Azoren

6 Inseln in 17 Tagen

Aufgrund eines Beitrages in einem Fotoforum ist diese Inselgruppe schlagartig ganz nach oben auf meine Reisezielliste gerutscht und dies vorrangig wegen dem Lost Place "Monte Palace". Nach meinem Trip im letzten Jahr zur Osterinsel (Chile 2016, Teil 1/3: Osterinsel) hatte ich schon Erfahrung mit vulkanischen Inseln.

Vorweg: Meine Eindrücke waren nicht ganz so wie bei Jürgen. Ich habe 6 Inseln in 17 Reisetagen durchgetaktet, wobei die Hauptinsel Sao Miguel mit 7 Nächten um gut 2 Nächte zu lange dimensioniert war. Rückblickend hätte ich diese Zeit gerne länger auf Pico verbracht oder Flores zusätzlich als 7. Insel.

Bezüglich Reiseplanung: Ich habe mit meinem germanischen Reisekumpel Monate zuvor recherchiert welche Inseln in Frage kommen und dann alle Quartiere, Transfers und Mietwagen vorab gebucht. Als sinnvolle Tour erschienen mir zwei Nächte auf Pico (dazwischen Besteigung des Berges!), eine Nacht auf Faial, zwei Nächte auf Sao Jorge, zwei Nächte auf Terceira, ein Nacht auf Graciosa und 7 Nächte auf Sao Miguel.

Aber der Reihe nach. Die Anreise entwickelt sich zur größeren Odyssee als nach Rapa Nui. Als Ösi muss ich mit dem Nachtzug erstmal nach Frankfurt, um von dort nach Lissabon zu fliegen. Umsteigezeit zum Weiterflug direkt nach Pico sind knapp zwei Stunden. Die Maschine VON Lissabon hat bereits eine Stunde Verspätung, die holt der Pilot beim Rückflug auch nicht mehr auf.
Es kam, wie befürchtet. Der Anschlussflieger steht zwar noch am Gate, dieses hatte jedoch 15 Minuten zuvor geschlossen. Insgesamt 9 Passagiere stranden daher in Lissabon und können den Weiterflug (mit nun mindestens 9 leeren Sitzplätzen) durch die Glasscheibe verabschieden.

Wer den Flughafen kennt, weiß, dass die wesentliche Infrastruktur gut versteckt oder im letzten Winkel untergebracht ist. Also weiter im Laufschritt zum Transit-Schalter für Ersatztickets. Mein Kreislauf ist schon mal gut auf Touren und es sind auch nur eine Handvoll Passagiere vor mir am Desk. Es dauert trotzdem exakt 70 Minuten bis ich endlich drankomme! Es gibt zwar 9 (NEUN!) Schalter beim Transit-Bereich, davon sind aber nur zwei besetzt, wobei ein Mitarbeiter jedes Mal zu seinem Kollegen nachfragen gehen muss, während jener ständig minutenlang wortlos am Telefonhörer hängt.

Während ich mich nach der Rennerei auf den nächsten Wäschewechsel freue, erfahren wir nach weiteren 1,5 Stunden, dass heute nix mehr nach Pico fliegt. Entweder bleiben wir in Lissabon oder können vorab nach Terceira weiterfliegen und von dort am nächsten Tag nach Pico - dafür gibt es aber nur mehr 4 freie Plätze.
Dann lieber Terceira, denn Lissabon (Lovely Lisboa) kenne ich schon vom Vorjahr und in dem Moment will ich hier nur noch weg.
Die TAP ist so nett und kommt für alle Folgekosten auf (Flüge, Unterkunft, Verpflegung, Taxi) und ich überlege für mich, ob ein schnelles Wiederöffnen der Flugzeugtür am Gate nicht wirtschaftlicher gewesen wäre. Aber was verstehe ich schon von der portugiesischen Wirtschaft, wenn es schon für 9 Arbeitsplätze nur mehr zwei semikompetente Mitarbeiter gibt.


Spät am Abend komme ich somit am Flughafen Lajes von Terceira an. Mein Gepäck leider nicht. Als einziges hat es meine Reisetasche nicht geschafft mitzukommen und mit dem Wäschewechsel wird es daher vorerst nix. Zahnputzset gibt es gratis an der Hotelrezeption und einmal mehr hat sich die Fotoausrüstung im Handgepäck bewährt.

Die TAP hat mich im Terceira Mar Hotel eingebucht, ein 4-Sterne-Hotel in Angra do Heroísmo. Dort gibt es nicht nur Meeresblick auf den Atlantik von allen Zimmern, sondern auch vorzügliches Frühstücksbuffet. Da wollen wir jetzt mal nicht weiter meckern.

Ohne viel vom Umland sehen zu können, geht es morgens wieder zum Flughafen Lajes für die Weiterreise nach Pico, wo ich am Vortag eigentlich hin wollte. Und den Aerogare das Lajes werde ich auf dieser Reise noch öfters frequentieren...

Beim Anflug auf Pico ist der höchste Berg Portugals nicht zu übersehen und mir wird klar, dass die geplante Besteigung zeitlich nicht mehr zu machen ist. Denn die war genau für diesen Tag geplant und hätte früh am Morgen starten sollen. Schade.

Ponta do Pico (portugiesisch auch Montanha do Pico, Serra do Pico, Pico Alto oder einfach Pico genannt) ist ein Stratovulkan auf der gleichnamigen Azoren-Insel Pico. Mit einer Höhe von 2351 m ist er der höchste Berg Portugals und des Mittelatlantischen Rückens und einer der höchsten Vulkane Europas.

Auf der Spitze befindet sich ein Vulkankrater von 500 m Durchmesser und 30 Meter Tiefe und in ihm der Piquinho (Pico Pequeno), ein kleiner Vulkankegel, der sich 70 m erhebt und den eigentlichen Gipfel bildet.


Pico ist die zweitgrößte Insel der Azoren und ist Teil der Zentralen Gruppe und dem Triangle. Sie ist 42 km lang und 15 km breit, die Fläche beträgt 447 km². Darauf leben etwa 14.000 Menschen.

Im Stadtzentrum von Madalena (eine Hafenstadt mit knapp 3000 Einwohnern) erhebt sich die dreischiffige Pfarrkirche Igreja Santa Maria Madalena aus dem 17. Jahrhundert mit ihren beiden weithin sichtbaren Türmen. Die Hauptkapelle zeigt mit viel Prunk und Gold das Leben der heiligen Maria Magdalena.

Eine Statue am Hafen zeigt die Verbundenheit der Bevölkerung mit dem Meer und der Schifffahrt.

Nach der Inbesitznahme der unbewohnten Insel 1439 durch das Königreich Portugal begann ab 1460 ihre Besiedlung. 2004 ernannte die UNESCO die auch im Kreis Madalena betriebene Weinbaukultur der Insel Pico zum Welterbe.

Die alte Windmühle mit rotem Dach und weißen Flügeln "Moinho do Frade" gilt als Sehenswürdigkeit und tatsächlich ist bereits eine Gruppe Rentner vor Ort. Hier zeigt sich erstmals, dass die Azoren für Massentourismus nicht vorbereitet sind. Ein Reisebus ist mit der Zufahrtsstraße nicht kompatibel. Mein Mietwagen schon.

Von hier hat man einen guten Blick auf die Nachbarinsel Faial und auf das Weltkulturerbe Weinanbaugebiet.
In Meeresnähe werden die Reben durch viele rechteckige oder halbrunde Schutzwälle aus dunklem Lavagestein vor salzhaltigen, vom Meer her kommenden Winden geschützt. Kleine Winzerhäuser, ebenfalls aus Lavasteinen aufgebaut und Adegas genannt, gehören zum typischen Landschaftsbild und sind Teil dieses Weltkulturerbes.

Vom Fuße des Pico sieht man über weitere Kegel rüber nach Faial. Über die 8,3 km breite Meeresstraße Canal do Faial erreicht man in 20 Minuten das gegenüberliegende Horta auf der Nachbarinsel Faial. Madalena in einer Entfernung von etwa 1/2 Seemeile vorgelagert sind zwei markante Felsen, die durch vulkanische Aktivität entstandenen Ilhéus da Madalena: Die längliche, bis 52 m hohe Insel Ilhéu Deitado, deren Name übersetzt "Liegende Insel" bedeutet, und die bis zu 59 m hohe Insel Ilhéu em Pé ("Stehende Insel").

Natürlich will ich wissen, was ich bei der Bergbesteigung versäumt hätte und besuche die Basisstation (mit Museum und Imbiss). Die hat in den Sommermonaten mittlerweile rund um die Uhr geöffnet und jeder Bergsteiger MUSS mit einem GPS-Funki ausgerüstet werden. Auf- und Abstieg wird mit 3+3 Stunden angegeben und alle, ausnahmslos alle Tourengeher bestätigen diese Dauer. Sechs Stunden Nettozeit ohne Fotografieren habe ich an diesem Tag einfach nicht mehr.
Ich gehe trotzdem bis zum 1. Pfosten von 35 hoch und bin erstmals froh, dass ich den Aufstieg versäumt habe. Ohne Wanderstöcke hätte das noch funktioniert, aber nur mit meinen Turnschuhen wäre es ein völlig sinnloses Risiko geworden. Dort oben war immer Nebel und aus dem Niesel wurden Regen. Es gibt keinen befestigten Pfad, sondern mäanderartige Schlammrinnen und glatte, nasse Felsen. Ich bin froh lediglich die ersten 200 Meter unfallfrei geschafft zu haben.

Wie aus "The Fog". Eine konstante Nebelwand umhüllt den Berg und bewegt sich nicht.

In der Bucht von Areia Larga leuchtet mir Horta schon entgegen.

Am nächsten Morgen geht es mit der Fähre von Madalena (Pico) nach Horta (Faial).

Die Überfahrt dauert keine halbe Stunde, ist kurzweilig und gut besucht.
Horta erwartet uns schon mit einer strahlend grauen Wolkendecke.:-]

Das Felsmassiv 'Morro de Castelo Branco' beim gleichnamigen Ort.
Dort bekomme ich dann erstmals zu spüren, was es mit dem Wetter auf den Azoren auf sich hat. Bei diesem Standpunkt bin ich geschätzte 100 Meter vom Parkplatz entfernt. Als es zu tröpfeln beginnt, packe ich zusammen. Trotz Laufschritt zurück bin ich beim Fahrzeug klatschnass, so plötzlich stürzt das Wasser vom Himmel. Der Scheibenwischer auf höchster Stufe kann das vorerst gar nicht bewältigen.

Der Miradouro von Varadouro liegt in einer malerischen Bucht an der Südwestküste von Faial inmitten von Obstgärten und zahlreichen Blumen.

Der Leuchtturm bei Capelo an der Uferstraße im Süden.

Der Westzipfel von Faial gehört zu den jüngsten vulkanischen Aktivitäten der Azoren. Noch heute fällt es der Natur schwer, den ockerfarbenen Ascheboden wieder zu bewachsen. Für Faial-Besucher gehört ein Besuch der Ponta dos Capelinhos zum Pflichtprogramm. Dementsprechend viele Leute, Autos und Reisebusse belasten die Sicht auf die Landschaft.

Dem Betrachter bietet sich eine atemberaubende Vulkanlandschaft. Sie entstand erst durch einen Vulkanausbruch im Jahre 1957/58. Der Vulkan Capelinhos spuckte damals mehr als 30 Mio. Tonnen Asche und Lava und begrub weite Teile des Westens unter sich. Eine Lavasteilwand und die Überreste des alten Leuchtturms Farol dos Capelinhos sind die Zeugnisse die heute von der damaligen Naturgewalt berichten. Der Leuchtturm ragt einsam aus der Sandwüste und markiert bis heute die frühere Westspitze der Insel. Er wurde 1903 als erster Leuchtturm auf Faial errichtet.
Der Kreis am Boden vor dem Farol ist die Deckenkonstruktion des unterirdischen Museums.

Die kurvenreiche Fahrt mit zahlreichen Serpentinen zum Kraterrand der Caldeira von Faial führt durch das blühende Tal von Flamengos. Vom Parkplatz aus führt ein kleiner, gerade mal 15 Meter langer Tunnel an den Aussichtspunkt oberhalb des Kraters am Rand der Caldeira.

Von rund 900 m Meereshöhe kann man hier in den teils sumpfigen Grund hinab blicken.
Bis zum Ausbruch des Capelinhos war der Kratergrund noch von einem See bedeckt. Risse und Spalten im Boden haben einen Großteil des Wasser seit 1958 versiegen lassen. Der knapp zwei Kilometer breite Krater gehört aber noch immer zu den Highlights von Faial. Das Gebiet ist inzwischen als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Die Hänge sind mit Zedern, Wacholder, Erika und Moosen zugewachsen.

Faial ist die fünftgrößte Insel der portugiesischen Inselgruppe der Azoren mit fast 15.000 Bewohnern. Sie wird wegen der vielen blauen Hortensienhecken auch Ilha Azul (dt.: "blaue Insel") genannt. Faial spielte von jeher eine besondere Rolle, ob als Zwischenstation der frühen Transatlantikflüge, ob als Zentrum für die Telekommunikation zwischen Europa und Amerika oder als wichtiger Yachthafen. Die Hauptstadt ist Horta.

Ein Besuch der fast fünfeckigen Insel Faial ist vor allem für Segler ein Muss. Horta ist geradezu die Zwischenstation schlechthin für Atlantiküberquerer. Hier rasten jährlich über 1.700 Segler und Kreuzfahrer im internationalen Yachthafen und verewigen sich mit einem bunten Bildchen auf der Hafenmauer. Im Hafen, dem Ankerpunkt der Weltenbummler, trifft man daher auf Leute aus aller Welt - und das schon seit Jahrhunderten. Dort befindet sich auch das bekannte Peter Café Sport, die berühmtesten Bar des Atlantiks.

Anlaufstelle Nummer 1 von Horta ist der Yachthafen Marina da Horta. Die Kaimauern sind heute überfüllt mit bunten Bildern, mit denen sich hier jeder verewigen und vor Unheil schützen möchte. Ein Aberglaube besagt, dass man sich an der Hafenmauer verewigen muss, um Gottes Schutz auf dem Rest der Reise zu erhalten. Die Hafenmalereien sind wahre Kunstwerke. Für Neuankömmlinge ist allerdings kaum mehr Platz vorhanden.

In den Märkten dominiert das Angebot aus dem Meer und auf allen (besuchten) Inseln konnte ich ganz hervorrangenden Fisch essen.

Vom 'Miradouro de Nossa Senhora da Conceição' hat man auch nachts einen guten Blick auf Horta und seinen Hafen. Hier fährt gerade die letzte Fähre ein.

Inselwechsel von Faial nach Sao Jorge, nochmals mit dem Schiff. Am Tag danach wird der Fährverkehr für diese Saison eingestellt. Sao Jorge gleicht entgegen allen anderen acht Azoreninseln einer langen Nadel. Die Insel ist zwar 54 km lang, misst aber gerade mal 7 km Breite. Zusammen mit den beiden Nachbarinseln Pico und Faial bildet Sao Jorge das sogenannte Triangulo der Zentralgruppe. Hauptstadt und Kreisstadt für den Westen der Insel ist Velas mit knapp 2000 Einwohnern. Der Ostteil der Insel bildet den Kreis Calheta. Auf São Jorge leben insgesamt rund 9200 Menschen.

An der westlichen Landspitze Ponta dos Rosais fällt die Steilküste 300 m fast senkrecht ab.

An der Westspitze von Sao Jorge befindet sich nordwestlich des Ortes Rosais der schöne Wald- und Erholungspark 'Parque das Sete Fontes'. Das Naherholungsgebiet wurde von der Forstverwaltung angelegt. Zentraler Platz ist ein in Stein gehauenes Inselmodell mit Boot. Davor findet man eine auf Azulejos gemalte Kopie des Bildes 'Os Emigrantes' von Domingos Rebelo.

Beim täglichen Fischessen kommen wir bei Norte Grande in Fajã do Ouvidor vorbei. Dort ist gerade Volksfeststimmung. Die Tourada à corda ist eine Form des Stierkampfs, die auf den zum portugiesischen Archipel der Azoren gehörenden Inseln zur Tradition gehört.
Die weitaus meisten Kämpfe - im Jahr etwa 200 - finden auf Terceira statt, in geringerem Umfang auf der Insel São Jorge. Im Gegensatz zu der spanischen Form des Stierkampfes wird der Stier dabei weder verletzt, noch während des Kampfes oder danach getötet.

Sechs Mascados da corda (Seilhüter) halten den Stier an einem langen Seil und sollen einerseits verhindern, dass sich der Stier aus dem Gebiet der Veranstaltung entfernt. Andererseits sollen sie das Schlimmste verhüten, wenn er auf Umstehende losgeht. Oft wird der Stier in der Ortsmitte, zum Beispiel auf dem Marktplatz, losgelassen. Mutige provozieren das Tier, oft mit einem Regenschirm. Nicht selten wird ein zu viel Wagender zwischen die Hörner genommen. Die Zuchtstiere, zuweilen prämiert, sind im Stande, hohe Barrieren zu überwinden. Sicherheitsbedürftige sollten sich außerhalb des Aktionsradius aufhalten. Hauseingänge und Fenster werden mit improvisierten Verschlägen gesichert. Die Behörden sind dazu übergegangen, Anmelde- und Sicherheitsregeln zu erlassen.
Nach dem Kampf kommt der Stier wieder auf die Weide und soll im Fall eines erneuten Einsatzes eine Erholungszeit von mindestens acht Tagen erhalten.


In Urzelina gibt es neben einer felsigen Badebucht (für Kinder ungeeignet!) und einer Windmühle auch diese niedliche Straßeninsel. Verkehrstechnisch nötig wäre sie nicht, aber gut für den Baum.

Die Moinho gleich daneben an der Küste ist alleine schon ein tolles Motiv und ergänzt sich hier wunderbar mit dem Pico auf Pico.

Was dann eine Stunde später wie glühende Lava am Fuße des Vulkans aussieht, sind die Lichter von São Roque Do Pico und Santa Luzia.

Das wohl bekannteste Bild der Wanderinsel Ilha São Jorge: Fajã dos Cubres and Fajã da Caldeira de Santo Cristo Bei diesem gut befestigten Aussichtspunkt kann man sogar gelegentlich ein zweites Fahrzeug mit Touristen antreffen.

Lagoa da Fajã dos Cubres ist eine Lagune, die ihre heutige Gestalt durch einen gewaltigen Erdrutsch im Jahre 1757 und anschließende Erosion sowie menschliche Einflüsse erhalten hat. Der See wurde auf natürliche Weise vollständig durch eine 900 m lange, 30 m breite und mehr als vier Meter hohe Geröllbarriere vom Meer abgetrennt.

Im Dörfchen unten trifft man auf die Kapelle 'Ermida de Nossa Senhora de Lourdes' aus dem Jahre 1908.

Auch hier bleiben die Gläubigen mittlerweile aus. Nur noch knapp ein halbes Dutzend Menschen leben in der Fajã dos Cubres.

Die Lagune enthält mehrere Inseln, von denen eine den See in Verbindung mit einem 1951 gebauten Damm in zwei Teile teilt, die heute eine sehr unterschiedliche Salinität aufweisen.

Von hier aus führt nur ein Fußweg über die Faja do Belo und die Faja dos Tijolos zur Faja da Caldeira do Santo Cristo, der einzigen Muschelzucht der Azoren. Für die Wanderung von ca. 6 km benötigt man gut 1,5 h. Für diese 3+ Stunden hat auch hier die Zeit leider nicht gereicht.

Topo ist eine Gemeinde (Freguesia) im Kreis Calheta mit etwa 450 Einwohnern an der östlichen Spitze der Insel. Ein Schwimmbecken mit klarem Wasser und angenehmer Temperatur sorgt für Abkühlung und gute Laune. Vorallem bei den Einheimischen, wenn bei nicht vorhandenen Umkleidekabinen so schamlose Gäste wie wir Kontinentaleuropäer daher kommen.

Der Farol da Ponta do Topo ist ein Leuchtturm auf der Ponta do Topo im Südosten von São Jorge. Er bestrahlt seit Inbetriebnahme am 15. Juli 1927 einen Sektor von 133° bis 033° und hat eine Reichweite von 20 Seemeilen.

In der Ortschaft Santo Antao steht in ihrer 3. Version die Igreja de Santo Antao mit ihren zwei Kirchtürmen aus dem Jahre 1992. Die erste Kirche wurde 1757 beim Erdbeben zerstört. Ihre Nachfolgerin dann beim Erdbeben 1980.

Die Orgel der Kirche stammt von Tome Gregorio, dem Onkel des Komponisten Francisco Lacerda, der die Orgel der Igreja Matriz de Sao Jorge baute.
Am 9. Juli 1757 erschütterte der "Mandado de Deus", ein Erdbeben der Stärke 7,1 bis 7,4, São Jorge sowie fast alle anderen Azoreninseln und zerstörte alle Siedlungen im Osten von Calheta bis Topo. Von etwa 5000 Einwohnern starben 1034.

Calheta ist eine Kleinstadt (Vila) mit etwa 1200 Einwohnern. Am Bild ist die Pfarrkirche Santa Catarina zu sehen. Die Igreja da Santa Catarina ist aus Basalt gebaut und zeigt barocke Züge. Sie hat linkerhand einen Glockenturm. Direkt daneben steht an der Treppe zur Kirche auch der kleine Imperio do Espirito Santo. Er ist mit Azulejos verkleidet.

Velas ist inoffiziell die Hauptstadt von Sao Jorge und mit rund 2.000 Einwohnern auch der größte Ort der Insel. Der kleine, überschaubare Ortskern versprüht ein bisschen Charme und bietet zumindest etwas Leben auf der Insel.

Auf dem Platz 'Largo Joao Inacio de Sousa' steht auf einem hohen Steinsockel das Denkmal an den Nobelmann Joao Inacio de Sousa, der später in die USA emigrierte. Auf dem Platz findet man neben einem Brunnen auch ein großes Bodenmosaik mit dem Heiligen Georg.

Zu den markantesten Gebäuden der Stadt gehört die Pfarrkirche Igreja Matriz de São Jorge, die 1460 erbaut wurde. Sie wurde gemäß der testamentarischen Verfügung von Heinrich des Seefahrers (1394-1460) als erste Kirche auf Sao Jorge errichtet.

Die Rua Maestro Francisco Lacerda ist die Flanier- und Shoppingmeile der Metropole und verbindet Hauptplatz und Kirche mit dem Stadtgarten und Rathaus. Der Stadtgarten ist ein kleiner Park mit markantem roten Pavillion, der durch eine Vielzahl an Blumenvarianten fasziniert. Spätestens hier bin ich froh das Tele daheim gelassen und das Makro mitgenommen zu haben. Blümchenbilder kommen später noch.

In Urzelina findet gerade wieder eine Stierhatz statt. Diesmal auf der Hauptstraße. Die Tiere rutschen recht ordentlich auf dem glatten Asphalt.

Die Mascados da corda (Seilhüter) geben viel Seil und lassen die Stiere Meter machen. Dem Zufall wird hierbei nichts überlassen. Alle Türen, Fenster, Stiegen und Einfahrten sind mit Brettern verbarrikadiert, die Gefahrenzone ist exakt vordefiniert.

Ich sehe einige, physisch agile Jungmänner wieder, die bereits am Vortag auf der anderen Inselseite ihr Mütchen zur Schau stellten.

Drei Stunden später an der selben Stelle, ist der Ort wie leergefegt und völlig ausgestorben.
Die doppeltürmige Pfarrkirche Igreja de Sao Mateus wurde 1822 erbaut.

Terceira liegt im Zentrum der Azoren und ist neben Sao Miguel die zweite Hauptinsel und das Drehkreuz der Zentralgruppe. Sie hat eine Fläche von 382 km². Den Namen Terceira verdankt die Insel übrigens der Tatsache, dass sie als dritte Insel des Archipels entdeckt wurde. Sie ist aber auch drittgrößte Insel der Azoren.

In Praia da Vitória erwartet einen seit genau 500 Jahren die Hauptkirche Igreja Matriz de Santa Cruz. Das dreischiffige Gotteshaus wurde am 24. März 1517 geweiht. Die breite Fassade mit den zwei wuchtigen Glockentürmen durchschreitet man unter einem herrlich verzierten gotischen Hauptportal aus dem 15. Jahrhundert. Die Gewölbebögen sind noch im manuelinischen Stil, die Pfeiler aus Marmor.

Zu den Schätzen der Kirche zählen auch eine bedeutende Sammlung von Heiligenbildern aus dem 16. und 17. Jahrhundert, darunter eine seltene indoportugiesische Figur aus bemaltem Elfenbein. In der Sakristei gibt es noch eine Uhr englischen Ursprungs. Viele Figuren stammen aus dem 16. Jahrhundert und das Weihwasserbecken stammt noch aus der Gründerzeit.
Der in der Kirche anwesende Guide erzählt gerne jedem Besucher unaufgefordert von den jahrhunderte alten Gewändern der geistlichen Würdenträger, die in einer Nebenkapelle zu besichtigen sind.

Im Jahr 1521 erbaut wurde die Igreja do Senhor Santo Cristo das Misericordias in der Rua da Misericordia. Ihre Altäre sind eine wahre Pracht. Im Jahr 1921 brannte das Gotteshaus komplett nieder. 1924 wurde die Kirche mit zwei Kirchenschiffen stellvertretend für die beiden Orden wieder aufgebaut.

Nach dem Erdbeben von 1980 mußte sie aufwändig saniert werden. Die Kirche ist innen durch einen Säulengang in zwei Hälften geteilt.

Hauptplatz Largo Francisco Ornelas da Camara vom Rathaus Pacos do Concelho aus gesehen. Rund um den Hauptplatz stehen alte Häuser, teils mit netten Balkonen und einer hübschen Fassade. Hier findet man zudem auch den zentralen Taxistandplatz. Die beiden Fahrer sind gerade nicht im Einsatz. Mitten auf dem Platz steht auch die Freiheitsstatue Estatua da Liberdade. Sie erinnert an die Helden in der Schlacht am 11. August 1829.

Als detailverliebter Mensch beachte ich zusätzlich auch Kanaldeckel, Telefonzellen oder - wie hier - Postkästen.

Praia da Vitoria ist die zweitgrößte Stadt der Insel mit etwa 7000 Einwohnern. Der Ort ist geprägt von den Amerikanern, die seit dem 2. Weltkrieg auf Terceira ihre Militärbasis unterhalten. So ging das Flair des alten Ortes im Fastfood-Zeitalter leider etwas verloren. Die Besonderheit der Stadt ist der unendlich lang scheinende Sandstrand. Zwei lange Dämme schützen die langezogene Bucht.

Einen schönen Blick über die Stadt und ihre Bucht hat man vom Miradouro da Serra do Facho an der Landzunge Ponta da Ma Merenda an der Nordseite der natürlichen Bucht von Praia. Von hier aus überblickt man das gesamte Panorama der natürlichen Meeresbucht von Praia da Vitoria. Ein großes Denkmal der Mutter Gottes wacht hier über die Stadt.

Am 11. August 1829 fand vor Vila da Praia eine große Seeschlacht von historischer Bedeutung statt. Die Streitkräfte von König Dom Miguel wurden dabei besiegt. Mit 21 Schiffen versuchten die Absolutisten die Macht zu erlangen. Als die Absolutisten in Vila da Praia an Land wollten, wurden sie von der Bevölkerung der Insel niedergeschlagen. Praia da Vitoria (Siegesstrand) blieb als Name erhalten.

Hauptstadt im Renaissancestil ist das im 16. Jahrhundert gegründete Angra do Heroismo, die angeblich schönste Stadt der Azoren. Ich würde das zwar nicht behaupten, ein echtes Schmuckstück ist sie allerdings schon. Nächtliche Spaziergänge durch das Zentrum sind eine wahre Freude. Und speisen kann man auch hier ganz hervorragend.

Am Ponta da Serreta, im Nordwesten der Insel, kann man den Küstensturm in vollen Zügen genießen.

Angra do Heroismo ist die architektonisch schönste Stadt der Azoren. Sie beeindruckt durch elegante Fassaden und bunte Häuser, die sich vom Hafen an der malerischen Bucht (port.: angra) aus den Hang hinaufziehen.

1983 erklärte die UNESCO die Renaissancestadt zum Weltkulturerbe. Nicht umsonst, findet man doch eine ganze Reihe an Palästen, Herrenhäusern, Museen, alten Klöstern und Kirchen in der historischen Altstadt. Ein Bummel durch die Altstadt ist daher nicht umsonst auch eine Wanderung durch die Zeitgeschichte.

In der Bucht unterhalb des Monte Brasil erheben sich zwischen den beiden Festungen Sao Sebastiao und Sao Joao Baptista außer der Kathedrale noch eine Vielzahl weiterer historischer Gebäude. Und auch der Hausberg Monte Brasil selbst ist mit seinem Naherholungsgebiet ein kleines Erlebnis für sich.

Angra do Heroísmo ist die älteste Stadt der Azoren und bekam ihr Stadtrecht im Jahre 1534. Der Beiname "do Heroísmo" wurde der Stadt von Königin Maria II. wegen ihres standhaften Verbleibs im Miguelistenkrieg 1829 auf der Seite der Traditionalisten verliehen.

An der Südostspitze von Terceira liegen die Häuser von Salga. Nur im Sommer herrscht hier Trubel, denn an der Bucht Baia da Salga findet man ein schönes, gerade bei den Einheimischen beliebtes Naturschwimmbecken. Bei stürmischem Seegang und wieder ohne Umkleidekabine gehe ich natürlich in den angenehm kühlen Atlantik. Ein echtes Erlebnis in dieser historisch vorbelasteten Bucht.

Am 25. Juli 1581 ging vor Salga die spanische Flotte unter. Und das kam so: Nach dem Kampf um die Thronfolge des 1578 gestorbenen portugiesischen Monarchen Dom Sebastiao übernahm Spanien die Herrschaft über den Nachbarn Portugal. Terceira war die letzte portugiesische Bastion.
Im Juli 1581 schickte Filipe II. von Spanien nun eine Seeflotte mit zehn Schiffen auf die Azoren. Am 25. Juli kam es vor Salga zu einer historischen Schlacht. In der Morgendämmerung setzten die ersten Spanier den Fuss auf die Insel. Fast 1.000 spanische Soldaten kamen von den Schlachtschiffen mit kleinen Nussschalen an Land. Als der Alarm vom Aussichtspunkt ertönte, standen die Soldaten schon am Strand. Die Bevölkerung von Terceira allerdings war zum Aufstand bereit. Gegen Mittag war die Schlacht noch immer unentschieden. Mithilfe von Stieren und landwirtschaftlichen Gerätschaften drosch man nun auf die Spanier ein. Den 1.000 Spaniern standen ebenso viele Rinder gegenüber. Schließlich schlug man die Spanier in die Flucht. Viele starben noch am Strand oder ertranken auf der Flucht im Wasser.

Sao Sebastiao - der Ort der ersten Siedler - hat heute rund 2.400 Einwohner und ist eine der ältesten Siedlungen der Insel Terceira. An der Praca de Sao Sebastiao liegt auch der Imperio da Praca de Sao Sebastiao. Er wurde 1918 errichtet.

Noch gut erhalten ist die Kirche Igreja Matriz de Sao Sebastiao. Wann genau sie errichtet wurde ist nicht datiert, aber eine Jahreszahl am Hauptportal verweist auf das Jahr 1455. In jedem Fall wurde sie von den ersten Siedlern im 15. Jahrhundert gebaut.

Die Kirche hat drei Kirchenschiffe, unterteilt durch sechs Bögen. In den Kapellen findet man die Heiligenfiguren der Nossa Senhora da Conceicao, des Senhor dos Passos und des Senhor Jesus do Bom Fim e Almas.

Die Kirche ist ein Paradebeispiel für gotische Baukunst auf den Azoren.

Vom Monte Brasil blickt man auf den Hafen von Angra do Heroismo. Das Gebäude am Hang mit 130 Gästezimmern wurde mit Fördergeldern der EU errichtet. Das Angra Marina Hotel wurde im September 2012 offiziell eröffnet und ist das erste und einzige 5-Sterne Hotel auf Terceira und den Azoren.
Rechts davon in der Festung 'Castelo de São Sebastião' befindet sich das 4-Sterne-Hotel 'Pousada de Angra do Heroísmo São Sebastião'. Die Festung aus dem 16. Jahrhundert wurde in eine exklusive Herberge umgebaut und auch hier wurde ich als Nichtgast freundlich zur Besichtigung begrüßt.

Der knapp 100 m tiefe Vulkanschlot Algar do Carvao liegt im Zentrum von Terceira am Rand der Caldeira de Guilherme Moniz. Die Höhle ist vor rund 2.000 Jahren entstanden. Das gesamte Gebiet ist inzwischen als Naturschutzgebiet ausgewiesen, der Vulkanschlot ein regionales Naturdenkmal.

Die Höhle steht unter der Aufsicht der Naturschützer und Forscher 'Os Montanheiros'. Sie haben vor Jahren einen Zugangstunnel gegraben und ein solides Treppensystem mit verschiedenen Plattformen geschaffen. So ist die Begehung der Höhle sicher und unkompliziert.

Es besteht die Möglichkeit zu einem Kombiticket mit der nahen 'Gruta do Natal'. Den Namen Weihnachtshöhle hat diese wegen der jährlich darin stattfindenden Christmette erhalten. Ein Rundgang in dieser zweiten Höhle ist deutlich diffiziler, weil der Boden uneben, rutschig und steinig ist, Stromkabel den Weg kreuzen und ein Durchgang nur hüfthoch ist. In beiden Höhlen gilt Stativverbot.


Direkt am Hafen steht die hellblaue, barocke Kirche Igreja da Misericórdia. Die heutige Kirche der Barmherzigkeit am Pateo da Alfandega stammt aus dem 18. Jahrhundert. Am 21. Oktober 1728 wurde der Grundstein oberhalb des Zollkais gelegt. Das Kirchengebäude hat eine barocke, in blau und weiss gehaltene Fassade. Es prägt dekorativ das Bild des alten Hafens am alten Zollkai. Über dem Bogen in der soliden und schmalen, aber hohen Fassade prangt das königliche Wappen.

Das heutige Rathaus Pacos da Conselho an der Praca Velha stammt erst aus dem 19. Jahrhundert. Vorbild für den Bau war das Rathaus von Porto. Gerade in den Sommermonaten ist die Praca Velha ein belebtes Zentrum der Stadt Angra und vor allem in den Abendstunden gern besucht. Der geräumige Platz im typischen Renaissance-Stil ist von Bäumen umgeben. Der Boden ist herrlich gepflastert. Mal findet hier ein Viehmarkt statt, mal ein Stierkampf auf der Strasse.

An der Hauptstraße 'Rua da Sé' muss man abends schon eine Weile warten, bis Autos für Lichtspuren vorbeikommen.

Die Kathedrale Igreja do Santissimo Salvador da Sé ist nicht nur ein beeindruckendes Gotteshaus, sondern auch das geistliche Zentrum der Stadt und mit ihren drei Kirchenschiffen zugleich die größte Kirche der Azoren. Sie ist zudem der Sitz des Bistums der Azoren. Die Hauptfassade mit Portikus und einem hohen Giebel, in den die Uhr und eine Glocke integriert sind, wird flankiert von zwei Glockentürmen, deren Spitzen mit weißen und blauen Fliesen im Fischgrätmuster verkleidet wurden. 1991 machte Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch auf Terceira auch einen Besuch in der Kathedrale. Ein Denkmal am Eingang erinnert an diesen Tag.

Mit der Igreja do Corpo Santo direkt bei meiner Unterkunft konnte ich dieses Schattenselfie machen.

Die nächste Propellermaschine (Bombardier Q400) bringt mich auf die 5. Insel der Reise, mittlerweile kenne ich den Flughafen Lajes und sein Sicherheitspersonal ziemlich gut. Das Bordservice von den SATA Azores Airlines lässt nicht zur zu wünschen übrig, sondern ist defacto nicht vorhanden. Keine Mahlzeiten, keine Getränke, keine Snacks, rein gar nichts. Nicht mal Sitzplatzreservierung. Dafür komplett zerkratzte Fenster.

Graciosa ist mit 61 km² die zweitkleinste Insel der Azoren. Ihren Namen verdankt sie ihrer graziosen, 'lieblichen' Landschaft. Die Insel ist offenbar zu klein und touristisch uninteressant für die üblichen Autovermieter. Ich kann nur einen lokalen Anbieter finden, der kilometergenau abrechnen wird. Es sind exakt 77 km, um binnen 24 Stunden alles an- und abgefahren zu haben.
Als Tourist ist man auf Graciosa ein Exot, man fällt sofort auf und wird (teils misstrauisch) beäugt. Außer mir sehe ich nur einen weiteren Fremden dort und das ist mein Reisekumpel am Beifahrersitz.

Auf dem im Volksmund in Anlehnung an den gleichnamigen Platz in Lissabon "Rossio" genannten Hauptplatz im Ortszentrum, wo sich eine kleine Parkanlage mit einem Pavillon befindet, wurden zwei ausgedehnte, flache Wasserbecken angelegt, die ursprünglich zur Trinkwasserversorgung der Einwohner sowie als Viehtränke dienten.

Im Zentrum der Stadt steht die Igreja Matriz de Santa Cruz. Sie wurde im 16. Jahrhundert errichtet. 1701 wurde sie erneuert und erhielt im 18. Jahrhundert auch ihre drei heutigen Kirchenschiffe. Ihre Fassade wird geprägt vom kunstvoll bearbeiteten, schwarzen Basaltgestein, der das Portal, die Fenster und den Glockenturm schmückt.

Die größte Sehenswürdigkeit im Innern ist der hölzerne Altaraufsatz mit Gemälden, die zu den Meisterwerken portugiesischer Malerei des 16. Jahrhunderts zählen.

Auf dem 129 m hohen Vulkankegel Monte da Ajuda mit seinen drei Kapellen und einer Stierkampfarena genießt man einen herrlichen Blick über die Stadt Santa Cruz da Graciosa, einem kleinen freundlichen Ort mit 1.800 Einwohnern.

An der Ponta Barca überragt der Leuchtturm Farol da Ponta da Barca die 50 m hohe Steilküste. Er markiert das nordwestliche Ende von Graciosa. Sein Licht reicht sieben Seemeilen weit. Vom Leuchtturm aus kann man die bizarre Felsküste überblicken.

Ein Kilometer unterhalb von Luz liegen am Meer die Fischerhütten von Folga. Bei den wenigen Häusern gibt es nicht viel zu sehen. Der Hafen samt Kai und Bootsrampe ist in den Fels gehauen. Es gibt ständig Brandung und die Fischer holen daher ihre Boote auch immer schnell aus dem Wasser.

Carapacho ist ein kleiner Fischerort mit nicht einmal 250 Einwohnern ganz im Süden von Graciosa. Er liegt unterhalb einer ca. 200 m hohen Steilwand und wurde von Vasco Gil Sodre am 3. Mai 1450 als erste Siedlung von Graciosa gegründet. Bekannt ist der Ort vorallem wegen der Thermalquelle mit dem über hundert Jahre alten Badehaus Termas de Carapacho.

Das Südostende von Graciosa markiert die felsige Landspitze Ponta da Restinga. Ein Kilometer vor der Südspitze liegt die Felsinsel Ilheu de Baixo. Sie steht unter Naturschutz. Dahinter erhebt sich am Horizont die Nachbarinsel Terceira.

Die Furna do Enxofre ist eine Schwefelhöhle im Schlot eines Vulkans. Der Durchmesser beträgt rund 190 m. Das Gewölbe hat eine Höhe von 40 m. Der Grund liegt etwa 100 m unter der Erdöberfläche. Absteigen kann man in einer 1939 errichteten Wendeltreppe mit 183 Stufen. Die Treppe ist teilweise in den Fels gehauen. Durch Fensteröffnungen kann man immer wieder in die Höhle hinabblicken.

Durch zwei trichterförmige Kamine gelangt etwas Tageslicht ins Innere. Ein 15 m tiefer und 130 m breiter Kratersee liegt unterirdisch in der Furna do Enxofre verborgen. Die Athmosphäre ist einzigartig: Aus dem See steigen schwefelige Gase. Alles wirkt ein wenig unheimlich und mystisch.

Praia ist ein größeres Dorf mit rund 900 Einwohnern an der Ostküste. Trotzdem ist es die zweite Stadt auf Graciosa. Seit der Erneuerung der Beschilderung auf der Insel im Jahr 2004 muss man dem Namen Sao Mateus folgen, um in Praia zu landen. Der Ort wurde komplett in seinen Pfarrei-Namen umbenannt. Vila da Praia da Graciosa = Sao Mateus. In Hafennähe findet man auch drei Windmühlen bzw. deren Reste.

In Praia werden die inseltypischen Kuchen Queijadas da Graciosa hergestellt. Man kann sie in der Pastelaria e Docaria Queijadas da Graciosa etwas nördlich des Zentrums bei den Windmühlen kaufen. Man findet sie aber auch in allen Supermärkten.

Knapp 5.000 Menschen leben heute noch auf Graciosa. In den letzten 50 Jahren hat sich die Bevölkerung durch Auswanderung in die USA und nach Kanada mehr als halbiert. Auf Graciosa geht das Leben noch seinen gemütlichen Gang. Wer kein Auto hat nimmt noch immer Pferd oder Esel als Transportmittel. Dementsprechend ruhig und gemächlich geht es zu. Stress und Hektik sind hier fremd.


Lässt sich auf den Azoren schon grundsätzlich "eine ruhige Kugel schieben", so lässt sich auf Graciosa der Slow-Down nochmals steigern. Die wenigen Straßen sind dank der EU in einem tadellosen Zustand, die Bevölkerung hält Häuser in Schuss und die Gärten herausgeputzt. Infrastruktur ist gut, einzig das Leitungswasser hat einen abstoßenden Geruch.

In 24 Stunden hat man so ziemlich alles gesehen und die nächste Bombardier Q400 bringt mich zur 6. und letzten Insel meiner Azorenreise. Wieder via Terceira, denn das ist die Drehscheibe der Luftflotte. Ein mehrstündiger Zwischenstopp bereichert mich mit dem 5. (und nun letzten) Kontakt am Aerogare das Lajes auf Terceira.

Bei so viel Auswahl fällt die Platzwahl schwer. Denn leider sind die Fensterscheiben bei der SATA stark verkratzt und trübe und ich suche immer die beste Raussichtsmöglichkeit.

Um keine Zweifel an der Qualität der Fluglinie aufkommen zu lassen: Das fehlende Bordservice lässt sich natürlich mit der Flugdauer am Archipel argumentieren, die wenige Minuten bis maximal einer halben Stunde beträgt.

Sao Miguel ist mit 65 km Länge und 16 km Breite die grösste, bevölkerungsreichste und touristisch am besten erschlossene Insel der Azoren. Sie ist Drehscheibe und Haupteinfallstor der Azoren. Der Flughafen liegt nur 3 km von der Hauptstadt Ponta Delgada entfernt und ist Ziel internationaler Nonstopp-Flüge. Vor allem im Sommer fliegen zahlreiche Chartermaschinen von den USA und Kanada die Insel an. Auf dem Airport Joao Paulo II. starten und landen die Maschinen auf die anderen Insel des Archipels. Damit ist Sao Miguel eine gute Basis fürs Inselhüpfen.

Wer den obigen Absatz gelesen hat, ist auf die 3 km Flughafennähe aufmerksam geworden. Da spielt es keine Rolle wie nobel die Unterkunft ist, es ist irgendwie alles unter der Einflugschneise, die vor 6 Uhr früh bis nach Mitternacht auch benutzt wird. Der Landlord hat als Willkommensgeschenk für seine Gäste daher auch Ohrenstöpsel parat.

Am ersten Abend geht es gleich mal rauf nach Mosteiros und danach zu Sete Cidades. Auf der Brücke Ponte dos Regos, die die beiden Seen Lagoa Verde und Lagoa Azul im Vulkankrater trennt, spiegeln sich die Sterne wunderbar und ich freue mich auf eine Woche geiler Nachtaufnahmen.
Da wusste ich noch nicht, dass die nächsten 6 Tage Regen und Dauerbewölkung vorherrschen wird.

An der Nordseite des Lagoa das Furnas dampft die Erde an den Caldeiras an dem großen Picknickplatz. Je näher man kommt, desto mehr steigen einem die Schwefeldämpfe in die Nase. Sie steigen aus den Fumarolen und brodelnden Schlammlöchern auf. Schaut man genauer hin, so entdeckt man viele kleine Zementrohre und maulwurfartige Hügel mit einem kleinen Holzschild. In den rund 1 m tiefen Löchern wird gekocht: Hier entsteht seit Generationen der traditionelle Cozido das Furnas, eine Mischung aus Fleisch, Würstchen, Kohl, Kartoffeln und anderem Gemüse. Die Erdwärme genügt. Die Zubereitung dauert mehrere Stunden. Den Topf läßt man an einem Seil ins Loch hinab. Das Loch wird verschlossen und ab 11:30 Uhr nach mehreren Stunden wieder geöffnet. So kocht der Cozido langsam vor sich hin.

Küchenchef und Personal überwachen persönlich den Bergungsvorgang. Zahlreiche schaulustige Rentner bemühen sich dabei trotz Absperrung ablaufbehindernd um ein Selfie.

Der Badesee im Parque Terra Nostra ist ein öffentliches Thermalbecken und wird von heißen Quellen gespeist. Das eisenhaltige Wasser ist zwar ziemlich braun, dafür ganzjährig 38 Grad warm.
Der Park ist das Werk des Orangenexporteurs und amerikanischen Vizekonsuls Thomas Hickling, der 1770 nach Furnas kam. Er baute sich eine Sommerresidenz und liess den Park anlegen. Sein Werk war gewissermassen der Grundstein für den heutigen Kurort Furnas. Hier gedeihen Riesenfarne und exotische Pflanzen. Das Hotel Terra Nostra wie auch das Kasino stammen beide aus dem Jahr 1930. Als Pool dient der Thermalsee des Parks.

Was mir hier auffällt, ist die mangelnde Infrastruktur. Ein Entspannungsbad im Parque Terra Nostra ist zweifellos ein Fixpunkt für Touristen und dementsprechend gut besucht. Was nicht vorhanden ist, ist ein durchdachtes Parkplatzmanagement, um dieses Highlight der Insel mit Auto zu besuchen. Ferner gibt es keine Möglichkeit seine Bekleidung für die Badedauer zu deponieren. Auf den Parkboden legen und im Auge behalten trübt somit das Vergnügen etwas. Zusätzlich zum einsetzenden Nieselregen.

Der Park ist mit seiner bunten aber gekonnten Mischung aus Pflanzen einzigartig. Er hat heute eine Größe von 12 Hektar. Rund 2.500 Bäume findet man in der Anlage. Entlang der Wege begleiten einen Kamelien, Magnolien, Azaleen, Strelizien, Hibiskus, Araukarien und noch eine Menge mehr. Mancher botanische Garten wäre stolz auf diesen Pflanzenbestand.

Das Monumento ao Emigrante von Alavaro Raposo Franga aus dem Jahr 1999 steht auf der Südseite des Praça 5 de Outubro. Das Denkmal besteht aus Betonstelen, Steinmosaiken und drei lebensgroßen Bronzefiguren und stellt eine Emigrantenfamilie dar, die in eine bessere Zukunft blickt. Der Vater der Familie zeigt hoffnungsvoll in den Westen – in Richtung Amerika. Um dieses Monument findet die schwarz-weiße Kopfsteinpflasterung der Stadt ihren Höhepunkt. Viele Plätze und Trottoirs sind mit unterschiedlichen phantasievollen Mustern und Figuren großflächig mittels inseleigenem Basalt und Granitstein des portugiesischen Festlandes kunstvoll gepflastert.

Neben der Hafenburg 'Forte de São Brás' aus dem 16. Jahrhundert beginnt der Hafen und das das wirtschaftliche Zentrum.

Blick von der Uferpromenade auf die Marina von Ponta Delgada. Ponta Delgada ist die größte Stadt der Azoren und damit zugleich auch das Einfallstor aus Europa und Amerika. Schon längst ist aus dem einstigen Fischerdörfchen eine richtige Großstadt geworden. Knapp 70.000 Menschen leben in diesem Ballungsraum (und somit etwa 35 % von allen 9 Inseln). Ponta Delgada wurde im Jahr 1499 von dem portugiesischen König Manuel I. gegründet. Eine kleine Landspitze vor Calheta gab Ponta Delgada (= dünne/schmale Spitze) ihren Namen.

Am Largo da Republica mit seinem Brunnen stößt man auf das barocke Rathaus. Die Camara Municipal ist ein weiterer Barockbau in Ponta Delgada. Das Gebäude wurde im 18. Jahrhundert errichtet und war lange Zeit der Wohnsitz einer noblen Familie. Anfang des 20. Jahrhunderts zog dann die Verwaltung ein. Im 1724 errichteten Turm des Rathauses hängt eine Glocke von König Joao III aus dem 16. Jahrhundert. Es ist die älteste Glocke der Azoren. Im Erdgeschoss finden regelmässig Ausstellungen lokaler Künstler statt.

Oberhalb des Ortes Vila Franca do Campo liegt die Kapelle Nossa Senhora da Paz. Sie dominiert den Hügel weithin sichtbar und auch von der Plattform der Kirche selbst ist die Aussicht phänomenal. Man überblickt ganz Vila Franca samt den unzähligen Ananas-Gewächshäusern. Zuvor muss man jedoch die Treppengalerie erklimmen. Sie ist mit Azulejos verziert. Auch auf der Aussichtsplattform selbst findet man einige Kachelbilder. Die Kapelle wurde im 16. Jahrhundert errichtet.

Gegenschuss als Pano: Dem Ort Vila Franca do Campo ca. 1 km vorgelagert liegt die Felsinsel Ilheu da Vila sanft im Meer. Sie ist seit 1993 Naturschutzgebiet und im Sommer kann man mit kleinen Booten übersetzen.

Der Feuersee Lagoa do Fogo liegt etwas abgeschieden auf ca. 600m Höhe in den Bergen von Sao Miguel hinter der Serra de Agua de Pau in einem noch komplett naturbelassenen Krater. Von dem Parkplatz mit Aussichtspunkt an der Höhenstrasse führt ein zuweilen rutschiger Fußweg in einer knappen halben Stunde hinab.

Da von vielen empfohlen, sind wir den feuchten Weg auch runtergegangen. Ein zweites Mal brauche ich das nicht machen.

Salto do Cabrito bei Ribeira Grande ist ein mehrstufiger Wasserfall mit Naturbecken, der zur freien Abkühlung einlädt. Wie gewohnt ohne jeglicher Infrastruktur. Keine Kabinen ist üblich, der Weg zum Badebereich geht als Kletterpartie zudem über Felsbrocken und spitze Steine.

Mit der TukáTulá Bar am Strand von Santa Barbara bei Ribeira Grande habe ich mMn das beste Restaurant des Archipels entdeckt. Direkt an der stürmischen Brandung und durch Glasscheibe geschützt, sehr aufmerksames und gut beratendes Personal, vorzüglicher Frischfisch flott geliefert. Ein absoluter Lokaltipp!

Da fällt das Verweilen leicht, um Sonnenuntergang und Brandung zu erleben.

Vom Miradouro da Ponta do Cintrão bei Ribeirinha sieht man rüber zum Schutzgebiet Ponta do Ermo.

Bei einem versteckten Wasserfall (Caichoeira) hinter einem Campingplatz bei Moinhos taucht man in ein botanisches Paradies.

Das Badebecken wirkt zusätzlich sehr idyllisch und man ist völlig ungestört.

Chá Gorreana ist eine Tee-Fabrik in Gorreana (Gemeinde Maia, Kreis Ribeira Grande) und neben dem nahe gelegenen Chá Porto Formoso die einzige Teefabrik Portugals. Zusammen mit einer Fabrik bei Truro im Englischen Cornwall sind dies die drei einzigen Teefabriken innerhalb der Europäischen Union.

Das Anwesen umfasst 32 Hektar. Produziert wird ökologisch ohne Verwendung von Pestiziden, Herbiziden und Fungiziden. Das Gelände und die Fabrik kann frei besichtigt werden und die Teeverkostung ist ebenfalls kostenlos möglich. Sehr clever. Umso lockerer sitzt dann die Geldbörse bei der Verkaufstheke...

Die Vermarktung erfolgt überwiegend auf dem Festland Portugals. Hergestellt werden Schwarzer Tee der Sorten Orange Pekoe, Pekoe und Broken Leaf sowie Grüner Tee der Sorte Hysson. Die gesamte Produktion beläuft sich, wetterabhängig, auf rund 40 Tonnen.

Der Fluss und Naturpark Ribeira dos Caldeirões liegt eingebettet in einem schönen Tal mit Baumfarnen und alten Wassermühlen. Hier lässt sich ganz wunderbar der Leidenschaft der Blümchenfotografie nachgehen.

Nordeste liegt ziemlich abgeschieden im Nordosten von Sao Miguel. Im Zentrum steht die Igreja Matriz de Sao Jorge mit ihren drei Kirchenschiffen, deren Grundstein im 15. Jahrhundert gelegt wurde.

Die Zufahrtsstraße nach Vila de Nordeste ist ein Viadukt mit dem Namen 'Rua Jorge M. Reis Machado' und die Brücke der sieben Bögen (Ponte de Sete Arcos).

Am östlichen Ende von Furnas findet man die Caldeiras. Sie sind eine Attraktion des Ortes. An insgesamt 22 Quellen dampft, gluckert und sprudelt es unübersehbar. Dicker Schwefelgeruch hängt hier in der Luft. Die kleinen Quelltöpfe blubbern, der Boden ist heiss. Überall gibt es Löcher und Spalten im Boden.

Jede Quelle hat ihren Namen und ist für bestimmte Krankheiten und Zipperlein das richtige Abhilfemittel. Die Caldeira Grande ist mit 61l/min. die kräftigste Quelle. Hier kocht das Wasser mit 98 Grad. Zu den lautesten Quellen zählt die 'pero botelho' deren Name sich von einer veralteten Form für den Teufel aus dem 16. Jahrhundert ableitet. Die Ausstösse dieser Teufelsquelle nutzt man in Form von grauem Schlamm als natürliche Fangopackungen.

Beim Besuch der Kapelle Nossa Senhora da Paz bei Vila Franca do Campo tagsüber sind mir die vielen Lampen und Scheinwerfer bei den Treppenaufgängen aufgefallen. Voller Erwartung wollte ich abends nochmals hin und war doch ziemlich enttäuscht, dass die Stufen nicht in heller Beleuchtung erstrahlten. Nur das Gebäude oben war erhellt, für den Aufgang musste der Autoscheinwerfer mithelfen.

Benannt nach dem ersten Inselverwalter heißt der zentrale Platz in Ponta Delgada Largo de Goncalo Velho Cabral. Auf dem Platz steht heute das dreibögige Stadttor Portas da Cidade das man 1783 am Hafen errichtet und 1947 an seinen heutigen Platz umgebaut hat. Es ist heute das Wahrzeichen von Ponta Delgada und war früher der Eingang zur Stadt auch wenn man das heute nicht mehr vermuten würde.

Auf dem Platz findet man auch ein Denkmal Cabrals, dem man die Erforschung von Sao Miguel und der Nachbarinsel Santa Maria verdankt. Der Kirchturm der Igreja Matriz de Sao Sebastiao hat als einzige Kirche der Stadt eine Uhr.

Der Platz bildet den optischen Mittelpunkt der langen Bucht von Ponta Delgada, an deren Ufer die lange breite Avenida Infante Dom Henrique, in dieser Form aus dem Jahr 1952, entlang führt. Sie ist nicht nur die Hauptverkehrsader der Stadt, sondern entlang dieser Straße findet man auch die meisten Banken und Büros.

Die Flagge besteht aus zwei senkrechten Streifen in Blau und Weiß. Königin Marias Anhänger nahmen am 18.10.1830 auf den Azoren eine blau-weiße Flagge an. Sie wurde später die neue Nationalflagge von Portugal und galt bis 1911. Der Vogel ist an die vielen Bussarde angelehnt, die zur Entdeckerzeit für Habichte gehalten wurden und den Inseln ihren heutigen Namen gaben. Die neun Sterne stehen für die neun Inseln des Archipels. Die Zugehörigkeit zu Portugal verkörpert das portugiesische Wappen.

Weil es so schön war, geht es nochmal nach Mosteiros - die Westspitze von Sao Miguel. Nicht nur, weil der Westblick auf die vorgelagerten kleinen Felsinselchen (u.a. die Ilheu dos Mosteiros) lockt, sondern weil es sich im Restaurante Gazcidla ganz hervorragend und budgetschonend speisen lässt.
Nicht von der Außenfassade und den trinkfreudigen Barfliegen im Erdgeschoß abschrecken lassen!

Mosteiros ist eine Freguesia (Gemeinde) im äußersten Nordwesten direkt am Meer. Der Praia besitzt einen dunklen Sandstrand und Naturschwimmbecken, die jedoch der oft starken Brandung des Atlantik ausgesetzt sind.

Logisch, dass auch diese Erfahrung gemacht werden muss. Was als "dunkler Sandstrand" bezeichnet wird, sind tatsächlich schwarze Steinchen, die nach dem Schwimmen kaum von der Haut zu kriegen sind. Badeschlapfen sind von Vorteil und der Wellengang ist eine Herausforderung. Ist das Ins-Wasser-kommen schon recht schwierig (spitze Felsen, starke Brandung), so ist das Anlanden noch komplizierter (noch mehr spitze Felsen, starke Sogwirkung ins Tiefe).
Erst im Wasser fällt mir auf, dass sonst niemand schwimmen ist. Ein paar Mädels liegen im schwarzen Schotter und machen Selfies. Vielleicht machen sie auch Fotos von mir? Wenigstens gibt es eine Duschkabine dort.

Wie eingangs erwähnt, war ein Hauptgrund meiner Reisezielwahl der Lost Place "Monte Palace" am Südrand der Caldera. Kurz vor Tageslichtende schaffen wir es endlich zum Aussichtspunkt Vista do Rei. Es ist nebelig, feucht und still.
Was war noch mal der Grund, warum das Hotel nur eine Saison offen hatte?

Ein französisches Unternehmen baute 1983 das 5-Sterne-Hotel Monte Palace mit mehr als 170 Betten. Mehrere Jahre lang stand es leer, denn die Bauträger aus Frankreich und Belgien waren zwischenzeitlich bankrott. Im Frühjar 1989 wurde es unter staatlicher Leitung schließlich mit großem Getöse eröffnet. Lange hielt es sich jedoch nicht, denn ein Jahr später war es im Konkurs und noch heute ist das seither nicht mehr genutzte und inzwischen marode Gebäude ein Mahnmal für ein schlechtes Tourismuskonzept. Der Standort liegt oft im Nebel und das behagt den meisten sonnenhungrigen Touristen ganz und gar nicht.

Die Distanz vom Hotel zum Badeort Sete Cidades unten am See (7,7 km, 400 Höhenmeter, 2 Stunden Wanderweg) hat sich zusätzlich und überraschend als nicht kompatibel für Familienurlauber erwiesen.

Einmal mehr erfreue ich mich an der HiISO-Fähigkeit meiner Kamera. Das Gebäude ist türen- und fensterlos, die Böden sind übersät mit Schutt, Teppiche schwimmen im Regenwasser, überall tropft es runter. Mit meinem Reisekollegen bin ich völlig allein hier, Knacken und Plätschern begleitet uns akustisch. Die großflächigen Pfützen sind manchmal knöcheltief. Turnschuhe sind kein adäquates Schuhwerk hier. Hier muss ich bei mehr Licht unbedingt nochmals her.

Die Igreja Matriz de Sao Sebastiao ist die Hauptkirche von Ponta Delgada. Nicht umsonst liegt sie mitten im Zentrum. Man nennt sie schlicht Matriz. Sao Sebastiao war der erste Schutzheilige der Insel. Das manuelinische Hauptportal wurde durch zwei Seitenportale ergänzt, Rosette und die vier Fenster wurden eingebaut. Von außen beeindruckt sie durch die Portale im manuelinischen und barocken Stil.

Den Innenraum schmücken Schnitzereien aus Zedernholz und anderen seltenen Holzarten wie Pockholz. In der Sakristei gibt es ansehnliche Kacheln und es hängen liturgische Gewänder aus England. Herrliche Holzmöbel aus Palisander stammen aus dem 17. Jahrhundert. Die edlen Hölzer wurden aus brasilianischen Kolonien beschafft. Vorne steht ein schöner Schnitzaltar.

Der Souvenirshop daneben war preislich eher abschreckend, dafür kann man in einer Straße mit mehreren Lokalen (Fressmeile?) wiederum sehr günstig essen. Da fällt dann auch auf, dass es in der Hauptstadt offenbar ein akutes Drogenproblem gibt. Als Beobachter hat man den lokalen Dealer binnen zwei Minuten erkannt, die potentiellen Käufer taumeln gespielt desinteressiert in der Umgebung herum.
Mein Quartier liegt gerade mal 800 Meter vom Zentrum entfernt. In dieser Straße liegen jeden Abend mehrere Obdachlose auf den Gehwegen, die tagsüber rauchend vorbeigehende Passanten in Gespräche verwickeln.

Sao Miguel ist die Heimat der Ananas, zumindest auf den Azoren. Kein Aufenthalt sollte ohne einen leckeren Nachtisch in Form einer erntefrisch geschnittenen Ananasscheibe verlaufen. Unser wortreicher Quartiergeber verwöhnt uns damit bei jedem Frühstück.

Zu besichtigen ist eine publikumswirksam ausgebaute Plantage von Dr. Arruda in Faja de Baixo, etwas nördlich von Ponta Delgada. Von Gewächshaus zu Gewächshaus kann man die verschiedenen Stadien der Entwicklung begutachten. Man kann sich auf dem Gelände frei bewegen. Neben der freilich nicht ganz billigen Früchte selbst kann man auch leckere Bonbons, Marmelade und Liköre erwerben.

Die Kultivierung ist nicht einfach: die Pflanze blüht nur einmal und trägt auch nur eine einzige Frucht. Rund zwei Jahre vergehen zwischen der Pflanzung und der Ernte. Der Anbau erfolgt in Treibhäusen. Die Gewächshäuser sind abgedeckt oder zum Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung weiß gekalkt.

Die Dächer sind schwach geneigt, meist um 33 Grad. In den Dachscheiben sind mehrere Lüftungselemente, sogenannte 'Alboios', eingebaut. Damit läßt sich die Temperatur der Ananaskultur gerade im Reifeprozess gezielt steuern. Aufwändig und zeitintensiv werden die Früchte nach circa zwei Jahren geerntet.

Die Ananas ist daher keine Billigfrucht und kann mit der grün geernteten, in Mitteleuropa angebotenen Massenware bei weitem nicht mithalten. Die Früchte erreichen ein Gewicht von bis zu 2,5kg. Angeboten werden die Früchte zum Kilopreis von EUR 3,99 im örtlichen Supermarkt Continente (September 2017).

Die Ananas kommt gleich zu Beginn in ein spezielles Gewächshaus zur Anzucht. Nach etwa einem Monat beginnen die Knollen auszutreiben. Bis zu sechs Monate dauert es bis ein neues junges Pflänzlein herangewachsen ist. Ein Jahr lang wächst die Pflanze im nächsten Gewächshaus bei Temperaturen um 40 bis 50 Grad und eine hohe Luftfeuchtigkeit, in dem dann auch geerntet wird. Die Früchte benötigen ab der Blüte noch ca. sechs Monate zum Heranwachsen bis zur Ernte.
Drei bis vier Monate nach dem Umpflanzen in die Estufas folgt das Räuchern. Dabei werden eine Woche lang Holz, Späne und Grünzeug am Rand des Gewächshauses verbrannt. Der Rauch (fumo) bewirkt, dass die Pflanzen sechs Wochen später fast gleichzeitig blühen. Ohne das Räuchern würden die Pflanzen zu unterschiedlichen Zeitpunkten blühen und die gesamte Periode einer Generation würde sich verlängern.

Gegründet wurde die heutige Stadt Ponta Delgada unter König D. Manuel I. im Jahr 1499. Fischer hatten sich im heutigen Ortsteil Calheta im Bereich des neuen Yachthafens niedergelassen. Die Stadt ist bunt und tagsüber herrscht Leben in den Straßen. Das im Kern historische Städtchen mit seinen zahlreichen Kirchen und historischen Gebäuden übt seinen ganz besonderen Charme aus.

Hübsche Parks, fantasievollen Balkone und nicht zuletzt die vielen kleinen Straßen und Plätze bieten genug Abwechslung. Die Universität der Azoren mit über 4000 Studenten trägt zu einem jungen und frechen Erscheinungsbild, tagsüber wie abends, bei.

Am letzten Tag klart es doch noch mal auf und die Sonne lässt sich blicken. Also nix wie nochmal hin zur Caldeira und dem Monte Palace, um das typische Standardfoto zu machen. Tatsächlich sind die unterschiedlichen Verfärbungen des Sees zu sehen, der durch die Brücke Ponte dos Regos den Lagoa das Sete Cidades trennt. Blickt man vom Kraterrand etwa 500 Meter hinunter, so erscheint der eine See durch die Reflexion des Himmels blau (Lagoa Azul), der andere durch den dahinter stehenden Bewuchs grün (Lagoa Verde).

Und diesmal war da oben Aufmarschgebiet! Der Parkplatzbereich in der Kurve war gänzlich überfüllt, geparkt wurde daher wie sonst auf den Azoren üblich einfach am Straßenrand. Das geht solange gut, bis der Reisebus sich auch noch raufstaut und mit seinen Rentern nicht mehr durchkommt. Die werden hier schnell rausgekippt und nach einer halben Stunde wieder abtransportiert.
Das Hotel kann zur besten Zeit nicht so viele Menschen gesehen haben, wie sich hier bei Sonnenlicht plötzlich herumtreiben.

Am Vista do Rei befindet sich wie erwähnt die Ruine des 1990 geschlossenen und 2010 endgültig aufgegebenen Luxushotels Monte Palace, das inzwischen als Lost Place eine Touristenattraktion ist.

Ein exklusives 5-Sterne-Hotel mit 88 Zimmern, zwei Restaurants, drei Konferenzräumen, Disco, Bar, Frisör und einer Bank - zudem eine grandiose Aussicht ... hatte leider keine Chance gegen 200 Regentage im Jahr auf einem Berg, der meistens in dichtem Nebel gehüllt ist.

Immerhin hatte der Betonklotz überhaupt 19 Monate geöffnet (April 1989 - November 1990). Die folgenden zwanzig Jahre wurde das Gebäude von einem Sicherheitsmann bewacht, in der Hoffnung auf einen Käufer. Seit 2010 verfällt die Bausünde - unter tatkräftiger Mithilfe von Vandalen - vor sich hin. Ein Besucher erzählt vor Ort, dass jeder Haushalt im Dorf mindestens einen Gegenstand aus dem Hotel daheim gelagert hat. Gut so, dann ist wenigstens nicht alles vom Inventar kaputt geworden.

Hier drinnen weht ein kühler Hauch der Vergangenheit.

Eines der beiden Restaurants des vormaligen Nobelschuppens.

Die Worte Konkurs, Fehlplanung und Versagen geistern leise durch die Gänge des Monte Palace.

Der Krater hat einen Umfang von 18 km und steigt im Osten bis auf 850 m an. Am Grund hat er einen Durchmesser von ca. 5 km und liegt auf gut 250 m Höhe. Der Krater von Sete Cidades ist gerade mal 500 Jahre alt. Im Jahr 1444 gab es eine gewaltige Explosion bei der die Spitze eines ca. 1.200 m hohen Berges weggesprengt wurde. Die Japanische Sicheltanne gedeiht hier prächtig. Der Krater ist übrigens der größte der Azoren.

Da ich lieber das Makro als das Tele mitgenommen habe, konnte ich mich gezielt der Flora widmen. Auswahl war reichlich vorhanden, auch wenn im September viel Blütezeit schon vorüber war.

Die Hortensie ist die Blume der Azoren. Sie gehört zwar nicht zur urtypischen Vegetation, hat sich aber inzwischen in ganzen, übermannshohen Hecken allerorts breit gemacht und ist das Aushängeschild des Archipels. Ihre wahre Pracht in tiefem Blau, Lila oder auch Weiß zeigt sie im Juli und August. Neben den blauen Blütenbällen gibt es auch noch die Art der Tellerhortensie.

Die heutige Flora der Azoren ist artenreich. Den Pflanzenreichtum verdanken die Azoren und gerade Flores mit der westlichsten Position ihrer Lage. Fast dreiviertel aller heutigen Pflanzenarten wurden auf die Azoren eingeschleppt. Auf ihrem Weg von Amerika über den großen Teich machten Vögel immer wieder Zwischenstopp auf den neun Inseln. Dabei brachten sie auch allerlei Samen mit. In dem idealen, immerfeuchten Klima gedeihen die Samen besonders gut wie in einem natürlichen Gewächshaus.

Das milde, feuchte Klima läßt auch exotische Pflanzen, wie Farne und Palmen wachsen. Über 50 endemische Arten wurden festgestellt. Zu ihnen zählen Wachholder, Heidelbeerbaum, Lorbeer oder Baumheide.

Im Jahr 1937 wurde ein Tunnel vom Seeufer ins nordwestlich gelegene Mosteiros fertiggestellt, um den Wasserstand der Seen besser regulieren zu können. Zuvor waren die Seen ohne natürlichen Abfluss, so dass der Wasserstand stark schwankte und es zu regelmäßigen Überschwemmungen der angrenzenden Ortschaft kam.

Der Eingang zum Durchstich der Vulkanwand ist diskret beschildert und irgendwo hatte ich gelesen, wie romantisch der kerzengerade Weg zur Außenseite wäre. Tja, auch das kann ich nicht bestätigen. Ein Blick beim Tunneleingang hat den Pfad als kerzengerade, eben, aber auch rutschig, schlammig bis unter Wasser erkennen lassen. Das Licht am Ende des Tunnels schien so nahe, also bin ich mit Badeschlapfen (dürfen nass werden!), Kamera und Taschenlampe losmarschiert.

Also das Licht am Ende des Tunnels erwies sich als Trugbild. Es kam und kam einfach nicht näher. Ich schlurfte in Dunkelheit durch teils schenkelhohes Wasser und kam mit vor wie Gollum unter dem Nebelgebirge. Vorsichtig setzte ich meine Schritte, damit ich von den am morastigen Boden festgesaugten Schlappen den Zehenbügel nicht abreisse. Nicht auszudenken, müsste der ca. 80 cm breite Kanal auf blanken Fusssohlen durchschritten werden. Irgendwann bemerkte ich an der Wand die alle 10 Meter angebrachten Streckenplaketten. Und die endeten erst bei der Zahl 1200. Mitten drinnen fließt eine Quelle aus der Wand und für Hin- und Rückweg kann man eine Stunde einplanen.

Wieder kein Trip, den ich freiwillig mit (m)einem Kind machen würde.
Mir fällt auch keine Frau ein, das sich auf diesem Wanderpfad als zutraulich erweisen könnte...


Der letzte Abend nach einem sonnigen Tag soll/muss also für Milkyway-Fotografie herhalten. Es dämmert vielversprechend.

Kaum ist es dunkel, von Finsternis kann keine Rede sein, ziehen auch schon wieder Wolken rein und mit dem klaren Sternenhimmel ist es wieder vorbei.

Im Dorf Sete Cidades mit seinen rund 800 Menschen liegt in einem kleiner Park die Pfarrkirche Igreja de Sao Nicolau. Wenigstens die ist mal anständig beleuchtet.

Sao Miguels Flughafen Joao Paulo II. (PDL) mit seiner 2,6 km langen Landebahn liegt etwa 3 km westlich von Ponta Delgada und ist damit innerhalb weniger Minuten zu erreichen. Das Terminal wurde 1991 rechtzeitig zum Papstbesuch ausgebaut und ist heute auf internationalem Standard. Der Flughafen hat täglich von 5 - 24 Uhr geöffnet.
Es gibt keinen Busverkehr in die Hauptstadt Ponta Delgada. WTF!?!

Noch ein paar abschließende Worte: An Equipment hatte ich die D3s mit 14-24, 24-70, und 105er Makro, die beiden bevorzugten Filter ND1000 und Pol, sowie natürlich ein Stativ mit. Das Klima brachte täglich um die 25 Grad und war schwül. Nachts folgte ein Temperatursturz auf 22 Grad.

Highlights für mich waren auf jeden Fall der Espresso um 60 Cent und die inseleigenen Käsesorten. Als Mitwägen genügen die kleinsten und günstigsten Modelle, die Angebote der Autoverleiher im Internet sind meist von abenteuerlich bis aberwitzig.

Fazit: Gesehen und genossen. Nochmals muss ich nicht unbedingt hin, würde mich dagegen aber nicht wehren. Dann allerdings nur Pico (mit Bergbesteigung, Zelt & Schlafsack & Wanderbock!), Flores und Corvo in maximal einer Woche.
Klar haben die Örtchen ihren Charme. Von und für die Einheimischen ist alles fabelhaft in Schuss. Wenn maximal 5 Touristen gleichzeitig dazukommen, dann klappt das auch noch. In der Hochsaison und wenn der Massentourismus bald mal ordentlich brummt, sollten sich die Fremdenverkehrsplaner allerdings wirklich ein belastbares Konzept überlegen.