Festung Kufstein

Kufstein, November 2024

Kufstein ist eine Stadtgemeinde in Tirol an der Grenze zum Freistaat Bayern und Verwaltungssitz des Bezirks Kufstein. Die Stadt liegt im Tiroler Unterland und Unterinntal und ist mit über 20.000 Einwohnern nach Innsbruck die zweitgrößte Stadt des Bundeslandes Tirol. Die Festung Kufstein ist das Wahrzeichen der Stadt Kufstein und zählt zu den imposantesten mittelalterlichen Bauwerken Tirols. Heute ist sie ein Museum und eine Veranstaltungsstätte.

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Als Margarete von Tirol-Görz (1318-1369) sich im Jahre 1342 mit Ludwig I. von Bayern-Brandenburg vermählte, wurde Kufstein zum ersten Mal in der Geschichte ein Teil Tirols. Diese Hochzeit erfuhr im ganzen Land große Zustimmung und dies obwohl Papst Clemens VI. sie nicht anerkennen wollte und deshalb ein „Interdikt“ über das Land Tirol verhängte. Margarete und Ludwig wurden vom Papst „bannt". Davon unbeeindruckt blieben sie sich treu und herrschten gemeinsam noch neunzehn Jahre lang über Tirol.

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Teile der Altstadt (Römerhofgasse, Kirchgasse, Unterer Stadtplatz, Innpromenade) sind als touristische Ziele beliebt, so das Weinhaus Batzenhäusl und das ehemalige Wirtshaus und heutige Weinhaus & Hotel Auracher Löchl, wo Karl Ganzer das Kufsteinlied schrieb. Den typischen Inn-Salzach-Stil hat Kufstein bei einem großen Brand im Mittelalter, dem fast die gesamte damalige Stadt zum Opfer fiel, zum Großteil verloren. Am Unteren Stadtplatz weisen aber dennoch einige Gebäude Merkmale wie Stirnmauern, Laubengänge (allerdings verbaut) und große Erker auf.

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Das Kufsteinlied (auch das Kufsteiner Lied) ist ein bekanntes volkstümliches Lied des deutschen Sprachraums. Es wurde 1947 von dem Tiroler Karl Ganzer komponiert. Durch die Schallplattenaufnahme des bayerischen Sängers und Jodlers Franzl Lang im Jahr 1968 wurde das Lied zu einem der größten Hits des volkstümlichen Schlagers. Das Kufsteinlied begründete den häufig zitierten Beinamen Kufsteins als Perle Tirols bzw. Stadt am grünen Inn und ist ein Werbeträger für die Tourismusstadt Kufstein.

Das aus drei Strophen bestehende Kufsteinlied mit gejodeltem Refrain handelt von einem Urlaub in Kufstein und besingt volkstümlich verklärend Landschaft, Berge, das „Maderl“ und den Wein. In der dritten Strophe beschreibt der Text das Ende des Urlaubs und die Heimfahrt. Das Stück wird häufig fälschlich als ein Tiroler Volkslied oder als Regionalhymne angesehen.

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Kühl, erfrischend und kristallklar strömt das Wasser aus Kufsteins Brunnen und Wasserhähnen. Was heute selbstverständlich anmutet, mag noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Sensation gegolten haben - schließlich war die Trinkwasserbeschaffung bis dahin unweigerlich mit dem Gang zu einem der zahlreichen öffentlichen Brunnen verknüpft. Von den drei Brunnen, die einst die Wasserversorgung der Innenstadt gewährleisteten, ist nur noch der um das Jahr 1861 erbaute neogotische Marienbrunnen übrig. Im Jahr 2015 wurde er vom Heimatverein Kufstein mit einer originalgetreuen Nachbildung der seit etwa hundert Jahren verschollenen Brunnenspitze versehen.

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Das Rathaus Kufstein steht am Unteren Stadtplatz der Stadtgemeinde Kufstein im Bundesland Tirol. Das Rathaus aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist im Kern erhalten. 1923 entstand mit einem Umbau die Treppengiebelfassade. Das spätgotische Netzgratgewölbe wurde 1965 renoviert.

RATHAUS
Um 1500 als Haus des Baumgartnerischen Benefiziaten hat um 1511 "ein Rath und gemein Stadt Kuefstein daselbshin ein Rathaus gebauen."
1923/24 erfolgte die Erweiterung und der Aufbau des Stufengiebels
1974 Ausbau des Rathaussaales mit gotischem Gewölbe

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Auf dem Weg vom unteren Stadtplatz hinauf zur Kirche sieht man das Denkmal für den verdienstvollen Stadtpfarrer Dr. Matthias Hörfarter (1859-1896). Dieses schuf 1899 der Berliner Bildhauer NORBERT PFRETSCHNER. Wegen ihrer Lage auf dem schmalen Vorsprung des Festungsberges war die Kirche nie auf Fernwirkung angelegt und besitzt deshalb auch keine betonte Schaufassade. Das einfache Hauptportal mit der Jahreszahl 1666 wurde bei der Erweiterung 1840 hierher versetzt. Der Turm trug bis 1703 einen Spitzhelm, der nach dem Brand aus militärischen Gründen nur mehr als Zwiebelhaube erneuert werden durfte.

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Das Rathaus zeigt seit 1925 die Wappen der Tiroler Städte Innsbruck, Sterzing, Imst, Vils, Lienz, Rattenberg, Brixen, Bruneck, Schwaz, Klausen, Kitzbühel, Glurns, Bozen, Landeck, Meran, Hall und unter der Giebelspitze Kufstein.

In seinen Grundzügen stammt das Rathaus aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Damals wie heute bildet es den Sitz der Stadtregierung und -verwaltung. In der Zwischenkriegszeit erfolgte der Umbau des einst gotischen Gebäudes, im Zuge dessen die charakteristische Treppengiebel-Fassade entstand. Die 2011 durchgeführte Sanierung wurde im Folgejahr unter anderem mit dem Österreichischen Bauherrenpreis ausgezeichnet. Denen, die genau hinhören, weiß die Fassade des Rathauses jedoch nicht nur Erfolgsgeschichten zu erzählen...

Bis ins 19. Jahrhundert befand sich an einem Balkon im ersten Stock an der Ecke des Rathauses der Kufsteiner Pranger. Hier wurden Verurteilte angekettet und zur Schau gestellt. Mitfühlende Menschen hatten die Möglichkeit, den Gepeinigten Münzen in einen bereitgestellten Hut zu legen. Im Anschluss an das Prangerstehen wurden die Verurteilten mit Rutenhieben unter dem Spott der Schaulustigen über den Marktplatz getrieben. Zuletzt beförderte man sie mit einem Fußtritt aus dem Oberen Stadttor. Der Hut mit den Münzen wurde ihnen hinterhergeworfen. Die Zeit, in der Menschen an Häuserfassaden an den Pranger gestellt wurden, ist glücklicherweise vorbei; heute aber dienen nicht selten virtuelle Räume als Schauplätze dieser niederträchtigen Praxis.

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Das Matthäus-Hörfarter-Denkmal
Wohl kaum ein Mensch hat sich in Kufstein so beherzt und erfolgreich für Belange wie Frühförderung, Bildung und Chancengleichheit eingesetzt, wie Matthäus Hörfarter. Dabei lagen zahlreiche Hindernisse auf dem bewegten Lebensweg des Geistlichen. Matthäus Hörfarter wurde 1817 als Sohn eines Bauern in Kössen geboren. Der als kränklich beschriebene Junge eignete sich wohl nicht für die harte körperliche Arbeit am Hof und wurde von der Kirche in Bildungsobhut genommen. Mit nur 25 Jahren wurde Hörfarter zum Priester geweiht. Nach seinem Doktoratsstudium in Rom trat er eine Professur in Salzburg an. Als Anhänger des liberalen Reformkatholizismus wurde der junge Geistliche dort jedoch angefeindet. So verschlug es ihn als Pfarrer und Dekan nach Kufstein. Hier gründete er 1870 den ersten Kindergarten Tirols und finanzierte später die erste Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen in ganz Österreich. Zudem reformierte er die Volksschule und gründete eine Fortbildungsschule für Mädchen. Neben der Bildung hatte sich der umtriebige Pfarrer auch der Natur verschrieben; im Jahr 1877 rief er die Alpenvereinssektion Kufstein ins Leben. Hörfarter förderte unter anderem die Erschließung des Kaisergebirges und war somit ein Pionier des Fremdenverkehrs in Kufstein.

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Die Stadtpfarrkirche St. Vitus wurde Anfang des 15. Jahrhunderts im Stil der Gotik errichtet und um 1660 im Stil des frühen Barocks renoviert. Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte eine Ausstattung mit klassizistischem Mobiliar, um dem Geschmack der damaligen Zeit gerecht zu werden. In der gegenüberliegenden Dreifaltigkeitskirche hatten von 1681 bis 1810 Mitglieder des Augustinerordens eine Niederlassung. Auch diese Kirche wurde einst in gotischem Stil erbaut und verfügt heute über eine Rokoko-Ausstattung. Darunter befindet sich die ehemalige Grabkirche.

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Die Pfarrkirche ist dem Heiligen St. Vitus geweiht. Dieser Märtyrer wurde der Legende nach an der Südwestküste Siziliens geboren und um das Jahr 300 als erst Siebenjähriger in siedendes Öl geworfen. Er gilt unter anderem als Patron der Bierbrauer, Apotheker, Schauspieler, der Lahmen, Tauben und Blinden sowie der Haustiere.

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Auf den ersten Blick bietet sich der Innenraum als dreischiffige gotische Hallenkirche mit einem Chor im 3/8-Schluss dar. Aus den schlanken, in den ersten drei Jochen sechseckigen Tuffsteinsäulen wachsen schön profilierte Gurtbogen ohne den Übergang eines Kapitells heraus: Kennzeichen der späten Gotik. Die lichten Maße: 34,3 m lang, 15,5 m breit, 9,8 m hoch.

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Die Altaraufbauten in Stucco lustro schuf der heimische Bildhauers Josef Stumpf. Das Hochaltarblatt thematisiert die Glorie des Kirchenpatrons St. Vitus, am linken Seitenaltar thront die Gottesmutter mit Jesuskind zwischen den hll. Barbara und Katharina, während das rechte Altarblatt die Losbindung des toten Märtyrers Sebastian vom Baum zeigt. Die der besten Schaffensperiode Josef Arnolds zugehörigen Bilder zeigen den führenden Tiroler Maler des Spätklassizismus. Josef Arnold der Ältere (1788-1879) aus Stans bei. Schwaz, in Innsbruck ansässig, war sowohl Fresken- als auch Tafelbildmaler.

Die erneuerten liturgischen Orte Volksaltar (gespendet von der Baufirma Anton Rieder) und Ambo schuf Steinmetz J. GUGGENBERGER, Kramsach, nach Entwürfen von Architekt PETER SCHUH, Salzburg.
Der Tabernakel wurde 1911 bei Bildhauer FRANZ EGG, Innsbruck, und Goldschmied JAKOB PHILIPP RAPPEL, Schwaz, bestellt.

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1976 wurde durch die Tiroler Orgelbauanstalt REINISCH-PIRCHNER, Steinach, eine neue Orgel errichtet. Das Werk hat 21 Register, verteilt auf Hauptwerk, Rückpositiv und Pedal.

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Das älteste Mobiliarstück, welches heute in der Kirche zu finden ist, stellt der klassizistische Hochaltar des Tiroler Bildhauers Josef Stumpf dar. Dar Altaraufbau besteht im Wesentlichen aus zwei auf Postamenten stehenden Säulen mit ionischen Kapitellen, welchen einen Dreiecksgiebel tragen. Direkt unterhalb des Giebels findet sich ein ornamentaler Zierfries mit floralen Motiven und Engelsköpfen. Der Giebel selbst trägt in seinem Zentrum das aus dem Barock stammende Symbol für Gott: ein Dreieck mit einem Auge in der Mitte, umgeben von einem Strahlenkranz. Flankiert wird der Altar von zwei Apostelstatuen, welche vermutlich vom Kufsteiner Bildhauer Kaspar Bichler (19. Jahrhundert) stammen. Vom Altar aus gesehen rechts findet sich Petrus, erkennbar an den Schlüsseln in seiner Hand, und links Paulus, zu identifizieren anhand des Schwertes und des Evangeliums in seinen Händen.

Das Altargemälde stammt vom Tiroler Künstler Josef Arnold dem Älteren (1788–1879) und zeigt den Titelheiligen der Kirche (Hl. Vitus) als Märtyrer vor Maria und Christus. Als Märtyrer weist ihn neben dem Lorbeerkranz über seinem Haupt auch eines seiner Attribute aus – der Kessel mit siedend heißem Öl. Arnolds Stil ist eine Mischung aus klassizistischen und romantischen Elementen: Kleidung, Haltung, Mimik und Gestik der Figuren erinnern an Heinrich Friedrich Füger, das Kolorit hingegen an die Nazarener.

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Deckenbilder - Den Schmuck der Decke erhielt die Kirche 1929 durch den akad. Maler RUDOLF STOLZ (1874-1960) aus Bozen, Vertreter einer neusachlich-expressiven Stilrichtung, der sich bei einem Wettbewerb gegen die neobarock geprägten Entwürfe des Innsbrucker Malers Raffael Thaler durchsetzte. Die Bilder mit einem umfangreichen ikonographischen Programm des führenden Tiroler Meisters der monumentalen Wandmalerei hatten sich ursprünglich über die gesamte Gewölbefläche erstreckt, wurden aber bei der Innenrestaurierung 1959/60 teilweise übermalt. 2009 konnte der Großteil der mit sensibler Einfühlung geschaffenen Secco-Begleitmalerei wieder freigelegt werden, ebenso die Deckenmalerei im Chor. Die eindrucksvollen Gestalten versinnbildlichen im ersten Gewölbe des Hauptschiffs die vier großen Propheten des Alten Bundes (Isaias, Jeremias, Daniel und David), im zweiten Gewölbe die vier Evangelisten (Matthäus, Markus, Lukas und Johannes) und im dritten Gewölbe die vier letzten Dinge des Menschen (Tod, Gericht, Himmel und Hölle). Ebenso stammt das Bild des „Göttlichen Kinderfreundes" unter der Orgelempore von Stolz.

Das zweite Joch zeigt die vier Evangelisten anhand der ihnen zugeordneten Symbolen und namentlichen Inschriften. Zudem finden sich darüber verschiedene Darstellungen. Im Zentrum dieses Joches, eingelassen in ein Loch, findet sich eine Heiliggeist-Taube, umgeben von einem goldenen Strahlenkranz. Über dem Evangelisten Markus (Löwe) findet sich der Heilige Johannes der Täufer, ihm gegenüber – oberhalb des Evangelisten Lukas (Stier) – sein Vater, Zacharias. Über dem Evangelisten Matthäus (geflügelter Mensch) erkennt man Maria an der Wiege Christi, hinterfangen vom bethlehemitischen Stern und als Letztes, ihr gegenüber, oberhalb des Evangelisten Johannes (Adler) Christus mit einem offenen Buch in der Hand, auf welchem die griechischen Buchstaben Alpha und Omega zu lesen sind. Diese beziehen sich auf einen biblischen Vers nach Off. 22,13: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“.

2. Gewölbejoch: Die Evangelisten

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Der gotische Bau der St. Vitus-Kirche wurde spätestens 1420 vollendet und bildete den Nachfolgebau einer bereits bestehenden Kirche. Es handelt sich dabei um eine dreischiffige Hallenkirche mit polygonalem Chorabschluss.
In den Jahren 1660 bis 1661 wurde sie barockisiert, um sie dem Geschmack der Zeit anzupassen. Diese Änderungen sind noch heute sichtbar: Fassade, Turmabschluss, Zwiebelhelm und Außengestaltung sowie Farbgebung entstammen haben mit der gotischen Erscheinung der Kirche nichts mehr gemein. Auch die Betonung der Fassadenmitte durch einen Risalit und die Unterteilung mittels farblich abgesetzter Pilaster und Lisenen ist charakteristisch für den frühen, noch relativ streng wirkenden Barock.

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Kreuzweg

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DREIFALTIGKEITSKIRCHE UND TOTENGRUFT

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Diese schmucke Kapelle verdankt ihr Entstehen dem frommen Sinn des Kufsteiner Bürgers Christian Weinränntl, der 1502 „in der Gruft seiner Neuen Capellen neben St. Veits Kirchen eine ewige und tägliche Meß" stiften ließ. Dort befindet sich noch sein Grabstein. Wappengrabsteine aus dem 16. Jahrhundert sind auch an der Nordfassade erhalten. In ihrem heutigen Aussehen stammt die Kapelle aus dem Jahr 1705, als nach dem verheerenden Brand das Netzgratgewölbe samt dem Chorschluss neu aufgeführt werden musste. Den Umbau leitete damals Stadtbaumeister MARTIN BOCK. Die Augustiner benützten während ihrer Wirksamkeit in Kufstein die Dreifaltigkeitskirche als Hauskapelle.

Der herrliche Rokoko-Baldachinaltar stellt die Krönung der Gottesmutter durch die Hl. Dreifaltigkeit dar. Der grazile Aufbau und der plastische Schmuck rechtfertigen eine Zuschreibung der Arbeit an den Bildhauer FRANZ STITZ (Zell bei Kufstein, um 1765). Das Bild Mariens findet sich in der Mitte in einem reich getriebenen Rocaillerahmen. Es ist ein Maria-Trost-Bild der Madonna vom schwarz-ledernen Gürtel, vom Orden der Augustiner (sowohl Eremiten als auch Chorherren) in Maria-vom-Trost-Bruderschaften und „Gürtelbruderschaften Maria vom Trost" besonders verehrt. Vermutlich schuf dieses vorzügliche Ölbild der aus Tarrenz bei Imst gebürtige Maler JOHANN MICHAEL GREITER (1736-1786), der vornehmlich für Augustinerklöster arbeitete (vgl. Seefeld, Rattenberg und Salzburg-Mülln).

Unter dem Marienbild gruppieren sich um den Tabernakel die Heiligen des Augustinerordens, in der oberen Reihe (v. I. n. r.): hl. Augustinus, Ordenspatron (+ 431); hl. Nikolaus von Tolentino, Bekenner (+ 1306); hl. Johannes a. S. Facundo, Bekenner (+ 1479); hl. Clara von Montefalco, Äbtissin und Mystikerin (+ 1308); in der unteren Reihe: hl. Thomas von Villanova, Bischof und großer Wohltäter (+ 1555); hl. Gelasius, Papst (+ 496); sel. Johannes Bonus, Ordensstifter (+ 1249); hl. Wilhelm von Maleval, Ordensstifter († 1157).

Innenraum der Dreifaltigkeitskirche, links vom Altar die barocke Kreuzgruppe, rechts ein Herz-Jesu-Bild aus dem 19. Jahrhundert

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Das wichtigste Wahrzeichen ist ohne Zweifel die Festung Kufstein auf dem 90 m hohen Festungsberg im Zentrum der Stadt, die erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt wurde. Weithin sichtbar ist der repräsentative Kaiserturm, der 1518–1522 errichtet wurde. Im 18. Jahrhundert und während der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Festung als Gefängnis.

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Orgel der Festung Kufstein: Auf der Festung Kufstein befinden sich mit der stadtweit hörbaren Heldenorgel die größte Freiluftorgel der Welt und ein Heimatmuseum.

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Urkundlich erwähnt wurde die Festung erstmals im Jahre 1205. Vermutlich wurde jedoch spätestens im 12. Jahrhundert eine einfache romanische Burganlage am höchsten Punkt des Felsens erbaut. Seit jeher bestand eine der Hauptaufgaben der Anlage darin, Angriffe abzuwehren; lange Zeit aber befand sich auf der Burg auch der Verwaltungssitz des Gerichtes Kufstein. Zahlreiche Belagerungen und Kriege musste die Festung zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert über sich ergehen lassen. Immer wieder mussten Teile von ihr als Gefängnis herhalten. Von den Nationalsozialisten wurde sie darüber hinaus für NS-Propagandazwecke vereinnahmt. Seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts scheint nun aber endlich der Frieden Einzug in die mitgenommenen Gemäuer gehalten zu haben.

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Die Festung Kufstein hat wahrlich viele Gesichter. Heutzutage aber muss sie sich nicht mehr so grimmig und wehrhaft zeigen wie früher. Die Menschen, die nun zwischen ihren geschichtsträchtigen Mauern wandeln, wollen sie nicht mehr bezwingen oder zerstören. Sie wollen von ihrer bewegenden Geschichte lernen, auf ihren breiten Schultern dramatische Ausblicke ins Umland genießen, sich beim Ritterfest oder Operettensommer vergnügen oder am Weihnachtsmarkt verzaubern lassen. Dabei zeigt sich die Festung heute wohl so vielseitig, charmant und eindrucksvoll, wie noch nie in ihrer über 800 Jahre langen Geschichte.

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800 Jahre Geschichte auf 24.000 m²
In einer Urkunde aus dem Jahr 1205 findet sich die Burg Kufstein zum ersten Mal erwähnt. Aus diesem „chastrum choufstain" ging im Lauf der Jahrhunderte jene Festung hevor, die sich heute auf einem Dolomitfelsen in drei Terrassen von Norden nach Süden erstreckt. Ihre Ausmaße sind gewaltig: Die Festung nimmt eine Länge von 400 Metern und eine Fläche von mehr als 24.000 Quadratmetern ein. Als Werk von mehreren Generationen trägt sie die Stempel unterschiedlicher Epochen, Zeitumstände und Einflüsse ... und macht so 800 Jahre Geschichte anschaulich.

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Auf Ihrem Rundgang durch das imposante Festungsgelände erleben Sie das Geschehen von Jahrhunderten wie im Zeitraffer. Lassen Sie sich dabei ganz von Ihren Interessen leiten! In vier Abschnitten gibt der Festungsparcours Einblicke in unterschiedliche Kapitel der Festungsgeschichte. Ausstellungen und Multimedia-Installationen laden Sie dazu ein, sich Ihr eigenes Bild zu machen: vom Kräftemessen der Herrscherhäuser, von bahnbrechenden Entwicklungen im Festungsbau, vom Leben auf einer Festung... und von einer Region, in der es über politische Grenzen hinweg regen wirtschaftlichen und kulturellen Austausch gab.

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Aufstieg zur Grenzfestung -Kufstein kommt zu Tirol
Waren zu Beginn des 13. Jahrhunderts noch der Herzog von Bayern und das Bistum Regensburg Besitzer der Burg Kufstein, konnten sich bis 1213 die bayerischen Herzöge als alleinige Herrscher durchsetzen. Auch die Grafschaft Tirol lag damals in ihrem Herrschaftsbereich, begann sich aber unter den Grafen von Tirol zunehmend von Bayern zu lösen. Im Lauf des 13. Jahrhunderts etablierte sich Tirol als selbstständiges Land. Mitte des 14. Jahrhunderts vermachte dann die damalige Landesherrin Tirols, Margarete „Maultasch", ihren Besitz mangels Erben noch zu Lebzeiten ihren nächsten Verwandten, den Habsburgern.

Doch auch die bayerischen Wittelsbacher erhoben Erbansprüche an dem wirtschaftlich und strategisch bedeutenden Land - schließlich war Margarete in zweiter Ehe mit einem der Ihren verheiratet gewesen. Die bayerischen Angriffe blieben indes erfolglos, und 1369 fiel Tirol im Frieden von Schärding endgültig an die Habsburger. Nicht jedoch Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg - diese standen weiterhin im Einflussbereich Bayerns. Im bayerischen Erbfolgekrieg witterte der Habsburger Maximilian I. dann aber die Chance, die drei Herrschaften für Tirol zu gewinnen. Die Eroberung Kufsteins 1504 machte ihn zum Herrn des Unterinntales und Kufstein zur Grenzfestung.

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Kaiserturm - Nach Vorstellungen Kaiser Maximilians I. von 1518 bis 1522 unter Baumeister Michael Zeller errichteter und den neuesten militärischen Anforderungen laufend angepasster Kanonenturm. An der Basis sind die Mauern 7,5 Meter stark.

Seit Kaiser Maximilian I. die Festung Kufstein umbauen ließ, prägt der Kaiserturm die Wehranlage hoch über der Stadt. Ursprünglich als Geschützturm erbaut, war er im 18./19. Jahrhundert Teil des Staatsgefängnisses auf der Festung Kufstein. Der Kaiserturm erhielt damit eine andere Funktion: Nach dem Einbau von 13 Zellen waren hier vor allem politische Häftlinge inhaftiert. 1865 wurde das Staatsgefängnis aufgelassen.

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Erbauung: 1518-1522
Baumeister: Michael Zeller
Grundrissform: kreisrund
Mauerdicke: rd. 4 bis 7,5 m
Innerer Durchmesser: ca. 21 m 

1734-1745: Sein heutiges Aussehen verdankt der Kaiserturm einem barocken Umbau. Johann Martin Gumpp d. J. gestaltete das oberste Geschoss neu und veränderte dabei auch den Dachstuhl.
1745-1760: In den Turm wurden im dritten Stock 13 Gefängniszellen eingebaut.

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Die Festung Kufstein – ein Staatsgefängnis in revolutionären Zeiten
Gleich drei große Revolutionen erfassten Europa im ausgehenden 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: 1789 stellte die Französische Revolution die Welt auf den Kopf auch 1830 und 1848 nahmen große Revolutionswellen ihren Ausgang in Frankreich. Bürgerinnen und Bürger verlangten Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, forderten Mitbestimmung und Reformen. In der Habsburgermonarchie, dem „Vielvölkerstaat", drängten Volksgruppen wie Ungarn, Tschechen oder Italiener auf „nationale" Unabhängigkeit. Auch die deutschsprachigen Österreicher strebten einen deutschen Nationalstaat an.

In allen diesen Zeiten ging die Obrigkeit hart gegen Andersdenkende vor, schlug Aufstände nieder und brachte jene, die sich regimekritisch äußerten, hinter Gitter. Auch im Kufsteiner Staatsgefängnis büßten Menschen für ihre Überzeugungen mit langjährigen Haftstrafen. Ausgewählte Biografien dieser Häftlinge geben Einblick in den Gefängnisalltag und die Haftbedingungen zu verschiedenen Zeiten in der etwa hundertjährigen Gefängnisgeschichte.

Die Festungshaft galt als eine besondere Form der Freiheitsstrafe, die vor allem über Angehörige höherer Stände und bei politischen Vergehen wie Landes- und Hochverrat verhängt wurde. Im 18. Jahrhundert waren wichtige Festungen der Habsburgermonarchie in Gefängnisse umgewandelt worden, wie Spielberg bei Brünn, Munkács im heutigen Ungarn und eben auch Kufstein. Die Verurteilten waren ohne Beschäftigung sich selbst überlassen. Sie saßen ihre Strafe möglichst weit von ihren Heimatorten entfernt ab, was eine Flucht verhindern oder zumindest erschweren sollte. Art und Umfang der Strafen waren im Strafgesetzbuch geregelt. Verurteilungen waren jedoch sehr langwierig. Oft saßen die Angeklagten jahrelang in Untersuchungshaft bis das Urteil von mehreren Instanzen geprüft und vom Kaiser bestätigt wurde.

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Im Laufe der etwa hundertjährigen Geschichte des Staatsgefängnisses Kufstein erlebte das Strafgesetz mehrere Reformen. Dabei stand das Bemühen um humanere Bestimmungen (Abschaffung der Folter) gegen den Wunsch, möglichst abschreckende Strafen androhen zu können. 1787 unterschied man unter Josef II. zwischen kriminellen und politischen Straftaten und beschrieb diese in 82 Paragraphen. Er schaffte die Todesstrafe ab und setzte stattdessen auf harte, lange Haftstrafen. Franz II. führte nur acht Jahre später die Todesstrafe wieder ein und unterteilte die Haft nach der Schwere der Haftbedingungen in drei Grade. Aus diesem Strafgesetzbuch von 1803 wurde 50 Jahre später die in Teilen aktualisierte Fassung von 1852. Dieses blieb faktisch über das Ende der Monarchie bis in die 1970er-Jahre in Kraft.

Nach dem damals geltenden Strafgesetz mussten auch politische Gefangene Fußfesseln tragen. Ferenc Kazinczy wurde 1799 sogar angedroht, dass man ihm eine große Kugel anschmieden werde, wenn er sich nicht ordentlich verhalte. Als Haftkleidung dienten eine Wolljacke mit Zinnknöpfen und eine Wollhose mit Lederknöpfen an den Seiten. Ihre Privatkleidung konnten in Kufstein jene Häftlinge tragen, die mehr als ein Gewand besaßen. Alle anderen mussten ihre Kleidung bei Haftantritt abgeben und erhielten sie erst bei der Entlassung zurück.

Sándor Rózsa in Ketten auf der Festung Kufstein. Darauf ist zu erkennen, wie das Kettenband am Hüftgurt befestigt wurde.

Diese Fußfessel wurde von einem Häftling in der Festung Kufstein getragen. Das lange Kettenband wurde dabei um den Hüftgurt geschlungen, um leichter gehen zu können.

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In Kufstein kontrollierte und bewachte das Militär die Gefangenen. Das Festungs-kommando - abwechselnd von verschiedenen Regimentern gestellt - musste in regelmäßigen Abständen dem Hofkriegsrat bzw. dem Ministerium mit Sitz in Wien berichten: Es wurde über die Gefangenen detailliert Protokoll geführt und ihr Verhalten in sogenannten Standesausweisen festgehalten. Zeitweise wurden die Gefangenen - möglichweise zur Geheimhaltung - ohne Angabe der Namen nur unter einer Nummer geführt.

Im Staatsgefängnis auf der Festung Kufstein waren sowohl politische als auch kriminelle Gefangene inhaftiert. Sie waren entweder im dritten Stock des Kaiserturms, im Stabsstockhaus (1938/39 abgerissen) oder auch in Räumen der Oberen Schlosskaserne untergebracht. Doch wer waren die Gefangenen, die in Kufstein einsaßen? Ihre Namen und die Strafen, die sie verbüßten, lassen sich heute nur mehr schwer herausfinden. Originaldokumente wie „Standesausweise", in denen Personaldaten vermerkt waren, sind nur aus wenigen Jahren erhalten. So führt die Spurensuche über die Originalquellen hinaus zu Abschriften aus jüngerer Zeit.

In der Festung Kufstein waren Männer und Frauen aus vielen Regionen des Habsburgerreichs inhaftiert, darunter viele Gefangene nicht deutscher Muttersprache. Bis ins 19. Jahrhundert war es üblich, ihre Namen nach Gehör zu notieren. Erst später gab es Versuche, beim Abschreiben der „eingedeutschten" Namen zur Herkunftssprache zurückzukehren. Aus diesem Grund liegen verschiedene Schreibweisen vor. Hinzukommt, dass nicht zu jedem Gefangenen die Haftursache vorliegt.

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Sándor Rózsa
*13.7.1813 in Szegedin/Ungarn; † 22.11.1878 in Szamosújvár/Siebenbürgen
Haftdauer: um 1858-1868
In Kufstein inhaftiert: 7.1859-8.1865

Ein Räuberhauptmann in Kufstein
Der gefürchtete Bandenchef Sándor Rózsa unterstützte 1848 mit einer Reiterschar die ungarische Revolution. Nach deren Niederschlagung nahm er sein Räuberleben wieder auf. Ab 1856 wurde er auch wegen unzähliger Mord- und Raubzuge gesucht und geriet um 1858 in Haft. Rósza wurde zum Tod durch den Strang verurteilt und später zu lebenslänglicher Festungshaft mit schwerem Eisen begnadigt Die Haft musste er in Kufstein absitzen möglichst weit weg von seinen bisherigen Wirkungsorten und damit mit geringer Aussicht auf Flucht. Nach acht Jahren Haft, in denen er sich vorbildlich verhalten haben soll, wurde er 1868 begnadigt. Kurz darauf betätigte er sich jedoch wieder als Räuberhauptmann, wurde 1869 verhaftet und starb 1878 in einem ungarischen Gefängnis.

Sándor Rózsa - Held oder Verbrecher?
Rózsa übte auch über seinen Tod hinaus eine große Anziehungskraft auf Menschen aus. Diese Berühmtheit ließ wohl auch den 1880 auf der Festung stationierten Soldaten Baier zum Pinsel greifen und Rózsa malen. Das Gemälde, das Rózsa im Gewand eines Pferdehirten zeigt, wurde später zerstört. Die Kopie, die sich heute an der Zellenwand befindet, konnte nach einer Fotografie angefertigt werden. Bereits zu Lebzeiten rankten sich um Sándor Rozsa etliche Mythen. So trug auch literarische Verklärung dazu bei, dass aus dem Rauberhauptmann eine romantische Figur à la Robin Hood wurde. Das führte zu mancher Diskussion darüber, ob Rózsa als Held oder Verbrecher wahrzunehmen ist.

Eine gelungene Flucht aus dem Kaiserturm ist nicht bekannt. Den spektakulärsten Versuch wagten die Polen Stanisław Marynowski und Kaspar Cięglewicz 1842 von dieser Zelle aus. Mit einem Stück Blech des Ofens gruben sie unter dem Fenster ein Loch, um dann mit einem Band aus Leintuchstreifen die knapp darunter liegende Mauer zu erreichen. Marynowski schaffte es, Cięglewicz passte nicht durch das Loch. Weit kam aber auch Marynowski nicht, weil ein Geräusch die Wachen alarmierte. Auch bei Rózsa befürchtete man einen Ausbruch. Als die Wachen hinter einem nachts aufblitzenden Licht im Wald den Versuch vermuteten, Kontakt mit ihm aufzunehmen, ließ man sein Zellenfenster mit Holz verschlagen. So verblieb er in der Festung bis zu seiner Verlegung.

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Die Ideen der Französischen Revolution verbreiten sich
Österreich blieb nicht unberührt von den Entwicklungen in Frankreich. Forderungen nach Menschen- und Bürgerrechten, einer konstitutionellen Monarchie oder gar der Ausrufung einer Republik waren auch in der Habsburgermonarchie zu hören. Doch die Obrigkeit ging rücksichtslos gegen die Anhänger einer neuen Ordnung vor. Der Kaiser, der sich einer möglichen Gefahr durch französische Agenten bewusst war, ließ verdächtige Ausländer, insbesondere Franzosen und Italiener, überwachen. Einige von ihnen wurden verhaftet, aus Sorge, das Gedankengut könnte „überspringen“.

Unter Verdacht -„Jakobiner" in Österreich
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die Schlagworte der Französischen Revolution, fanden auch in Österreich vielfach Anklang. Und wie die Jakobiner in Frankreich machten sich auch in Wien und Ungarn Menschen für die Einführung der Demokratie stark. Für sie hatte es schwerwiegende Folgen, dass sich die französischen Jakobiner 1793 radikalisierten und ein Terrorregime errichteten. Als „habsburgische Jakobiner" eingestuft, wurden sie den revolutionären Kräften in Frankreich gleichgesetzt und des „Landesverrats" verdächtigt. Damit drohte ihnen die Todesstrafe oder jahrelange Festungshaft.

Aufruf zu einem antiaristokratischen Gleichheitsbund
Mitte 1792 formulierte Andreas Riedel einen „Aufruf an alle Deutsche zu einem antiaristokratischen Gleichheitsbund", schrieb ihn 22 Mal ab und versandte den Text anonym an bekannte Persönlichkeiten in deutschen Städten. Damit wollte er sie dafür gewinnen, gemeinsam mit ihm die Situation der unteren Schichten zu verbessern. Ursprünglich überzeugt, den Übergang zur Demokratie ohne Gewalt verwirklichen zu können, begann er unter den besonders restriktiven Bedingungen in der Ära Franz II. sogar über einen gewaltsamen Umsturz nachzudenken.

Dem Tod nur knapp entronnen
Als die „Jakobiner-Gruppe" um den Demokratieanhänger Riedel gefasst wurde, verlangte Kaiser Franz II. für ihre Mitglieder die Todesstrafe, obwohl diese im Strafgesetzbuch für Zivilisten nicht mehr vorgesehen war. Die übermäßige Härte hat vermutlich einen persönlichen Grund. Riedel hatte ab 1779 den damals elfjährigen späteren Kaiser und dessen Bruder Ferdinand in Mathematik unterrichtet - sehr zum Missfallen des kleinen Franz. Zwar konnte der Kaiser für Riedel die Todesstrafe nicht durchsetzen, er erreichte aber seine Verurteilung zu 60 Jahren im schwersten Gefängnis zweiten Grades auf einer Festung.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Obere Schlosskaserne
Bereich der "Ur"-Burganlage mit Wohn- und Verwaltungsräumen, entstanden vermutlich im 12. Jahrhundert. Die heutigen Bauten stammen aus der Barockzeit (17./18. Jh.). In diesem Teil der Oberen Schlosskaserne befand sich das 1939 abgerissene Stabsstockhaus, das um 1800 als Gefängnis diente. Zuvor stand hier ein Holzbau aus dem Mittelalter mit Bäckerstube, Küche und einer Zisterne.

Maximilian I. – ein Meister der Militärtechnik
Mittelalterliche Ritterturniere waren Maximilians Leidenschaft. Auf dem Schlachtfeld ging die Zeit der Ritter freilich zu Ende. Im Wissen darum nutzte Maximilian I. neue Erkenntnisse des Kriegswesens. Er setzte verstärkt auf bewegliche Fußtruppen aus Söldnern, sogenannte Landsknechte. Bewaffnet mit Spießen und Hellebarden, revolutionierten diese die Kriegsführung und brachten Maximilian den Beinamen „Vater der Landsknechte" ein. Besonders angetan hatten es ihm aber die modernen Feuerwaffen, deren Entwicklung und Einsatzmöglichkeiten. Im Raum Innsbruck fand Maximilian ideale Voraussetzungen für den Aufbau eigener Produktionsstätten vor: Neben einem bereits bestehenden Geschützpark und dem hier vorhandenen Know-how waren in Tirol jene Rohstoffe im Überfluss vorhanden, die es für die Herstellung der Kanonen brauchte. So schuf Maximilian I. hier das modernste Artilleriewesen Europas.

Maximilian – der erste Kanonier des Reiches
Von Jugendtagen an beschäftigte sich Maximilian mit der Artillerie. In Burgund bekam er Einblick in den damaligen Stand der Technik in Sachen Kanonenherstellung. Fortan erwies er sich als innovativer Vordenker auf diesem Gebiet. Der Herstellung von Geschützen in seinen Tiroler Werkstätten wohnte Maximilian häufig persönlich bei. Er tauschte sich mit den Meistern aus und legte in der Gusshütte selbst Hand an. Auch brachte er eigene Ideen ein: So war der im Hintergrund der Gusshütte abgebildete Flaschenzug für Kanonenrohre eine Erfindung Maximilians. Auch im Feld kannte er keine Berührungsängste: Maximilian inspizierte die Geschütze aus nächster Nähe und soll sie bisweilen sogar selbst bedient haben mit großer Treffsicherheit. Zu Maximilians Zeiten waren die Geschütze oftmals reich dekoriert. Sie sollten nicht nur durch ihre Feuerkraft Wirkung zeigen, sondern auch durch ihr Aussehen: Die Verzierungen der Kanonen setzten Maximilian als Herrscher kunstvoll in Szene. Auch auf der hier abgebildeten Kartaune lassen sich interessante Details erkennen.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Maximilian I. und die Plattnerkunst
„Was gibt es für einen König Größeres als einen Harnisch?", meinte Maximilian I. Entsprechend große Bedeutung maß er der Kunst der Rüstungsschmiede zu: In sogenannten Plattnereien wurden die Körperpanzer aus Eisen oder Stahl gefertigt. In seiner Hofwerkstatt in Innsbruck, die europaweit für ihre Qualität bekannt war, entstanden nach Maximilians Wünschen und Anregungen prunkvolle Rüstungen aller Art. Auch die Ausstattung für seine Landsknechtheere wurde hier im Akkord hergestellt.

Die Rüstungsmode zur Zeit Maximilians I.
Die hier ausgestellten Rüstungen und Kostüme wurden nach historischen Vorlagen angefertigt. Einmal jährlich sind sie „in Aktion" zu erleben: Beim traditionellen Ritterfest auf der Festung Kufstein werden sie von Mitgliedern des Heimatkundevereins Kufstein getragen, in dessen Besitz sie stehen. Diese Beispiele zeigen, welche Elemente eine Rüstung um 1500 auszeichneten. Außerdem führen sie vor Augen, dass ihr Aussehen immer auch Ausdruck des Zeitgeistes war: Veränderungen in der Kriegsführung beeinflussten Machart und Stil der Rüstungen ebenso wie die Kleidermode. In Maximilians Regierungszeit fällt die Entwicklung des Riefelharnischs, auch „Maximiliansharnisch" genannt. Die Riffelungen ahmen die faltenreiche Mode von damals nach, erwiesen sich letztlich aber auch als wirkungsvoller Schutz: Sie machten das Metall wider-standsfähiger.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Maximilian I. und Tirol
Maximilian I. gilt bis heute als eine der großen Herrschergestalten Europas. Als römisch-deutscher König und später Kaiser trug er Verantwortung für ein riesiges Reich. Als Oberhaupt des Hauses Habsburg wiederum hatte er die Machtansprüche seiner Familie fest im Blick. Zeitlebens führte Maximilian I. Krieg. Dass die Habsburger zur Weltmacht aufstiegen, war jedoch vor allem seiner klugen Heirats- und Erbvertragspolitik zu verdanken. 1490 wurde Maximilian I. Landesherr von Tirol und erkor Innsbruck zu seiner Residenz. Unter den vielen Ländern, die er regierte, kam der Grafschaft besondere Bedeutung zu und das nicht nur, weil sich der begeisterte Jäger und Bergsteiger gern hier aufhielt: Tirol lag strategisch günstig im Zentrum seines Reiches. Über die Alpen eröffnete es zudem den Weg nach Süden. Mit den Gewinnen aus dem Tiroler Bergbau finanzierte Maximilian I. seine Kriege um die Vormachtstellung in Europa. Auch Waffen und Ausrüstung seiner Armee stammten zum Großteil aus hiesigen Werkstätten. Die ursprünglich bayerischen Gerichte Rattenberg und Kitzbühel wurden unter Maximilians Herrschaft ebenso ein Teil von Tirol wie Kufstein. Die hoch über der Stadt thronende Burg ließ er zur Grenzfestung ausbauen.

Das Herrschaftsgebiet der Habsburger wuchs stetig und erstreckte sich bald über den gesamten Kontinent: Die von seinem Vater eingefädelte Ehe zwischen Maximilian und Maria, der Erbin des Herzogtums Burgund, im Jahr 1477 bescherte den Habsburgern Territorien im Nordwesten Europas. Mit der Verheiratung seiner Kinder nach Spanien und seiner Enkel nach Ungarn und Böhmen begründete Maximilian schließlich das habsburgische Weltreich, in dem die Sonne nie unterging«.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Revolution im geteilten Polen
1815, nach vielen Jahren von Revolution und Krieg, war Napoleon vernichtend geschlagen. Europa ordnete sich auf dem Wiener Kongress 1814/15 neu. Zensur und Spitzelwesen sollten eine Rückkehr revolutionärer und nationalistischer Umtriebe verhindern, was aber ohne nachhaltigen Erfolg blieb: Schon 1830 kam es erneut zu Revolutionen. Polen-Litauen war bereits zwischen 1772 bis 1795 von der Landkarte verschwunden, nachdem Russland, Preußen und Österreich das Gebiet unter sich aufgeteilt hatten. Unter Napoleon hatte es für kurze Zeit wieder ein polnisches Königreich gegeben, doch war auch dieses der Neuordnung von 1815 zum Opfer gefallen. 1830/31 kam es im russischen Teil Polens zum „Novemberaufstand". Nach dessen Niederschlagung flohen viele Aufständische über die Grenze nach Galizien, in den österreichisch regierten Teil Polens. Als sie zwischen 1833 und 1846 von dort aus versuchten, neue Aufstände im russischen Teil zu organisieren, verfolgte sie Österreich aus Solidarität mit dem Zarenreich. Einige der polnischen Aufständischen waren in der Folge in der Festung Kufstein inhaftiert.

Der lange Arm Russlands
Ab 1795 war Polen zwischen Russland, Preußen und Österreich aufgeteilt. Im russischen Teil kam es 1830/31 zum Novemberaufstand, den die Russen niederschlugen. Viele Aufständische gingen ins Exil nach Frankreich, Deutschland und Österreich, einige versuchten von dort aus, neue Aufstände zu organisieren. 1833 rief etwa Oberst Józef Zaliwski in Galizien, dem österreichischen Teil Polens, andere polnische Offiziere zum Partisanenkrieg gegen Russland auf. Doch die habsburgischen Behörden arbeiteten in Galizien eng mit Russland zusammen. Zwischen 1833 und 1846 verhafteten sie Tausende, verurteilten sie zu fünf bis zwanzig Jahren Kerker und verteilten sie auf verschiedene Gefängnisse. Die Gruppe um Zaliwski kam so nach Kufstein. Aus den Erinnerungen des ebenfalls in Kufstein inhaftierten Adolf Roliński wird deutlich, dass die österreichischen Behörden einige Anstrengungen unternahmen, um Informationen über Aufständische in Galizien zu erhalten. Sie spielten Gefangene gegeneinander aus, setzten sie unter Druck und verleiteten sie mit falschen Versprechungen zu Denunziationen und Falschaussagen.

„6-jähriger Festungsarrest in Eisen" für ein Gedicht
Höchst angespannt war die politische Situation in der Habsburgermonarchie 1848/49, als der ungarische Benediktinerpater und Schriftsteller Gergely Czúczór das Gedicht „Riadó" (auf Deutsch: Alarm) veröffentlichte. Die Ungarn rebellierten gegen die österreichische Herrschaft, diese reagierte mit besonderer Härte und wertete das Gedicht als Aufruf zum bewaffneten Aufstand. Czúczór wurde zu „6-jährigem Festungsarrest in Eisen" verurteilt.
In Kufstein kam der Dichter in Einzelhaft, die er zur Arbeit an Übersetzungen und einem Wörterbuch nutzte. Freunde konnten ihm - zensierte - Bücher und Schreibzeug zukommen lassen. Den Druck der Haft konnte dies aber nur zum Teil mildern.
„Was das Dichten anbelangt", schrieb Czúczór, „habe ich nicht das Gemüt des Vogels, der im Käfig ebenso singt und schlägt, wie unter dem freien schattigen Himmel. (...) Ein einziges Gedicht hatte ich ja mit befangenem Gemüt, aus unruhiger Seele geschrieben und ... das hab' ich gebüsst."

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

1848/49 - Revolutionen im „Vielvölkerstaat"
1848 erfasste wieder eine Revolutionswelle von Frankreich aus fast ganz Europa: Überall forderten die Bürger soziale, wirtschaftliche und politische Reformen. Im „Vielvölkerstaat" Österreich brannte es an allen Ecken und Enden: In der Hauptstadt Wien stritt man um eine liberale Verfassung und parlamentarische Einrichtungen. Die deutschsprachigen Österreicher wollten einen deutschen Nationalstaat. Ungarn machte sich selbstständig und setzte die Habsburger ab. Die Tschechen kämpften für die Gleichberechtigung der Slawen in der Monarchie. Volksaufstände in Mailand und Venedig eröffneten den Ersten Italienischen Unabhängigkeitskrieg. Am Ende standen einmal mehr die Niederschlagung der Aufstände und in der Folge ein deutlicher Zuwachs an Gefangenen auf der Festung Kufstein.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Beim Anblick der imposanten Festung, der sich während der Überquerung der Innbrücke bietet, lässt sich leicht übersehen, welch geschichtsträchtigen Weg man gerade beschreitet. Für die Menschen im Mittelalter war diese Brücke von enormer Bedeutung; immerhin bildete sie zwischen den je über 30 km entfernten Orten Rattenberg und Rosenheim den einzigen festen Verbindungsweg über den Inn. Die erste urkundliche Erwähnung einer hölzernen überdachten Brücke an dieser Stelle geht auf das Jahr 1339 zurück. Aufgrund von Hochwasserschäden und anderen Widrigkeiten musste die Holzbrücke im Laufe der Jahrhunderte von den Kufsteiner Bürger:innen mehrmals ausgebessert und erneuert werden. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde statt der hölzernen Brücke eine Stahlbogenbrücke errichtet, die jedoch „wegen ihrer allzu schmalen Fahrbahn und wegen ihrer hässlichen, Stadtbild und Landschaft verschadelnden Form" wenig Zuspruch in der Bevölkerung fand, wie eine Lokalzeitung berichtete. 1969 wurde sie von der immer noch bestehenden Brücke ersetzt. Heutzutage ist die Überquerung des Inns gleich an mehreren Stellen gewährleistet.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Maximilian I. - „letzter Ritter" und Herrscher an einer Zeitenwende
Maximilian I. lebte in einer Zeit großer Umbrüche: Bahnbrechende Neuerungen brachten jahrhundertealte Überzeugungen ins Wanken. Mittelalterliche Denkweisen waren im Begriff, von einem neuen Blick auf die Welt abgelöst zu werden. Diese Phase des Übergangs verkörperte Maximilian wie kaum ein anderer: Als „letzter Ritter", wie man ihn oft bezeichnet, hielt er die Tugenden des mittelalterlichen Rittertums hoch. Zugleich war er reformfreudig und konsequent dem Fortschritt verschrieben.

Ebenso umfassend gebildet wie praktisch veranlagt, verstand sich Maximilian I. als Visionär. Er dachte und handelte stets in großen Dimensionen. Das brachte ihn freilich in Geldnot. Durch die Ausgaben für seine Kriege und politischen Schachzüge geriet selbst seine Schatzkammer Tirol in Bedrängnis. Maximilian war aber auch ein Meister der Selbstinszenierung. Durch autobiografische Werke, Porträts und kostspielige Bauwerke schuf er ein Idealbild von sich, das er mithilfe der „modernen Medien" seiner Zeit - allen voran des Buchdrucks - verbreiten ließ.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Maximilian I.
Die Lebenszeit Maximilians L. fällt in die Übergangsphase zwischen Mittelalter und Neuzeit. Diese ist von bedeutsamen Erfindungen, Entdeckungen und historischen Ereignissen geprägt, die das Leben der Menschen stark veränderten.

Um 1450 - Johannes Gutenberg erfindet den modernen Buchdruck.
Maximilian wird am 22. März 1459 in Wiener Neustadt geboren.
Durch seine Heirat 1477 wird Maximilian Herzog von Burgund  
Maximilian wird 1486 zum römisch-deutschen König gewählt
 Maximilian ist 1490 nun Landesherr in Tirol und den Vorlanden.
Christoph Kolumbus entdeckt 1492 Amerika.
 Maximilian wird 1493 Herr der Habsburgischen Erblande.
Unter Maximilian I, werden die 1504 vormals bayerischen Gerichte Kufstein, Kitzbühel und Rattenk Rattenberg zu einem Teil Tirols.
Maximilian wird 1508 römisch-deutscher Kaiser.
Um 1510 - Nikolaus Kopernikus erkennt als Erster: Die Erde dreht sich um die Sonne.
Martin Luthers 95 Thesen erschüttern 1517 die Einheit der Kirche, Die Reformation beginnt.
 Kaiser Maximilian I. stirbt am 12. Jänner 1519 in Wels.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Als Inquisition (lateinisch inquisitio: gerichtliche Untersuchung) bezeichnet man seit dem Mittelalter kirchliche
Institutionen zur Verfolgung, Anklage und Verurteilung von so genannten Ketzern oder Häretikern. Die Inquisition wurde meist mit staatlicher Hilfe betrieben. Die Strafen und Urteile für diejenigen, die ihre Schuld bekannten (diese wurde nicht selten unter Folter erpresst) oder die man der Ketzerei überführte, wurden am Ende aller Prozesse in einer öffentlichen Zeremonie verkündet. Diese wurde Sermo generalis oder Autodafé genannt. Die Strafe konnte in einer Wallfahrt bestehen, in einer öffentlichen Auspeitschung, einem Bußgeld oder darin, dass der Verurteilte ein Kreuz durch die Straßen seines Orts tragen musste. Wer falsche Anklage erhob, musste ein Gewand tragen, auf
das zwei rote Stoffzungen aufgenäht waren. In schwereren Fällen konnten die Angeklagten auch mit der Konfiszierung ihres Eigentums oder mit Gefängnis bestraft werden. Da die Inquisitoren selbst keine Todesstrafe verhängen konnten, überstellten sie in besonders schweren Fällen den Schuldigen den weltlichen Behörden, die dann das Todesurteil aussprachen und vollstreckten.

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STORCH - Metall, 16. Jahrhundert (Replik)
Als Storch wird ein Gerät zur Fesselung bezeichnet. Die Fessel umschließt. Kopf, Arme und Beine und verursacht nach kurzer Zeit schwere Krämpfe.

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SCHÄDELPRESSE, KOPFSCHRAUBEN - Metall, 16. Jahrhundert (Replik)
Der Kopf des Delingquenten wurde in einem Schraubstock fixiert. Die Schraube wurde anschließend meißt so lange gedreht, bis die Schädelknochen brachen. Andere Kopfschrauben waren wie ein Stirnband mit Metallspitzen gefertigt. Die Kopfschrauben wurden um den Kopf gelegt und so lange festgeschraubt, bis sich die Zacken in den Schädel bohrten.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

SPANISCHES PFERD Holz, 15. Jahrhundert (Replik)
Die Fantasie der Folterknechte war grenzenlos. Zu den grausamsten und auch wirkungsvollsten Methoden der „Wahrheitsfindung" zählte das Spanische Pferd, das aus zwei im Winkel von 30 - 45 ° zusammengezimmerten Brettern bestand. Der Angeklagte musste sich - meist nackt - auf den Grat setzen. Langes Sitzen verursachte unerträgliche Schmerzen, die oft noch durch an die Füße gehängte Gewichte verschärft wurden. Diese Folter konnte mehrere Tage dauern, sodass der Gefolterte oft schon nach kurzer Zeit aufgrund der Unerträglichkeit der Schmerzen um den Tod bat.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Die Geschichte der Folter ist so alt wie die Menschheit selbst. Von jeher war der Mensch bestrebt, Macht über andere Menschen auszuüben und diese Macht mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auszuüben und durchzusetzen. Obwohl die Zeiten sich verändert haben, sind Folterungen heute noch aktuell und in vielen Ländern der Erde durchaus gängige Instrumente, um Macht zu demonstrieren und den Willen Andersdenkender zu brechen.
Der historische Hintergrund von Folterungen war häufig politischer oder religiöser Natur. Heute geht es dabei meistens darum, Informationen über Gleichgesinnte (Mittäter, Sympathisanten), Verbindungsstrukturen etc. in Erfahrung zu bringen, seltener um die Erpressung eines (objektiv ohnehin wertlosen) Geständnisses. Der Tod des Gefolterten (an den körperlichen Verletzungen, Entkräftung oder durch Selbstmord) wird häufig in Kauf genommen oder ist sogar Bestandteil des Verfahrens. Die Opfer verschwinden oft spurlos (so z. B. Zehntausende von Menschen zur Zeit der Militärdiktatur in Argentinien).

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AUFZIEHEN - Holz, Metall, Seil 15. Jahrhundert (Replik)
An Armen und Beinen gefesselt, wurden die Delinquenten so mittels Flaschenzug nach oben gezogen. Durch den Druck, der so auf den Körper ausgeübt wurde, dass die Schultern dabei, ohne sichtbare Anzeichen der Folterung, ausgerenkt wurden. Die Folter wurde so oft wiederholt, bis der so Maltretierte seine Schuld gestand.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

ZANGEN - Holz, Metall, 14./15. Jahrhundert (Replik)
Vielfältige Formen von Zangen wurden im Bereich der Folter verwendet, um den Verurteilten Schmerzen zuzufügen. Mittels der Zangen wurde der Körper so bearbeitet, um aus dem so Misshandelten entsprechende Geständnisse zu erzwingen.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Die Folterungen dienten dazu, aus ihnen Geständnisse entweder gegen sich selbst oder gegen andere herauszupressen. Werkzeuge hierbei waren Daumenschrauben und spanische Stiefel, mit denen Finger und Waden gequetscht werden konnten, der mit spitzen Nägeln bestückte Folterstuhl sowie Winde und Rad. Der perversen Phantasie der Folterknechte entsprangen darüber hinaus sexuelle Misshandlungen aller Art. Während des Mittelalters trug der Einfluss der römisch-katholischen Kirche dazu bei, dass Folterungen auch zum Instrument staatlicher Gerichte wurden. Die italienischen Stadtverwaltungen übernahmen die Folter früh, andere europäische Länder zogen nach, als Frankreich im 13. Jahrhundert ihren Gebrauch legalisierte. Schließlich gehörte die Folter zum Rechtssystem jedes europäischen Landes mit Ausnahme von Schweden.

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BRENNEN - Holz, Metall, 15. Jahrhundert (Replik)
Das Brennen war eine der grausamsten Arten, Geständnisse zu erpressen. Dabei wurde der Angeklagte entweder auf einen Rost fixiert und darunter ein Feuer entzündet, oder wie hier dargestellt, auf ein bettartiges Gestell gebunden und nur die Füße über einer Feuerstelle gelagert. Nicht selten dauerte die Folter so lange, bis die Fußknochen zum Vorschein kamen.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

SCHANDFLÖTE - Holz, Metall, 15. Jahrhundert (Replik)
Der Name des Foltergerätes leitet sich von seinem Aussehen her, das Ähnlichkeit mit einer Flöte hat. Der Strafgefangene wird dabei so in das Gerät eingespannt, dass seine Finger durch auf dem „Flötenkorpus“ befindliche Zwingen eingespannt werden. Der dadurch verursachte Schmerz führte zu Verkrümmungen des Körpers, die an einen Musiker erinnerten. Der Spott der Umstehenden war dem Verurteilten garantiert.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Als Mittel der Gerichtsbarkeit kam der Folter vor allem seit dem Mittelalter bis ins 17. Jahrhundert erhöhte Bedeutung zu, da zur Verurteilung eines Verdächtigen dessen Geständnis nötig war (im Mittelalter galt die Fofter als Instrument des Gottesurteils). Grausamste Verfahren wurden angewandt: Brennen, Daumenschraube, Spanische Stiefel ... uvm. Am Ende stand, nach dem schmerzhaft erpressten Geständnis, meist der Tod. Auch hier gab es die unterschiedlichsten Methoden: Scheiterhaufen, Enthauptung, Häutung, Pfählung oder Kreuzigung, um nur einige zu nennen. Bis zum 13. Jahrhundert war die Folter nicht ausdrücklich durch das Kirchenrecht verboten. Dann jedoch begann man das Gesetz über den Hochverrat auf die Häresie als „crimen laesae maiestatis Divinae" (Verbrechen der Verletzung der göttlichen Hoheit) anzuwenden. Im Zuge der Inquisition erließ Papst Innozenz IV., durch das Römische Recht beeinflusst, ein Dekret (1252), das den Gerichtsbeamten gestattete, der Häresie Angeklagte zu foltern.

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WASSERFOLTER - Holz, Metall, 16. Jahrhundert (Replik)
Dabei wurde der Verurteilte mit dem Bauch nach oben auf ein Brett oder ein Gestell fixiert und musste Unmengen an Flüssigkeit trinken. Bei der kleinen Wasserfolter waren es sechs Liter, bei der großen zwölf. Die Unterlage wurde nun so gedreht, dass der Kopf des Verurteilten nach unten zeigte. Die Flüssigkeit drückte dabei auf Magen und Herz sowie Lunge, dass Erstickungssymptome auftraten. Es konnte durchaus passieren, dass die Opfer wirklich erstickten.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

ZANKGEIGE - Holz, Metall, 15. Jahrhundert (Replik)
Zu den „harmlosen" Foltergeräten zählt die sogenannte Zank- oder Schandgeige. Hände und Kopf werden dabei im einen Holzblock gespannt und der Angeklagte so am Pranger vorgeführt. Gesellschaftliche Demütigungen wurden damals wie heute als massive seelische Qual empfunden.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

MUNDBIRNE - Holz, Metall, 15. Jahrhundert (Replik)
Die Mundbirne war ein äußerst schmerzhaftes Folterinstrument, das dem Angeklagten durch Dehnung schließlich die Zähne und den Kiefer brach. Der Fantasie der Folterknechte war beim Einsatz des Instrumentes keine Grenze gesetzt, sodass die Mund- oder Dehnbirne schließlich zu einem der gefürchtetsten Utensilien der Folterkammer wurde.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

EISERNE MASKE - Metall, 15, Jahrhundert (Replik)
Im Strafvollzug wurde die Eiserne Maske vorrangig dafür verwendet, um Delinquenten zum Pranger zu führen und sie dort zu fixieren. Die Eiserne Maske war daher mehr ein Instrumentarium, das der Beschneidung der Ehre diente.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Im 15. Jahrhundert kam der Folter vor allem in Hexenprozessen große Bedeutung zu. Die von den unter fadenscheinigen Vorwürfen denunzierten Frauen (seltener Männern, so genannten Zauberern oder Hexern) im Rahmen der „peinlichen Befragung" erpressten Geständnisse waren natürlich bar jeglicher Wahrheitsfindung, da die Gefolterten unter diesen Grausamkeiten alles gestanden hätten, um damit ein Ende der Schmerzen herbeizuführen. Sie trugen dazu bei, dass der Hexenwahn immer weiter um sich griff. Massenhaft fanden Hinrichtungen durch Verbrennen, Vierteilen, Kreuzigen, Erhängen und Köpfen statt.

Die Gräuel der Inquisition führten in Europa letztlich zur Abschaffung der Folter. Bereits im 14. und 15. Jahrhundert waren in Italien Gesetze zu ihrer Einschränkung erlassen worden. Hinzu kam, dass durch das im Zuge der Aufklärung geänderte Rechtssystem, das das Geständnis nicht mehr zum zentralen Entscheidungsmoment erklärte und den Zeugen- bzw. Indizienprozess etablierte, die Folter an Bedeutung verlor. Ein päpstlicher Erlass von 1816 verbot den Einsatz von Folter in den römisch-katholischen Ländern. In Österreich wurden Folter und Todesstrafe 1787 unter Kaiser Josef II. abgeschafft.

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GARROTTE - Holz, Metall, 18. Jahrhundert (Replik)
Eine Garrotte ist ein Hinrichtungsinstrument, bei dem der Verurteilte an einen Holzpfahl gefesselt und ein Seil (später ein Metallband) um den Hals gelegt wurde. Der Delinquent wurde durch langsames Ziehen an beiden Enden des Seiles erdrosselt. Die Garrotte wurde in Spanien im 18. Jahrhundert eingeführt und bis zum Jahr 1974 angewandt.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

KOCHEN - Kessel aus Metall, 16. Jahrhundert (Replik)
Die Vita des Mārtyrers Vitus schildert sehr anschaulich diese Form des Folterns. Der Verurteilte wurde bei lebendigem Leib gesotten. Meist wurde diese Foltermethode soweit angewandt, bis der Angeklagte seine Schuld gestand, oft führte sie allerdings auch zum Tod durch Kreislaufversagen.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

JUDASWIEGE - Holz, Metall, 15. Jahrhundert (Replik)
Die Judaswiege ist ein Folterinstrument, das mit besonderer Grausamkeit Geständnisse erpressen sollte. Das Holzegestellt, das auf drei oder vier Beinen steht, läuft nach oben hin spitz zusammen. Mittels einer Seilwinde wurde der Gefangene auf die Spitze niedergelassen.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

KÄFIG - Holz, Metall, 16. Jahrhundert (Replik)
Als besonders grausam galt der Käfig, der verschiedene Anwendungen fand. Zunächst diente er dem Mürbemachen des Angeklagten. Er wurde aber auch als Mittel zur Vollstreckung der Todesstrafe eingesetzt, indem der Delinquent eingesperrt wurde und buchstäblich verhungerte und verdurstete.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Die Anfänge der Burg Kufstein reichen in die Mitte des 11. Jahrhunderts zurück. Auf dem höchsten, nördlichsten Teil des Berges lag eine Höhenburg, die vermutlich nur aus einem Wohngebäude, dem „Palas", sowie einem Wehrturm, dem „Bergfried", bestand. Ihr Ausbau zur Festung erfolgte in vier großen Etappen. Schon vor 1500 verstärkte man die Anlage zum Schutz vor den neu aufkommenden Feuerwaffen mit Rondellen (rund ummauerten Geschützstellungen) und Vorwerken. Der endgültige Übergang von der Burg zur Festung vollzog sich nach der Übernahme durch Maximilian I. 1504. In den folgenden Jahrzehnten erhielt die Anlage weitgehend ihr heutiges Aussehen. Sie wurde erweitert und mit Einführung des Bastionärsystems zu einer starken und modernen Grenzfestung ausgebaut. Damals entstand auch der Kaiserturm, ein Geschützturm neuesten Typs. Die großzügige Erweiterung nach Südwesten in Richtung Josefsburg geht hingegen auf das 18. Jahrhundert zurück. Um eine annähernd ebene Fläche zu gewinnen, wurde damals die natürliche Felskuppe nahezu vollständig abgetragen.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Die Handhabung der frühen Kanonen war eine extrem gefährliche Angelegenheit. Immer wieder kam es vor, dass ein Rohr explodierte. Nur erfahrene Büchsenmeister wussten, wie das Pulver dosiert werden musste und in welchem Winkel die Kanonen zu positionieren waren, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen. Zum Abfeuern einer Kanonenkugel war Schießpulver notwendig. Dieses wurde im Artillerielaboratorium hergestellt - aus drei Zutaten: Holzkohle, Schwefel und Salpeter. Das Mahlen und Mischen der Zutaten war ein komplizierter Prozess und dauerte viele Stunden.

Elisabethbatterie - Im 17. Jahrhundert entstandene Geschützstellung. Benannt wurde sie wahrscheinlich nach der Gattin Kaiser Karls VI. und Mutter Maria Theresias.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Zeit ihres Bestehens war die Festung Kufstein nie Wohnsitz einer Adelsfamilie oder Residenz eines Herrschers. Sie diente vielmehr stets militärischen Zwecken. Auf der Festung lebte vor allem die dort stationierte Besatzung - in Friedenszeiten kamen Handwerker und Arbeiter hinzu, die für die Instandhaltung und den Ausbau der Festung sorgten. Die Befehlsgewalt über die Festung hatte der Festungskommandant oder „Schlosshauptmann", wie er ab dem 16. Jahrhundert genannt wurde. Er nahm auch die Aufgaben eines obersten Richters wahr. Oft stellten bekannte Adelsfamilien den Festungskommandanten: etwa die Schurff oder die Fuchs von Fuchsberg, die dem Fuchsturm seinen Namen gaben. Die Zahl der Festungsbesatzung schwankte über die Jahrhunderte stark - je nach Bedarf. So wurde sie etwa im Falle kriegerischer Auseinandersetzungen aufgestockt. Knapp 50 Mann zählte man während der Belagerung durch Maximilian I. 1504, im Tiroler Volksaufstand von 1809 waren es hingegen über 600.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Felsengang - Vermutlich unter Baumeister Degen Salapart im 16. Jahrhundert entstandene beschusssichere Verbindung zum südlichen Teil der Festung. Im Zweiten Weltkrieg diente der Felsengang als Luftschutzkeller.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Fuchsturm - Im 16. Jahrhundert errichteter Kanonenturm. Benannt ist er nach der Familie Fuchs von Fuchsberg, die 1506 bis 1549 zwei Festungskommandanten stellte.

Über das große Tretrad wurde Wasser in einem Kübel nach oben transportiert und hinter dem Brunnen in eine Rinne geschüttet. Von dort wurde es in das gemauerte Becken am Eingang geleitet und schließlich mithilfe einer Pumpe über die ganze Festung verteilt.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Wasser auf die Festung zu transportieren, war mit großen Anstrengungen verbunden. Leichter kam man an Regenwasser. Dieses wurde in großen Wasserspeichern, sogenannten Zisternen, aufgefangen. Doch was, wenn die Festung belagert wurde und es mehrere Wochen nicht regnete? Maximilian I. entschied deshalb, dass die Festung einen eigenen Brunnen bekommen sollte: den „Tiefen Brunnen".

Tiefer Brunnen - Unter Baumeister Michael Zeller 1512 bis 1537 geschlagener Brunnen von ursprünglich 65 und heute 57 Metern Tiefe. Mit zwei Eimern, die gegenläufig auf- und abliefen, ließen sich in einer Viertelstunde rund 50 Liter Wasser heben.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

„Ich breche eine Lanze für dich" - Die Wurzeln dieser Redewendung liegen im ritterlichen Kampf. Mit ihr drücken wir aus, dass wir uns für eine Person einsetzen. Oft genug ging die Lanze eines Ritters zu Bruch, wenn sie auf die Rüstung oder den Schild des Gegners traf. Ein wahrer Ritter brach seine Lanze aber nie für sich selbst. Er widmete seinen Kampf einer Dame oder seinem Herrn. Die Lanze gehörte zu den wichtigsten Waffen eines Ritters. Der richtige Umgang mit der langen Stange musste aber geübt werden - und zwar auf dem Turnierplatz. Um den Gegner vom Pferd zu stoßen, brauchte es Kraft, Geschicklichkeit und jede Menge Mut.

Kaiser Maximilian I. – zwischen Ritter-Ideal und Landsknecht-Realität
Im ausgehenden Mittelalter hatten die Ritter ihre Vormachtstellung auf dem Schlachtfeld bereits verloren. Die Entwicklung von Feuerwaffen ab dem 14. Jahrhundert hatte die traditionelle Kriegsführung von Grund auf revolutioniert: Von den Kämpfern der Zukunft wurde mehr Wendigkeit verlangt. Maximilian I. war einer der Vorreiter auf diesem Gebiet: Er setzte für seine Heere verstärkt auf beweglichere Fußtruppen, die sogenannten Landsknechte. In seinem Herzen aber war Maximilian dem Ritterideal nach wie vor eng verbunden. Bis heute kennt man ihn unter dem Namen „Der letzte Ritter" - unter anderem wegen seiner großen Leidenschaft für Ritterturniere. Während Turniere ursprünglich als Training für die Schlacht dienten, entwickelten sie sich immer mehr zu sportlichen Wettkämpfen und prachtvollen Spektakeln. Eingebettet in mehrtägige höfische Feste dienten sie repräsentativen Zwecken.

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Untere Schlosskaserne - Aus dem 18. Jahrhundert stammende Anlage, die den Soldaten als Unterkunft diente.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Die neue Welt der Landsknechte
Die Landsknechte verkörperten eine neue Art der Kriegsführung. Sie kämpften zu Fuß mit Stangenwaffen wie Spießen und Hellebarden und zeichneten sich auch durch die geschickte Handhabung von Kurzschwertern (genannt „Katzbalger") oder Schusswaffen wie der Hakenbüchse aus. Anders als die „Mann gegen Mann" kämpfenden Ritter bewegten sich die Landsknechte Schulter an Schulter in engen Formationen. Dadurch erreichten sie auf dem Schlachtfeld ein wirkungsvolles Zusammenspiel. Unter den Landsknechten gab es auch keine sozialen Schranken. Als Landsknecht konnte jeder Mann anheuern. 

Die Landsknechte entwickelten sich nach dem Vorbild der „Reisläufer" - Schweizer Söldnertruppen, die im späten Mittelalter in ganz Europa bekannt waren. Söldnerheere hatten einen zweifelhaften Ruf: Durch ihre fortschrittliche und disziplinierte Kampfkraft errangen sie für ihren Feldherren bedeutende Siege. Wurden sie jedoch nicht pünktlich bezahlt oder waren unzufrieden mit den ausgehandelten Verträgen, verweigerten sie den Gehorsam. Sie liefen zum Feind über oder verwüsteten und plünderten ganze Landstriche.

Die Kleidung der Landsknechte unterschied sich deutlich von jener der Ritter. So auffällig und so originell wie möglich lautete ihr Motto. Die Landsknechte trugen bunte Farben und grelle Muster, ihre Jacken waren häufig geschlitzt und hatten als modisches Detail gepuffte Ärmel. Da ihre jeweiligen Herren keine einheitliche Kleidung vorschrieben, trug jeder das, was ihm gefiel. Wie gut sich ein Landsknecht kleidete, hing von seinem sozialen Status und der Höhe seines Soldes ab. Die Landsknechte entwickelten so einen eigenen Stil, der jedem Einzelnen ein gewisses Maß an Individualität ermöglichte, diese aber auch als Gruppe erkennbar machte. Für den Kampf ergänzten die Landsknechte ihre Kleidung durch einzelne Harnischteile wie beispielsweise Helme und Brustpanzer.

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Über Jahrhunderte war die Festung Kufstein Zankapfel zwischen Bayern und Tirol, zwischen den Herrscherfamilien der Wittelsbacher und der Habsburger. Kein Wunder, denn wer Macht über die Festung hatte, kontrollierte den Zugang zum reichen und strategisch wichtigen Passland Tirol. Auf bayerischer Seite war man wohl auch von schmerzvollen Verlusten getrieben: Kufstein und Tirol hatten ursprünglich zu Bayern gehört, ehe zunächst Tirol und 1504 auch Kufstein an die Habsburger verloren gingen. In den folgenden Jahrhunderten versuchten die Bayern zwei Mal, die Gebiete zurückzugewinnen. Hintergrund waren in beiden Fällen Konflikte um die Vormachtstellung in Europa, vorrangig zwischen Frankreich und dem Haus Habsburg-Österreich. Bayern verbündete sich jeweils mit Frankreich. Und Kufstein geriet beide Male zwischen die Fronten. Die Folgen: Zerstörung, Hunger, Seuchen und Tod. Dazwischen lagen allerdings Zeiten guter nachbarschaftlicher Beziehungen, in denen man regen wirtschaftlichen, kulturel-len und religiösen Austausch pflog.

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Bürgerturm - Aus einem Rondell des 15. Jahrhunderts hervorgegangen. Im Zuge des Barockumbaus erhielt er bis 1744 seine heutige Gestalt. Im Turm lagerten die Bürger ihre Waffen. Seit 1931 birgt der Bürgerturm eine der größten Freiluftorgeln der Welt.

Im Jahr 1931 wurde der Festung eine Stimme geschenkt. Die Freiorgel wurde ursprünglich zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet. Zu Mittag tönen ihre beinahe 5.000 Pfeifen weit hörbar über die Dächer Kufsteins und darüber hinaus. Die täglichen Orgelkonzerte, bei denen klassische Werke ebenso wie zeitgenössische Songs gespielt werden, erfreuen sich großer Beliebtheit.

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Die Heldenorgel Kufstein
Die Idee, auf der Festung Kufstein eine Freiorgel zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges zu errichten, geht auf den Volksdichter und Kaiserjägeroffizier Max Depolo zurück. 1924 stellt er diese Idee der Öffentlichkeit vor. Die neue Orgel soll nicht zuletzt Kufsteins Attraktivität als Tourismusziel erhöhen. Mit Unterstützung aus dem gesamten deutschsprachigen Raum kann das ambitionierte Bauprojekt in reduzierter Form (zweimanualig mit 26 Registern und 1.813 Pfeifen) realisiert werden. Der Auftrag geht an die Firma Walcker in Ludwigsburg (Deutschland). Die Einweihungsfeierlichkeiten im Mai 1931 geraten zu einer Beschwörung der Einheit und Waffenbruderschaft Österreichs und Deutschlands.

Von Anfang an ertönt die Heldenorgel täglich um die Mittagszeit, im Sommer auch um 18 Uhr. Sie ist in der Stadt, aber auch kilometerweit bis ins benachbarte Bayern zu hören. Nach dem Willen ihrer von völkischem, deutschnationalem Gedankengut durchdrungenen Initiatoren soll das Instrument ein „Heldenmal des deutschen Volkes" sein, das ausschließlich für die „Gefallenen deutscher Zunge" erklingt und tönend die nahe Grenze überwindet. Mit der Annexion Österreichs 1938 wird die Heldenorgel von den nationalsozialistischen Machthabern ideologisch vereinnahmt; das „Heldengedenken" ist ein zentrales Element der NS-Feiergestaltung. Pläne zur Vergrößerung der Heldenorgel gibt es schon vor 1945, aber erst 1971 kann das von der Erbauerfirma substanziell erweiterte Instrument, das nunmehr 46 klingenden Registern und 4.307 Orgelpfeifen umfasst, eingeweiht werden. 1981 wird die Zweckbestimmung des Instrumentes modifiziert; sie erklang fortan für „alle Opfer von Gewalt".

Im Jahr 2009 erfolgt eine Generalsanierung. Die Orgel wird von der Fa. Eisenbarth auf 65 Register und 4948 Pfeifen erweitert. Seit einigen Jahrzehnten konkurriert die Heldenorgel Kufstein mit der „Spreckels Organ" in San Diego/USA um den Titel „größte Freiorgel der Welt"; aktuell hat das amerikanische Instrument mit 80 Registern und 5017 Pfeifen knapp die Nase vorn. Im Zuge der Sanierung der Kufsteiner Heldenorgel 2009 werden Maßnahmen getroffen, um technische Schwierigkeiten zu beheben. Von Anfang an ist die enorme Distanz zwischen dem Spieltisch im Festungsneuhof und dem Pfeifenwerk im Bürgerturm der Festung ein Problem. Die Tonerzeugung (elektrische Traktur) erfolgt mit zeitlicher Verzögerung. Inzwischen sind Spieltisch und Orgelwerk durch ein rund 100 m langes Glasfaserkabel verbunden. Weiterhin sind die Pfeifen der Witterung ausgesetzt, enorme Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit ergeben einen hohen Stimmbedarf. Als Ergebnis öffentlicher und politischer Debatten erfolgt 2022 auf Beschluss des Kufsteiner Gemeinderates eine Neuwidmung des Instrumentes; seit 2023 erklingt nicht mehr das soldatische „Lied vom guten Kameraden" als Abschluss des täglichen Heldenorgelspiels, sondern ein anderes, jährlich wechselndes Lied.

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GESCHICHTE DER TIROLER KAISERJÄGER
Aus den 1511 normierten "Tiroler Landmilizen" war 1730 als erste stehende Truppe das "Tiroler Landbataillon" und daraus 1745 das "Tiroler Feld- und Landregiment" hervorgegangen, welches bei Aufnahme des Ende 18. Jhs. errichteten "Tiroler Scharfschützenkorps" 1801 als "Tiroler Jäger-Regiment Nr. 64", ab 1813 als "Tiroler (Fenner-)Jägerkorps" geführt wurde. 1815 erließ Kaiser Franz I. die Anordnung, in Tirol und Vorarlberg ein Jäger-Regiment zu 4 Bataillonen á 6 Kompagnien zu errichten, dem als Stamm das Fennersche Jägerkorps dienen sollte und in dem nur Tiroler und Voralberger ihren Dienst erfüllen sollten. Es sollte den Namen "TIROLER KAISERJÄGER" führen und stellte sich selbst als Oberst-Inhaber an die Spitze dieser neuen Truppe. Es war dies der Dank für zahlreiche Beweise der Liebe und Treue zu Kaiser und Reich, durch die sich das Land Tirol in der ganzen Welt bekannt und berühmt gemacht hatte.

Am 16. Jänner 1816 begann die Aufstellung der Regimenter, die, bester Tiroler Verteidigungstradtitionen entsprechend, ihre Pflicht für das Vaterland in besonderem Maße erfüllt haben. Dieser Tag wird als Geburtstag der "Tiroler Kaiserjäger" gefeiert. Als Tiroler Kaiserjägerregiment wurde es im hechtgrauen Jägerrock und dem stolzen Jägerhut mit wehendem Federbusch zum weithin bekannten Symbol Tiroler Treue und österreichischem Heldentum. Die Jahre 1848, 1849, 1859, 1866, 1878 und 1882 sind mit den Kaiserjägern innig verbunden, wie die Namen Mailand, Goito, Castell Toblino, Pastrengo, Curtatone-Montanara, Vicenza, Sommacampagna, Olengo, Raab, Komorn, Magenta, Solferino, Spundalunga, Custoza, Monte Suello, Vezza, Lodrone, Cimègo, Fort Ampola, Bezzecca, Kremenac, Cernice, Stolac, Klobus und Krivosije. Sie künden immerwährend, wann und wo Tiroler Kaiserjäger gekämpft und gesiegt haben. Im Jahre 1895 wurden aus dem großen Regiment, das bis dahin aus 16 Bataillonen bestand, vier Regimenter gebildet und diese zogen unter der Fahne des allerhöchsten Kriegsherrn in den Weltkrieg 1914-1918 und kämpften bei wechselvollem Schicksal bis zum schrecklichen Ende. Mit Ende des I. Weltkrieges (Nov. 1918) wurden die Tiroler Kaiserjäger-Regimenter aufgelöst.

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Hoch über dem Inn und der Stadt thront eines der beeindruckendsten mittelalterlichen Bauwerke Tirols: die Festung Kufstein. Heute ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt, nahm die Festung über Jahrhunderte eine Schlüsselrolle ein: Von hier aus ließ sich der Zugang zum Inntal und damit nach Tirol kontrollieren, das mit seinen reichen Bodenschätzen ebenso lockte wie mit den niedrigsten Alpenübergän-gen in Richtung Italien. Kein Wunder also, dass Kufstein oft als „Tor zu den Alpen" und als „Schlüssel Tirols" bezeichnet wurde.

Untrennbar verbunden ist die Festung mit dem Namen Maximilians I., der die ursprünglich bayerische Burg 1504 eroberte. Von da an wachte sie über die Grenzen Tirols. Diese Schutzfunktion hat die Burg von Beginn an erfüllt: Sie war nie als Residenz eines Fürsten geplant, sondern diente als Bollwerk, als Garnison und später als berüchtigtes Staatsgefängnis. Erst im 19. Jahrhundert verlor die Festung ihre militärische Bedeutung. Heute steht sie als Erlebniswelt, Festsaal, Konzertarena und Museum für Besucher offen.

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DREIFALTIGKEITSKIRCHE
1502 als Weinränntt-Gründung erstmals erwähnt
nach 1681 Hausoratorium der Augustiner-Eremiten
1703 Zerstörung durch Stadtbrand
1705-1730 Erneuerung als einschiffiger Bau mit Netzgradgewölbe über Stichkappen und mit 3/8 Chorschluß
1765 Rokoko-Baldachinaltar Gruftkapelle mit neugotischem Altar um 1860
1988/89 vollständige Erneuerung der Kirche und Grabdenkmäler

Blick über Kufstein aus der Festung Richtung Norden (Bayern)

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Gedeckter Aufgang - Im 16. Jahrhundert unter Baumeister Balthasar Lavianello als »Ganngsteig« anstelle eines früheren steilen Felsenpfads errichtet. Barrikadennischen und eine Zugbrücke am Ende erschwerten den Zugang.
Wann genau der gedeckte Stiegenaufgang entstand, ist nicht überliefert. Erwähnung fand er erstmals 1836.

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Panoramabahn „Kaiser Maximilian"
Die heutige Panoramabahn ist nicht die erste Verbindung zwischen Festungsneuhof und dem Schlossrondell. Ein historischer Vorgänger, in Form eines mechanischen Aufzugs, existierte vermutlich schon im 17. Jahrhundert, anderen Quellen zufolge seit dem 18. Jahrhundert. Dieser ursprüngliche Aufzug, der den Namen „Bayerisch Maschin" getragen haben soll, wurde u. a. verwendet, um Proviant, Geschütze und Munition auf die Festung zu befördern. Zeitgleich waren zwei Transportwägen im Einsatz. Während einer von ihnen den Berg hinaufgezogen wurde, fuhr ein anderer hinab in den Festungsneuhof. Angetrieben wurde der Aufzug durch reine Muskelkraft: Mehrere Männer mussten gut einen Kilometer in einem großen Laufrad zurücklegen, bis die hunderte Kilogramm schwere Ladung den Festungsberg erreichte. 1965 wurde dieser Aufzug abgerissen. Geblieben sind die alten Mauern, auf denen auch die Schienen des heutigen Schrägaufzugs aufliegen, sowie das Laufrad. Dieses befindet sich noch immer in der Bergstation.

Aufzugtyp Schrägaufzug
Erbaut 1999
Schienenlänge 73 m
Steigung über 46°
Fahrtdauer von Tal- zu Bergstation, ca.  1,5 Min.

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Einst befand sich etwa an dieser Stelle das Obere Stadttor. Zusammen mit dem Unteren Stadttor, der Stadtmauer samt Basteien und dem Stadtgraben bildete es eine umfassende Verteidigungsanlage. Im Laufe der Geschichte gestaltete sich die einst starre Grenze zwischen Stadtkern und Vorstadt immer durchlässiger. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Tor abgetragen, 1865 schließlich der Graben zugeschüttet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand hier das prunkvolle Sparkassengebäude, das mannigfache sehenswerte Details bietet; beispielsweise die Reliefs des in Kufstein geborenen Bildhauers Norbert Pfretzschner.

Heute ist es kaum vorstellbar, dass man einst nicht einfach ungehindert von hier bis zur Innbrücke flanieren konnte, ohne gleich zwei Stadttore passieren zu müssen. Wo früher ein tiefer Graben klaffte, lässt sich nun die großzügige Weite des Oberen Stadtplatzes genießen. Der erfrischende Stilmix der angrenzenden Gebäude vermittelt in Kombination mit der spürbaren Offenheit des Platzes ein ureigentümliches Kufsteiner Lebensgefühl; das Bewusstsein für die Schätze aus vergangenen Tagen trifft unvermittelt auf den Mut, neue Wege zu beschreiten.

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Sparkasse Kufstein Tiroler - Sparkasse von 1877, Oberer Stadtplatz

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Junge Davidstein am Franz-Josef-Platz

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Sparkasse Kufstein Tiroler - Sparkasse von 1877, Oberer Stadtplatz

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Unterer Stadtplatz: Rathaus Kufstein, Stadtpfarrkirche St. Vitus, Festung Kufstein

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Volksschule Kufstein Stadt
Die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ging mit einem fulminanten kunstgeschichtlichen Umbruch einher; in der Epoche des Jugendstils strebten junge Kunstschaffende in großen Teilen Europas eine radikale Symbiose von Kunst und Alltag an. Florale Ornamente wurden um Fenster und Türen gewunden, wilde Kreaturen von fließenden Formen in Schach gehalten, vollendetes Handwerk verschmolz in allen Lebensbereichen mit betörender Ästhetik. Auch in Kufstein finden sich eindrucksvolle Zeugnisse dieser Ära. Kurz nach 1900 entstand östlich des Festungsberges ein apartes Viertel mit herausragenden Jugendstilbauten. Hervorzuheben sind neben der Volksschule Kufstein auch das ehemalige Hotel Egger am Oberen Stadtplatz, die Oberstvilla und das schlossartige Gymnasium. Letzteres begeistert vor allem durch seine großartigen Details, wie dem mit Gold-Eulen geschmückten und von symbolischen Reliefs umrahmten Hauptportal oder den Relief-Rosen unter dem Gesims. Aber auch zahlreiche Privatvillen am östlich gelegenen Kienbichl sind wahre Jugendstil-Juwele und laden zu einer kunstgeschichtlichen Entdeckungsreise ein.

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Freier Eintritt ins Nähmaschinenmuseum Madersperger in der Kinkstraße 16, 6330 Kufstein

Die Nähmaschine - Ihr Ursprung Ihre Entwicklung
1790 - Thomas Saint
1790 erhielt der Engländer Thomas Saint Patent auf ein seine Kettenstich-Maschine mit Hakennadel (Schlingen llegen auf der Stoffoberseite), aber die Konstruktion ließ sich praktisch nicht verwerten.
1810 - Balthasar Krems
Um das Jahr 1800 konstruierte der Deutsche Balthasar Krems aus Mayen in der Eifel elne Kettenstich-Nahmaschine. Das Nadelöhr befand sich in der Spitze. Das Bemerkenswerte an dieser Maschine ist der Stachelradtransport für das Nahgut, welcher durch Anwendung eines Pausengetriebes fortlaufend schrittweise arbeitet.
1814 - Joseph Madersperger
Von 1807 bis 1839 arbeitete der Kufsteiner Joseph Madersperger an der Herstellung und Verbesserung seiner Nähmaschine. Seine hervorzuhebende Erfindung war eine schiffchenähnliche Einrichtung zur Erzeugung des Doppelstiches. Leider gelang es ihm nicht, die Öffentlichkeit damals zu überzeugen.
1830 - Barthélémy Thimonnier
Zu dem Titel "Erster Nähmaschinenfabrikant der Welt" kam der Franzose Barthélémy Thimonnier im Jahre 1829, als er eine Kettenstich-Nähmaschine entwickelt hatte und an die französische Heeresverwaltung 80 seiner Exemplare verkaufte. Die Pariser Schneider fürchteten um den Verlust ihrer Arbeitsplätze und zerstörten seine Fabrik. Er konnte nur eine einzige Maschine retten. Diese führte er als Volksbelustigung auf Jahrmärkten gegen Entgelt vor.
1845 - Elias Howe
1846 baule der Amerikaner Ellas Howe elne nach dem gleichen Prinzip arbeitende Nähmaschine und ließ
diese auch patentieren. Diese Maschine leistete eine Näharbeit von 4-6 Handnäherinnen. Gerechterweisen muss man Ellas Howe als den Erfinder dor Doppelstich Nahmaschine bezeichnen. Man geht auch bis zur heutigen Zeit davon aus, dass Howe die eigentliche Entwicklung der Nähmaschine zu verdanken ist.
1850 - Isaac Merrit Singer
Es ist der Verdienst der von Isaac Merrit Singer 1862 gegründeten gleichnamigen Firma, daß die erste Nähmaschine nach Howes Idee fabrikmäßig hergestellt wurde. Der tüchtige Firmeninhaber machte somit die Nähmaschine populär und sorgte auch für dementsprechenden Ahsatz. Allertlings wurde die Firma Singer unter anderem verurtelit, an Howe für 300.000 bereits hergestellter Maschinen eine Lizenzgebühr von $5, pro Stück zu bezahlen.

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Joseph Madersperger, 1768-1850
Joseph Madersperger entstammte einer alten Tiroler Schneider-Dynastie.
21.7.1746 kaufte sein Vater, "...der ehrsame Georgen Mattersperger zu Wündisch-Matrey, Land Salzburg gebürtig, seiner Profession ein Schneidergesell..." von den Kindern des verstorbenen Schneidermeisters Jakob Egger eine Behausung, Gartl und Schneidermeisterschaftsgerechtigkeit in Kufstein
6.10.1768 wurde Joseph Madersperger um 10 Uhr vormittags in Kufstein, Schmiedgasse (heute Kinkstraße) geboren
1789 Brand des Hauses
17.8.1790 Verkauf der Schneidermeisterschaftsgerechtsame und Übersiedlung nach Wien, Weihburggasse 16
16.8.1799 legte Madersperger in Wien den Bürgereid ab
1808 Madersperger versucht die Bewegungen der menschlichen Hand als mechanische "Nähhand" nachzubauen
20.2.1815 Verleihung eines ausschließlichen Privilegs für eine Nähmaschine auf 6 Jahre
27.6.1818 Einforderung der Taxen auf das Privileg durch die Hofkanzlei und Pfändungsversuch. Madersperger's Aufenthalt war aber - ".....ganz unbekannt....."
1817 Gesuch an die Kommerzhofkammer zur Verfertigung einer von ihm erfundenen Maschine zum Zusammennähen von Strohhüten - "Abgelehnt!"
1817-26 Fabrikant feiner Strohhüte auf der Laimgrube 99
1833 Ansuchen um ein Privilegium auf eine Maschine zur Bereitung der Schafwolle - "Abgelehnt!"
1835 Anläßlich der in Wien abgehaltenen "Gewerbsproduktenausstellung " übergab Joseph Madersperger, in Wien, Laimgrube, and der Wien Nr. 37, zur Ausstellung 6 Stück des von ihm erfundenen sogenannten Doppelstoffes, welchen er aus bereits fertigen Geweben und Baum- oder Schafwolle, Flanell u. dgl. auf einer ebenfalls von ihm erfundenen Maschine durch eigenthümliches Verbinden erzeugt, und welcher zu warmen Bekleidungen, Decken u. dgl. sehr empfehlenswert ist..."
5.11.1838 Übergibt er seine fünfte Maschine dem Polytechnikum (Technische Universität Wien) als Geschenk
3.5.1842 Zuerkennung der bronzenen Verdienstmedaille des 'Niederösterreichischen Gewerbevereins'
2.10.1850 stirbt Joseph Madersperger im bürgerlichen Versorgungshaus St. Marx zu Wien. Er liegt auf dem Biedermeierfriedhof St. Marx begraben.

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Lange schon haben sich die Menschen die mitreißende Kraft des Gewässers zunutze gemacht. Da die Straßen zu Lande einst denkbar schlecht waren, wurden schwere Waren durch das Inntal hauptsächlich auf dem Wasserweg transportiert. Flussaufwärts mussten die Schiffszüge mühevoll „getreidelt“, also von mehreren Pferden gezogen werden. Importiert wurden hauptsächlich Lebensmittel, exportiert zunächst vor allem Salz, Metalle und Wein, später auch Zement. Durch den Bau der Eisenbahn verlagerte sich der Warenverkehr im 19. Jahrhundert zunehmend auf die Schiene.

Seit jeher wurden auf dem Inn nicht nur Waren, sondern auch Personen befördert. Truppen konnten so rasch transportiert werden, aber auch Kaiser Maximilian reiste auf dem Wasserweg. Zwischen 1998 und 2011 beförderte die „St. Nikolaus" Menschen aus Nah und Fern zwischen Kufstein und Niederndorf. Aufgrund rückläufiger Fahrgastzahlen wurde die Innschifffahrt jedoch eingestellt. Seither kommt die „St. Nikolaus" in Hamburg für Hafenrundfahrten zum Einsatz. Ob sie den Inn und den Pendling wohl manchmal vermisst?

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28.000 Jahre alte Relikte - Vor etwa 28.000 Jahren hinterlassen Cro-Magnon-Menschen in der Tischofer Höhle im Kaisertal acht Speerspitzen. Diese Relikte sind die ersten Spuren menschlicher Besiedlung im Raum Kufstein - und die ältesten von Menschenhand bearbeiteten Funde Tirols.

Besiedlung des Festungsbergs vor 3.800 Jahren - In der Bronzezeit vor rund 3.800 Jahren wird der Festungsberg besiedelt. Dieser liegt schon damals an einem wichtigen Verkehrsweg, welcher es den Bewohner:innen ermöglicht, florierenden Handel zu treiben.

Bajuwarische Besiedlung im 6. Jahrhundert - Nach über 500-jähriger römischer Herrschaft besiedeln im 6. Jahrhundert Bajuwaren das Gebiet.

Erste urkundliche Erwähnung 788 - In einem Güterverzeichnis des Bistums Salzburg aus der Zeit um 788 wird „Caofstein" erstmals als Örtlichkeit mit eigener Kirche ausgewiesen.

Verleihung des Stadtrechts 1393 - 1393 verleiht Herzog Stefan III. von Oberbayern Kufstein das Stadtrecht und damit auch wirtschaftliche Sonderrechte. Das Niederlagsrecht beispielsweise verpflichtet durchziehende Händler:innen dazu, ihre Waren in der Stadt feilzubieten.

Morgengabe 1342 - Am Morgen nach ihrer Vermählung mit Ludwig dem Brandenburger im Jahr 1342 erhält Herzogin Margarete von Tirol-Görz den Ort Kufstein als Geschenk. Kufstein gehört somit erstmals zu Tirol, wird aber wenig später von den Bayern zurückgefordert.

Eroberung durch Kaiser Maximilian 1504 - Im Jahr 1504 nimmt Kaiser Maximilian I. Stadt und Festung ein. Kufstein gelangt somit wieder zu Tirol.

"Boarischer Rummel" 1703 - Bei den verharmlosend als „Boarischer Rummel“ bezeichneten Kriegshandlungen im Jahr 1703 wird die Stadt von bayerischen Truppen belagert und in Brand gesteckt. Nach der verheerenden Explosion des Pulverturms auf der Festung fällt diese in die Hände der Bayern. Bereits im darauffolgenden Jahr wird die Stadt im Ilbesheimer Vertrag den Habsburgern zuerkannt.

Unter Napoleons Einfluss 1805 - Während des 3. Koalitionskrieges gegen Napoleon gerät die Ortschaft 1805 abermals unter bayerische Herrschaft.

Tiroler Volksaufstand 1809 - Beim Tiroler Volksaufstand im Jahre 1809 wird Kufstein von Tiroler Schützen belagert, aber nicht eingenommen. Erst fünf Jahre später kommt die Stadt infolge der Niederwersfung Napoleons schließlich endgültig zu Österreich.

Einzug der Industrie im 19. Jahrhundert - Ab Mitte des 19. Jahrhunderts halten in Kufstein Industrie, Tourismus und grundlegende Infrastruktur Einzug. Das Zementwerk, die Bahnlinie und das städtische Elektrizitätswerk werden eröffnet, Wasserleitungen errichtet, Schulen, Spitäler und der erste Kindergarten Tirols gegründet.

Weltkriege 1914-18 und 1939-45 - Der Erste Weltkrieg (1914-1918) bringt nach rasch verflüchtigter Euphorie hauptsächlich Tod und Entbehrung mit sich. Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) wird Kufstein zur Bühne nationalsozialistischer Propaganda, zum Schauplatz menschlichen Leides und zum Ziel eines vernichtenden Bombenangriffes.

UN-Lager 1945-55 - In den Jahren zwischen 1945 und 1955 werden tausende heimatlose Menschen im UN-Lager für Displaced Persons untergebracht. Einige von ihnen finden in Kufstein eine neue Heimat.

Aufschwung ab den 1950er Jahren - In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts etabliert sich Kufstein als beliebtes Urlaubsziel, blühender Industriestandort und attraktiver Lebensraum für die wachsende multikulturelle Bevölkerung. Die Gründung der Fachhochschule Ende der 90er legt den Grundstein für die Entwicklung der Stadt als internationaler Bildungsstandort.

Entwicklung im neuen Jahrtausend - Im 21. Jahrhundert erfolgen Eröffnungen und Ausbauten zahlreicher Kultur- und Sportstätten, die Schaffung von Begegnungszonen und eine Erweiterung des Bildungsangebotes. Das öffentliche Bewusstsein für umfassende Nachhaltigkeit wächst - 2019 ruft Kufstein als erste Gemeinde Tirols den Klimanotstand aus.

 Festung Kufstein & Kufstein, November 2024

Das hier erhaltene Stück der alten Stadtmauer samt Rundturm half einst, Kufstein gegen Süden hin abzuschließen. Während des Tiroler Volksaufstandes im Jahr 1809 wurde der Turm so schwer beschädigt, dass er nur mehr als Fragment erhalten blieb. Der davor liegende Auracher Garten wurde als Festungsgarten wie auch als Aufstellungsort für Zielscheiben genutzt. Geschossen wurde dabei vom anderen Innufer aus. Dort, wo die Mauer heute einen breiten Durchgang bietet, befand sich früher nur eine kleine Pforte, die zum Garten führte. Diese wurde 1964 versetzt und vergrößert, um die Durchfahrt von Fahrzeugen zu ermöglichen. Ein Teil des Gartens musste dem bis heute bestehenden Parkplatz weichen. Im selben Jahr entstand hier der Eingang zum alten Festungslift. Mittlerweile wird dieser Aufzug im Inneren des Berges vorwiegend für den Materialtransport verwendet.

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Gedanken beim Wein
Mit Verstand ein Weinlein schlürfen
froh sein, daß wir leben dürfen
eine hübsche Jungfer küssen
nie sich sklavisch ducken müssen

Freundschaft mit den Freunden pflegen
möglichst sich normal bewegen
keinem die Erfolge neiden
dankbar werden und bescheiden

Gegen die Vergreisung kämpfen
seine Temperamente dämpfen
auch die Gegner gelten lassen
weder sich, noch andere hassen

Niemals wegen Nichtigkeiten
blau sich ärgern oder streiten
oder hypochondrisch werden
und sein Glück dadurch gefährden

Sondern still sein Weinlein schlürfen
und solange wir's noch dürfen
die erwähnte Jungfer küssen

Das ist alles was wir wollen
respektive können sollen
respektive können müssen

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Der Marienbrunnen prägt den Charakter des Unteren Stadtplatzes entscheidend. Als er im Jahr 1966 durch einen modernen Marmorbrunnen ersetzt wurde, formierte sich erheblicher Widerstand in der Bevölkerung. Elf Jahre später wurde der alte Brunnen an seinem ursprünglichen Standort wiederaufgebaut. Aus dem Marienbrunnen fließt reines Quellwasser aus dem Naturschutzgebiet Kaisergebirge.

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Die Festung Kufstein ist das Wahrzeichen der Stadt Kufstein und zählt zu den imposantesten mittelalterlichen Bauwerken Tirols. Heute ist sie ein Museum und eine Veranstaltungsstätte. Das Bauwerk steht unter Kulturgüterschutz gemäß der Haager Konvention. Sie liegt auf dem Festungsberg, einem 90 m hohen Felsen direkt am Inn, oberhalb der Stadt Kufstein, ist zu Fuß oder mit der Panoramabahn Kaiser Maximilian erreichbar und umfasst eine Fläche von 24.000 m². Im Bürgerturm der Festung wurde 1931 eine Freiluftorgel installiert.

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Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun:

Kufstein, November 2024



Festung Kufstein, November 2024