Stift Vorau

das Augustiner-Chorherrenstift Vorau, Juli 2024

Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau liegt in der nordöstlichen Steiermark in der Marktgemeinde Vorau. Das Kloster geht auf eine Gründung Markgraf Ottokars III. von Traungau und seiner Frau Kunigunde im Jahr 1163 zurück, aus Dankbarkeit für die Geburt des lang ersehnten Erben. Markgraf Ottokar übergab daraufhin seine steirischen Besitzungen zwischen Wechsel und Masenberg dem Salzburger Erzbischof Eberhard I, der zur Besiedelung Augustiner-Chorherren aus dem Domstift St Rupert schickte.

 Stift Vorau, Juli 2024

Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau ist seit 1163 ein seelsorgliches, kulturelles und geistliches Zentrum in der nördlichen Oststeiermark. Hinter den schönen Fassaden des Hauptgebäudes können Sie eine farbenprächtige Bilderwelt und viel Gold im barocken Kirchenraum bewundern.

 Stift Vorau, Juli 2024

Stift Vorau
Eingebettet in die reizvolle Landschaft des Jogllandes ist das Augustiner-Chorherrenstift Vorau ein Zentrum des Gebetes und der Seelsorge, der Bildung und der Kultur. Das Augustiner-Chorherrenstift Vorau wurde 1163 von Markgraf Otakar III. als erste Tochtersiedlung von Seckau gestiftet. Im 12. Jahrhundert wurde eine romanische Pfeilerbasilika errichtet. 1660 bis 1662 kam es zum Neubau der Kirche unter Domenico Sciassia, wobei die mittelalterlichen Türme beibehalten wurden.

 Stift Vorau, Juli 2024

Die besonderen Schmuckstücke sind die 1706 entstandene Kanzel, die sich mit der Lehrtätigkeit Jesu Christi befasst; und der 1701 bis 1704 ausgeführte Hochaltar, der die Himmelfahrt Mariens (Kirchenpatrozinium am 15. August) darstellt. Beide wurden von Matthias Steinl entworfen und von den Bildhauern J. F. Caspar und G. Niedermayr ausgeführt.

 Stift Vorau, Juli 2024

Die Stiftskirche wurde 1660–1662 nach Plänen von Domenico Sciassia erbaut. Ab 1700 wurde sie durch den kaiserlichen Ingenieur Matthias Steinl im Stile des Wiener Hochbarock umgestaltet. Steinl entwarf die Kanzel, die die Lehrtätigkeit Jesu von Nazaret thematisiert und den Hochaltar, der die Himmelfahrt der Maria (Mutter Jesu) darstellt. Seit 1783 ist die Stiftskirche die Pfarrkirche der Pfarre Vorau. Die überlebensgroßen Plastiken des Hochaltares gestaltete hauptsächlich der aus Würzburg zugewanderte Bildhauer Franz Caspar, wie auch Jakob Seer.

 Stift Vorau, Juli 2024

Die erste Stiftskirche war eine dreischiffige Basilika mit hölzerner Flachdecke und zwei Westtürme. Diese brannte 1237 ab. Der Wiederaufbau dauerte bis gegen 1300. Während der im Kern noch romanische südliche Uhrturm in der Spätgotik um das etwas verjüngte Obergeschoss mit abschließendem Keildach erhöht wurde, entstand der Glockenturm auf der Nordseite 1597 neu.

 Stift Vorau, Juli 2024

Besondere Schmuckstücke sind die 1706 entstandene Kanzel, die sich mit der Lehrtätigkeit Jesu Christi befasst; und der 1701 bis 1704 ausgeführte Hochaltar, der die Himmelfahrt Mariens (Kirchenpatrozinium) darstellt. Beide wurden von Matthias Steinl entworfen und von den Bildhauern J. F. Caspar und G. Niedermayr ausgeführt.

 Stift Vorau, Juli 2024

Die mittelalterliche Kirche wurde unter Belassung der beiden Westtürme und der dazwischen liegenden Vorhalle 1660-62 von Domenico Sciassia durch einen barocken Neubau ersetzt. Bereits 1688 wurde der Stiftskirche ein neues Presbyterium angefügt.

 Stift Vorau, Juli 2024

Der frühbarocke Kirchenbau erhielt knapp vierzig Jahre nach Fertigstellung ab 1700 eine hochbarocke Neugestaltung des Innenraumes. Erstmals im steirischen Barock verwirklichte man hier eine komplette Freskierung der Kirche. Ursprünglich war eine Stuck-Fresken-Ausstattung geplant, wie die erhaltenen Reste in den Gewölben der südlichen Turmkapelle und der beiden westlichen Seitenkapellen des Kirchenschiffes belegen.

 Stift Vorau, Juli 2024

 Stift Vorau, Juli 2024

Zum Stiftsjubiläum 2013 wurde das Kircheninnere samt Sakristei und Kapitelsaal restauriert, und die Firma Orgelbau Pirchner GmbH & Co. KG aus Steinach am Brenner baute eine neue mechanische Schleifladenorgel, die über 34 Register, verteilt auf 2 Manuale und Pedal, und 2471 Pfeifen verfügt.

 Stift Vorau, Juli 2024

 Stift Vorau, Juli 2024

In diesem Schrein befinden sich die Reliquien des hl. Märtyrers Julius. Der hl. Julius war ein römischer Senator und lebte in Rom. Von den hl. Märtyrern Eusebius, Vincentinus und Pontianus wurde Julius im christlichen Glauben unterrichtet und vom hl. Priester Rufinus getauft. Wegen seiner Treue zu Christus wurde der hl. Julius unter Kaiser Comodus am 19. August im Jahre 192 mit Prügeln erschlagen. Seine Reliquien kamen unter Propst Philipp Leisl im Jahre 1695 nach Vorau.

 Stift Vorau, Juli 2024

 Stift Vorau, Juli 2024

 Stift Vorau, Juli 2024

 Stift Vorau, Juli 2024

In der Sakristei hat J. C. Hackhofer ein Fresko mit der Vorstellung von Himmel und Hölle zu Beginn des 18. Jh. hinterlassen. Die Bibliothek im Rokokostil beherbergt viele Bücher, die Zeugnis geben für die Bedeutung der Orden für die Kultur und Wissensgeschichte Europas durch viele Jahrhunderte. Zu den Handschriften zählen z.B. die „Vorauer Kaiserchronik“ und die „Vorauer Volksbibel“, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt.

 Stift Vorau, Juli 2024

Beicht- und Kerzenkapelle

 Stift Vorau, Juli 2024

 Stift Vorau, Juli 2024

 Stift Vorau, Juli 2024

 Stift Vorau, Juli 2024

Die Sakristei ist ein schlichter Rechtecksaal mit Flachdecke, der im Zuge der Neuerrichtung des Klausurgebäudes 1625-1635 entstand. Seine Freskenausstattung, die ihn zum künstlerischen Juwel des Stiftes Vorau macht, wurde 1715/16 von dem Stiftsmaler Johann Cyriak Hackhofer und dessen Schülern geschaffen. Hackhofer gilt als der bedeutendste barocke Monumentalmaler der Steiermark. Die Sakristei ist bis auf die eingebauten, reich mit Zinnintarsien versehenen Sakristeischränke von 1716 komplett freskiert. Die Decke sowie die Westwand sind der Darstellung des Jüngsten Gerichts gewidmet. Im östlichen Teil der Decke ist der zum Weltgericht wiedergekehrte Christus auf einem Regenbogen dargestellt. Christus als der hell erleuchtete Mittelpunkt ist von einem Kreis aus Wolken, Engeln und Heiligen umgeben, aus dem Maria und Johannes der Täufer als Fürbitter hervorgehoben sind. Der Teil der Decke Richtung Westen ist den von Engeln präsentierten Leidenswerkzeugen (Arma Christi) gewidmet, die um das Kreuz Christi versammelt sind, das somit den Sieg Christi über den Tod versinnbildlicht. Der Abschluss der künstlerischen Gestaltung befindet sich an der Westwand mit dem Höllensturz der Verdammten. Das in rötlich-braunem Kolorit gehaltene Fresko schildert fantasievoll die Bestrafung der Laster, insbesondere der sieben Hauptsünden, durch diverse Teufel und Folterknechte. Auf den Wänden sind Szenen aus dem Leiden Christi (Fußwaschung, Letztes Abendmahl, Blutschwitzung, Geißelung, Dornenkrönung, Kreuztragung und Kreuzigung) dargestellt.

 Stift Vorau, Juli 2024

Auf den Wänden erscheinen in einfachen illusionistischen Rahmungen Szenen aus dem Leiden Christi (Fußwaschung, Letztes Abendmahl, Blutschwitzung, Geißelung, Dornenkrönung, Kreuztragung und Kreuzigung). In der Mitte des östlichen, stark belichteten Deckenteils thront Christus auf dem Regenbogen. Um ihn scharen sich die Heiligen des Alten und des Neuen Bundes sowie anbetende Engel.

 Stift Vorau, Juli 2024

Der "Höllensturz" zeigt, umgeben von Flammen, teuflischen Gestalten und anderen höllischen Ungeheuern, den Sturz personifizierter menschlicher Laster wie Geiz, Unzucht, Hochmut, Trunksucht, Verleumdung usw.

 Stift Vorau, Juli 2024

Der umfangreiche Bestand der Vorauer Stiftsbibliothek umfasst etwa 40.000 Bände zu denen 415 Handschriften, 179 Inkunabeln und 82 Frühdrucke zählen. Ein Juwel unter den Handschriften stellt das Vorauer Evangeliar aus dem letzten Viertel des 12. Jh. mit seinen prächtigen ganzseitigen Evangelistendarstellungen dar. Ihren hohen literaturhistorischen Wert verdankt die Vorauer Handschriftensammlung der ältesten frühmittelhochdeutschen Sammelhandschrift geistlicher und weltlicher Dichtung. Das um 1190 unter Propst Bernhard entstandene Werk enthält u.a. die Kaiserchronik, die Vorauer Genesis, das Ezzolied und die Dichtungen der Ava, der ersten namentlich bekannten, deutschsprachigen Dichterin.

 Stift Vorau, Juli 2024

Besonders bedeutend ist die gut erhaltene Bibliothek des Stiftes. Der 1731 fertiggestellte Bibliothekssaal beherbergt etwa 17.500 Bände, darunter 415 Handschriften und 206 Inkunabeln. Darunter sind bedeutende Handschriften wie das Vorauer Evangeliar aus dem 12. Jahrhundert, die im Jahre 1467 (in österreichischer Bastarda) geschriebene Vorauer Volksbibel mit über 550 Miniaturen und die Vorauer Handschrift, die umfangreichste und wichtigste der alten Sammelhandschriften mit geistlichen frühmittelhochdeutschen Dichtungen, von denen viele nirgends sonst überliefert sind. Diese enthält auch die Kaiserchronik – eine poetische Kaisergeschichte von Julius Caesar bis zum zweiten Kreuzzug.

 Stift Vorau, Juli 2024

Der Bibliothekssaal wurde 1731 reich mit Stuck und Fresken ausgeschmückt. Der zarte Bandlwerkstuck stammt von den aus der Schweiz stammenden Künstlern Domenico Androi und Giovanni Bistoli, während die Hackhofer-Schüler Joseph Georg Mayr und Ignaz Gottlieb Kröll für die 1731 entstandenen Fresken verantwortlich zeichnen.

 Stift Vorau, Juli 2024

Besonders hervorzuheben sind das Vorauer Evangeliar, die Vorauer Handschrift und die Vorauer Volksbibel.

 Stift Vorau, Juli 2024

Das gesamte Freskenprogramm steht unter dem Motto, das über dem Portal angebracht ist: „Den Weg der Weisheit will ich dir zeigen.“ An der Ost- und Westwand sind Darstellungen des Erlösers, der Evangelisten, Propheten und Kirchenväter sowie der vier damals bekannten Erdteile zu sehen. Ergänzt werden diese Idealportraits durch einen Zyklus wissenschaftlich tätiger Chorherren. Die Wölbung schmücken weiters zahlreiche, im Barock sehr beliebte Embleme. Die auf 1767 datierten Bücherschränke mit Schnitzereien in den Stiftsfarben Gold-Blau schufen Vorauer Tischler.

 Stift Vorau, Juli 2024

Bemerkenswert sind außerdem der Himmels- und Erdglobus des italienischen Globenmachers Vinzenzo Coronelli (* 1650) aus dem Jahr 1688 sowie die beiden parabolisch ausgehöhlten Schallmuscheln, die leises Flüstern auf der gegenüberliegenden Seite hörbar machen.

 Stift Vorau, Juli 2024

Das „Denkmal des Lesens" wurde in zweitägigen Workshops über einen Zeitraum von sechs Jahren (2003-2008) von Studenten und Studentinnen des Studienganges „Produktionstechnik und Organisation" der Fachhochschule FH JOANNEUM mit dem Studiengangsleiter Johannes Haas umgesetzt. Im stimmungsvollen inspirierenden Ambiente von Stift, Bibliothek und Wirtschaftshof erarbeiteten die angehenden Techniker und Technikerinnen mit teilweise selbst mitgebrachten Steinrohlingen aus ganz Österreich kraftvolle Steinskulpturen. Das Material Stein, gespeicherte Information über Jahrmillionen, erscheint als besonders geeignet für die aus der Vorstellungskraft gestalteten Bücher. So entstand in einer Zeit des Umbruches durch elektronische Medien ein „Denkmal des Lesens", gesetzt am „Welttag des Buches", am 23. April 2009. Die Künstler und Lehrbeauftragten Anne & Peter Knoll zeichnen für Idee & Konzept, Durchführung der Workshops und die Errichtung dieses Denkmals verantwortlich.

 Stift Vorau, Juli 2024

 Die unmittelbar dem Stift vorgelagerte Friedhofskirche zum hl. Johannes unter den Linden ist nicht nur die älteste Kirche der Pfarre, sondern des Dekanates Vorau. Vermutlich wurde sie bald nach der Stiftsgründung (1163) als vorübergehende Ausweichmöglichkeit für die Zeit während der Errichtung der dreischiffigen romanischen Stiftskirche erbaut. Ihren romanischen Ursprung dokumentierte das anlässlich der Renovierung im Jahr 1987 sichtbar gewordene romanische Mauerwerk, sowie die nun freigelegten Trichterfenster.

 Stift Vorau, Juli 2024

Die älteste schriftliche Notiz zur Johanneskirche bringt die Stiftschronik, nach der Propst Bernhard III. (1267-1282) während seiner Regierungszeit am Chor der Stiftskirche ein Fenster in Richtung der Johanneskirche anbringen ließ. Im 14. Jh. hat man eine Abänderung an der baulichen Substanz und die Ausstattung des Chorraumes und des Torbogens mit gotischen Wandmalereien vorgenommen; Reste davon sind noch erhalten. Die Einweihung des Friedhofes nahm Bischof Petrus von Wr. Neustadt 1488 vor.

 Stift Vorau, Juli 2024

Die jetzige Kirche ist das Ergebnis eines im 17. Jh. durchgeführten Umbaues und weist starke Parallelen zur Kreuzkirche (auf der Kring) auf.  In der Johanneskirche werden seit 1800 alle Chorherren und Pröpste des Augustiner-Chorherrenstiftes Vorau bestattet. Vorher wurden die Pröpste in der Stiftskirche beigesetzt.

 Stift Vorau, Juli 2024

Rückseite der Johanneskirche am Friedhof in Vorau

 Stift Vorau, Juli 2024

Kirche und Stift Panorama

 Stift Vorau, Juli 2024



Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: