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Das Stift Altenburg ist eine Benediktinerabtei in Altenburg bei Horn in Niederösterreich. Hauptpatron des Klosters ist der hl. Lambert. Erleben Sie eine Zeitreise vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit! Entdecken Sie hinter historischen Mauern beeindruckende Kunstschätze der Barockzeit und genießen Sie das einzigartige Flair des Klosters und der Themengärten im Stift Altenburg.

In der Mitte der monumentalen 208 Meter langen aus drei Trakten
bestehenden östlichen Hauptfront befindet sich die geostete
Stiftskirche, deren Chorschluss risalitartig vorspringt. Diesem
Mittelteil ist eine Altane vorgelagert, unter der sich die Reste der am
Anfang des 21. Jahrhunderts freigelegten mittelalterlichen
Klosteranlage befinden. Dem Mittelteil der Hauptfront schließt nach
Norden hin der Marmortrakt mit einer Sala terrena und nach Süden der
Bibliothekstrakt mit der Krypta an.

Die Pfarr- und Stiftskirche Mariä Aufnahme in den Himmel gehört zum
Dekanat Horn in der Diözese St. Pölten. In der Kirche mit dem
charakteristischen Turm (1820 nach einem Brand in der heutigen Form –
auf romanischen Fundamenten ruhend – erbaut) wird das Tun der Mönche
mit ihrem Gebet zur Einheit: „ora et labora“! Sie ist der zentrale Raum
der barocken Klosteranlage. Sie verbindet den Mönchstrakt im Süden mit
dem Gäste- und Verwaltungstrakt im Norden. Die Räumlichkeiten südlich
der Kirche sind zum Wald hin ausgerichtet, zur Stille: sie
symbolisieren die „contemplatio“ des Mönchslebens.

Die von den Schweden im Dreißigjährigen Krieg zerstörte gotische
Klosterkirche wurde von den Äbten Benedikt Leiß und Maurus Boxler
wiederaufgebaut, aber erst unter Abt Placidus Much erfolgte zwischen
1730 und 1733 der großartige Umbau zur Barockkirche. Baumeister Joseph
Munggenast und sein Bauleiter Leopold Wißgrill verschonten nach
Möglichkeit die gotische Bausubstanz, durch die Überwölbung des
Kirchenschiffes mit einer längsovalen Kuppel entstand der heutige
Zentralbau.

Stiftskirche Mariä Aufnahme in den Himmel
Die Stifts- und gleichzeitig Pfarrkirche von Altenburg steht als Ort
des Gebetes und der Liturgie allen offen. Um 12:00 Uhr, »In der Mitte
des Tages«, laden die Benediktiner von Altenburg zur Mitfeier der
Mittagshore ganz herzlich ein!

Die Voraussetzung für diese reiche Ausstattung mit Kunstwerken schuf
der kunstsinnige Abt Placidus Much (1715-1756), der neben dem
Baumeister Joseph Munggenast herausragende Handwerker – Maler,
Bildhauer, Stuckateure, Kunsttischler und viele mehr – beschäftigte, um
seine Vision eines zeitgemäßen Klosters zu verwirklichen. Fast die
gesamte Ausstattung, die damals angefertigt wurde, blieb bis heute
erhalten.



Das Hochaltarbild gehört zu dem apokalyptischen Programm der Kirche.
Troger malt die Aufnahme Mariens in den Himmel. Die Chororgel schuf
Henk Klop (Barneveld) 2014, sie weist 7 Register auf.



Nur vier Jahre nach der Kuppel der Englischen Fräulein in St. Pölten
freskierte Paul Troger 1733 die große Ovalkuppel der Stiftskirche von
Altenburg. Trotz dieses kurzen zeitlichen Intervalls hat er an
malerischem Können und künstlerischer Reife enorm hinzugewonnen. Es ist
sein bis dahin größtes malerisches Werk. Die dem Chor zugewandte Seite
stellt wiederum die Apokalyptische Frau, die Entrückung des Kindes und
den Sturz Satans dar und erfuhr gegenüber der kleinen Kuppel in St.
Pölten neuerlich eine Erweiterung. Die von zwölf Sternen Bekrönte ist
nun unübersehbar das Zentrum der Komposition und dominiert die gesamte
Bilderzählung. Troger zeigt hier eine überaus subtile, transluzide
Lichtführung - einzigartig in seinem gesamten Werk.

1743 vervollständigte Troger die Ausstattung durch das Hochaltarbild
mit der Himmelfahrt Mariae und zwei Seitenaltarbilder zu Seiten des
Presbyteriums.

Paul Troger wurde als Freskant für die vier Kuppeln engagiert, den
plastischen Stuck der Stiftskirche schuf Franz Josef Holzinger, die
Marmorierungsarbeit Johann Georg Hoppl.

Die Große Orgel wurde vom Wiener Hoforgelbauer Anton Pfliegler gebaut,]
die Orgelweihe fand am Montag, den 22. November 1773, statt. Aus
kunsthistorischen Gründen blieben die Orgelpfeifen 1917 von der Abnahme
verschont. Nach Beschädigungen im Krieg baute Rieger das Instrument im
Jahr 1951 um und restaurierte es 1977.

In den Jahren 1731 und 1733 dekorierte der Südtiroler Maler Paul Troger
die gesamten Deckenfelder der Stiftskirche mit seinen herausragenden
Fresken. Sein zweifellos eindrucksvollstes Werk ist die (mehr als 700
m2 umfassende) Ovalkuppel.


Die gotische Veitskapelle
Die dem heiligen Vitus geweihte Kapelle gehört zu den ältesten Bauten
des Stiftes Altenburg. Über einem Ossarium („Beinhaus"), das im 12.
Jahrhundert errichtet wurde, entstand um 1308 die gotische Kapelle. Sie
war einer Spitalsstiftung des Adelsgeschlechts der Sunnberger
angeschlossen für jeden Priester im Konvent sollte ein Bedürftiger hier
versorgt werden.
Um 1670 wurde, lange nach Erlöschen dieser Stiftung, die gotische
Kapelle zu einer Mönchsgruft umgestaltet: Bis zum Verbot von
Hausbestattungen unter Joseph II. fanden die Altenburger Konventualen
hier ihre letzte Ruhe. Bemalte Sargbretter als Reste dieser Grablege
sind beredte Zeugen barocker Begräbniskultur. Der ehemalige Gruftraum,
das Untergeschoß des ursprünglichen Kapellenbaus, hat - abgesehen von
seinem eingezogenen Ziegelgewölbe - weitestgehend seinen gotischen
Charakter behalten. Vor allem die kleine Westempore gibt Aufschluss
über das Aussehen des schlichten mittelalterlichen Kapellenraums.

Die in den Jahren 2001 bis 2007 im Osten des Klosterareals
vorgenommenen Grabungen zur statischen Sicherung der barocken Altane
haben bemerkenswerte Einblicke in die Baugeschichte von Altenburg zu
Tage gefördert - gleichzeitig aber auch ein verwirrendes Nebeneinander
verschiedener Epochen. Direkt auf dem Felsen wurden ab der 2. Hälfte
des 13. Jahrhunderts verschiedene Bauten errichtet, die wahrscheinlich
im 16. Jahrhundert als Gästetrakt für das anschließende Abtshaus
dienten. Um 1670 verschwanden diese Gebäude(teile) in der Aufschütiung,
mit der Abt Maurus Boxler das Klostergelände einebnen ließ. Ab ca. 1735
wurde auf dieser Planierung der Trakt mit den Marmorzimmern und der
Sala terrena errichtet - seine Fundamente trieb man tief in das
Schuttmaterial.

2. Untergeschoß der Altane
Die unterhalb der barocken Altane situierten Gebäude bilden ein
Konglomerat verschiedener Bauabschnitte, die vom 12. bis ins 16.
Jahrhundert reichen. Dieser Baubestand des Stiftes Altenburg wurde um
1670 aufgegeben, als man sich zu einer großzügigen Neugestaltung der
Klausurbereiche entschloss; die bisher bestehende mittelalterliche
Bausubstanz „versank" daraufhin großteils in der Aufschüttung, auf der
die barocke Klosteranlage errichtet wurde.
Die Gewölbe östlich der Stiftskirche, ehemals unterhalb des Abtshauses
und des Zellentraktes gelegen, blieben allerdings erhalten und als
Kellerräume weiterhin in Gebrauch: Sie erhielten gemauerte Stützen und
wo gemauerte Decken fehlten Ziegelgewölbe. Die darüberliegenden Räume
im ursprünglichen Erdgeschoß (UG 1) wurden spätestens 1740 demoliert
und verschwanden in der Konstruktion der Aussichtsterrasse vor der
Ostfassade.

Jahrhunderte lang lagen die Reste der mittelalterlichen Klosteranlage
von Altenburg unter dem barocken Prunkbau verborgen. Im Zuge von
archäologischen Grabungen konnten in den letzten Jahrzehnten diese fast
vergessenen Zeugen des Klosterlebens seit der Gründung im Jahr 1144
wieder freigelegt werden.

Krypta
Der mächtige Unterbau der Bibliothek wurde um 1745 als „Gruft"
ausgestattet - möglicherweise wollte der Bauherr Abt Placidus Much hier
seine letzte Ruhe finden.

Der monumentale Raum der Krypta erstreckt sich über mehrere Ebenen und
ist vollständig mit einem dichten ornamentalen Netz von Malerei
überzogen. Diese wurde von Künstlern im Umfeld der Wiener Akademie als
Secco-Malerei (auf trockenem Putz mit einem Bindemittel) ausgeführt.
Irritierend ist die Farbigkeit; sie steht in bizarrem Kontrast zum
Leitthema des Raums, dem Tod.

Grandeur de Jerusalem II
Hubert Aratym, 1979/80 Akazie und Ebenholz, 57 x 226 cm
Grandeur de Jerusalem I
Hubert Aratym, 1979/80 Akazie und Ebenholz, 68 x 226 cm
Hubert Aratym wurde am 22. Jänner 1926 in Gutenstein in
Niederösterreich geboren. Er studierte an der Wiener Akademie für
angewandte Kunst (Meisterklasse für Mode und Textilarbeit) bei
Professor Wimmer-Wisgrill und schloss seine Ausbildung im Jahr 1952 mit
dem Diplom ab. Von 1957-1960 war er Gasthörer bei Sergius Pauser an der
Wiener Akademie und bildete sich etwa zur selben Zeit an der Academie
des Beaux Arts in Paris weiter. Er erzielte in Paris den ersten Preis
des Theatre des Nations; 1964 den österreichischen Staatspreis für
angewandte Kunst für Bühnenbildentwürfe sowie den Preis des Wiener
Kunstfonds.
Das ausschließliche Thema in der Malerei von Hubert Aratym ist die
menschliche Figur in ihren Konstellationen, Bedrängnissen, in ihrer
Verzweiflung und ihren Sehnsüchten. Hubert Aratym starb am 22. Februar
2000 in Wien.

Ein Totentanz wird an den Gewölbebögen beschworen, bei dem Jung und
Alt, Mann und Frau hinweggerafft werden. Doch auch in den heiteren
Ornamentfeldern der Decke verbergen sich Symbole der Vanitas, der
Vergänglichkeit allen Seins: Fledermäuse und Käuzchen, Sanduhren,
Totenköpfe und Gebein.

Die Malereien der Altenburger Krypta wurden von unbekannten Künstlern
geschaffen; weniger die malerische Qualität als die Fülle und der
Einfallsreichtum im Ornament machen die Faszination des Raumes aus.

Groteskenmalerei zu Tod und Vergänglichkeit
Der am tiefsten gelegene Repräsentationsraum des Stiftes ist die
sogenannte Krypta, die in ihren Dimensionen genau der darüber liegenden
Bibliothek entspricht. Dieser Umstand ist unikal – normalerweise finden
sich Krypten unter Kirchen und Kathedralen. Eine Verwendung des Raumes
als Gruft der Äbte konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Es ist
anzunehmen, dass er barocken Trauerfeierlichkeiten diente – wohl im
Sinne eines Meditationsraumes zum Thema Tod und Vergänglichkeit, als
begehbares Memento mori. In den Quellen findet die Krypta als
„besonders meublierte und gezierte TodtenCapelle“ Erwähnung.
Wahrscheinlich waren es namentlich nicht bekannte Mitglieder der Wiener
Akademie, die hier in den frühen 1740er Jahren Szenen und Grotesken „al
secco“ (auf die trockene Wand) malten.

Der „Goldene Ofen"
Bei den archäologischen Ausgrabungen im Jahr 1995 wurden im Bereich der
ehemaligen Luftheizungsanlage 86 großteils gut erhaltene Kacheln
gefunden. Nach eingehender Untersuchung und Restaurierung konnte daraus
ein gotischer Turmofen, der „Goldene Ofen von Stift Altenburg"
rekonstruiert werden. Seinen Namen erhielt er wegen des dichten
Überzugs aus Goldglimmer, der den Kacheln des Oberbaus ihren besonderen
Glanz verleiht. Entstanden ist der Goldene Ofen wahrscheinlich in der
Zeit zwischen 1480 und 1510 - dieser Zeitraum lässt sich aufgrund der
dargestellten Motive und der Bauart der Kacheln eingrenzen. Sein
ursprünglicher Standort ist nicht bekannt. 62 der insgesamt 86 Kacheln
sind mit Reliefs ausgestaltet, dargestellt sind Biblische Szenen,
Heiligenfiguren, Wappen und Symbole.

Die Fraterie, der „Mönchssaal"
(zwischen 1270 und 1300 entstanden), änderte im Lauf der Geschichte
mehrmals ihr Aussehen. Von ihrer ursprünglichen Funktion erzählen die
Buchnischen in der Westwand. Hier konnten Bücher, möglicherweise auch
Schreibutensilien, sicher aufbewahrt werden. Eine wichtige bauliche
Veränderung erfolgte um 1600. Die gotische Bemalung der Kreuzrippen mit
Fugen sowie ein „Jüngstes Gericht" (um 1470) an der Westwand wurden
übermalt und der Raum modernisiert. Veränderte Fenster ermöglichten den
Blick hinaus zum Wald, mit Ornamenten und Darstellungen heiliger
Schriftsteller wurde der Mönchssaal malerisch neu geschmückt.
Mit den baulichen Veränderungen ab 1650 büßte die Fraterie ihr
bisheriges Aussehen dann völlig ein: die schlanke Mittelsäule wurde
ummauert, um die zwei darüber liegenden Stockwerke des neuen Konvents
zu tragen, und die Fenster wurden verkleinert oder ganz zugemauert. Bis
ins 20. Jahrhundert diente der Raum fortan nur noch als Vorratskeller.

Die mittelalterliche „Vorratskammer"
Beim Altenburger Keramikfund handelt es sich um einen der bedeutendsten
geschlossenen mittelalterlichen Komplexe der letzten Jahre, der, wenn
die Restaurierung des Materials abgeschlossen ist, etwa 100 bis 120
ganze oder mittels durchgehender Profile ergänzbare Gefäße umfassen
wird. Er datiert aufgrund der aufgefundenen Formen in die Zeit um 1400
und in das frühe 15. Jh. und scheint in einer Werkstatt, vielleicht
einer Stiftstöpferei, gefertigt worden zu sein. Dies läßt sich schon
bei einer ersten Durchsicht des Materials durch die einheitliche
Tonqualität, das einheitliche Formwollen und die geringe Anzahl von
Töpfermarken belegen. Bei den Fundstücken handelt es sich bis auf
wenige Ausnahmen (Becher) um Formen, die im Bereich der Küche (Pfannen)
und der Vorratshaltung (hier sei auf die große Anzahl von Großformen
bei Töpfen, Deckeln und Schüsseln oder Kesseln verwiesen) Verwendung
fanden.

Unterbodenheizung
Im Jahr 1993 wurden im Westteil des sogenannten Refektoriums bei
Grabungsarbeiten die Reste einer mittelalterlichen Bodenheizung
entdeckt. Dabei handelte es sich um eine zweiteilige Anlage, die einen
Vorraum oder Arbeitsraum im Westen und einen Heizraum im Osten besitzt.
Diese beiden Räume sind durch eine Quermauer mit Schüröffnung getrennt.
Der Heizraum wird durch zwei Gewölbe überdeckt, zwischen denen sich ein
Polster aus warmer Luft bei der Beheizung der Anlage bilden konnte.
Zusätzlich wurden auf dem inneren Gewölbe Kiesel als Wärmespeicher
deponiert. Über Öffnungen im Fußboden des darüber liegenden Raumes
wurde die heiße Luft zugeführt. Bei der Auffindung der Anlage war der
Vorraum mit Keramik aus der Zeit um 1430 verfüllt.

COQUINA et REFEKTORIUM - Küche und Speisesaal
Der Speisesaal im Südflügel ist in der monastischen Tradition der
drittwichtigste Raum eines Klosters. Das meist zweischiffige
Refektorium steht gewöhnlich senkrecht zum Kreuzgang. Eine erhöhte
Plattform ließ im Küchen- und Speiseraumbereich eine darunterliegende
Heizkammer zu, sodaß man sich auch hier wärmen, die Sandalen einfetten
oder den Aderlaß vornehmen konnte. Über die Tür in den Kreuzgang
erreicht man sehr schnell den sehr einfachen, ungefähr 6 Meter tiefen
Brunnen, der als Waschplatz, zum Händewaschen, Rasieren und Schneiden
der Tonsur benötigt wurde.
Speis & Trank im Mittelalter
„Auf das Fleisch vierfüßiger Tiere sollen alle verzichten, außer die
ganz schwachen Kranken" schreibt der Hl. Benedikt in seiner Regel vor.
Der Speiseplan der Mönche des Mittelalters war daher beherrscht von
fleischlosen Gerichten. Aus Getreide, hauptsächlich Roggen, Hafer und
Gerste, wurde Brot, aber auch Brei hergestellt. Hülsenfrüchte wie
Bohnen oder Linsen wurden zu Eintöpfen oder Suppen verarbeitet.
Eingesalzenes Kraut sorgte im Winter für Abwechslung auf dem
Speiseplan. Obst war ab dem Spätmittelalter Bestandteil der täglichen
Ernährung und wurde roh oder gekocht serviert. Gewürzpflanzen spielten
eine große Rolle, wurden sie doch auch wegen ihrer heilkräftigen
Wirkung geschätzt. Gesüßt wurde mit Honig. An Getränken wird neben
Wein, Bier, Met und Obstwein ab dem 15. Jh. auch Branntwein genannt.
Aber auch hier rät der Hl. Benedikt zu Enthaltsamkeit, „denn der Wein
bringt sogar die Weisen zu Fall"...
Speis & Trank heute
Das Refektorium, der klösterliche Speisesaal, ist für die
Mönchsgemeinschaft von besonderer Bedeutung. In allen mittelalterlichen
Klosterplänen liegt dieser Raum parallel zur Kirche, so auch in
Altenburg - die Mönche verstehen das gemeinsame Essen als Teil der
Alltagsliturgie. Im Anschluss an das Mittagsgebet und an die Vesper am
Abend begeben sich die Mönche geschlossen zu Tisch. Der Obere beginnt
das gemeinsame Tischgebet und spricht den Segen. Dann nehmen die Mönche
schweigend die Plätze ein, deren Reihenfolge sich aus ihrem
Eintrittsalter ergibt. Ursprünglich wurde während der gesamten Mahlzeit
geschwiegen und alle lauschten der Stimme des Tischlesers. Heute wird
zu Beginn aus der Bibel vorgelesen, darauf folgt ein Abschnitt aus der
Regel des heiligen Benedikt. Dann wird bis zum Ende der Suppe aus einem
aktuellen Buch gelesen. Hat man zur Zeit Benedikts auf das Fleisch
vierfüßiger Tiere wenn möglich ganz verzichtet, bemüht man sich heute
um eine ausgewogene, saisonal bedingte und der Region und ihren
natürlichen Lebensmitteln verpflichtete Ernährung.

CLAUSTRUM COLLATIONIS - Lesegang
Der Nordflügel des Kreuzgangs lehnt sich direkt an ein Seitenschiff der
Kirche an. Dieser ist durch Sitzbänke ausgestattet, da er teils für
feierliche liturgische Handlungen wie die Fußwaschung verwendet wurde,
teils Raum war für die „lectio divina" (geistliche Schriftlesung) und
für die abendliche „Collatio" (Konferenz durch den Abt oder Prior) nach
dem Abendessen.

„Ein Kloster im Kloster" - Baugeschichte des Klosters Altenburg
1144 übergab Gräfin Hildburg von Poigen-Rebgau das von ihr auf ihrem
Besitz zu Altenburg gestiftete Benediktinerkloster dem Passauer
Bischof, nachdem es von 12 Mönchen aus St. Lambrecht in der Steiermark
besiedelt worden war. Wie dieses erste, sehr kleine Kloster ausgesehen
hat, wissen wir nicht genau. Ein romanisches Doppelbogenfenster aus der
Frühzeit hat sich durch alle Bauphasen bis heute erhalten, die
Ausgrabungen seit 1983 brachten Mauerreste des 12. Jahrhunderts und
Fragmente eines romanischen Kreuzgangs zutage.
Der Ausbau des Stiftes wurde im 14. und 15. Jahrhundert durch
wiederholte kriegerische Einfalle von Kumanen und Hussiten, durch
feindliche Invasionen aus Böhmen, Mähren und Ungarn erschwert. Dennoch
konnte die Klosteranlage in der 2. Hälfte des 13. und zu Beginn des 14.
Jahrhunderts erweitert werden. Die Grafen von Gars und Maissau
unterstützten das Kloster durch bedeutende Stiftungen und Schenkungen.
Der heute zu sehende Kreuzgang und die ihn umgebenden Regularräume
stammen aus dieser Zeit. Aufgrund der Ergebnisse der jüngsten
Ausgrabungen kann Altenburg als einzige österreichische Klosteranlage
bezeichnet werden, die alle wichtigen Regularräume des Mittelalters
dokumentieren kann.
Die größten Zerstörungen durch kriegerische Gewalt widerfuhren dem
Stift durch die Eroberungen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts:
1619 die protestantischen Stände und 1645 die Schweden. Die Reste der
alten Klostergebäude wurden daraufhin aufgegeben und zugeschüttet. Abt
Benedikt Leiß (1648-1658) legte den Grundstock für den barocken Neubau.
In weiterer Folge schuf Abt Placidus Much (1715-1756) dann mit seinem
geistigen Programm und der Bestellung von kongenialen Künstlern ein
Juwel der Barockkunst, als das sich das Stift heute präsentiert.

Sogenannter „Kumanenstein"
Gefunden im Jahr 1892 bei Kanalbauarbeiten in Altenburg stellt dieser
Gedenkstein aus Gföhler Gneis eines der frühesten Schlachten-Denkmäler
in Österreich dar. Errichtet wurde er „zur Zeit des Abtes Seifried" so
die lateinische Inschrift auf der Vorderseite. Über den ursprünglichen
Aufstellungsort ist nichts bekannt. Anlaß für die Errichtung war der
Kampf der Truppen Herzog Rudolfs gegen 7000 kumanische Reiter am 2.
Oktober 1304 in der Nähe von Altenburg. Die Kumanen, ein Reitervolk aus
dem Osten, waren als Söldner im Dienste der ungarischen Truppen und
aufgrund ihrer Grausamkeit gefürchtet. 400 von ihnen wurden in dieser
Schlacht getötet und in einem Massengrab bestattet. Der Altenburger Abt
Seifried I ließ zur Erinnerung dieses Denkmal errichten.

CLAUSTRUM, Anfang 14. Jahrhundert
Das Herzstück einer Klosteranlage ist der südlich der Klosterkirche gelegene Kreuzgang,
der auf vier Seiten einen quadratischen Hof umfaßt. Den Namen bekam
dieser Gang durch die Prozessionen während der Liturgie, bei denen ein
Kreuz vorangetragen wurde. Der Kreuzgang verbindet die klösterlichen
Gemeinschaftsräume („Regularräume") der Klausur. Anfang des 14.
Jahrhunderts wurden Fenster mit gotischem Maßwerk geschaffen und mit
Glasfenstern geschlossen; die Rückwände waren für Freskenmalerei
willkommen (vgl. Verkündigungsszene im Südflügel).

AUDITORIUM - Hör- oder Zuhörraum
3. Drittel des 13. Jahrhunderts; Längstonne
Das Auditorium kann auch als „Parlatorium" (Sprechraum, Sprechzimmer)
bezeichnet werden. Dieser Regularraum eines mittelalterlichen Klosters
schließt direkt an den Kapitelsaal an und ist mit Sitz- bzw.
Sprechnischen ausgestattet; hier wies der Prior den Mönchen am Morgen
die Arbeit und die Arbeitsgeräte zu, der Raum diente auch für
persönliches Gespräch in der Freizeit.
CAPITULUM - Kapitelsaal
3. Drittel des 13. Jahrhunderts; quadratischer 1-Stützenraum mit Wölbepolygon, Schirmgewölbe aus Rippendreistrahlen
Der Versammlungs- und Beratungsraum der Klostergemeinde ist neben dem
Oratorium der zweitwichtigste Raum im Kloster. An der Ostwand öffnet
sich dieser Raum zu einer angebauten Kapellenapsis. Zu beiden Seiten
des Eingangs befinden sich romanische Fenster aus dem 12. Jahrhundert,
durch die die Novizen und Konversen an den Lesungen im Kapitelsaal
teilnehmen konnten. Der Kapitelsaal diente neben den Beratungen als
liturgischer Raum für klösterliche Feste (Einkleidung...), auch die
„Prim", die Hore zur ersten Stunde des Tages, wurde hier gefeiert. Den
Namen „capitulum" trägt dieser Raum wegen der täglichen Verlesung eines
Kapitels der Benediktsregel.

Bibliotheksvorhalle
Um die unterschiedlichen Niveaus zwischen Stiftskirche und Bibliothek
auszugleichen, wurde in Altenburg ein prächtiges Stiegenhaus errichtet:
eine doppelläufige Treppe führt von der Kirche in den einen Halbstock
tiefer gelegenen Büchersaal. Seine malerische Ausstattung erhielt der
Raum um 1743 durch den Maler Johann Jakob Zeiller, den langjährigen
Mitarbeiter Paul Trogers. Mit der Verbindung von Scheinarchitektur und
Figurenmalerei glückte ihm ein einmaliges Meisterwerk der
mitteleuropäischen Barockmalerei.

Bibliotheksvestibül
Der nahezu quadratische, sehr hohe Raum wurde 1743 von Johann Jakob
Zeiller freskiert. Bemerkenswert ist der große Anteil an
Scheinarchitektur, die sich in der Mitte in einen gemalten Himmel
öffnet, vor dem Chronos und Minerva schweben. Sie zeigen die Allegorie
von Zeit und Wahrheit. An den Wänden und den Ansätzen zur Flachkuppel
tummeln sich zahlreiche Figurengruppen, die zu diversen Zyklen wie den
vier Jahreszeiten, den Erdteilen, und den Elementen gehören.
Im Zentrum des Freskos wiederholte Zeiller eine Bilderfindung des
französischen Malers Nicolas Poussin: „Die Zeit bringt die Wahrheit ans
Licht". Eine Veränderung betrifft die zentrale Gestalt der Wahrheit,
die im Vorbild nackt gestaltet war; sie kleidet Zeiller in die Rüstung
der Weisheitsgöttin Pallas Athene - die Zeit (als greiser Saturn)
fördert somit nicht nur die Wahrheit zutage, sondern errettet auch die
Weisheit vor den Zugriffen von Neid (mit Schlangenhaar) und Verleumdung
(mit Dolch und Fackel).

Bibliothek
Zwischen 1740 und 1744 entstand unter Abt Placidus Much die Altenburger
Stiftsbibliothek, ein glanzvoller Höhepunkt seines Umbauprojektes. Drei
Kuppeln Paul Trogers (1742) schmücken den Saal, sie zeigen die
Göttliche Weisheit und die vier Fakultäten Theologie, Jurisprudenz,
Medizin und Philosophie. Die Fresken über den Bücherkästen - die
Entwicklung der Wissenschaften und der Religion - sowie die vier
zentralen Ölgemälde schuf Trogers langjähriger socius Johann Jakob
Zeiller.

Paul Trogers Fresko der Hauptkuppel zeigt die Königin von Saba vor
König Salomon, dem weisesten Herrscher des Alten Testaments. Die
gemalte Kuppelhalle, in der die Szene spielt, ist scheinbar nach oben
geöffnet und erlaubt einen Blick in den Himmel, wo die Göttliche
Weisheit auf einem Wolkenthron erscheint.

Die Stuckarbeiten (wie die springenden Pferde und die monumentalen
Sphingen) wurden bei Johann Michael Flor in Auftrag gegeben. Er hatte
bereits zuvor unter anderem die Stuckdekorationen der Kaiserstiege und
der Marmorzimmer in Altenburg verfertigt. Beeindruckend ist die harmonische Farbigkeit des Raumes; mit blauem
Stuckmarmor imitierte Johann Georg Hoppel hier die Kostbarkeit des
Lapislazuli. Die imposante Größe des Raumes - seine Länge misst an die 50 Meter -
täuscht über seine Bedeutung als Büchersaal hinweg. Erst um 1768, fast
25 Jahre nach Fertigstellung der Ausstattung, wurde hier mit der
Aufstellung von Büchern begonnen.


Buchbestand
In der Großen Bibliothek finden sich heute vorwiegend gedruckte Werke
vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Der Buchbestand umfasst 7.170 Titel,
Schriften, die hauptsächlich in lateinischer und deutscher Sprache
verfasst wurden. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt im Bereich der
Theologie. Ein Großteil der weißgebundenen Folianten in der Mitte der
Bücherkästen befand sich bereits im 17. Jahrhundert in Altenburg - 1678
ließ Abt Maurus Boxler über 2.000 Bände in weißes Schweinsleder binden.
Die 44 Pergamenthandschriften, der kostbarste Teil des Altenburger
Bücherschatzes, werden gemeinsam mit den Papierhandschriften und den
Wiegendrucken in einer separaten Archivbibliothek verwahrt (ca. 1.600
Bücher).
Für zeitgemäße Studien steht den Altenburger Benediktinern eine eigene Konventbibliothek mit moderner Literatur zur Verfügung.

Altane
Die um 1745 entstandene Stiftsansicht zeigt die Klosteranlage nach der
Umgestaltung durch Abt Placidus Much. Deutlich sichtbar ist die
Aussichtsterrasse an der Ostseite, die sogenannte „Altane". Dieses
Plateau wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf den
verschütteten Resten des mittelalterlichen Klosters angelegt.

Im Jahr 2007 konnte nach umfangreichen archäologischen Grabungen die
von den Architekten Jabornegg & Pálffy/ Wien neu geplante Altane
eröffnet werden. Die klare Konzeption dieses modernen Baukörpers betont
die beeindruckende 212,5 Meter lange Ostfassade und ermöglicht den
Ausblick ins Kamptal und zum benachbarten Renaissanceschloss Rosenburg.





Kaiserzimmer
Der Nordflügel des Kirchhofes sollte im ursprünglichen Projekt von
Joseph Munggenast die repräsentativen Gästezimmer beherbergen, ab 1734
wurde mit den Ausstattungsarbeiten begonnen. Der Stukkateur Johann
Michael Flor (17081775) schuf eine Reihe von Stuckdecken im Stil des
„Bandlwerks", wo sich in Ornamentranken exotische Vögel und schalkhafte
Narren tummeln. Besonders ungewöhnlich ist das zentrale Kabinett,
dessen Stuck die Geschichte des Phaëton erzählt (um 1736).
Seit 1961 dienten die Räume als Studiersäle für die Altenburger
Sängerknaben, seit 2018 ist in ihnen die Gemäldegalerie des Innsbrucker
Sammlerehepaares Herta und Konrad Arnold untergebracht. Mit über 215
Gemälden stellt diese eine der größten Privatsammlungen
mitteleuropäischer Barockmalerei in Österreich dar.

Die Sammlung Arnold ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen
Begeisterung für die österreichische und süddeutsche Malerei des Barock
und der damit verbundenen Sammelleidenschaft des Ehepaares Herta und
Konrad Arnold. In der Gemäldegalerie im Kaisertrakt hat die wichtigste
Barocksammlung Österreichs in Privatbesitz ihre neue Heimat gefunden.
Erfreuen Sie sich an den Kunstwerken und lassen Sie sich begeistern.

PHAËTONKABINETT
Um 1736 schuf Johann Michael Flor diese Stuckdekoration, die die
Geschichte des Phaëton, eines Sohnes des Sonnengottes, in mehreren
Episoden schildert. Der Herausforderung durch seinen Freund Epaphus
folgt der fatale Versuch, den Sonnenwagen zu lenken - sodass Jupiter
mit seinen Blitzen einschreitet, um einen Weltenbrand zu verhindern.
Die Schwestern des Phaëton werden in ihrem Kummer in Erlen verwandelt,
sein Freund Cygnus in einen Schwan. Phaëtons Mutter verfällt dem
Wahnsinn.
Das Thema des Phaëton-Mythos ist ausgesprochen ungewöhnlich -
üblicherweise wurde es in barocken Stiegenhäusern als Warnung vor
Hochmut dargestellt. Im Altenburger Kabinett wird die tragische
Geschichte verwoben mit kapriziösen Phantasiemotiven. So sitzen in den
Ecken vier Chinesen, die mit Glöckchen und Windrädern als regelrechte
Narren ausgezeichnet sind. Der tragische Held selbst bildet das
Gegenstück zu Apollo, den Paul Troger im selben Jahr im Altenburger
Marmorsaal gemalt hatte: Während dieser den Kosmos in Besonnenheit
lenkt, provoziert der unvorsichtige Phaëton den Weltuntergang.

Mit der Schenkung ihrer Gemäldesammlung an das Stift Altenburg hat das
Ehepaar Dr. Herta und Prof. Dr. Konrad Arnold ein weithin leuchtendes
Zeichen gesetzt. Mit der Verleihung des Sonderpreises „Maecenas
Niederösterreich 2018" und den Preis der Jury zum „Maecenas Österreich
2018" wurde der neuen Sammlung im Stift Altenburg ein entsprechendes
Anerkennungszeichen gesetzt.

SAMMLUNGSSCHWERPUNKT KREMSER SCHMIDT
Den Hauptbestand des Schwarzen Kabinetts bilden vier Werke des
niederösterreichischen Malers Martin Johann Schmidt, genannt Kremser
Schmidt (1718-1801). Erstmals werden hier jeweils ein Gemälde der
Sammlung Arnold und des Stiftes Altenburg gemeinsam mit zwei
Madonnenbildern aus dem Besitz von Univ. Prof. Dr. med. Karl Irsigler
präsentiert, die der Sammler 2019 dem Stift Altenburg in einer
Schenkung übereignet hat.
Diese beiden Gemälde stammen aus sehr altem Besitz der Familie und
lassen vermuten, dass sie direkt beim Maler bestellt worden waren, als
dieser in den 1760er Jahren in Stift Seitenstetten arbeitete.
Zwischenzeitlich gerieten die Bilder in Vergessenheit und wurden von
Karl Irsigler nach seiner Promotion zum Doktor der Medizin am
heimatlichen Dachboden in Amstetten entdeckt. Er erhielt sie daraufhin
von seiner Mutter zum Geschenk. Erst nach der Reinigung der Gemälde war
klar, welchen Schatz er dort gehoben hatte.
Die inhaltliche Aussage, die die beiden Andachtsbilder verbindet ist
die Einwilligung in den göttlichen Heilsplan: In der Darstellung von
Maria als Braut des Heiligen Geistes wird auf Verkündigung und
Empfängnis verwiesen; die Madonna mit dem Jesuskind präfiguriert die
Passion Christi und seine Auferstehung.
Erst durch diese wertvolle Schenkung der beiden Madonnenbilder ist es
legitim, von einem kleinen - aber qualitativ höchstwertigen -
Sammlungsschwerpunkt von Werken des Kremser Schmidt in Stift Altenburg
zu sprechen.

Johann Georg Platzer (1704 - 1761)
Die Hochzeit von Theseus und Phaidra, um 1735/39
Die Szene ist Teil des klassischen, griechischen Sagenschatzes und
zeigt die eifersüchtige Amazonenkönigin Antiope auf der Hochzeit Ihres
ehemaligen Geliebten Theseus mit Phaidra. Seinen Liebesverrat rächt sie
mit Waffengewalt. Trotz der dramatischen Handlung überwiegt die
Faszination an der feinmalerischen Ausführung und der liebevollen
Schilderung der kleinsten Details: Ein barockes Fest für das Auge des
Betrachters.

Sitzgruppe mit Tisch, Stift Altenburg, Prälatur, um 1740
Das Inventar nach dem Tod von Abt Placidus 1756 bezeichnet viele der
von ihm errichteten Räume als nur unzureichend möbliert. Die heute in
Stiftsbesitz befindlichen Möbel können nur vage zurückverfolgt werden;
wann und wo sie angeschafft wurden, ist großteils nicht dokumentiert.

„Franz I. Stephan", Stift Altenburg, Kunstsammlungen, um 1745
Franz Stephan von Lothringen (1708-1765) heiratete 1736 die Erzherzogin
Maria Theresia, nach dem Tod seines Schwiegervaters Karls VI. im Jahr
1740 wurde er zu ihrem Mitregenten ernannt - die politischen Aufgaben
seines Amtes wurden fast ausschließlich von Maria Theresia selbst
wahrgenommen. Für die Klöster, vor allem des Wiener Umlandes, markiert
der Tod Karls VI. und die folgende, turbulente Zeit der Streitigkeiten
um seine Nachfolge das Ende der großangelegten Bauprojekte - Franz
Stephan selbst spielte (auch als römischer Kaiser ab 1745) dabei keine
bedeutende Rolle.
Wanduhr, Stift Altenburg, Kunstsammlungen, 1750
Das Wappen Altenburgs - die drei Rosen - geben einen eindeutigen
Hinweis darauf, dass diese Uhr im Jahr 1750 für das Benediktinerstift
bei dem Horner Uhrmacher Johann Daniel Widike in Auftrag gegeben wurde.
Ihr ursprünglicher Bestimmungsort im Kloster ist allerdings nicht
bekannt.
Meister HKΡ „Mohrengueridon", Stift Altenburg, Kunstsammlungen, um 1736
Durch die Zuweisung an den namentlich nicht bekannten Bildhauer, der
u.a. für die meisterlichen Skulpturen des Prälatenhofes verantwortlich
zeichnet, lässt sich dieser Beistelltisch als originales Altenburger
Möbel der Zeit von Abt Placidus Much identifizieren. Die Figur
entspricht mit ihrer Bildaussage der Vorliebe des Barock für das
Exotische: Der schöne und reich geschmückte Mohr als Begleiter einer
hochrangigen Persönlichkeit bildete ein fixes Element höfischer
Repräsentation.



Die Kaiserstiege bildete - der
barocken Konzeption zufolge - als „Hauptstiege" den feierlichen Zugang
zu Stift Alten-burg; von hier aus sollten hochrangige Gäste zu ihren
Zimmern im ersten Stock und zu den kühlen Räumen der Sala terrena
gelangen.
Um 1738 erhielt sie ihr prächtiges Aussehen: Joseph Munggenast entwarf
als Baumeister das Treppenhaus nach dem Vorbild des Belvedere in Wien,
Johann Michael Flor schuf die Stukkaturen, Johann Georg Hoppel die
Dekoration in Stuckmarmor. Für das Deckenfresko wurde Paul Troger unter
Vertrag genommen - in gewohnt meisterlicher Weise inszenierte er hier
einen allegorischen Himmel, in dem sich spirituelle Erkenntnis und
Naturwissenschaft harmonisch verbinden.

Paul Troger - „Quam bene conveniunt -Der Bund von Religion und Wissenschaft"
In seinem 1738 entstandenen Kaiserstiegenfresko wiederholte Troger ein
allegorisches Thema, das ihm bereits 1735 im Seitenstettener Marmorsaal
gestellt worden war. Die große Änderung in Altenburg - im Vergleich mit
dem Vorbild – liegt in der Verlagerung des Bildes in ein Stiegenhaus;
die architektonische Form des Raumes kommentiert sozusagen die
Erzählung der Allegorie: Das Hinaufsteigen wird zum Bild der Suche nach
Wahrheit, wobei die beiden gleichwertigen Treppenarme (die sich oben
vereinigen) zum Gleichnis für die Gleichwertigkeit von Glaube und
Wissenschaft als Wege zu Wahrheit werden.


Mit der „Ledagrotte" unterhalb
der Kaiserstiege wurde ein beliebtes Motiv der barocken
Gartengestaltung aufgegriffen: eine künstliche Grotte mit Brunnen,
bevölkert von grotesken Drachenwesen. Obwohl der Eindruck von
Wasserspielen erweckt werden soll, war der Brunnen nie
funktionstüchtig: Der Wasserspeier am Gewölbeansatz ist aus
wasserlöslichem Stuck gemacht!
Die zentrale Sandsteingruppe des Bildhauers Jakob Schletterer aus dem
Jahr 1738 zeigt Leda, die Königin von Sparta, der sich Gottvater
Jupiter in Gestalt eines Schwanes nähert. Das für ein Kloster
ungewöhnliche Thema erklärt sich aus dem theologisch-philosophischen
Zugang des Bauherrn Abt Placidus Much: Aus der mystischen Vereinigung
der Seele mit Gott kann der schönste Mensch hervorgehen - Leda empfängt
von Jupiter die Schöne Helena. Zugleich birgt sie das Potential zu
größter Gewalt - um Helena sollte der Trojanische Krieg entbrennen.

Sala Terrena
Die unterhalb der „Marmorierten Zimmer" gelegene Raumflucht wurde um
1745/50 von Künstlern im Umkreis der Wiener Akademie mit Fresken
geschmückt. Solche ebenerdig gelegenen Säle waren fixer Bestandteil des
barocken Schlossbaus und sollten im Sommer als kühle Aufenthaltsräume
dienen. Die Sala terrena-Zimmer von Altenburg weisen mehrere
Besonderheiten auf
etwa eine ungewöhnliche Themenfülle oder Fresken, die die Wände
vollständig überziehen. Ihre grotesken Malereien entführen in die Welt
eines barocken Theaters, wo der Hanswurst ebenso auftritt wie
mythologische Gestalten, Faune und Wassergötter. Seit dem 19.
Jahrhundert wurden die Räume von der klösterlichen
Landwirtschaft als Schüttkasten beansprucht, weswegen bei ihrer
Restaurierung 1975 große Teile der Wandmalereien ergänzt werden mussten.

Die Sala terrena – oder
Gartensaal – (it. sala terrena = ebenerdiger Saal) ist ein
erdgeschossig liegender Saal, meist in der Hauptachse eines Schlosses
oder Palais, der den Garten mit dem Vestibül oder dem Treppenhaus
verbindet. Sie ist typisch für den Schlossbau des 18. Jahrhunderts. Oft
wurde der Saal auch prächtig als Grotte angelegt und mit Springbrunnen
geschmückt. Die so genannte Grottenarchitektur, ursprünglich konzipiert
als Schutzraum vor Sonne und grellem Licht im mediterranen Raum, hat
ihren Ursprung in Italien; die „Sala terrena“ jedoch gilt als Schöpfung
des deutschen Barock. Ihr Zweck war die Natur und das von Menschenhand
Geschaffene miteinander zu verbinden. Sie bildet den Übergang von Innen
zum Außen, von der Innenarchitektur zur Gartenarchitektur. Dabei war
die Strömung des Barock mit seinem Wunsch nach Illusion, und seinem
Vermischen der einzelnen Künste, wie auch mit seinen zerfließenden
Lichteffekten, und seiner Vorliebe für verschwimmende Farben
prädestiniert eine solche Aufgabe zu lösen. Im Vergleich zu ähnlichen
Räumen in anderen Palais und Klöstern stammt die Sala terrena in
Altenburg aus dem Jahr 1740 und zählt zu den späten Exemplaren dieser
Raumgattung.

Die Räumlichkeiten der „Sala terrena“ im Stift Altenburg waren lange
Zeit nicht zugänglich und wurden ab 1850 für rund 100 Jahre als Garage
und Lagerräume der klösterlichen Landwirtschaft genutzt. Erst während
der niederösterreichischen Landesausstellung „Groteskes Barock“ im Jahr
1975 wurde ihre einzigartige malerische Ausstattung durch eine
umfassende Restaurierung enthüllt und durch eine Außentüre die
Verbindung zum Apothekergarten ermöglicht. Die bemalten Wände und
Decken zeichnen sich durch eine rustikale Malweise und eine originelle,
schwer zu entziffernde Ikonographie aus. Es wird angenommen, dass
mehrere Künstler, möglicherweise im Umfeld von Paul Troger, an der
Gestaltung beteiligt waren.

Die barocke Veitskapelle
Im frühen 14. Jahrhundert wurde die nördlich der Stiftskirche gelegene
Kapelle des hl. Vitus in gotischer Form umgestaltet - zu dieser Zeit
diente sie vorrangig als Gotteshaus einer Spitalsstiftung. Als um 1670
Abt Maurus Boxler die Altane planieren ließ, versank der 350 Jahre alte
Bau weitgehend im Aufschüttungsmaterial. Eine Zwischendecke trennte von
nun an das frühere Erdgeschoß (das als Gruft für den Konvent
weiterverwendet wurde) vom neu eingerichteten Kapellenraum.
Um 1740 erhielt das Innere der Kapelle seine heutige Gestalt: Meister
Johann Michael Flor schmückte sie mit reichem Stuckornament, in das
verschiedene Motive des Todes und der Vergänglichkeit verwoben sind:
verlöschende Kerzen, zerbrochene Musikinstrumente, Totenschädel. Am
Altar ist die „Beweinung und Grablegung Christi" dargestellt - Maria
und Maria Magdalena (links) sowie der Apostel Johannes (rechts)
betrauern gemeinsam mit Engeln den toten Jesus.

Die Klosteranlage von Altenburg zählt zu den umfangreichsten
kirchlichen Bauprojekten, die in Mitteleuropa zur Zeit des Barock
verwirklicht wurden. Dennoch können viele Kategorien, die mit dem
gängigen Begriff „Barock" als Kunstform zwischen 1600 und 1800
verbunden sind, mit Stift Altenburg nur unzulänglich in Zusammenhang
gebracht werden: Zu neuartig waren vor allem die inhaltlichen
Ansprüche, mit denen Abt Placidus Much die ausführenden Künstler (und
die Betrachter) konfrontierte.
Seine modernen Ideen, die philosophische Überzeugungen der Aufklärung
vorwegnehmen, ließ Abt Placidus nicht etwa in Buchform erscheinen. Er
vertraute der Macht der Bilder, um dem Neuen eine Sprache zu verleihen:
Spirituelle Erkenntnis - der Glaube- und Wissenschaft - die Weltsicht
der Vernunft - treffen hier aufeinander - als Gegensätze der Sicht auf
die Welt, doch in gleichem Maß geeignet, sich der Wahrheit anzunähern.
Seine Ideen vertraute Abt Placidus den Kunstwerken seines Stiftes an -
eine Botschaft, die mit visuellen Mitteln in Fresken, Stuckdekorationen
und Architektur zum Ausdruck gebracht werden sollte. Den Ausgangspunkt
seines Konzeptes bildete das Wappen des Klosters, drei Rosen: Sie
werden mit drei Tugenden gleichgesetzt -Weisheit, Mäßigung und Liebe.

Die Stiftsgärten
Die Gartenanlagen im und um das Stift - Schöpfungsgarten,
Apothekergarten, Kreuzganggarten, der „Garten der Religionen" und der
„Garten der Stille" - wurden in den letzten Jahren liebevoll neu
angelegt. Jeder Garten hat ein anderes theologisches Thema zum Inhalt,
allen gemeinsam ist die Pflege nach den Kriterien der Aktion „Natur im
Garten". Entdecken Sie die Schönheiten der Natur im Wechsel der
Jahreszeiten. Finden Sie Ihren Lieblingsplatz. Genießen Sie den Duft
der Kräuter. Lassen Sie den Blick und die Gedanken schweifen...

Der Garten der Religionen ist
die größte der Altenburger Gartenanlagen. An seiner Stelle befand sich
ursprünglich der große Stiftspark, von dem keine historische Gestaltung
überliefert ist. Der Garten der Religionen besteht aus fünf Feldern, in
denen die Beziehungen der fünf großen Weltreligionen Christentum,
Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus zueinander thematisiert
wird. Basierend auf der Erklärung „Nostra aetate" des 2. Vatikanischen
Konzils (1965) sind Gemeinsamkeiten, aber auch Trennendes dargestellt.

In Anerkennung der Religiösität verschiedenener Völker, werden in
„Nostra aetate" der Hindu-ismus, Buddhismus, Islam und das Judentum
besonders gewürdigt. Im Garten der Reli-gionen" wurde diesen Religionen
sowie dem Christentum Raum gegeben, um ihre Beziehungen zueinander
symbolisch zum Aus-druck zu bringen. Zentrale Gestaltungsele-mente sind
der Weg und das Wasser - als Sym-bol für die Suche nach Gott.

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
kann sich gerne dieses Video antun: