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Das 1911 von Kaiser Franz Josef eröffnete Haus der
Industrie ist einer der letzten Großbauten des Historismus in Wien. Das
viergeschoßige Büropalais wurde vom Wiener Architekten Karl König
geplant. Mit der prächtigen Innengestaltung der großen
Repräsentationsräume zählt das Haus der Industrie zu den schönsten
Tagungsorten Wiens aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Historische
Bedeutung erlangte das Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg als Sitz des
Alliierten Rates in Österreich. Hier wurde 1955 der Österreichische
Staatsvertrag verhandelt.
Die Schaufront ist in prächtigen neobarocken Formen repräsentativ
gestaltet. Das Gebäude besitzt einen dreiachsigen Mittelrisalit und
Eckrisalite, die hochgezogen sind. Darüber befinden sich Balustraden
mit Vasen besetzt. In der Mittelkartusche über der Attika ist ein
Relief zu sehen, das eine Allegorie der Industrie zeigt.

Das Haus der Industrie am Schwarzenbergplatz ist Sitz der
Industriellenvereinigung. Die Attika trägt die Inschrift „Österreichs
Industrie gewidmet" – ein Bekenntnis zur wirtschaftlichen Bedeutung der
Industrie in Österreich, das seither Bestand hat. Historische
Prunkräume verbinden sich mit moderner Büroinfrastruktur – die Säle
stehen heute auch als digital ausgestattete Tagungsräume zur Verfügung.
Ein Denkmal, das täglich genutzt und gelebt wird.

DIESES DER ÖSTERREICHISCHEN INDUSTRIE GEWIDMETE HAUS WURDE IN DEN
JAHREN 1906-1911 VOM INDUSTRIEHAUS-VEREIN ERBAUT UND AM 25. MÄRZ 1911
VOM KAISER FRANZ JOSEPH I FEIERLICH ERÖFFNET.
DEM VEREINS-AUSSCHUSS GEHÖRTEN AN:
RICHARD VON SCHOELLER, PRÄSIDENT / HEINRICH VETTER, VIZEPRÄSIDENT
ANTON DREHER / WILLY GINZKEY / MAX VON GUTMANN / OSKAR VON HEINTSCHEL-HEINEGG
ARTHUR KRUPP / OSKAR VON MAYER-GUNTHOF / HUGO VON NOOT / ALOIS REGENHART

Das Haus der Industrie ist ein späthistoristischer Prachtbau in Wien
aus dem Jahre 1909, der der Sitz der Industriellenvereinigung ist.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Industrieunternehmen in Österreich
in den vergangenen 80 Jahren ist eng an die politischen und
gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geknüpft. Es sind die Fähigkeiten
zur Weiterentwicklung und Transformation, die den Erfolg der heimischen
Industrie über acht Jahrzehnte ausmachen.

Vom unteren ins obere Foyer

Der kleine Festsaal besitzt Oberlichte und Kassettendecke, die
pilastergegliederten Wände zeigen antikisierenden Dekor. Hier befindet
sich eine Gedenkinschrift zur Erinnerung an die Gespräche, die 1955 zum
Abschluss des österreichischen Staatsvertrages geführt haben.

8 SCHLÜSSELMOMENTE IN 8 JAHRZEHNTEN
01 Marshallplan
Das wirtschaftspolitische Konzept des Raab-Kamitz-Kurses, das auf
Währungsstabilisierung, Preisdisziplin und Investitions-förderung
abzielte, bringt die heimische Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg
wieder in Schwung. Industrie und Landwirtschaft profitieren von den
Marshallplan-Hilfen.
02 Wirtschaftswunder
Die politische Souveränität, die der Staatsvertrag von 1955 bringt,
beflügelt Investitionen in die heimische Industrie. Auch die
Sozialpartnerschaft beeinflusst das Wachstum der Österreichischen
Wirtschaft nachhaltig, indem sie Stabilität und sozialen Frieden
fördert.
03 Ölpreisschocks
Nach den Ölkrisen der 1970er-Jahre fixiert die Österreichische
Nationalbank den Schillingkurs an die Deutsche Mark. Diese
Hartwährungspolitik fördert die Produktivität und verleiht den Exporten
der Industrie einen wesentlichen Schub.
04 Verbesserte Arbeitsbedinungen
Der Fortschritt in der industriellen Produktion durch Automatisierung
bedeutet auch eine Humanisierung der Arbeitswelt und es entstehen höher
qualifizierte Arbeits-plätze. Auch die Wertschätzung für Facharbeit
steigt.

05 Ostöffnung - Fall des Eisernen Vorhangs
Die Ostöffnung 1989 bringt neue Möglichkeiten in den nahen Ostmärkten
und etabliert Österreich als Drehscheibe zwischen West und Ost.
Insbesondere Banken sowie Unternehmen aus Bau, Chemie und Maschinenbau
profitieren von den neuen Märkten unmittelbar.
06 EU-Beitritt & Erweiterung
Durch den uneingeschränkten Zugang zum Binnenmarkt der
EU-Mitgliedsstaaten profitiert der Export der heimischen Industrie. Der
Wegfall der Zölle sowie ausländische Direktinvestitionen bringen einen
wirtschaftlichen Schub.
07 Euro als Gemeinschaftswährung
Der Beitritt Österreichs zur Eurozone stärkt die heimische Industrie
durch stabile Wechselkurse zu wichtigen Exportmärkten. Er eliminiert
die Devisenrisiken und Transaktionskosten, was Exporte in der Eurozone
sprunghaft steigen lässt.
08 Geopolitische Krisen
Terroranschläge, Kriege, neue Handelshemmnisse wie Zölle und eine
Pandemie wirken sich negativ auf die Planbarkeit globaler
Wirtschaftsbeziehungen aus, bringen Lieferketten unter Druck und
verändern den Zugriff auf Ressourcen weltweit.

Der große Festsaal

Das Haus der Industrie wurde 1906 bis 1909 nach Plänen des Architekten
Karl König errichtet und am 25. März 1911 durch Kaiser Franz Joseph
eröffnet.

Die Aufzeichnungen für die Talkshow Wir sind Kaiser finden auch im
Großen Festsaal des Hauses der Industrie statt. Im selben Saal werden
auch Konzerte des Wiener Royal Orchester aufgeführt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das unbeschädigte Gebäude am damals
Stalinplatz genannten Schwarzenbergplatz Sitz des Alliierten Rates.
Österreich war von 1945 bis 1955 von Großbritannien, Frankreich, den
USA und der UdSSR besetzt. Im Haus der Industrie fanden vom 2. bis 12.
Mai 1955 vorbereitende Gespräche über den österreichischen
Staatsvertrag statt, am 14. Mai trafen sich die Außenminister der
Besatzungsmächte ebenfalls im Gebäude, ehe am 15. Mai 1955 der
Staatsvertrag dann feierlich unterzeichnet wurde.

Mit Unterbrechung der Jahre, in denen es dem Alliierten Rat diente, war
das Haus der Industrie bis heute Sitz der Vereinigung österreichischer
Industrieller.

Der große Festsaal besitzt eine der prunkvollsten Ausstattungen der
Ringstraßenzone. Es handelt sich um einen zweigeschoßigen
pilastergegliederten Saal mit Oberlichte und Kassettendecke sowie
Galerien. An der Ostseite ist ein großes Ölbild Kaiser Franz Josephs in
barockisierendem Rahmen zu sehen, darüber ein Wappen der Industrie
zwischen Karyatiden.

Spiegelsaal


Arthur Krupp-Saal



Bemerkenswert ist auch der ursprünglich erste Paternosteraufzug in
Österreich von 1911 von Anton Freissler, der außerdem auch noch in
Betrieb ist.
Wiens ältester in Betrieb befindliche Paternoster

Das Innere besitzt ein repräsentatives Foyer mit einem prunkvollen
Stiegenhaus, das durch eine Oberlichte erhellt wird, mehrfarbige
Marmorverkleidung und einen mächtigen Luster. Im oberen Foyer befinden
sich Marmorsäulen, eine kassettierte Decke und ein Steinmosaikfußboden.

Das Haus der Industrie befindet sich im 3. Wiener Gemeindebezirk
Landstraße am Schwarzenbergplatz 4. Es handelt sich um ein
viergeschoßiges Bürohaus, das an drei Seiten freisteht. Zum Heumarkt zu
ist eine Kante des Gebäudes abgerundet.
Haus der Industrie, Schwarzenbergplatz 4, 1031 Wien
