Baumkircher jedoch gegen Friedrich III. Er wurde dafür 1471 in Graz hingerichtet.

Im Jahr 1544 fiel der gesamte Besitz der Herrschaft Schlaining an die Familie Batthyány. Von der Eroberung durch die Türken blieb der Ort zwar verschont, geriet aber in die Pufferzone zwischen Osmanischem Reich und den Habsburger Ländern. Gemeinsam mit anderen Festungen hatte die Herrschaft Schlaining nun eine strategische Bedeutung in der Verteidigungslinie der österreichischen Länder gegen Osten. Nach dem Ende der Türkenkriege ging diese Bedeutung verloren. In der Zeit der Türkenkriege erlangten die Burgen der Familie Batthyány auch Bedeutung durch ihr höfisches Leben. Mit der Berufung von Carolus Clusius an den Hof Balthasar III. Batthyány in den Jahren 1577-1582 kam der bedeutendste Botaniker seiner Zeit auf die Burg Schlaining. Innerhalb der Stadtmauern von Stadtschlaining lebten Familien mit verschiedenen religiösen Bekerintnissen und prägten den Ort durch ihre unterschiedlichen Lebens- und Glaubenswelten. Neben Katholiken lebten Protestanten in der Stadt, die in der Zeit der Reformation das Wohlwollen der Familie Batthyány genossen. Mit der Ansiedlung jüdischer Familien im 17. Jahrhundert entwickeite Stadtschlaining ein für diese Region charakteristisches Merkmal religiöser Vielfalt.

Wirtschaftlich wurde Stadtschlaining während der Herrschaft der Familie Batthyány zu einem lokal bedeutenden Ort mit einem großen Anteil an Handwerkern unter den Stadtbewohnern. Mit der ungarischen Revolution 1848 endete die Zeit des Feudalsystems endgültig und damit auch die Dienstleistungspflicht der Untertanen und die grundherrschaftliche Gerichtsbarkeit. Die Familie Batthyány stellte den ersten Ministerpräsidenten des neuen, nachfeudalen Königreichs Ungarn, das sich vom Kaiserhaus in Wien nationale Selbstständigkeit sichern wollte, Graf Ludwig Batthyány wurde jedoch im Jahr 1849, nach der Niederschlagung der ungarischen Revolution in Budapest, hingerichtet. Oberwart begann im 19. Jahrfiundert Stadtschlaining den Rang als Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum abzulaufen. Dies auch deshalb, weil die damals errichtete Bahnlinie Szombathely - Pinkafeld einige Kilometer an Stadtschlaining vorbei führte.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges verior Ungam zwei Drittel seines Staatsgebietes. Darunter auch Teile Westungarns, die als Bundesland Burgenland an Österreich angegliedert wurden. Abseits von den Zentren und darüber hinaus nun auch in einem wirtschaftlich rückständigen österreichischen Bundesland gelegen, verzeichnete der Ort einen stetigen Bevölkerungsrückgang. Der Beginn der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft leitete das endgültige Aus des jüdischen Lebens in Stadtschlaining ein. Von den um 1850 etwa 650 im Ort lebenden Juden und Jüdinnen wurden die wenigen hier verbliebenen Familien - 1934 waren es 19 Personen - im März 1938 aus ihrer Heimatstadt vertriebern. Die Burg wurde zwischen 1939 und 1945 als Zwangsarbeitslager für etwa 300 Zwangsarbeiterinnen verwendet. Zwischen 1945 und 1947 war sie ein Lager für Entnazifizierungsmaßnahmen für ehemalige SS-Angehörige und führende Parteimitglieder der NSDAP.

Nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstandes im November 1956 wurde die Burg Schlaining eines der vielen Auffanglager für die Flüchtlinge. Knapp 1.400 von ihnen waren hier untergebracht. Bundesminister a. D. DDDr. Udo Illig erwarb die Burg 1957 und begann mit den Renovierungsarbeiten. 1980 kaufte das Land Burgenland sie und setzte die Renovierung fort. Nach dem Beitritt Ungarns zur Europäischen Union (2004) liegt Stadtschlaining nach jahrzehntelanger Randlage am Eisernen Vorhang nun in einer wieder zusammenwachsenden Region mit offenen Grenzen, deren gemeinsame Wurzeln und Geschichte über 800 Jahre zurückreichen. Heute ist die Burg Sitz des „Österreichischen Studienzentrums für Konflikt- und Friedensforschung". Nach sehr umfangreichen Sanierungsarbeiten in den Jahren 2020 und 2021 beheimatet die Friedensburg Schlaining nun die Jubiläumsausstellung „Wir sind 100. Burgenland schreibt Geschichte", die in multimedialer Weise die 100-jährige Geschichte des Burgenlandes beleuchtet und erlebbar macht.

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ZUR JUBILÄUMSAUSSTELLUNG „100 JAHRE BURGENLAND. WIR SCHREIBEN GESCHICHTE"
Die Tore der Friedensburg Schlaining stehen seit dem 15. August 2021 offen und die Jubiläumsausstellung lockt mit einem breit gefächerten Wissensangebot über das Burgenland. Ein historischer Anlass ganz im Zeichen des Miteinanders. Das Burgenland hat sich im vergangenen Jahrhundert von einer der ärmsten Gegenden Europas zu einer Vorzeigeregion in Österreich, aber auch innerhalb der gesamten Europäischen Union entwickelt. Wesentlich dazu beigetragen haben der starke Zusammenhalt und das positive Wir-Gefühl in der Bevölkerung. Besucherinnen erfahren auf rund 1.300 m² barrierefreier Fläche, gegliedert in 12 Themenbereiche, Wissenswertes, Kurioses, aber auch Nachdenkliches über die Entstehung, politische Geschichte, Identität und Heimat, Wirtschaft und Umwelt, Auswanderung und die Fluchtbewegungen sowie über kulturelle, sprachliche und religiöse Vielfalt des Burgenlandes. Mit 850 Objekten von über 120 LeihgeberInnen in 160 Vitrinen sowie 30 Medienstationen wird die burgenländische Geschichte anschaulich erzählt. In den Mittelpunkt gerückt werden packende Lebensgeschichten und Erinnerungen burgenländischer Persönlichkeiten ebenso wie interessante Fakten zu landestypischer Kulinarik und zu Genuss.

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Der Burggraben
Die Burg steht auf einem Felssporn über dem Tauchental und war im Mittelalter wegen der steilen Hänge von Norden und Osten kaum anzugreifen. Im Süden und Westen trennt ein bis zu 10 m tiefer Graben die Burg von der Stadt. Die ungewöhnliche Tiefe des Grabens ist ebenso wie seine Breite von 80 m darauf zurückzuführen, dass im 15. Jahrhundert das Baumaterial für die Errichtung der Burg aus dem Graben gewonnen wurde. Gleichzeitig entstand dadurch ein eindrucksvolles Annäherungshindernis, das insofern von fortifikatorischer Bedeutung war, als sich knapp südlich der Burg ein kleiner Hügel befindet, von dem es möglich gewesen wäre, die Burg zu beschießen. Die Breite des Grabens trug demnach dazu bei, die Wucht der Geschosse zu reduzieren.

Die Außenbefestigung
Die Brücke über den Burggraben endet am äußeren Burgtor, das in dieser Form seit der Mitte des 17. Jahrhunderts einen älteren Durchlass ersetzt. Beidseits des Tores sowie dahinter sind weitere Teile der Befestigung staffelartig zu sehen: Im Vordergrund verbindet eine zweigeschoßige Zwingermauer mit Schartenöffnungen das Burgtor mit einem halbrunden Batterieturm, dessen beide untere Geschoße im 15. Jahrhundert entstanden. Im Hintergrund ragt der Torturm aus der Mitte des 15. Jahrhunderts auf. An den Torturm schließt rechts der Bering der Vorburg aus dem späten 13. Jahrhundert an, der im 15. und 16. Jahrhundert erhöht wurde. Links sind im Hintergrund ein Stück des Vorburgberings, der Bergfried und der Bering der Kernburg zu sehen, die in zwei Ausbauphasen im 15. Jahrhundert errichtet wurden. Der Bering der Kernburg erhielt dabei als Zierde umlaufend zwei Gesimsbänder aus flachen Steinen. Über dem oberen Gesims sind abgeschnittene Holzbalken für Konsolen zu sehen, die einen außenliegenden Wehrgang (eine sogenannte Hurde), trugen, von dem der Mauerfuß verteidigt werden konnte. Die in der Höhe gestaffelte Befestigung erlaubte es nicht nur, die Burg aus allen Winkeln zu verteidigen, sondern sollte auch die Bedeutung des Burgherrn demonstrieren.

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Das Äußere und das Innere Burgtor
1648 errichtete Johannes de la Torre das äußere Rustikaportal, dessen Inschrift C. A. 1. 6. / .4 .8 .D .B für Comes (Graf) Adamus de Batthyán steht. Im Giebelfeld erscheint das von Genien mit Grafenkrone gerahmte Familienwappen - oben auf dem Gipfel eines Felsens der Pelikan, der seine Brust aufreißt, um seine hungrigen Jungen im Nest zu nähren, und in der Höhle darunter ein wachsender Löwe, im Rachen einen Türkensäbel haltend. Am Tor konnten die letzten Meter der Brücke hochgezogen werden, wie die nischenartigen Rücksprünge und kleinen Ausnehmungen belegen, in denen sich Flaschenzüge befanden. Aus der Zeit eines früheren Burgbesitzers, Veit von Fladnitz, stammen zwei Wappensteine, die neben dem äußeren Burgtor und einige Meter weiter innen über dem Tor der Vorburg eingelassen sind.

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In der Ausstellung „Burggeschichte“ auf der Burg Schlaining können die BesucherInnen mittelalterliche Geschichte entdecken. In mehreren Räumen im Untergeschoss der Burg erhalten sie einen umfassenden Einblick in die verschiedenen Aspekte der Burg und ihre einstigen Bewohner. Von der Gründung der Burg über den ersten Burgherrn Andreas Baumkircher bis hin zu den Grafen Batthyány und dem Gelehrten und Botaniker Carolus Clusius werden die vielfältigen Facetten dieser historischen Stätte beleuchtet. Die Transformation der Burg Schlaining von einer militärischen Festung zu einem Symbol des Friedens ist eine der bemerkenswertesten Episoden ihrer
Geschichte. Heute beherbergt die Burg das „Austrian Centre for Peace“, das sich der Förderung von Frieden durch Bildung und wissenschaft liche Forschung widmet. Neben der reichen Geschichte bietet die Ausstellung „Burggeschichte“ auch eine Reihe von interaktiven Stationen. BesucherInnen können ihr Können im Schwertschwingen und Armbrustschießen testen, ihr Wissen in einem botanischen Quiz unter Beweis stellen und durch ein Heraldik-Memory spielerisch mehr über die Wappenkunde lernen.

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Der Hof der Vorburg
Nach der Durchquerung des inneren Burgtors gelangt man seit dem späten 13. Jahrhundert in die sogenannte Vorburg, in der das Alltagsleben der meisten Burgbewohner stattfand: Hier wohnte die Besatzung der Burg, lagerten die Waffen im Zeughaus, befand sich die nicht mehr lokalisierbare Küche mit ihrem Lebensmittellager und stand die Schmiede, in der die Werkzeuge und Waffen gewartet wurden. Von den spätmittelalterlichen Häusern der Vorburg ist nichts erhalten geblieben - die heutigen Gebäude stammen aus dem 16. und 18. Jahrhundert. Lediglich der in der Mitte des 15. Jahrhunderts errichtete quadratische Glockenturm steht noch, der 1646 bis 1649 möglicherweise nach Plänen von Filiberto Lucchese zu einem Uhrturm ausgebaut wurde. Der sogenannte Tiefe Graben trennt die Vorburg von der Kernburg, in der im 13. Jahrhundert die Herrschaftsinhaber, die Güns-Güssinger, ab der Mitte des 15. Jahrhunderts Andreas Baumkircher und in der Neuzeit die Batthyány lebten. Die Brücke über den Graben befindet sich unmittelbar neben dem Bergfried, der unter Baumkircher erneuert und erhöht wurde.

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Die umfassende Ausstellung „Burgenland ab 1921“ ist eine Zeitreise durch die politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen dieser einzigartigen Region Österreichs. Die Tour erstreckt sich über zwei Stockwerke und acht Räume und beginnt im 1. Obergeschoss mit dem Raum „Land der Dörfer“, in dem alle 171 Gemeinden des Burgenlandes repräsentiert werden. „Das Werden des Burgenlandes“ beschreibt die entscheidenden diplomatischen Verhandlungen und Verträge von Saint-Germain und Trianon, die zur Entstehung des Burgenlands geführt haben. Im Raum „Identitätssuche“ wird die Landesgründung, von der Entwicklung eines Landeswappens bis hin zur Komposition einer Landeshymne beleuchtet. Der „Kleine Engelsaal“ gibt unterschiedliche Einblicke in das gesellschaftliche und soziale Leben der Burgenländer und Burgenländerinnen. „Die politische Geschichte ab 1921“ befasst sich mit der ersten Sitzung der burgenländischen Landesregierung, über die Herausforderungen der beiden Weltkriege und der Nachkriegszeit. Ein besonderer Fokus wird auf das dunkelste Kapitel bis hin zur Gegenwart der Geschichte gelegt. „Verfolgt, vertrieben, vernichtet“ gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus und erinnert an das Massaker von Rechnitz.

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Besitzer der Burg Schlaining
Die 1271 erstmals urkundlich genannte Burg wurde von den Güns-Güssingern erbaut. In deren Besitz befand sie sich bis in das erste Drittel des 14. Jahrhunderts und wurde vom ungarischen König eingezogen. 1342 überließ König Ludwig I. die Burg der Familie Kanizsai, nahm sie aber bereits 1371 wieder zurück. Nach 30 Jahren in königlichem Besitz übertrug König Sigismund die Herrschaft an die Familie Tompek von Oroszvár, von der sie Andreas Baumkircher erwarb. Franz Batthyány erhielt Schlaining 1527 von König Ferdinand I. übertragen, musste seine Rechte gegenüber den Baumkircher Erben jedoch erst durchsetzen. Die Familie Batthyány teilte sich ab 1659 in mehrere Linien, wobei die Schlaininger Linie ab 1778 gleichzeitig zwei Burgbesitzer stellte. Die eine Hälfte ging nach dem Hochverratsprozess gegen Ludwig Batthyány 1849 an den Staat und wurde vom Eisenbahnpionier Franz Schmidt erworben. Diesen Teil erwarb 1911 Dr. Demeter Selesky, der auch die andere Hälfte von der zweiten Batthyány Linie kaufte. Kurzzeitig im Besitz des Gemeindeverbandes Oberwart ging die Burg 1956 an DDDr. Udo Illig über, der sie schließlich 1980 an das Land Burgenland verkaufte.

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Das Rondell
Andreas Baumkircher ließ in den 1450er Jahren ein viergeschoßiges Rondell an der Ostseite des Palas errichten. Über Schlüsselscharten in den unteren Geschoßen konnte man den schmalen Bereich südlich und nördlich der Bastion einsehen und verteidigen. Im heutigen 1. Obergeschoß blieben an der Fassade Entlastungsbögen von zwei hohen Lanzettfenstern erhalten. Bauzeitlich trennten Holzdecken die Geschoße (nur das halbe Klostergewölbe im heutigen Keller stammt aus dem 15. Jahrhundert). Eine oberste Geschützplattform zeugte zwar von modernster Waffentechnik, doch, da das Rondell an einem steilen, somit kaum bezwingbaren Abhang stand, besaß es nur wenig fortifikatorische Bedeutung - für den im Tauchental Vorbeiziehenden war es allerdings weithin sichtbar und somit ein repräsentatives Zeichen des Herrschaftsanspruchs des Burgherrn.

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Gerald Mader (* 1. April 1926 in Payerbach; † 6. Mai 2019 in Mattersburg) war ein österreichischer Politiker (SPÖ) und Rechtsanwalt. Er war von 1971 bis 1984 Landesrat in der Burgenländischen Landesregierung (Kery II, III, IV und V). Mader war ab 1983 Präsident des Österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung in Stadtschlaining aktiv. 1988 gründete er die European Peace University.

Dr. Gerald Mader (1926-2019)
Gründer des Friedenszentrums Schlaining

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Carolus Clusius Biografie
Am 19. Feber 1526 in Atrecht/Arras in der Grafschaft Artois in eine kinderreiche und wohlhabende Familie geboren, wuchs Charles de l'Escluse, wie er ursprünglich hieß, vielsprachig auf. Nach der Lateinschule in Gent studierte er Rechtswissenschaften in Löwen sowie Medizin in Marburg. Während eines kurzen Philosophiestudiums in Wittenberg traf er 1549 mit Philipp Melanchthon, auf einer Reise nach Genf 1550 mit Johannes Calvin die Spitzen der deutschen Reformation. Sein Medizinstudium setzte er in Montpellier, wo er Zoologie und Botanik bei Guillaume Rondelet hörte, und Paris fort. Von 1564 bis 1565 bereiste er mit Jakob III. Fugger Spanien und Portugal. Das Ergebnis seiner dortigen Forschungen ist die „Spanische Flora". Darin legte er das Grundschema für seine späteren Werke an. 1573 wurde er als Präfekt der kaiserlichen Gärten an den Wiener Hof berufen. Nach dem Tod von Maximilian II. 1576 entließ sein Nachfolger Rudolf II. den Protestanten Clusius, der daraufhin auf Einladung von Balthasar Batthyány von 1576 bis 1588 Aufnahme in Güssing, Schlaining und Rechnitz fand. In dieser Zeit entstanden die Hauptwerke von Clusius: der „Nomenclator", die „Pannonische Flora" und die „Pilze Pannoniens". 1588 ging Clusius nach Deutschland. Ab 1593 wirkte er in Leiden, wo er am 4. April 1609 starb.

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Der Hauptsaal des Palas
Der von Andreas Baumkircher ab 1463/64 errichtete Palas wurde an den nur wenig älteren Bering angestellt, weshalb der ehemals ungeteilte und von einer Holzdecke überspannte Saal an seiner Ost- und Südseite tiefe Nischen in Mauerstärke erhielt, über welche man im Osten auf hölzerne Erker gelangte. An der Westseite der westlichen Nische der Südwand ist ein Fragment der ursprünglichen Wandbemalung zu sehen - grünes Rankenwerk mit einem Vogel sowie im oberen Bereich links einem Hirsch, der sich zu einem Jäger zurückwendet, der gerade mit Pfeil und Bogen auf das Tier zielt. Weiter unten rechts zeugt das Fragment eines weiteren Hirsches (Hinterbeine), dass die Jagd offensichtlich das Leitmotiv der Malerei war. Inhaltlich drängt sich ein Zusammenhang mit der lokalen Legende vom Hirschenstein auf - dem höchsten Berg des Burgenlands. Andreas Baumkircher und König Matthias Corvinus hätten dort gemeinsam einen Hirsch gejagt und erlegt. Das enge Verhältnis zwischen dem König und seinem Gespan in den Jahren zwischen 1463 und 1465 lässt es möglich erscheinen, dass in der Sage ein wahrer Kern steckt, den Baumkircher als Demonstration seines Stellenwertes im Hauptraum der Burg hätte verbildlichen lassen können.

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Das Werden des Burgenlandes
Die deutschsprachigen Einwohner der drei westungarischen Komitate Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg hatten enge kulturelle, ökonomische und ethnische Verbindungen zum angrenzenden, nach dem Ersten Weltkrieg 1919 neu entstandenen Staat Deutschösterreich. Der Wunsch nach einer Angliederung an diesen wurde mit dem Selbstbestimmungsrecht der Völker begründet und in den Friedensverträgen von Saint Germain-en-Laye und Trianon verankert. Ungarn versuchte die Durchführung der Landnahme durch Deutschösterreich mittels paramilitärischer Freiwilligenverbände, den sogenannten Freischärlern, zu verhindern. Erst nach zähen Verhandlungen unter italienischer Vermittlung gab Ungarn im sogenannten Venediger Protokoll dem internationalen Druck nach. Allerdings musste Österreich seine Ansprüche auf Ödenburg fallen lassen. Eine Verbesserung der zwischenstaatlichen Beziehungen begann mit der burgenländischen Flüchtlingshilfe im Zuge des Ungarn-Aufstandes 1956 und intensivierte sich nach dem Fall des Eisernen Vorhanges sowie dem Beitritt beider Staaten zur Europäischen Union.

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Der Saal im ehemaligen zweiten Obergeschoß des Palas
Der von Baumkircher ab 1463/64 errichtete Palas wurde an den kurze Zeit davor fertiggestellten Bering angestellt, weshalb ein zunächst ungeteilter und von einer Holzdecke überspannter Saal im 1. Obergeschoß (im mittelalterlichen 2. Obergeschoß) wie schon im Geschoß darunter an der Ostseite tiefe Nischen in Mauerstärke erhielt. Der Saal war über einen innenhofseitigen, hölzernen Gang und ein Portal im Süden der Westwand zu betreten. Sonst blieben an der Westseite tiefe Fensternischen mit Sitzbänken erhalten, die zu Kreuzstockfenstern gehörten, deren Werksteinrahmen fassadenseitig noch zu sehen sind. Der Saal wurde in der Mitte des 16. Jahrhunderts eingewölbt, während die heutigen Zwischenwände für Wohnräume erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts eingestellt wurden.

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Die Kapelle
Im späten 16. Jahrhundert wurden die Geschoße des Rondells mit Muldengewölben mit Stichkappenkränzen versehen. Der damals hoch aktuelle Gewölbetypus wurde erst kurz zuvor im Sitzungssaal des Niederösterreichischen Landhauses in Wien in die regionale Architektur eingeführt. Im Erd- und 1. Obergeschoß entstand dabei die Kapelle, die man zunächst als protestantische und seit der Gegenreformation als katholische Kapelle nutzte. Der Hochaltar wurde im frühen 18. Jahrhundert angefertigt und zeigt das Allianzwappen von Graf Sigmund I. Batthyány (1673-1726) und seiner Gemahlin Isabella Rosina von Gallenberg (1670-1731). Die Geburt Christi des Grazer Malers Johann Baptist Raunacher (unter dem Hl. Josef im Aufsatz, bekrönt von der Heiligsten Dreifaltigkeit) dürfte später hinzugekommen sein. Das Manuale der Orgel auf der Empore wurde 1695 vom Grazer Orgelbauer Jakob Hochinger geschaffen und erhielt im 3. Viertel des 18. Jahrhunderts ein neues Gehäuse. Seit dem 2. Viertel des 18. Jahrhunderts konnte die Empore für die Familie Batthyány mit dem bestehenden Ofen beheizt werden.

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Familienwappen der Batthyánys
Im Jahre 1481 wurde Balthasar I von König Matthias I Corvinus das Familienwappen verliehen. Balthasar I (†1520) – dessen Großvater Albert († 1435) sich erstmals Batthyány nannte, nach dem Gut Batthyán, welches die Familie im Jahre 1398 von König Sigmund für die Verdienste im Kampf gegen die Türken erhielt – war Obersthofmeister unter König Matthias I Corvinus.

Die Darstellung des Wappen läst sich folgender Maßen im kurzen beschreiben:
Auf dem Gipfel eines natürlichen Felsens befindet sich ein silberner Pelikan mit seinen Jungen im Nest sitzend. Diese werden vom Pelikan durch sein eigenes Blut genährt. In der Höhle im Felsen darunter sieht man einen aus natürlichem Wasser wachsenden goldenen Löwen, im Rachen einen gold-begrifften Türkensäbel haltend. Die Familien Farben sind blau-gelb.

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Über den Eingang zum Rittersaal, der bereits zur Zeit von Andreas Baumkirchner (15. Jh.) als Repräsentationsraum diente, befindet sich eine Dekorationsmalerei aus dem Jahr 1740. Die Freskendarstellungen, die zu den ältesten profanen Raumausschmückungen des Burgenlandes zählen, zeigen weltliche, geistliche und dekorative Schwerpunkte. In der Kapelle befindet sich eine kleine Orgel aus 1695 von Jakob Häcklinger.

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Der Abort
In Ermangelung einer Kanalisation auf der Burg entsorgte man Unrat meist auf Misthaufen oder kippte ihn über die Burgmauer. Für die tägliche Notdurft der Burgbewohner wurden Aborte in oft schwindelerregenden Höhen an der Außenmauer der Burg errichtet, in Schlaining befinden sie sich seit 1463/64 jeweils im Norden der drei mittelalterlichen Obergeschoße. Diese Abtritte besaßen Abfallschächte, die innerhalb der Mauerstärke geführt wurden und nicht in eine Latrine mündeten, sondern am Fuß der Mauer ins Freie traten. Die Schächte mussten daher nicht regelmäßig entleert werden. Neben menschlichen Exkrementen fanden auch Abfälle über das „Plumpsklo" ihren Weg in den Burggraben und geben heute oft noch Aufschluss über den Konsum in der Burg. Unmittelbar neben dem Abort blieb eine kleine Nische zum Abstellen von Kerzen oder Talglampen erhalten.

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Kulinarische Identität
Liebe geht bekanntlich durch den Magen. - Auch die Liebe zu einem Land. Der Geschmack einer Region weckt Emotionen bis hin zur Heimatverbundenheit. Die Kulinarik ist Teil der Identität. Heiß umkämpft war nicht nur das uralte Grenzland, sondern auch der Platz am pannonischen Herd. Im Burgenland treffen die alpenländisch-bäuerliche Sterz-Region und die ungarische Gulaschtradition der Viehhirten aufeinander. Unterschiedliche kulturelle Einflüsse haben die kulinarische Identität des burgenländischen Raumes geprägt. Dazu kommt das besondere Klima. Nicht nur die Zutaten für die Küche reifen besonders gut, sondern vor allem auch jene für den Keller. Die Vielfalt macht sich auch in den Weinregionen des Landes mit ihren unterschiedlichen Böden bemerkbar. Im Hügelland des Südburgenlandes musste der Wein vielerorts dem Apfel- und Birnenmost weichen. Aufgespritzt mit Mineralwasser aus den Tiefen des Landes sorgen sie nicht nur im Sommer für Erfrischung.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Ein fast vergessenes Kunsthandwerk ist das Flechten mit Weidenzweigen. Das Korbflechten war in vielen burgenländischen Häusern eine typische Winterarbeit. Als Material dienten Maisblätter, Weiden und Stroh. Für die Ausstellung wurden poetische symbolhafte Objekte in unterschiedlichen Techniken aus verschiedenen Rohstoffen geflochten. Wir sehen einen Zander als Zeichen für die traditionsreiche Küche, ein Segelschiff, für das auch Blaudruckstoffe verwendet wurden, burgenländische Gänse für den Landespatron, den Heiligen Martin, Windräder für das Heute. Alles bewegt sich auf die Sonne des Burgenlandes zu. So finden Elemente und Techniken aus der Vergangenheit mit dem Heute zusammen.

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Die barocken Festräume
Sigmund II. Batthyány (1712-1777), war der Begründer des Schlaininger Zweigs, wurde 1736 in den Herrenstand der Steiermark aufgenommen und war ab 1746 Alleinbesitzer der Burg und Herrschaft Schlaining. Auf der Burg sind ihm weitreichende Baumaßnahmen zuzuschreiben, wobei die Adaptierungen vor allem der Erhöhung des Wohnkomforts dienten. Die Wohnräume erhielten neue Fensteröffnungen, Türstöcke und Stuckdecken sowie barocke Tafelparkettböden, die in den barocken Festräumen erhalten geblieben sind. Die Decken der beiden Festräume zeigen Bandelwerkstuck mit Laubwerk und können in die 1730er Jahre datiert werden, also in jene Zeit, als Sigmund II. Rosalia Lengheim (1737) heiratete.

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Die figürlichen Elemente unterscheiden sich Raum für Raum inhaltlich voneinander: Während sich im ersten, kleineren Saal Genien in liebender Treue einander umarmen und küssen, lüften im großen Saal Genien Vorhänge, hinter denen Trophäen und Soldaten in Erscheinung treten. Damit kommt der zweiteilige Wahlspruch der Familie Batthyány zum Ausdruck: „Fidelitate et Fortitudine" - mit Treue und Tapferkeit.

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Der Ritter Andreas Baumkircher
Kein anderer Burgherr ist mit Schlaining so verbunden als der Söldnerführer Andreas Baumkircher. In der Zeit des ausgehenden Mittelalters als die Ritterheere allmählich von Söldnertruppen mit Schusswaffen abgelöst wurden war er einer der verlässlichsten Gefolgsleute von Kaiser Friedrich III. Als einer der letzten Ritter konnte er als kaiserlicher Heerführer seinen Herrn zweimal aus fast aussichtsloser Lage befreien. Durch die Thronwirren in Ungarn um die Mitte des 15. Jahrhunderts war vor allem der westungarische Raum heiß umkämpft. Davon profitierte nicht zuletzt Baumkircher, der hier mehrere Herrschaften erwerben konnte. Schlaining machte er zu seinem Zentrum. Im Konflikt zwischen Kaiser Friedrich III. und dem ungarischen König Matthias Corvinus geriet er als Diener zweier Herren letztendlich zwischen die Fronten. In der sogenannten Baumkircher-Fehde rebellierte er ab 1469 gegen den Kaiser, was ihm 1471 den Kopf kostete.

Die Baumkircher und Schlaining
Andreas Baumkircher erfuhr durch die Gunst des Kaisers einen enormen gesellschaftlichen Aufstieg, unter anderem als Burghauptmann und Gespan von Pressburg. Er bekam nicht nur das Privileg sich Freiherr von Schlaining zu nennen, sondern auch die Erlaubnis die Burg auszubauen sowie eine Stadt und ein Kloster zu gründen. Ebenso erhielt er das Recht zur Münzprägung. Seine Nachkommen konnten den Ausbau der Herrschaft Schlaining durch den Erwerb weiterer Herrschaften sowie einzelner Dörfer fortführen. Bereits nach zwei Generationen drohte seine Familie auszusterben. Seine Enkeltochter versuchte den eigentümlichen Besitz zu verteidigen und zu erhalten. Letztendlich musste sich deren Tochter geschlagen geben und die noch verbliebenen Teile von Burg und Herrschaft nach einem jahrzehntelangen Rechtsstreit an die Familie Batthyány abgeben.

Der Kampf um das Erbe der Baumkircher
Barbara Baumkircher musste nach dem Tod ihres Onkels jedoch erst nachweisen, dass die Besitzungen der Baumkircher erkauft und somit nach ungarischem Recht auch an die weiblichen Linien vererbbar waren. Um ihre Rechte abzusichern, setzte sie auf männliche Unterstützung. So ist es zu erklären, dass sie drei weitere Male heiratete. Sie setzte auch ihre Ehemänner Seifried von Polheim, Veit von Fladnitz und Longinus von Puchheim als Mitbesitzer ein. Veit von Fladnitz wurde diese Strategie insofern zum Verhängnis, als er sich 1526 von der Schlacht bei Mohács fernhielt und trotz Aufforderung des Königs nicht teilnahm. Wegen Untreue wurde ihm der Prozess gemacht und er seiner Güter für verlustig erklärt. Der neue König Ferdinand I. übertrug deshalb die Herrschaftsrechte für Schlaining an Franz Batthyány. Fladnitz konnte jedoch die Besitzeinweisung verhindern. Der Prozess zwischen Batthyány und den Baumkircher Erben dauerte mehrere Jahre an. Erst nach dem Tod von Barbaras Tochter Magdalena, verehelichte von Radmannsdorf, konnte Batthyány die letzten Anteile erwerben.

Von der Wehrburg zur Friedensburg
Die Gründung der Burg Schlaining fiel in eine Zeit, als das ungarische Königreich im Mongolensturm des Jahres 1241 beinahe untergegangen war. König Béla IV. förderte den allgemeinen Burgenbau zur Sicherung seines Reichs. Der Adelige Heinrich II. von Güns-Güssing errichtete eine dieser neuen Wehrburgen auf dem Schlaininger Felssporn und konnte damit das Tauchental kontrollieren. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Burg oftmals ihre Besitzer, wurde vor allem unter den Familien Baumkircher und Batthyány großzügig ausgebaut als auch erweitert und verlor letztendlich ihre Funktion als Verteidigungsanlage und Herrschaftszentrum. Vom 19. zum 20. Jahrhundert wandelte sie sich von einem Wohnsitz über ein Gefangenenlager bis hin zu einer musealen und öffentlichen Einrichtung, die sich letztendlich stark der Friedensarbeit verschrieben hat. Aus der Wehrburg Zloynuk wurde die Friedensburg Schlaining.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Rund 800 Jahre Burg Schlaining
Während Andreas Baumkircher Stadt und Kloster neu gründete, setzte er für den Bau der Burg zwar wesentliche Akzente, doch gehen bei weitem nicht alle Baukörper der Anlage auf seine Zeit zurück. Deren vielschichtiger Entstehungsprozess kann in diesem Ausstellungsraum auf mehreren Ebenen nachvollzogen werden. Die drei Modelle der Burg um 1300, um 1500 und um 1900 vermitteln einen Überblick über die Genese der Anlage, das fliegende Modell im benachbarten Rondell gibt Einblick in das Innenleben der Burg, die Digitalstation verschafft einen Tiefblick in die neun Hauptbauphasen der Burg sowie ihre künstlerische und handwerkliche Ausstattung, während der Film einen über die Jahrhunderte kontinuierlichen Rundblick auf die Anlage mit ihren neu errichteten und wieder abgekommenen Bauteilen gewährt. Über die Wohnkultur auf der Burg legen archäologische Fundstücke beredtes Zeugnis ab.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Burg Schlaining - um 1300
Burg Schlaining geht auf ein „Festes Haus" der Familie Héder aus dem frühen 13. Jahrhundert zurück. Infolge des Mongolensturms des Jahres 1241 errichtete man zusätzlich einen Bergfried, der eine wesentliche Steigerung der Verteidigungsfähigkeit brachte, sowie einen durchgehend gemauerten Bering um die Kernburg. Nach der Güssinger Fehde 1289 erhielt auch die Vorburg einen Bering, der teilweise einen außenliegenden Wehrgang aufwies. Gleichzeitig wurde das „Feste Haus" abgebrochen, an seiner Stelle eine für den Fall einer Belagerung lebensnotwendige Zisterne geschaffen und ein neuer Palas errichtet. Der Bergfried ist im Modell als Baustelle nach den Zerstörungen von 1289 dargestellt.

Burg Schlaining - um 1500
Der für Schlaining wohl wichtigste Bauherr, Andreas Baumkircher, baute die Burg massiv aus und vollzog damit die für die Zeit so typische Wandlung zu einem wehrhaften Schloss, einem „gslos". Mit einzelnen Baumaßnahmen wurde die Burg des 13. Jahrhunderts gegen die Waffentechnik des 15. Jahrhunderts gesichert (Bastionen, Rondell, neuer Bergfried, breiter Zwinger) und gleichzeitig ein neuer Palas mit einer künstlerisch hochwertigen Ausstattung und gehobenem Wohnkomfort (Festräume, Schatzkammer, Studierzimmer) geschaffen. Singulär ist das sogenannte Baumkirchermonument, das ursprünglich vermutlich als Wächterfigur am Tor der Vorburg angebracht gewesen ist (heute seitlich des Tors der Kernburg).

Burg Schlaining – um 1900
Unter der Familie Batthyány wurde die Burg intensiv ausgebaut, indem die Kubatur der Innenräume durch Aufstockungen und Zubauten deutlich vergrößert wurde. Wandmalereien und Stuckausstattungen liefern Zeugnisse für die renaissancezeitliche und barocke Wohnkultur. Auch das äußere Erscheinungsbild wurde durch die Erhöhung des Südturms, die Errichtung des äußeren Torbaus und der Brücke über den Graben in ihrem Anspruch, den Status der Familie Batthyány zu repräsentieren, mehrfach gesteigert. Die fortifikatorische Stärke der Anlage wurde zuzeiten der Türkenkriege ausgebaut, danach jedoch geschwächt und damit das heutige Bild der Burg geschaffen.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Das Erdgeschoß des Palas
Das Erdgeschoß des von Andreas Baumkircher ab 1463/64 errichteten Palas ist seit der Anhebung des Bodenniveaus im Innenhof in der Mitte des 16. Jahrhunderts ein Souterrainraum. An seiner West-, Nord- und Ostwand blieben Mauerabschnitte von zwei unterschiedlichen Vorgängerbauten des 13. Jahrhunderts erhalten, die in den Neubau einbezogen wurden. Zu Baumkirchers Zeit war der damals noch ungeteilte, mit einer Holzdecke überspannte Raum vom Innenhof über einen Zugang südlich der heutigen Eingangstreppe zu erreichen. Das Gewölbe wurde erst um 1586 über einem Freipfeiler und Wandpfeilern errichtet, die vor den älteren Außenmauern stehen und diese damit nicht belasten. Der Bodenbelag bestand ehemals entweder aus Steinplatten oder aus gebrannten Ziegeln. Die ursprüngliche Funktion des Saals ist zwar nicht überliefert, doch könnte er wie im Burgenbau dieser Zeit üblich als Dürnitz (Speise- und Gemeinschaftsraum) gedient haben. Im Süden wurde der Saal durch eine Mauer von einem zweigeschoßigen Kellerraum getrennt, der einen eigenen Zugang vom Innenhof besaß und als kühler Lagerraum für Lebensmittel genutzt werden konnte.

NACHBAU DER WALLARMBRUST VON ANDREAS BAUMKIRCHER
ARMBRUSTBOLZEN (NACHBAU)
WINDE ZUM SPANNEN DER ARMBRUST (NACHBAU)
Alle Nachbauten wurden von Andreas Bichler angefertigt.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Was blieb von der Familie Baumkircher?
Die Familie Baumkircher war beinahe ein Jahrhundert im Besitz der Burg Schlaining. Ihr Verdienst ist heute am deutlichsten in der Stadt selbst und der Burg sichtbar. Im Burgbereich geben einige Stellen direkt Einblick in die spätmittelalterliche Ausgestaltung. Vieles wurde durch die anschließenden Jahrhunderte der Batthyány-Herrschaft wortwörtlich übertüncht. Dennoch geben kleinere, im Boden des Burgbereichs zu Tage geförderte Artefakte Hinweise auf das Leben der Menschen auf der Burg. Meist ist es Gebrauchskeramik, die sie in der Küche ebenso verwendeten wie bei Tisch. Tontöpfe dienten zum Kochen und als Vorratsgefäße, Trinkbecher aus Ton waren das Alltagstrinkgeschirr sowohl an der Tafel des Burgherrn als auch am Gesindetisch. Das Fragment eines Gusstiegels aus Ton verweist auf den Bergbau um Schlaining und die Verarbeitung der daraus gewonnenen Metalle. Die Produktion der Keramik dürfte ebenso in der Nähe der Burg angesiedelt gewesen sein. Das eindrucksvollste Relikt ist jedoch das Relief des Andreas Baumkircher am inneren Burgtor, mit dem ihm ein immerwährendes Denkmal gesetzt wurde.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

WAHLPLAKAT ZUR VOLKSABSTIMMUNG: „BURGENLÄNDER, ÖDENBURGER WEHRT EUCH GEGEN DIE WIRTSCHAFTLICHE ABSCHNÜRUNG! SIE IST EUER UNTERGANG"

VERGRÖSSERTE POSTKARTE ZUR VOLKSABSTIMMUNG IN SOPRON/ÖDENBURG (PRO ÖSTERREICH) / 1921

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Burgenland-Hymne
Text von Gustav Tintner, Musik von Rudolf Zechmeister

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Identität suchen
Bei seiner Entstehung war das Burgenland kein einheitliches Gefüge. Es gab kaum Straßen, die den Norden mit dem Süden verbanden und kein geographisches Zentrum in dem schmalen Landstreifen. Auch die Menschen entwickelten erst nach und nach ein „Burgenland-Bewusstsein". Die Landessymbole wie das Landeswappen, die Landeshymne, der Landespatron und der Landesfeiertag entstanden aus dem Wunsch nach einer burgenländischen Identität. Sie repräsentieren die Zusammengehörigkeit nach innen und außen. Heute können wir von einem Burgenland-Gefühl in der Bevölkerung ausgehen. Die Volksgruppen des Burgenlandes unterscheiden sich in ihren Alltagsroutinen als auch in ihrer Kleidung kaum. Sprache, Tracht, Musik, Brauchtum sind Zeichen mehrfacher Identitäten. So lässt sich die Gemeinsamkeit in der Vielfalt als das burgenländische Identitätsmerkmal beschreiben.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Das Burgenland in 9 Einblicken
1921 hat das Burgenland in vielen Bereichen des Lebens einen Neustart vollzogen. In den ersten 100 Jahren seines Bestehens konnte durch das Engagement und den Willen der Burgenländerinnen und Burgenländer ein Aufholprozess in Gang gesetzt und verwirklicht werden. Im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie in der Kultur lag das Burgenland zu Beginn abgeschlagen im Reigen der österreichischen Bundesländer. Der Tourismus steckte noch in seinen Kinderschuhen. Industrie, Landwirtschaft, Weinbau waren kleinstrukturiert mit großen Wettbewerbsnachteilen. In mehreren Etappen von Rückschlägen und äußeren Einflüssen begleitet wurden diese Bereiche weiterentwickelt. Das Sicherheitswesen konnte ständig den technischen Errungenschaften angepasst werden. Eine neue Sicht auf Natur und Umwelt führte zu einer Neubewertung dieser Lebensbereiche als Erholungs- und Schutzgebiet. Der allgemeine gesellschaftliche Wandel hat zu einem veränderten Freizeitverhalten mit intensiven Sport- und Vereinsleben geführt.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Verfolgt, vertrieben, vernichtet
Unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im Burgenland setzten brutaler Terror und Verfolgung ein. Die Nationalsozialisten vertrieben, verhafteten und ermordeten tausende Burgenländerinnen und Burgenländer - allein aufgrund ihres Glaubens, ihrer Herkunft, ihrer Sexualität oder ihrer politischen Gesinnung. Die mit Abstand größte Opfergruppe ist jene der Romnija und Roma. Ausgewählte Biographien der Opfer sollen ihre Schicksale eindrücklich schildern und unser Bewusstsein für bedrohliche Gefahren Tag für Tag schärfen. Die jahrzehntelang ausgeblendete Rolle der Täter wird näher beleuchtet und wir zeigen ihre Verantwortung im NS-Terrorsystem deutlich auf. Das Burgenland verfügte mit 15.161 NSDAP-Parteimitgliedern (5,8% der Bevölkerung) über eine der geringsten Organisierungsraten der Partei in Österreich. Nach Kriegsende wurden rund 1.100 Burgenländerinnen und Burgenländer wegen ihrer Vergehen während der NS-Zeit verhaftet und gegen 876 Personen wurden Volksgerichtsverfahren eingeleitet, 196 Prozesse (22%) führten zu Verurteilungen.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Das NS-Terrorsystem
Das Terrorsystem des NS-Staates wurde maßgeblich bestimmt durch das Zusammenspiel der örtlichen NSDAP-Stellen mit der Gestapo, dem Sicherheitsdienst der SS (SD), der Kriminalpolizei und der lokalen Gendarmerie. "Vorbereitung zum Hochverrat", Vergehen nach dem "Heimtücke Gesetz" und "Wehrkraftzersetzung" waren die häufigsten Delikte, die zur Hinrichtung von Burgenländern und Burgenländerinnen führten. Der NS-Staat bestrafte aber auch "Fahnenflucht" im Rahmen von Standrechtsverfahren der Feldgendarmerie mit dem Tode. Nach den Aufzeichnungen des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes wurden 512 Burgenländerinnen und Burgenländer Opfer von politischen Verfolgungsmaßnahmen. 130 Personen aus dem Burgenland wurden aufgrund von Widerstandstätigkeiten hingerichtet oder kamen infolge von Misshandlungen oder katastrophalen Lebensumständen in Konzentrationslagern zu Tode. Davon wurden 25 Männer und Frauen aus dem Burgenland im Rahmen von Volksgerichtshofprozessen zum Tode verurteilt und im Landesgericht Wien hingerichtet.

Dunkle Jahre - Von Tätern und Gerechten
Die Jahre 1938 bis 1945 gelten auch im Burgenland als das dunkelste Kapitel der Geschichte. Die Sonderausstellung beleuchtet die Zeit des Nationalsozialismus und die Schicksale der Menschen jener Epoche. Im Mittelpunkt stehen Biografien von Tätern und Gerechten, die eindrucksvoll das menschliche Handeln in diesen Jahren darstellen. Ein Teil der Ausstellung widmet sich dem Rechtsextremismus und Antisemitismus in der Gegenwart.

Der nationalsozialistische Terror im Burgenland dauerte vom 11. März 1938 bis 8. Mai 1945. Diese mehr als sieben Jahre stellen das dunkelste Kapitel unserer Geschichte dar. Die Ausstellung „Dunkle Jahre. Von Tätern und Gerechten.“ erzählt von Menschen, die sich in diesen Jahren dem NS-Regime anpassten, sich an der Not anderer bereicherten, sie misshandelten, verfolgten oder sogar ermordeten. Die Ausstellung erzählt aber auch von denjenigen, die sich dem NSSystem nicht unterordnen wollten, die Widerstand leisteten, Verfolgten halfen und sich dabei selbst in Gefahr brachten. Diese Menschen handelten nach ihrem individuellen Wertekompass. Manchmal widersetzen sich die vorgestellten Biografien der eindeutigen Einordnung in die Kategorien der TäterInnen oder Widerständigen. Auch auf diese Graubereiche möchte die Ausstellung den Blick lenken und Uneindeutigkeiten thematisieren. Aber die Schau richtet den Blick auch in die Gegenwart, eine abschließende Medienstation dient der Darstellung dem Themenfeldes Rechtsextremismus heute.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Täterschaft hat viele Gesichter
Die in diesem Ausstellungsteil beschriebenen Personen hatten einen persönlichen Bezug zum Burgenland, weil sie hier zur Welt kamen oder beruflich tätig waren. Viele von ihnen machten in NS-Staat Karrieren. Sie waren Verhetzer, Schreibtischtäter, Denunzianten, Polterer - ja sogar Mörder. Männer und Frauen dienten freiwillig und mit Überzeugung einem grausamen und menschenverachtenden System. Ihre Opfer waren Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, Juden und Jüdinnen, Roma und Romnija, Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen, KZ-Häftlinge, Kommunisten und Kommunistinnen, Kriegsgefangene...

Nicht alle Täter und Täterinnen mussten nach dem Krieg für ihre Verbrechen Verantwortung übernehmen. Zuständig für die Ahndung von Kriegsverbrechen waren die österreichischen Volksgerichte. Diese handelten in den Jahren zwischen 1945 und 1955 ca. 20.000 Fälle ab und fällten 23.477 Urteile, davon 13.607 Schuldsprüche und 43 Todesurteile. 30 Todesurteile wurden tatsächlich vollstreckt. Eine Vielzahl dieser Strafprozesse befasste sich mit den im Burgenland begangenen Endphaseverbrechen, mit den Verbrechen in Konzentrationslagern und Haftanstalten sowie mit den Massenmorden in den Euthanasiestationen.

Viele der Angeklagten argumentierten bei ihren Gerichtsverfahren damit, nur "Befehle" ausgeführt zu haben und wiesen jegliche persönliche Verantwortung für ihre Taten von sich. Tatsächlich ist jedoch kein Fall dokumentiert, wonach die Nichtbefolgung eines verbrecherischen Befehls schwerwiegende persönliche Konsequenzen nach sich gezogen hätte. Die Lebensgeschichten analysieren das soziale Milieu der Täter und Täterinnen, beschreiben ihre Verbrechen und befassen sich mit ihren Schicksalen nach Ende den Kriegen. Dabei zeigt sich, dase viele NS-Täter wieder rasch den Weg in die Mitte der österreichischen Nachkriegsgesellschaft fanden.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Das 17. Jahrhundert in Schlaining
Adam I. Graf Batthyány (1610-1659) gilt den heute noch lebenden Batthyánys „als Stammvater der Familie im engeren Sinn". Als Calvinist erzogen konvertierte er 1629 zum katholischen Glauben, wurde 1630 in den Grafenstand erhoben sowie zum „wirklichen kaiserlichen Kämmerer" ernannt. Hauptresidenz Batthyánys war Güssing, 1636 übernahm er auch die Herrschaft Schlaining. Der Bereich zwischen Palas und Bergfried wurde damals durch die Erstellung neuer Fußbodenniveaus verändert. Es entstand ein großer Saal, dessen nördliche Hälfte auf einer zweiteiligen Pfeilerstellung im Innenhof der Burg ruht, um den Raum über die Breite des Berings hinausbauen und sie von beiden Seiten belichten zu können. Der Saal wurde mit einer Stichkappentonne überspannt, die auf mächtigen Wandpfeilern mit profilierten Kämpfern steht. Zur Erschließung wurde hofseitig ein neuer Wendeltreppenturm errichtet.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Die Ausstellung „Schlaining & Frieden“ erstreckt sich über mehrere Räume im dritten Obergeschoss und bietet einen umfassenden Überblick über die vielfältigen Facetten von Friedensbildung und -erhaltung. Diese reichen von der bewegenden Geschichte Sadakos und ihren Kranichen über die friedensbildenden Methoden bis hin zur globalen Perspektive auf unserer Erde als gemeinsames Heimatland. Gerald Mader, der Gründer des Schlaininger Friedenszentrums, vertrat die Überzeugung, dass Friedens-Visionen nicht nur notwendig, sondern auch realistisch sind. Dieser Raum erzählt von den Anfängen des Friedenszentrums in den 1980er Jahren, einer Zeit, in der die Welt vom Kalten Krieg und der ständigen Drohung eines Atomkriegs geprägt war. Das Friedenszentrum Schlaining hat sich dank der Initiative von Gerald Mader zu einem Ort entwickelt, an dem führende Friedensdenker weltweit zusammenkommen. Zusammengefasst bietet „Schlaining & Frieden“ einen tiefen Einblick in die Komplexität und Vielfalt von Friedensprozessen und zeigt auf, wie wichtig es ist, dass jeder von uns aktiv an diesem Firedensprozess beitragen soll.

Die interaktive Ausstellung des ACP (Austrian Centre for Peace) bietet einen umfassenden Einblick in die Entwicklung und Arbeit der Friedensbewegung seit den 1970er Jahren bis hin zu den aktuellen Konflikten unserer Zeit. BesucherInnen können sich intensiv mit den verschiedenen Aspekten von Frieden, Friedenserziehung und gesellschaftlich-politischer Partizipation auseinandersetzen.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Sadakos Kraniche
6. August 1945: Ein US-amerikanisches Flugzeug wirft über Hiroshima eine Atombombe ab. Die Folgen sind fatal: 80.000 Menschen sterben sofort oder wenige Tage darauf. Auch ein kleines Mädchen namens Sadako wird Zeugin. Zunächst scheint es, als ob sie den Anschlag unbeschwert überstanden hätte. Doch mit zwölf Jahren erkrankt sie an Leukämie – eine Spätfolge des Atombomben-Abwurfs. Ihre einzige Hoffnung liegt in einem alten japanischen Glauben: Wer 1000 Papierkraniche faltet, hat einen Herzenswunsch frei. So macht sich Sadako daran und faltet Kranich für Kranich. Doch als die 1000 Kraniche fertig sind, geht es ihr schlechter als zuvor und letztendlich stirbt sie kurz vor ihrem 13. Geburtstag. Ihre Familie beschließt, die Kraniche des kleinen Mädchens hinaus in die Welt zu tragen und mit ihnen die Botschaft des Friedens. Einer dieser Kraniche wird auf der Friedensburg Schlaining aufbewahrt und findet sich auch im Logo wieder.

Ich schreibe den Frieden auf eure Flügel.
Und ihr werdet über die ganze Welt fliegen.
SADAKO SASAKI

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Der Hof der Kernburg
Der innere Burghof (Schwarzer Hof) geht auf Andreas Baumkircher zurück, der auf der gegenüberliegenden Seite ab 1463/64 seinen neuen Wohnbau, den Palas, errichten ließ. Das mittelalterliche Erd- sowie 1. und 2. Obergeschoß werden heute als Halbkeller, Erd- und 1. Obergeschoß. wahrgenommen, da der Boden im Innenhof im 16. Jahrhundert angehoben wurde. In den drei von Baumkircher erbauten Geschoßen entstand je ein großer Raum, der jeweils über Kreuzstockfenster belichtet und über einen an der Fassade liegenden hölzernen Gang erschlossen wurde. Die Außengänge mündeten links in einen ursprünglich breiteren Treppenturm. Bei einem Umbau im 16. Jahrhundert wurden die Türen auf die Außengänge durch Fenster ersetzt. Der Palas wurde dabei um ein Geschoß aufgestockt und erhielt neue, schwarz gefasste, für den Hof namensgebende Fensterrahmen. An den Treppenturm schließt im Norden und Westen die über 6 m breite Umfassungsmauer, der Bering, an, der seit dem 17. Jahrhundert als Rückwand für einen Gang dient, der auf hohen Bögen erbaut wurde und in einen neu errichteten Treppenturm vor dem Bergfried mündete. Bereits im 16. Jahrhundert wurde der Bering mit Wohnräumen im zweiten Obergeschoß überbaut.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Im Zuge der Sanierungsarbeiten im Sommer 2020 wurden Fragmente einer spätmittelalterlichen Wandgestaltung an der Ostwand des heutigen Treppenhauses freigelegt. Zutage traten im oberen Teil Rankenmalerei, die nach unten mit einem schwarzen Strich abgeschlossen ist, und im unteren Teil zwei einander zugewandte Pferde, von denen links der Vorderkörper und Reste eines Reiters (Arm) sowie rechts ein Kopf erhalten sind. Möglicherweise handelt es sich dabei um die Reste einer Schlachtenszene. Diese hochwertige freskale Ausstattung an einem Geschoßpodest des mittelalterlichen Treppenturms steht in Zusammenhang mit einem turmartigen Bauteil, der damals nördlich des Treppenhauses neu entstand und etwas später ebenfalls malerisch ausgestaltet wurde. Hier dürfte sich jener Raum befunden haben (Gewölbe im Turm), in dem 1539 nachweislich Urkunden und Kleinodien untergebracht waren.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Das Baumkircher-Monument
Neben dem Eingang zur Kernburg sind in die Mauer eine Bauinschrift sowie das Relief eines Ritters eingelassen. Die Inschrift besagt: Nos Andreas Pemkircher de Zolo / nok Comes posonien [sis] hoc magnificu[m] /opus fortissimor[um] muroru [m] erig[i] feci / mus Inceptu[m] Anno dni M / CCCCL/1450 (Wir Andreas Baumkircher von Schlaining, Burggraf zu Pressburg, haben veranlasst, dass dieses großartige Werk mächtiger Mauern errichtet wird, begonnen im Jahr 1450). Darüber steht eine ritterliche Figur in Rüstung mit Schild und Fahne jeweils mit dem sprechenden Wappen der Baumkircher, einem Kirchengebäude. Gesichert ist, dass Inschrift und Relief hier in Zweitverwendung versetzt sind und anfänglich nicht übereinander angeordnet waren. Über die ursprüngliche Funktion und Platzierung herrschten bislang unterschiedliche Meinungen. Nach neuesten Forschungen könnte es sich um eine Wächterfigur am Burgtor gehandelt haben, zumal Baumkircher 1450 noch nicht in Besitz, sondern nur Pfandnehmer der landesfürstlichen Burg war und sich in dieser Funktion im Sinne seiner Heldentat von Wiener Neustadt als Wahrer der kaiserlichen Macht inszeniert hätte - Baumkirchers Ruhm basierte darauf, 1452 ein Stadttor von Wiener Neustadt vor den Feinden Friedrichs III. im Kampf geschlossen zu haben.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Die Bebauung innerhalb der Vorburg
Die Gebäude der Vorburg wurden in allen Jahrhunderten neuen Bedürfnissen angepasst, wobei man den älteren Baubestand meist nicht abriss, sondern integrierte. Links sieht man die Innenseite des unter Andreas Baumkircher 1463/64 verstärkten Berings der Vorburg, der mit fast 5 m Mauerstärke bis auf die Höhe des 1. Obergeschoßes durchgemauert wurde. Erst darüber ließ der Bauherr ein zweites Obergeschoß mit Innenräumen errichten. Auf Hofniveau entstanden kleine Nischen. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts verstellt ein zweigeschoßiges Gebäude die südliche Hälfte des Berings und den Zugang zum Glockenturm. Rechts vom inneren Burgtor entstand ebenfalls in der Mitte des 16. Jahrhunderts ein zweigeschoßiges Haus, in dessen Erdgeschoß heute das Kaffeehaus untergebracht ist. In der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das zweite Obergeschoß aufgestockt. Vom 16. bis in das frühe 20. Jahrhundert stand auch ein zweigeschoßiges Haus im Tiefen Graben rechts der Brücke zur Kernburg, das schmale Haus rechts daneben stammt aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Die Glocken
Vom Turm der Vorburg blieb eine Glocke des 15. Jahrhunderts erhalten. Am Mantel befindet sich ein Relief mit Christus am Kreuz (Astkreuz) mit den Hll. Maria und Johannes sowie die Inschrift „O rex glorie veni nobis cum pace, Hilf Got Dv ebgis" [ewig] in Gotischen Minuskeln. Das im gesamten europäischen Mittelalter häufig auf Glocken wiederkehrende Gebet König der Herrlichkeit, komm zu uns mit Frieden! könnte sich im konkreten Fall auf die Eroberung der Burg im Jahr 1445 durch Friedrich III. und die Hoffnung auf eine zukünftig friedliche Besitznahme durch den neuen Pfandinhaber Andreas Baumkircher bezogen haben. Im Barock erhielt der Uhrturm eine weitere Glocke. Signiert mit Martin Feltl hat mich gegossen in Graz 1755 zeigt sie vier Reliefbilder, die auf Wolken thronende Madonna mit Kind, den knienden hl. Donatus, Christus am Kreuz und die Hl. Katharina.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024

Die Topografie
Die Burg wurde erst unter Andreas Baumkircher in den 1460er Jahren zu einem Teil der damals neu gegründeten Stadt Schlaining. Bis dahin stand sie isoliert auf einem Felsen über dem Tauchental (der Tauchenbach entspringt in Niederösterreich in der Buckligen Welt) und sicherte die dort verlaufende Verkehrsverbindung, die nach Süden durch die Vorgängersiedlung der Stadt, das heutige Altschlaining, führte. In Goberling nördlich der Burg lagen Erzabbaustätten, die ab dem frühen 15. Jahrhundert konsequent ausgebeutet wurden. Die Burg garantierte den sicheren Abbau der Erze und ihren ungefährdeten Transport in das südliche Flachland. Dadurch konnte der Erzabbau zum Wohlstand in der gesamten Region beitragen.

 Friedensburg Schlaining, Juli 2024



Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: