Benediktinerstift Altenburg

Altenburg, August 2023

Das Stift Altenburg ist eine Benediktinerabtei in Altenburg bei Horn in Niederösterreich. Hauptpatron des Klosters ist der hl. Lambert. Erleben Sie eine Zeitreise vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit! Entdecken Sie hinter historischen Mauern beeindruckende Kunstschätze der Barockzeit und genießen Sie das einzigartige Flair des Klosters und der Themengärten im Stift Altenburg.

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In der Mitte der monumentalen 208 Meter langen aus drei Trakten bestehenden östlichen Hauptfront befindet sich die geostete Stiftskirche, deren Chorschluss risalitartig vorspringt. Diesem Mittelteil ist eine Altane vorgelagert, unter der sich die Reste der am Anfang des 21. Jahrhunderts freigelegten mittelalterlichen Klosteranlage befinden. Dem Mittelteil der Hauptfront schließt nach Norden hin der Marmortrakt mit einer Sala terrena und nach Süden der Bibliothekstrakt mit der Krypta an.

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Die Pfarr- und Stiftskirche Mariä Aufnahme in den Himmel gehört zum Dekanat Horn in der Diözese St. Pölten. In der Kirche mit dem charakteristischen Turm (1820 nach einem Brand in der heutigen Form – auf romanischen Fundamenten ruhend – erbaut) wird das Tun der Mönche mit ihrem Gebet zur Einheit: „ora et labora“! Sie ist der zentrale Raum der barocken Klosteranlage. Sie verbindet den Mönchstrakt im Süden mit dem Gäste- und Verwaltungstrakt im Norden. Die Räumlichkeiten südlich der Kirche sind zum Wald hin ausgerichtet, zur Stille: sie symbolisieren die „contemplatio“ des Mönchslebens.

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Die von den Schweden im Dreißigjährigen Krieg zerstörte gotische Klosterkirche wurde von den Äbten Benedikt Leiß und Maurus Boxler wiederaufgebaut, aber erst unter Abt Placidus Much erfolgte zwischen 1730 und 1733 der großartige Umbau zur Barockkirche. Baumeister Joseph Munggenast und sein Bauleiter Leopold Wißgrill verschonten nach Möglichkeit die gotische Bausubstanz, durch die Überwölbung des Kirchenschiffes mit einer längsovalen Kuppel entstand der heutige Zentralbau.

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Stiftskirche Mariä Aufnahme in den Himmel
Die Stifts- und gleichzeitig Pfarrkirche von Altenburg steht als Ort des Gebetes und der Liturgie allen offen. Um 12:00 Uhr, »In der Mitte des Tages«, laden die Benediktiner von Altenburg zur Mitfeier der Mittagshore ganz herzlich ein!

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Die Voraussetzung für diese reiche Ausstattung mit Kunstwerken schuf der kunstsinnige Abt Placidus Much (1715-1756), der neben dem Baumeister Joseph Munggenast herausragende Handwerker – Maler, Bildhauer, Stuckateure, Kunsttischler und viele mehr – beschäftigte, um seine Vision eines zeitgemäßen Klosters zu verwirklichen. Fast die gesamte Ausstattung, die damals angefertigt wurde, blieb bis heute erhalten.

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Das Hochaltarbild gehört zu dem apokalyptischen Programm der Kirche. Troger malt die Aufnahme Mariens in den Himmel. Die Chororgel schuf Henk Klop (Barneveld) 2014, sie weist 7 Register auf.

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Nur vier Jahre nach der Kuppel der Englischen Fräulein in St. Pölten freskierte Paul Troger 1733 die große Ovalkuppel der Stiftskirche von Altenburg. Trotz dieses kurzen zeitlichen Intervalls hat er an malerischem Können und künstlerischer Reife enorm hinzugewonnen. Es ist sein bis dahin größtes malerisches Werk. Die dem Chor zugewandte Seite stellt wiederum die Apokalyptische Frau, die Entrückung des Kindes und den Sturz Satans dar und erfuhr gegenüber der kleinen Kuppel in St. Pölten neuerlich eine Erweiterung. Die von zwölf Sternen Bekrönte ist nun unübersehbar das Zentrum der Komposition und dominiert die gesamte Bilderzählung. Troger zeigt hier eine überaus subtile, transluzide Lichtführung - einzigartig in seinem gesamten Werk.

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1743 vervollständigte Troger die Ausstattung durch das Hochaltarbild mit der Himmelfahrt Mariae und zwei Seitenaltarbilder zu Seiten des Presbyteriums.

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Paul Troger wurde als Freskant für die vier Kuppeln engagiert, den plastischen Stuck der Stiftskirche schuf Franz Josef Holzinger, die Marmorierungsarbeit Johann Georg Hoppl.

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Die Große Orgel wurde vom Wiener Hoforgelbauer Anton Pfliegler gebaut,] die Orgelweihe fand am Montag, den 22. November 1773, statt. Aus kunsthistorischen Gründen blieben die Orgelpfeifen 1917 von der Abnahme verschont. Nach Beschädigungen im Krieg baute Rieger das Instrument im Jahr 1951 um und restaurierte es 1977.

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In den Jahren 1731 und 1733 dekorierte der Südtiroler Maler Paul Troger die gesamten Deckenfelder der Stiftskirche mit seinen herausragenden Fresken. Sein zweifellos eindrucksvollstes Werk ist die (mehr als 700 m2 umfassende) Ovalkuppel.

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Die gotische Veitskapelle
Die dem heiligen Vitus geweihte Kapelle gehört zu den ältesten Bauten des Stiftes Altenburg. Über einem Ossarium („Beinhaus"), das im 12. Jahrhundert errichtet wurde, entstand um 1308 die gotische Kapelle. Sie war einer Spitalsstiftung des Adelsgeschlechts der Sunnberger angeschlossen für jeden Priester im Konvent sollte ein Bedürftiger hier versorgt werden.

Um 1670 wurde, lange nach Erlöschen dieser Stiftung, die gotische Kapelle zu einer Mönchsgruft umgestaltet: Bis zum Verbot von Hausbestattungen unter Joseph II. fanden die Altenburger Konventualen hier ihre letzte Ruhe. Bemalte Sargbretter als Reste dieser Grablege sind beredte Zeugen barocker Begräbniskultur. Der ehemalige Gruftraum, das Untergeschoß des ursprünglichen Kapellenbaus, hat - abgesehen von seinem eingezogenen Ziegelgewölbe - weitestgehend seinen gotischen Charakter behalten. Vor allem die kleine Westempore gibt Aufschluss über das Aussehen des schlichten mittelalterlichen Kapellenraums.

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Die in den Jahren 2001 bis 2007 im Osten des Klosterareals vorgenommenen Grabungen zur statischen Sicherung der barocken Altane haben bemerkenswerte Einblicke in die Baugeschichte von Altenburg zu Tage gefördert - gleichzeitig aber auch ein verwirrendes Nebeneinander verschiedener Epochen. Direkt auf dem Felsen wurden ab der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts verschiedene Bauten errichtet, die wahrscheinlich im 16. Jahrhundert als Gästetrakt für das anschließende Abtshaus dienten. Um 1670 verschwanden diese Gebäude(teile) in der Aufschütiung, mit der Abt Maurus Boxler das Klostergelände einebnen ließ. Ab ca. 1735 wurde auf dieser Planierung der Trakt mit den Marmorzimmern und der Sala terrena errichtet - seine Fundamente trieb man tief in das Schuttmaterial.

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2. Untergeschoß der Altane
Die unterhalb der barocken Altane situierten Gebäude bilden ein Konglomerat verschiedener Bauabschnitte, die vom 12. bis ins 16. Jahrhundert reichen. Dieser Baubestand des Stiftes Altenburg wurde um 1670 aufgegeben, als man sich zu einer großzügigen Neugestaltung der Klausurbereiche entschloss; die bisher bestehende mittelalterliche Bausubstanz „versank" daraufhin großteils in der Aufschüttung, auf der die barocke Klosteranlage errichtet wurde.

Die Gewölbe östlich der Stiftskirche, ehemals unterhalb des Abtshauses und des Zellentraktes gelegen, blieben allerdings erhalten und als Kellerräume weiterhin in Gebrauch: Sie erhielten gemauerte Stützen und wo gemauerte Decken fehlten Ziegelgewölbe. Die darüberliegenden Räume im ursprünglichen Erdgeschoß (UG 1) wurden spätestens 1740 demoliert und verschwanden in der Konstruktion der Aussichtsterrasse vor der Ostfassade.

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Jahrhunderte lang lagen die Reste der mittelalterlichen Klosteranlage von Altenburg unter dem barocken Prunkbau verborgen. Im Zuge von archäologischen Grabungen konnten in den letzten Jahrzehnten diese fast vergessenen Zeugen des Klosterlebens seit der Gründung im Jahr 1144 wieder freigelegt werden.

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Krypta
Der mächtige Unterbau der Bibliothek wurde um 1745 als „Gruft" ausgestattet - möglicherweise wollte der Bauherr Abt Placidus Much hier seine letzte Ruhe finden.

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Der monumentale Raum der Krypta erstreckt sich über mehrere Ebenen und ist vollständig mit einem dichten ornamentalen Netz von Malerei überzogen. Diese wurde von Künstlern im Umfeld der Wiener Akademie als Secco-Malerei (auf trockenem Putz mit einem Bindemittel) ausgeführt. Irritierend ist die Farbigkeit; sie steht in bizarrem Kontrast zum Leitthema des Raums, dem Tod.

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Grandeur de Jerusalem II
Hubert Aratym, 1979/80 Akazie und Ebenholz, 57 x 226 cm

Grandeur de Jerusalem I
Hubert Aratym, 1979/80 Akazie und Ebenholz, 68 x 226 cm
Hubert Aratym wurde am 22. Jänner 1926 in Gutenstein in Niederösterreich geboren. Er studierte an der Wiener Akademie für angewandte Kunst (Meisterklasse für Mode und Textilarbeit) bei Professor Wimmer-Wisgrill und schloss seine Ausbildung im Jahr 1952 mit dem Diplom ab. Von 1957-1960 war er Gasthörer bei Sergius Pauser an der Wiener Akademie und bildete sich etwa zur selben Zeit an der Academie des Beaux Arts in Paris weiter. Er erzielte in Paris den ersten Preis des Theatre des Nations; 1964 den österreichischen Staatspreis für angewandte Kunst für Bühnenbildentwürfe sowie den Preis des Wiener Kunstfonds.
Das ausschließliche Thema in der Malerei von Hubert Aratym ist die menschliche Figur in ihren Konstellationen, Bedrängnissen, in ihrer Verzweiflung und ihren Sehnsüchten. Hubert Aratym starb am 22. Februar 2000 in Wien.

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Ein Totentanz wird an den Gewölbebögen beschworen, bei dem Jung und Alt, Mann und Frau hinweggerafft werden. Doch auch in den heiteren Ornamentfeldern der Decke verbergen sich Symbole der Vanitas, der Vergänglichkeit allen Seins: Fledermäuse und Käuzchen, Sanduhren, Totenköpfe und Gebein.

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Die Malereien der Altenburger Krypta wurden von unbekannten Künstlern geschaffen; weniger die malerische Qualität als die Fülle und der Einfallsreichtum im Ornament machen die Faszination des Raumes aus.

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Groteskenmalerei zu Tod und Vergänglichkeit
Der am tiefsten gelegene Repräsentationsraum des Stiftes ist die sogenannte Krypta, die in ihren Dimensionen genau der darüber liegenden Bibliothek entspricht. Dieser Umstand ist unikal – normalerweise finden sich Krypten unter Kirchen und Kathedralen. Eine Verwendung des Raumes als Gruft der Äbte konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Es ist anzunehmen, dass er barocken Trauerfeierlichkeiten diente – wohl im Sinne eines Meditationsraumes zum Thema Tod und Vergänglichkeit, als begehbares Memento mori. In den Quellen findet die Krypta als „besonders meublierte und gezierte TodtenCapelle“ Erwähnung. Wahrscheinlich waren es namentlich nicht bekannte Mitglieder der Wiener Akademie, die hier in den frühen 1740er Jahren Szenen und Grotesken „al secco“ (auf die trockene Wand) malten.

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Der „Goldene Ofen"
Bei den archäologischen Ausgrabungen im Jahr 1995 wurden im Bereich der ehemaligen Luftheizungsanlage 86 großteils gut erhaltene Kacheln gefunden. Nach eingehender Untersuchung und Restaurierung konnte daraus ein gotischer Turmofen, der „Goldene Ofen von Stift Altenburg" rekonstruiert werden. Seinen Namen erhielt er wegen des dichten Überzugs aus Goldglimmer, der den Kacheln des Oberbaus ihren besonderen Glanz verleiht. Entstanden ist der Goldene Ofen wahrscheinlich in der Zeit zwischen 1480 und 1510 - dieser Zeitraum lässt sich aufgrund der dargestellten Motive und der Bauart der Kacheln eingrenzen. Sein ursprünglicher Standort ist nicht bekannt. 62 der insgesamt 86 Kacheln sind mit Reliefs ausgestaltet, dargestellt sind Biblische Szenen, Heiligenfiguren, Wappen und Symbole.

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Die Fraterie, der „Mönchssaal" (zwischen 1270 und 1300 entstanden), änderte im Lauf der Geschichte mehrmals ihr Aussehen. Von ihrer ursprünglichen Funktion erzählen die Buchnischen in der Westwand. Hier konnten Bücher, möglicherweise auch Schreibutensilien, sicher aufbewahrt werden. Eine wichtige bauliche Veränderung erfolgte um 1600. Die gotische Bemalung der Kreuzrippen mit Fugen sowie ein „Jüngstes Gericht" (um 1470) an der Westwand wurden übermalt und der Raum modernisiert. Veränderte Fenster ermöglichten den Blick hinaus zum Wald, mit Ornamenten und Darstellungen heiliger Schriftsteller wurde der Mönchssaal malerisch neu geschmückt.

Mit den baulichen Veränderungen ab 1650 büßte die Fraterie ihr bisheriges Aussehen dann völlig ein: die schlanke Mittelsäule wurde ummauert, um die zwei darüber liegenden Stockwerke des neuen Konvents zu tragen, und die Fenster wurden verkleinert oder ganz zugemauert. Bis ins 20. Jahrhundert diente der Raum fortan nur noch als Vorratskeller.

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Die mittelalterliche „Vorratskammer"
Beim Altenburger Keramikfund handelt es sich um einen der bedeutendsten geschlossenen mittelalterlichen Komplexe der letzten Jahre, der, wenn die Restaurierung des Materials abgeschlossen ist, etwa 100 bis 120 ganze oder mittels durchgehender Profile ergänzbare Gefäße umfassen wird. Er datiert aufgrund der aufgefundenen Formen in die Zeit um 1400 und in das frühe 15. Jh. und scheint in einer Werkstatt, vielleicht einer Stiftstöpferei, gefertigt worden zu sein. Dies läßt sich schon bei einer ersten Durchsicht des Materials durch die einheitliche Tonqualität, das einheitliche Formwollen und die geringe Anzahl von Töpfermarken belegen. Bei den Fundstücken handelt es sich bis auf wenige Ausnahmen (Becher) um Formen, die im Bereich der Küche (Pfannen) und der Vorratshaltung (hier sei auf die große Anzahl von Großformen bei Töpfen, Deckeln und Schüsseln oder Kesseln verwiesen) Verwendung fanden.

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Unterbodenheizung
Im Jahr 1993 wurden im Westteil des sogenannten Refektoriums bei Grabungsarbeiten die Reste einer mittelalterlichen Bodenheizung entdeckt. Dabei handelte es sich um eine zweiteilige Anlage, die einen Vorraum oder Arbeitsraum im Westen und einen Heizraum im Osten besitzt. Diese beiden Räume sind durch eine Quermauer mit Schüröffnung getrennt.

Der Heizraum wird durch zwei Gewölbe überdeckt, zwischen denen sich ein Polster aus warmer Luft bei der Beheizung der Anlage bilden konnte. Zusätzlich wurden auf dem inneren Gewölbe Kiesel als Wärmespeicher deponiert. Über Öffnungen im Fußboden des darüber liegenden Raumes wurde die heiße Luft zugeführt. Bei der Auffindung der Anlage war der Vorraum mit Keramik aus der Zeit um 1430 verfüllt.

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COQUINA et REFEKTORIUM - Küche und Speisesaal
Der Speisesaal im Südflügel ist in der monastischen Tradition der drittwichtigste Raum eines Klosters. Das meist zweischiffige Refektorium steht gewöhnlich senkrecht zum Kreuzgang. Eine erhöhte Plattform ließ im Küchen- und Speiseraumbereich eine darunterliegende Heizkammer zu, sodaß man sich auch hier wärmen, die Sandalen einfetten oder den Aderlaß vornehmen konnte. Über die Tür in den Kreuzgang erreicht man sehr schnell den sehr einfachen, ungefähr 6 Meter tiefen Brunnen, der als Waschplatz, zum Händewaschen, Rasieren und Schneiden der Tonsur benötigt wurde.

Speis & Trank im Mittelalter
„Auf das Fleisch vierfüßiger Tiere sollen alle verzichten, außer die ganz schwachen Kranken" schreibt der Hl. Benedikt in seiner Regel vor. Der Speiseplan der Mönche des Mittelalters war daher beherrscht von fleischlosen Gerichten. Aus Getreide, hauptsächlich Roggen, Hafer und Gerste, wurde Brot, aber auch Brei hergestellt. Hülsenfrüchte wie Bohnen oder Linsen wurden zu Eintöpfen oder Suppen verarbeitet. Eingesalzenes Kraut sorgte im Winter für Abwechslung auf dem Speiseplan. Obst war ab dem Spätmittelalter Bestandteil der täglichen Ernährung und wurde roh oder gekocht serviert. Gewürzpflanzen spielten eine große Rolle, wurden sie doch auch wegen ihrer heilkräftigen Wirkung geschätzt. Gesüßt wurde mit Honig. An Getränken wird neben Wein, Bier, Met und Obstwein ab dem 15. Jh. auch Branntwein genannt. Aber auch hier rät der Hl. Benedikt zu Enthaltsamkeit, „denn der Wein bringt sogar die Weisen zu Fall"...

Speis & Trank heute
Das Refektorium, der klösterliche Speisesaal, ist für die Mönchsgemeinschaft von besonderer Bedeutung. In allen mittelalterlichen Klosterplänen liegt dieser Raum parallel zur Kirche, so auch in Altenburg - die Mönche verstehen das gemeinsame Essen als Teil der Alltagsliturgie. Im Anschluss an das Mittagsgebet und an die Vesper am Abend begeben sich die Mönche geschlossen zu Tisch. Der Obere beginnt das gemeinsame Tischgebet und spricht den Segen. Dann nehmen die Mönche schweigend die Plätze ein, deren Reihenfolge sich aus ihrem Eintrittsalter ergibt. Ursprünglich wurde während der gesamten Mahlzeit geschwiegen und alle lauschten der Stimme des Tischlesers. Heute wird zu Beginn aus der Bibel vorgelesen, darauf folgt ein Abschnitt aus der Regel des heiligen Benedikt. Dann wird bis zum Ende der Suppe aus einem aktuellen Buch gelesen. Hat man zur Zeit Benedikts auf das Fleisch vierfüßiger Tiere wenn möglich ganz verzichtet, bemüht man sich heute um eine ausgewogene, saisonal bedingte und der Region und ihren natürlichen Lebensmitteln verpflichtete Ernährung.

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CLAUSTRUM COLLATIONIS - Lesegang
Der Nordflügel des Kreuzgangs lehnt sich direkt an ein Seitenschiff der Kirche an. Dieser ist durch Sitzbänke ausgestattet, da er teils für feierliche liturgische Handlungen wie die Fußwaschung verwendet wurde, teils Raum war für die „lectio divina" (geistliche Schriftlesung) und für die abendliche „Collatio" (Konferenz durch den Abt oder Prior) nach dem Abendessen.

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„Ein Kloster im Kloster" - Baugeschichte des Klosters Altenburg
1144 übergab Gräfin Hildburg von Poigen-Rebgau das von ihr auf ihrem Besitz zu Altenburg gestiftete Benediktinerkloster dem Passauer Bischof, nachdem es von 12 Mönchen aus St. Lambrecht in der Steiermark besiedelt worden war. Wie dieses erste, sehr kleine Kloster ausgesehen hat, wissen wir nicht genau. Ein romanisches Doppelbogenfenster aus der Frühzeit hat sich durch alle Bauphasen bis heute erhalten, die Ausgrabungen seit 1983 brachten Mauerreste des 12. Jahrhunderts und Fragmente eines romanischen Kreuzgangs zutage.

Der Ausbau des Stiftes wurde im 14. und 15. Jahrhundert durch wiederholte kriegerische Einfalle von Kumanen und Hussiten, durch feindliche Invasionen aus Böhmen, Mähren und Ungarn erschwert. Dennoch konnte die Klosteranlage in der 2. Hälfte des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts erweitert werden. Die Grafen von Gars und Maissau unterstützten das Kloster durch bedeutende Stiftungen und Schenkungen. Der heute zu sehende Kreuzgang und die ihn umgebenden Regularräume stammen aus dieser Zeit. Aufgrund der Ergebnisse der jüngsten Ausgrabungen kann Altenburg als einzige österreichische Klosteranlage bezeichnet werden, die alle wichtigen Regularräume des Mittelalters dokumentieren kann.

Die größten Zerstörungen durch kriegerische Gewalt widerfuhren dem Stift durch die Eroberungen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts: 1619 die protestantischen Stände und 1645 die Schweden. Die Reste der alten Klostergebäude wurden daraufhin aufgegeben und zugeschüttet. Abt Benedikt Leiß (1648-1658) legte den Grundstock für den barocken Neubau. In weiterer Folge schuf Abt Placidus Much (1715-1756) dann mit seinem geistigen Programm und der Bestellung von kongenialen Künstlern ein Juwel der Barockkunst, als das sich das Stift heute präsentiert.

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Sogenannter „Kumanenstein"
Gefunden im Jahr 1892 bei Kanalbauarbeiten in Altenburg stellt dieser Gedenkstein aus Gföhler Gneis eines der frühesten Schlachten-Denkmäler in Österreich dar. Errichtet wurde er „zur Zeit des Abtes Seifried" so die lateinische Inschrift auf der Vorderseite. Über den ursprünglichen Aufstellungsort ist nichts bekannt. Anlaß für die Errichtung war der Kampf der Truppen Herzog Rudolfs gegen 7000 kumanische Reiter am 2. Oktober 1304 in der Nähe von Altenburg. Die Kumanen, ein Reitervolk aus dem Osten, waren als Söldner im Dienste der ungarischen Truppen und aufgrund ihrer Grausamkeit gefürchtet. 400 von ihnen wurden in dieser Schlacht getötet und in einem Massengrab bestattet. Der Altenburger Abt Seifried I ließ zur Erinnerung dieses Denkmal errichten.

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CLAUSTRUM, Anfang 14. Jahrhundert
Das Herzstück einer Klosteranlage ist der südlich der Klosterkirche gelegene Kreuzgang, der auf vier Seiten einen quadratischen Hof umfaßt. Den Namen bekam dieser Gang durch die Prozessionen während der Liturgie, bei denen ein Kreuz vorangetragen wurde. Der Kreuzgang verbindet die klösterlichen Gemeinschaftsräume („Regularräume") der Klausur. Anfang des 14. Jahrhunderts wurden Fenster mit gotischem Maßwerk geschaffen und mit Glasfenstern geschlossen; die Rückwände waren für Freskenmalerei willkommen (vgl. Verkündigungsszene im Südflügel).

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AUDITORIUM - Hör- oder Zuhörraum
3. Drittel des 13. Jahrhunderts; Längstonne
Das Auditorium kann auch als „Parlatorium" (Sprechraum, Sprechzimmer) bezeichnet werden. Dieser Regularraum eines mittelalterlichen Klosters schließt direkt an den Kapitelsaal an und ist mit Sitz- bzw. Sprechnischen ausgestattet; hier wies der Prior den Mönchen am Morgen die Arbeit und die Arbeitsgeräte zu, der Raum diente auch für persönliches Gespräch in der Freizeit.

CAPITULUM - Kapitelsaal
3. Drittel des 13. Jahrhunderts; quadratischer 1-Stützenraum mit Wölbepolygon, Schirmgewölbe aus Rippendreistrahlen
Der Versammlungs- und Beratungsraum der Klostergemeinde ist neben dem Oratorium der zweitwichtigste Raum im Kloster. An der Ostwand öffnet sich dieser Raum zu einer angebauten Kapellenapsis. Zu beiden Seiten des Eingangs befinden sich romanische Fenster aus dem 12. Jahrhundert, durch die die Novizen und Konversen an den Lesungen im Kapitelsaal teilnehmen konnten. Der Kapitelsaal diente neben den Beratungen als liturgischer Raum für klösterliche Feste (Einkleidung...), auch die „Prim", die Hore zur ersten Stunde des Tages, wurde hier gefeiert. Den Namen „capitulum" trägt dieser Raum wegen der täglichen Verlesung eines Kapitels der Benediktsregel.

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Bibliotheksvorhalle
Um die unterschiedlichen Niveaus zwischen Stiftskirche und Bibliothek auszugleichen, wurde in Altenburg ein prächtiges Stiegenhaus errichtet: eine doppelläufige Treppe führt von der Kirche in den einen Halbstock tiefer gelegenen Büchersaal. Seine malerische Ausstattung erhielt der Raum um 1743 durch den Maler Johann Jakob Zeiller, den langjährigen Mitarbeiter Paul Trogers. Mit der Verbindung von Scheinarchitektur und Figurenmalerei glückte ihm ein einmaliges Meisterwerk der mitteleuropäischen Barockmalerei.

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Bibliotheksvestibül
Der nahezu quadratische, sehr hohe Raum wurde 1743 von Johann Jakob Zeiller freskiert. Bemerkenswert ist der große Anteil an Scheinarchitektur, die sich in der Mitte in einen gemalten Himmel öffnet, vor dem Chronos und Minerva schweben. Sie zeigen die Allegorie von Zeit und Wahrheit. An den Wänden und den Ansätzen zur Flachkuppel tummeln sich zahlreiche Figurengruppen, die zu diversen Zyklen wie den vier Jahreszeiten, den Erdteilen, und den Elementen gehören.

Im Zentrum des Freskos wiederholte Zeiller eine Bilderfindung des französischen Malers Nicolas Poussin: „Die Zeit bringt die Wahrheit ans Licht". Eine Veränderung betrifft die zentrale Gestalt der Wahrheit, die im Vorbild nackt gestaltet war; sie kleidet Zeiller in die Rüstung der Weisheitsgöttin Pallas Athene - die Zeit (als greiser Saturn) fördert somit nicht nur die Wahrheit zutage, sondern errettet auch die Weisheit vor den Zugriffen von Neid (mit Schlangenhaar) und Verleumdung (mit Dolch und Fackel).

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Bibliothek
Zwischen 1740 und 1744 entstand unter Abt Placidus Much die Altenburger Stiftsbibliothek, ein glanzvoller Höhepunkt seines Umbauprojektes. Drei Kuppeln Paul Trogers (1742) schmücken den Saal, sie zeigen die Göttliche Weisheit und die vier Fakultäten Theologie, Jurisprudenz, Medizin und Philosophie. Die Fresken über den Bücherkästen - die Entwicklung der Wissenschaften und der Religion - sowie die vier zentralen Ölgemälde schuf Trogers langjähriger socius Johann Jakob Zeiller.

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Paul Trogers Fresko der Hauptkuppel zeigt die Königin von Saba vor König Salomon, dem weisesten Herrscher des Alten Testaments. Die gemalte Kuppelhalle, in der die Szene spielt, ist scheinbar nach oben geöffnet und erlaubt einen Blick in den Himmel, wo die Göttliche Weisheit auf einem Wolkenthron erscheint.

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Die Stuckarbeiten (wie die springenden Pferde und die monumentalen Sphingen) wurden bei Johann Michael Flor in Auftrag gegeben. Er hatte bereits zuvor unter anderem die Stuckdekorationen der Kaiserstiege und der Marmorzimmer in Altenburg verfertigt. Beeindruckend ist die harmonische Farbigkeit des Raumes; mit blauem Stuckmarmor imitierte Johann Georg Hoppel hier die Kostbarkeit des Lapislazuli. Die imposante Größe des Raumes - seine Länge misst an die 50 Meter - täuscht über seine Bedeutung als Büchersaal hinweg. Erst um 1768, fast 25 Jahre nach Fertigstellung der Ausstattung, wurde hier mit der Aufstellung von Büchern begonnen.

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Buchbestand
In der Großen Bibliothek finden sich heute vorwiegend gedruckte Werke vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Der Buchbestand umfasst 7.170 Titel, Schriften, die hauptsächlich in lateinischer und deutscher Sprache verfasst wurden. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt im Bereich der Theologie. Ein Großteil der weißgebundenen Folianten in der Mitte der Bücherkästen befand sich bereits im 17. Jahrhundert in Altenburg - 1678 ließ Abt Maurus Boxler über 2.000 Bände in weißes Schweinsleder binden.

Die 44 Pergamenthandschriften, der kostbarste Teil des Altenburger Bücherschatzes, werden gemeinsam mit den Papierhandschriften und den Wiegendrucken in einer separaten Archivbibliothek verwahrt (ca. 1.600 Bücher).
Für zeitgemäße Studien steht den Altenburger Benediktinern eine eigene Konventbibliothek mit moderner Literatur zur Verfügung.

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Altane
Die um 1745 entstandene Stiftsansicht zeigt die Klosteranlage nach der Umgestaltung durch Abt Placidus Much. Deutlich sichtbar ist die Aussichtsterrasse an der Ostseite, die sogenannte „Altane". Dieses Plateau wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf den verschütteten Resten des mittelalterlichen Klosters angelegt.

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Im Jahr 2007 konnte nach umfangreichen archäologischen Grabungen die von den Architekten Jabornegg & Pálffy/ Wien neu geplante Altane eröffnet werden. Die klare Konzeption dieses modernen Baukörpers betont die beeindruckende 212,5 Meter lange Ostfassade und ermöglicht den Ausblick ins Kamptal und zum benachbarten Renaissanceschloss Rosenburg.

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

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Kaiserzimmer
Der Nordflügel des Kirchhofes sollte im ursprünglichen Projekt von Joseph Munggenast die repräsentativen Gästezimmer beherbergen, ab 1734 wurde mit den Ausstattungsarbeiten begonnen. Der Stukkateur Johann Michael Flor (17081775) schuf eine Reihe von Stuckdecken im Stil des „Bandlwerks", wo sich in Ornamentranken exotische Vögel und schalkhafte Narren tummeln. Besonders ungewöhnlich ist das zentrale Kabinett, dessen Stuck die Geschichte des Phaëton erzählt (um 1736).

Seit 1961 dienten die Räume als Studiersäle für die Altenburger Sängerknaben, seit 2018 ist in ihnen die Gemäldegalerie des Innsbrucker Sammlerehepaares Herta und Konrad Arnold untergebracht. Mit über 215 Gemälden stellt diese eine der größten Privatsammlungen mitteleuropäischer Barockmalerei in Österreich dar.

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Die Sammlung Arnold ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Begeisterung für die österreichische und süddeutsche Malerei des Barock und der damit verbundenen Sammelleidenschaft des Ehepaares Herta und Konrad Arnold. In der Gemäldegalerie im Kaisertrakt hat die wichtigste Barocksammlung Österreichs in Privatbesitz ihre neue Heimat gefunden. Erfreuen Sie sich an den Kunstwerken und lassen Sie sich begeistern.

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PHAËTONKABINETT
Um 1736 schuf Johann Michael Flor diese Stuckdekoration, die die Geschichte des Phaëton, eines Sohnes des Sonnengottes, in mehreren Episoden schildert. Der Herausforderung durch seinen Freund Epaphus folgt der fatale Versuch, den Sonnenwagen zu lenken - sodass Jupiter mit seinen Blitzen einschreitet, um einen Weltenbrand zu verhindern. Die Schwestern des Phaëton werden in ihrem Kummer in Erlen verwandelt, sein Freund Cygnus in einen Schwan. Phaëtons Mutter verfällt dem Wahnsinn.

Das Thema des Phaëton-Mythos ist ausgesprochen ungewöhnlich - üblicherweise wurde es in barocken Stiegenhäusern als Warnung vor Hochmut dargestellt. Im Altenburger Kabinett wird die tragische Geschichte verwoben mit kapriziösen Phantasiemotiven. So sitzen in den Ecken vier Chinesen, die mit Glöckchen und Windrädern als regelrechte Narren ausgezeichnet sind. Der tragische Held selbst bildet das Gegenstück zu Apollo, den Paul Troger im selben Jahr im Altenburger Marmorsaal gemalt hatte: Während dieser den Kosmos in Besonnenheit lenkt, provoziert der unvorsichtige Phaëton den Weltuntergang.

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Mit der Schenkung ihrer Gemäldesammlung an das Stift Altenburg hat das Ehepaar Dr. Herta und Prof. Dr. Konrad Arnold ein weithin leuchtendes Zeichen gesetzt. Mit der Verleihung des Sonderpreises „Maecenas Niederösterreich 2018" und den Preis der Jury zum „Maecenas Österreich 2018" wurde der neuen Sammlung im Stift Altenburg ein entsprechendes Anerkennungszeichen gesetzt.

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SAMMLUNGSSCHWERPUNKT KREMSER SCHMIDT
Den Hauptbestand des Schwarzen Kabinetts bilden vier Werke des niederösterreichischen Malers Martin Johann Schmidt, genannt Kremser Schmidt (1718-1801). Erstmals werden hier jeweils ein Gemälde der Sammlung Arnold und des Stiftes Altenburg gemeinsam mit zwei Madonnenbildern aus dem Besitz von Univ. Prof. Dr. med. Karl Irsigler präsentiert, die der Sammler 2019 dem Stift Altenburg in einer Schenkung übereignet hat.

Diese beiden Gemälde stammen aus sehr altem Besitz der Familie und lassen vermuten, dass sie direkt beim Maler bestellt worden waren, als dieser in den 1760er Jahren in Stift Seitenstetten arbeitete. Zwischenzeitlich gerieten die Bilder in Vergessenheit und wurden von Karl Irsigler nach seiner Promotion zum Doktor der Medizin am heimatlichen Dachboden in Amstetten entdeckt. Er erhielt sie daraufhin von seiner Mutter zum Geschenk. Erst nach der Reinigung der Gemälde war klar, welchen Schatz er dort gehoben hatte.

Die inhaltliche Aussage, die die beiden Andachtsbilder verbindet ist die Einwilligung in den göttlichen Heilsplan: In der Darstellung von Maria als Braut des Heiligen Geistes wird auf Verkündigung und Empfängnis verwiesen; die Madonna mit dem Jesuskind präfiguriert die Passion Christi und seine Auferstehung.
Erst durch diese wertvolle Schenkung der beiden Madonnenbilder ist es legitim, von einem kleinen - aber qualitativ höchstwertigen - Sammlungsschwerpunkt von Werken des Kremser Schmidt in Stift Altenburg zu sprechen.

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

Johann Georg Platzer (1704 - 1761)
Die Hochzeit von Theseus und Phaidra, um 1735/39

Die Szene ist Teil des klassischen, griechischen Sagenschatzes und zeigt die eifersüchtige Amazonenkönigin Antiope auf der Hochzeit Ihres ehemaligen Geliebten Theseus mit Phaidra. Seinen Liebesverrat rächt sie mit Waffengewalt. Trotz der dramatischen Handlung überwiegt die Faszination an der feinmalerischen Ausführung und der liebevollen Schilderung der kleinsten Details: Ein barockes Fest für das Auge des Betrachters.

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

Sitzgruppe mit Tisch, Stift Altenburg, Prälatur, um 1740
Das Inventar nach dem Tod von Abt Placidus 1756 bezeichnet viele der von ihm errichteten Räume als nur unzureichend möbliert. Die heute in Stiftsbesitz befindlichen Möbel können nur vage zurückverfolgt werden; wann und wo sie angeschafft wurden, ist großteils nicht dokumentiert.

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

Franz I. Stephan", Stift Altenburg, Kunstsammlungen, um 1745
Franz Stephan von Lothringen (1708-1765) heiratete 1736 die Erzherzogin Maria Theresia, nach dem Tod seines Schwiegervaters Karls VI. im Jahr 1740 wurde er zu ihrem Mitregenten ernannt - die politischen Aufgaben seines Amtes wurden fast ausschließlich von Maria Theresia selbst wahrgenommen. Für die Klöster, vor allem des Wiener Umlandes, markiert der Tod Karls VI. und die folgende, turbulente Zeit der Streitigkeiten um seine Nachfolge das Ende der großangelegten Bauprojekte - Franz Stephan selbst spielte (auch als römischer Kaiser ab 1745) dabei keine bedeutende Rolle.

Wanduhr, Stift Altenburg, Kunstsammlungen, 1750
Das Wappen Altenburgs - die drei Rosen - geben einen eindeutigen Hinweis darauf, dass diese Uhr im Jahr 1750 für das Benediktinerstift bei dem Horner Uhrmacher Johann Daniel Widike in Auftrag gegeben wurde. Ihr ursprünglicher Bestimmungsort im Kloster ist allerdings nicht bekannt.

Meister HKΡ „Mohrengueridon", Stift Altenburg, Kunstsammlungen, um 1736
Durch die Zuweisung an den namentlich nicht bekannten Bildhauer, der u.a. für die meisterlichen Skulpturen des Prälatenhofes verantwortlich zeichnet, lässt sich dieser Beistelltisch als originales Altenburger Möbel der Zeit von Abt Placidus Much identifizieren. Die Figur entspricht mit ihrer Bildaussage der Vorliebe des Barock für das Exotische: Der schöne und reich geschmückte Mohr als Begleiter einer hochrangigen Persönlichkeit bildete ein fixes Element höfischer Repräsentation.

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

Die Kaiserstiege bildete - der barocken Konzeption zufolge - als „Hauptstiege" den feierlichen Zugang zu Stift Alten-burg; von hier aus sollten hochrangige Gäste zu ihren Zimmern im ersten Stock und zu den kühlen Räumen der Sala terrena gelangen.

Um 1738 erhielt sie ihr prächtiges Aussehen: Joseph Munggenast entwarf als Baumeister das Treppenhaus nach dem Vorbild des Belvedere in Wien, Johann Michael Flor schuf die Stukkaturen, Johann Georg Hoppel die Dekoration in Stuckmarmor. Für das Deckenfresko wurde Paul Troger unter Vertrag genommen - in gewohnt meisterlicher Weise inszenierte er hier einen allegorischen Himmel, in dem sich spirituelle Erkenntnis und Naturwissenschaft harmonisch verbinden.

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

Paul Troger - „Quam bene conveniunt -Der Bund von Religion und Wissenschaft"
In seinem 1738 entstandenen Kaiserstiegenfresko wiederholte Troger ein allegorisches Thema, das ihm bereits 1735 im Seitenstettener Marmorsaal gestellt worden war. Die große Änderung in Altenburg - im Vergleich mit dem Vorbild – liegt in der Verlagerung des Bildes in ein Stiegenhaus; die architektonische Form des Raumes kommentiert sozusagen die Erzählung der Allegorie: Das Hinaufsteigen wird zum Bild der Suche nach Wahrheit, wobei die beiden gleichwertigen Treppenarme (die sich oben vereinigen) zum Gleichnis für die Gleichwertigkeit von Glaube und Wissenschaft als Wege zu Wahrheit werden.

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

Mit der „Ledagrotte" unterhalb der Kaiserstiege wurde ein beliebtes Motiv der barocken Gartengestaltung aufgegriffen: eine künstliche Grotte mit Brunnen, bevölkert von grotesken Drachenwesen. Obwohl der Eindruck von Wasserspielen erweckt werden soll, war der Brunnen nie funktionstüchtig: Der Wasserspeier am Gewölbeansatz ist aus wasserlöslichem Stuck gemacht!

Die zentrale Sandsteingruppe des Bildhauers Jakob Schletterer aus dem Jahr 1738 zeigt Leda, die Königin von Sparta, der sich Gottvater Jupiter in Gestalt eines Schwanes nähert. Das für ein Kloster ungewöhnliche Thema erklärt sich aus dem theologisch-philosophischen Zugang des Bauherrn Abt Placidus Much: Aus der mystischen Vereinigung der Seele mit Gott kann der schönste Mensch hervorgehen - Leda empfängt von Jupiter die Schöne Helena. Zugleich birgt sie das Potential zu größter Gewalt - um Helena sollte der Trojanische Krieg entbrennen.

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

Sala Terrena
Die unterhalb der „Marmorierten Zimmer" gelegene Raumflucht wurde um 1745/50 von Künstlern im Umkreis der Wiener Akademie mit Fresken geschmückt. Solche ebenerdig gelegenen Säle waren fixer Bestandteil des barocken Schlossbaus und sollten im Sommer als kühle Aufenthaltsräume dienen. Die Sala terrena-Zimmer von Altenburg weisen mehrere Besonderheiten auf etwa eine ungewöhnliche Themenfülle oder Fresken, die die Wände vollständig überziehen. Ihre grotesken Malereien entführen in die Welt eines barocken Theaters, wo der Hanswurst ebenso auftritt wie mythologische Gestalten, Faune und Wassergötter. Seit dem 19. Jahrhundert wurden die Räume von der klösterlichen Landwirtschaft als Schüttkasten beansprucht, weswegen bei ihrer Restaurierung 1975 große Teile der Wandmalereien ergänzt werden mussten.

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

Die Sala terrena – oder Gartensaal – (it. sala terrena = ebenerdiger Saal) ist ein erdgeschossig liegender Saal, meist in der Hauptachse eines Schlosses oder Palais, der den Garten mit dem Vestibül oder dem Treppenhaus verbindet. Sie ist typisch für den Schlossbau des 18. Jahrhunderts. Oft wurde der Saal auch prächtig als Grotte angelegt und mit Springbrunnen geschmückt. Die so genannte Grottenarchitektur, ursprünglich konzipiert als Schutzraum vor Sonne und grellem Licht im mediterranen Raum, hat ihren Ursprung in Italien; die „Sala terrena“ jedoch gilt als Schöpfung des deutschen Barock. Ihr Zweck war die Natur und das von Menschenhand Geschaffene miteinander zu verbinden. Sie bildet den Übergang von Innen zum Außen, von der Innenarchitektur zur Gartenarchitektur. Dabei war die Strömung des Barock mit seinem Wunsch nach Illusion, und seinem Vermischen der einzelnen Künste, wie auch mit seinen zerfließenden Lichteffekten, und seiner Vorliebe für verschwimmende Farben prädestiniert eine solche Aufgabe zu lösen. Im Vergleich zu ähnlichen Räumen in anderen Palais und Klöstern stammt die Sala terrena in Altenburg aus dem Jahr 1740 und zählt zu den späten Exemplaren dieser Raumgattung.

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

Die Räumlichkeiten der „Sala terrena“ im Stift Altenburg waren lange Zeit nicht zugänglich und wurden ab 1850 für rund 100 Jahre als Garage und Lagerräume der klösterlichen Landwirtschaft genutzt. Erst während der niederösterreichischen Landesausstellung „Groteskes Barock“ im Jahr 1975 wurde ihre einzigartige malerische Ausstattung durch eine umfassende Restaurierung enthüllt und durch eine Außentüre die Verbindung zum Apothekergarten ermöglicht. Die bemalten Wände und Decken zeichnen sich durch eine rustikale Malweise und eine originelle, schwer zu entziffernde Ikonographie aus. Es wird angenommen, dass mehrere Künstler, möglicherweise im Umfeld von Paul Troger, an der Gestaltung beteiligt waren.

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

Die barocke Veitskapelle
Im frühen 14. Jahrhundert wurde die nördlich der Stiftskirche gelegene Kapelle des hl. Vitus in gotischer Form umgestaltet - zu dieser Zeit diente sie vorrangig als Gotteshaus einer Spitalsstiftung. Als um 1670 Abt Maurus Boxler die Altane planieren ließ, versank der 350 Jahre alte Bau weitgehend im Aufschüttungsmaterial. Eine Zwischendecke trennte von nun an das frühere Erdgeschoß (das als Gruft für den Konvent weiterverwendet wurde) vom neu eingerichteten Kapellenraum.

Um 1740 erhielt das Innere der Kapelle seine heutige Gestalt: Meister Johann Michael Flor schmückte sie mit reichem Stuckornament, in das verschiedene Motive des Todes und der Vergänglichkeit verwoben sind: verlöschende Kerzen, zerbrochene Musikinstrumente, Totenschädel. Am Altar ist die „Beweinung und Grablegung Christi" dargestellt - Maria und Maria Magdalena (links) sowie der Apostel Johannes (rechts) betrauern gemeinsam mit Engeln den toten Jesus.

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

Die Klosteranlage von Altenburg zählt zu den umfangreichsten kirchlichen Bauprojekten, die in Mitteleuropa zur Zeit des Barock verwirklicht wurden. Dennoch können viele Kategorien, die mit dem gängigen Begriff „Barock" als Kunstform zwischen 1600 und 1800 verbunden sind, mit Stift Altenburg nur unzulänglich in Zusammenhang gebracht werden: Zu neuartig waren vor allem die inhaltlichen Ansprüche, mit denen Abt Placidus Much die ausführenden Künstler (und die Betrachter) konfrontierte.

Seine modernen Ideen, die philosophische Überzeugungen der Aufklärung vorwegnehmen, ließ Abt Placidus nicht etwa in Buchform erscheinen. Er vertraute der Macht der Bilder, um dem Neuen eine Sprache zu verleihen: Spirituelle Erkenntnis - der Glaube- und Wissenschaft - die Weltsicht der Vernunft - treffen hier aufeinander - als Gegensätze der Sicht auf die Welt, doch in gleichem Maß geeignet, sich der Wahrheit anzunähern.

Seine Ideen vertraute Abt Placidus den Kunstwerken seines Stiftes an - eine Botschaft, die mit visuellen Mitteln in Fresken, Stuckdekorationen und Architektur zum Ausdruck gebracht werden sollte. Den Ausgangspunkt seines Konzeptes bildete das Wappen des Klosters, drei Rosen: Sie werden mit drei Tugenden gleichgesetzt -Weisheit, Mäßigung und Liebe.

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

Die Stiftsgärten
Die Gartenanlagen im und um das Stift - Schöpfungsgarten, Apothekergarten, Kreuzganggarten, der „Garten der Religionen" und der „Garten der Stille" - wurden in den letzten Jahren liebevoll neu angelegt. Jeder Garten hat ein anderes theologisches Thema zum Inhalt, allen gemeinsam ist die Pflege nach den Kriterien der Aktion „Natur im Garten". Entdecken Sie die Schönheiten der Natur im Wechsel der Jahreszeiten. Finden Sie Ihren Lieblingsplatz. Genießen Sie den Duft der Kräuter. Lassen Sie den Blick und die Gedanken schweifen...

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

Der Garten der Religionen ist die größte der Altenburger Gartenanlagen. An seiner Stelle befand sich ursprünglich der große Stiftspark, von dem keine historische Gestaltung überliefert ist. Der Garten der Religionen besteht aus fünf Feldern, in denen die Beziehungen der fünf großen Weltreligionen Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus zueinander thematisiert wird. Basierend auf der Erklärung „Nostra aetate" des 2. Vatikanischen Konzils (1965) sind Gemeinsamkeiten, aber auch Trennendes dargestellt.

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023

In Anerkennung der Religiösität verschiedenener Völker, werden in „Nostra aetate" der Hindu-ismus, Buddhismus, Islam und das Judentum besonders gewürdigt. Im Garten der Reli-gionen" wurde diesen Religionen sowie dem Christentum Raum gegeben, um ihre Beziehungen zueinander symbolisch zum Aus-druck zu bringen. Zentrale Gestaltungsele-mente sind der Weg und das Wasser - als Sym-bol für die Suche nach Gott.

 Benediktinerstift Altenburg, August 2023



Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: